Service-Ratgeber: Fahren mit Anhänger

Ungeübte Autofahrer sollten die Risiken beim Fahren mit Anhänger nicht unterschätzen. Davor warnt die Prüforganisation Dekra. So könne sich beim Pkw der Bremsweg mit beladenem Anhänger um fast 50 Prozent verlängern. Typische Gefahrenquellen beim Fahren mit Anhänger sind den Sachverständigen zufolge das Überladen, unzureichende Ladungssicherung, überalterte Reifen oder zu schnelles Fahren. Schon das ungewohnte Rückwärtsfahren und Rangieren mit dem Gespann bereitet vielen Menschen Probleme. Unerfahrenen Fahrern empfehlen die Experten eine kleine Übungseinheit auf einem geeigneten, wenig frequentierten Parkplatz, bevor sie sich ins Verkehrsgeschehen stürzen.

Der Fahrer sollte vor Fahrtantritt dringend eine Abfahrtkontrolle durchführen; denn für eventuelle Folgen von Fehlern trägt der Fahrer die volle Verantwortung. Neben dem festen Sitz der Anhängerdeichsel und der Kabelverbindung für die Elektrik ist zu kontrollieren, ob die Blinker, Brems- und Rücklichter funktionieren und der Reifendruck für die vorgesehene Last ausreicht. Autofahrer sollten zudem daran denken, dass für das Fahren mit Anhänger das Tempo auf 80 km/h beschränkt ist. Nur mit einer speziellen Zulassung sind 100 km/h erlaubt.

Die kleinen Anhänger bis 750 Kilogramm zulässige Gesamtmasse, die mit dem Pkw-Führerschein Klasse B gefahren werden dürfen, haben bei einem Leergewicht von etwa 150 Kilogramm eine Nutzlast von rund 600 Kilogramm. Dabei darf aber die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeuges (Leergewicht des Anhängers plus Nutzlast) nicht überschritten werden.

Auch wenn der Fahrer nur so viel zulädt wie erlaubt, muss er sich mit beladenem Anhänger auf einen erheblich längeren Bremsweg einstellen. Dieser verlängert sich bei einer Vollbremsung aus 80 km/h im Schnitt um 15 auf 46 Meter, das sind knapp 50 Prozent mehr als ohne Anhänger. Deshalb sollte der Sicherheitsabstand auch unbedingt eingehalten werden. Das Überladen des Anhängers kann den Bremsweg noch einmal dramatisch verlängern. Bei Überlast wächst zudem die Gefahr, dass der Anhänger ausbricht oder ins Schlingern gerät. Auf das normale ESP und ABS dürfen sich Autofahrer dabei nicht verlassen. Droht sich das Gespann aufzuschaukeln, heißt es, sofort vom Gas gehen und gefühlvoll abbremsen.

Eine weitere Gefahrenquelle ist auch die falsche Verteilung der Beladung. Zu viel Gewicht im Anhängerheck kann die Hinterräder des Pkw so stark entlasten, dass die ganze Kombination ihre Fahrstabilität verliert. Deshalb gehören schwere Teile nach unten und möglichst in der Anhängermitte. Wichtig ist auch, die in den Papieren angegebene Stützlast der Anhängekupplung (meist 50 bis 100 kg) einzuhalten.

Um Gefahren für sich selbst und andere auszuschließen, muss außerdem die Ladung gut gesichert werden. Schwere Teile sind mit Zurrgurten zu befestigen. Spannnetze eignen sich, um das Wegfliegen leichter, loser Teile, wie Laub und Geäst, zu verhindern. Als typische Schwachstelle an Anhängern fallen den Dekra-Experten regelmäßig auch überalterte und rissige Reifen auf. Wenn Reifen älter sind als sechs Jahre, sollten sie selbst bei noch ausreichender Profiltiefe vom Fachmann untersucht und gegebenenfalls ausgetauscht werden.

Bei Anhängern bis 750 Kilogramm zulässige Gesamtmasse genügt der Pkw-Führerschein Klasse B. Der Anhänger darf sogar schwerer sein, die Kombination aber nicht mehr als 3500 Kilogramm auf die Waage bringen. Die Fahrerlaubnisklasse B mit Schlüsselzahl 96 reicht für Kombinationen bis 4250 Kilogramm. Und mit Klasse BE darf der Fahrer ein Zugfahrzeug bis 3500 Kilogramm und zusätzlich einen Anhänger bis 3500 Kilogramm (jeweils zulässige Gesamtmasse) in Schlepp nehmen.

 

 

(ampnet/nic)

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Red.: auto-medienportal
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