So macht das Wechselkennzeichen Sinn.

Wir haben in Deutschland schon ganz besondere Probleme. So richtige Luxusprobleme. Zum Beispiel die Frage nach dem Wechselkennzeichen.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Trxb.JPG&filetimestamp=20070718162956

Wechselkennzeichen?

Eine Erfindung unserer Nachbarn weiter südlich (die Österreicher?) und auf den ersten Blick wirklich einleuchtend diese Idee. Man stelle sich vor, man lebt in einem wunderbaren Skigebiet in Österreich und fährt im Winter einen Allradler und im Sommer ein Cabrio.

Österreicher Nummernschild
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/00/A_license_plate.jpg

Die Österreicher haben das damals so geregelt, das zwar beide Fahrzeuge angemeldet werden, dank dem Wechselkennzeichen jedoch nur für eines der beiden Autos Steuern bezahlt werden muss.

Für die genaue Erklärung bin ich so frei und kopiere den Wikipedia-Absatz:

In Österreich ist es möglich, bis zu drei Fahrzeuge derselben Fahrzeugklasse (MotorradPkwLkw usw.) unter einem einzigen Kraftfahrzeugkennzeichen zur Zulassung anzumelden. Für die gemeinsam zugelassenen Fahrzeuge wird eine eigeneZulassungsbescheinigung ausgefertigt, in der der Vermerk ‚Wechselkennzeichen‘ angebracht ist.

In diesem Fall wird eine Garnitur (zwei) Kennzeichentafeln als Wechselkennzeichen ausgegeben, die aber immer nur auf einem der zugelassenen Fahrzeuge gleichzeitig montiert werden darf. Die anderen Fahrzeuge ohne Tafeln dürfen nicht auf öffentlichen Verkehrsflächen abgestellt werden. Die jeweilige Gemeindeverwaltung kann allerdings nach § 82StVO eine Ausnahmegenehmigung zum Abstellen eines solchen Fahrzeuges erteilen.

Die Kfz-Steuer und die Kfz-Haftpflichtversicherung richtet sich nach dem Fahrzeug, das in die jeweils teuerste Kategorie fällt. Eine etwaige Autobahnvignette muss hingegen für jedes Fahrzeug separat erworben werden.

Fahrzeuge mit Wechselkennzeichen müssen aus nachstehenden Fahrzeugklassen stammen und das gleiche Kennzeichenformat aufweisen: Krafträder mit Krafträdern, Kraftwagen mit Kraftwagen und Anhänger mit Anhängern. Daher ist es nicht möglich, Motorrad und Pkw gemeinsam zuzulassen, Traktor (Zugmaschine) und Pkw dagegen schon. Ein Pkw mit einzeiliger hinterer Kennzeichentafel und ein Pkw mit zweizeiliger hinteren Kennzeichentafel (z. B. beim Puch-G) können ebenfalls nicht mit Wechselkennzeichen zugelassen werden.

 

Nun ist Deutschland die Autofahrer-Nation Nummer 1 und auch bei uns sind viele Autofans der Meinung: Ja, so ein Wechselkennzeichen würde ich mir für meine Autos wünschen.

Und es ist natürlich verlockend: Man besitzt bis zu 3 Autos und zahlt nur für das teuerste die KFZ-Steuer und die Versicherung – kann aber jederzeit wechseln.  Und ich gebe zu, ich hätte auch gerne so eine Lösung.

In Deutschland hat sich vor allem die „Auto Bild“ für eine Umsetzung von ähnlichen Zulassungsmöglichkeiten stark gemacht. Über ein Jahr lang haben Springer-Journalisten den Bundesverkehrsminister mit dieser Idee konfrontiert.

Und was soll man sagen? Der Springer-Verlag hat es wieder einmal geschafft und konnte die Politik von den eigenen Ideen überzeugen und so wird das Wechselkennzeichen vermutlich noch in diesem Sommer auch bei uns eingeführt.

Wechselkennzeichen kommt Mitte 2012
Wechselkennzeichen kommt Mitte 2012 Foto: Auto-Medienportal.Net/GTÜ

Aber STOP – bevor hier der Jubel ausbricht – unsere Bundesregierung wird nicht die Idee und die Vorlage aus der Alpenrepublik kopieren, sondern hat sich einen kleinen Unterschied ausgedacht.

Und an diesem Unterschied erzürnt sich nun die Autofahrer-Seele. Der Jens Stratmann (drüben vom „Rad-Ab.Com Blog) hat heute Abend erst, einen besonders ausführlichen Rant über die angebliche Unsinnigkeit des geplanten „Deutschen Wechselkennzeichens“ geschrieben.

Unsere Regierung will das Wechselkennzeichen einführen, aber nur für 2 Fahrzeuge und ohne die steuerliche Befreiung für das 2.te Fahrzeug. Immerhin haben die Versicherungen bereits angekündigt, die Versicherungsprämie für das 2.te Fahrzeug reduzieren zu wollen. Darauf verzichten will man aus Kreisen der Versicherungswirtschaft aber bis dato noch nicht.

Und so bekommt das Wechselkennzeichen noch vor seiner Einführung reichlich negative Presse. Von einer Abzocke ist die Rede. Von halbherziger Umsetzung. Von typisch deutscher Mentalität.

 

Aber ist das so?

Nein. Ich glaube nicht. Denn das Wechselkennzeichen wird somit zu einem besonders attraktiven Hebel, zu einem Werkzeug um die Gesellschaft der Autofahrer bei der Wahl des zweiten Fahrzeuges (eigentlich ein Stehzeug – es darf ja immer nur ein Auto bewegt werden) den Verstand einzuschalten.

Wer für sein Auto keine Steuern bezahlen will, der kann sich ein Auto kaufen das Steuerbefreit ist. Zum Bsp. ein Elektroauto.

Das Wechselkennzeichen sollte nie den Sinn haben, das persönliche Hobby von Autofreaks zu subventionieren. Wer 3 Achtzylinder ohne Kat fahren will, der wurde von niemandem dazu gezwungen. Ich sehe keinen Vorteil für unsere Gesellschaft derartige Hobbys durch Steuergeschenke zu subventionieren.

Den großen Vorteil des Wechselkennzeichens finde ich in der kombinierten Wirkung mit sinnvollen Fahrzeug-Paarungen. Oldtimer zum Bsp. haben eh einen reduzierten und pauschalisierten Steuersatz, umso schöner wenn ich in der Zukunft mit einem Steuerlich bevorteilten Auto die gleiche Zulassung nutzen kann und meinen geliebten Oldtimer mit zusätzlichen Versicherungsrabatt an schönen Tagen ausführen kann.

Das Wechselkennzeichen ist für mich deswegen kein Murks – sondern ein sinnvolles Werkzeug mit integriertem Wechselanreiz. Wichtig ist die Verfügbarkeit von preislich attraktiven Elektrofahrzeugen. Denn dann spielt das Wechselkennzeichen in der „Deutschen Variante“ seine Trümpfe aus. Es kann mithelfen den Wandel zu beschleunigen. Fahrzeuge die mit erneuerbarer Energie für den Alltag genutzt werden und Reisemobile mit zusätzlichem Komfort, oder den sportlichen Zweisitzer mit blubberndem Achtzylinder für die Sonntage.

So könnten wir alle den Sound von emotionalen Verbrennungsmotoren genießen.

 

Man muss nicht jede Idee blind kopieren – manchmal kann man die Dinge auch zum „besseren“ ändern.

 

 

Previous ArticleNext Article
Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

11 Comments

  1. Was bitte macht an dieser Regelung Sinn?
    „Zum besseren ändern“? Das deutsche Modell ist lächerlich, realitätsfern.
    Wer drei Achtzylinder fahren will, hat durch Erwerb, Betankung und Reparaturen genügend an Mehrwertsteuer entrichtet, so das wohl von Subvention durch die Gesellschaft kaum gesprochen werden kann.
    Etwas weniger Sozialneid wäre vielleicht angebracht.
    Was ist mit dem Studenten der im Sommer das Bike, im Winter den (alten) Karren nutzen könnte, dem Seniorenpärchen, welches zum eigenen Auto dann noch ein Wohnmobil hätte, oder einen Smart für die Einkaufstour.
    So wird nur einer (versteckt) subventioniert: der Hersteller des Elektrofahrzeugs!

    Eine typisch deutsche grünen-gutmenschen Denke.So läßt sich alles schönreden.

    -B-

    1. „Typische Deutschen Grün-Gutmenschen“ hat mich schon lange niemand mehr bezeichnet. Jetzt muss ich erstmal in die Garage und den V8 anwerfen..werde sinnlos um den block fahren, das sollte meine Karma-Punkte wieder ins Gleichgewicht bringen.

      1. Wenns hilft? Warum nicht.
        Ich erinnere nur noch einmal, das in der- derzeit gültigen- Fassung ausdrücklich von Fahrzeugen „gleicher Kategorie“ die Rede ist.
        Nix da also mit Auto und „Reisemobil mit zusätzlichem Komfort“.
        Dann hätte es ja wenigstens EINEN Sinn.

        -B-

      2. Was für ein Blödsinn den Du da schreibst.

        Wenn das Elektroauto eh steuerfrei ist, wozu soll ich mir dann noch einen V8 daneben stellen, damit dieses sich rentiert.

        Du scheinst genau so doof zu sein, wie du aussiehst. Auf gleicher Stufe mit dem ****Politiker-Name gelöscht****, der ist auch dämlich wie Brot.

        Wann wird eigentlich verboten, dass jeder seinen Datenmüll im Internet parkt? Das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Blödsinn ist keine Meinung sondern geistiger Abfall. Sondermüll sozusagen.

        Gute Nacht Du Depp.