Tempolimit in Kalifornien — Schneller fahren für die Umwelt

Ein kalifornischer Senator will für den US-Bundesstaat das Tempolimit drastisch anheben. Dadurch sollen Autofahrer nicht nur schneller vorankommen – es soll auch der Umwelt helfen.

Seit Wochen diskutiert Deutschland, ob auf Autobahnen ein generelles Tempolimit eingeführt werden soll. Befürworter argumentieren vor allem mit dem Argument, dass die Umwelt davon profitieren würde, weil der CO2-Ausstoß von Autos bei geringen Geschwindigkeiten niedriger sei als bei hohem Tempo. Ein kalifornischer Politiker dreht die Logik jetzt um: Um der Umwelt zu helfen, soll auf einigen Strecken das Tempolimit heraufgesetzt werden.

Neue Fahrspuren mit 100-mph-Tempolimit

Es klingt ein bisschen wie ein Aprilscherz, aber Senator John M. W. Moorlach meint es wirklich so. Er brachte einen offiziellen Gesetzentwurf (SB 319) ein, der es Autofahrern auf der Autobahn Interstate 5 und dem Highway 99 ermöglichen soll, bis zu 100 Miles per hour (mph; 161 km/h) zu fahren. Bisher sind nur 65 mph (104,6 km/h) erlaubt, was für die übrigen Fahrspuren auch weiterhin gelten soll. Moorlach denkt für die neuen Spuren sogar über eine Mindestgeschwindigkeit nach. Das kalifornische Verkehrsministerium soll dafür ein Projekt starten, in dessen Rahmen zwei weitere Fahrspuren an die entsprechenden Autobahnen angestückelt werden. Das Geld für dieses Vorhaben soll aus dem Fonds zur Reduzierung der Treibhausgase kommen.

Aus Moorlachs Sicht ergibt das Sinn, schließlich will er mit seiner Initiative die Treibhausgase senken. „Man verbrennt seinen Treibstoff effizienter, als würde man nur im langsamen Verkehr dahinschleichen und darauf warten, dass der eine Truck einen anderen nach 20 Minuten endlich überholt hat“, sagt der Republikaner dem Fernsehsender CBS. Das verursache Staus und treibe die Emissionen nach oben. Auch das Thema Sicherheit hat er dabei im Blick – mit Verweis auf die hiesigen Schnellstraßen: „Wenn man nach Deutschland schaut, gibt es dort viel weniger Autobahn-Unfälle als bei uns.“

Zeitvorteil gegenüber der Bahn wird größer

Die freigegebene Strecke soll sich vom nördlich von Los Angeles gelegenen Bakersfield bis nach Stockton im Osten von San Francisco erstrecken. Ein Autofahrer braucht für die etwa 380 Kilometer lange Strecke laut Google Maps ungefähr dreieinhalb Stunden – wenn er sich ans 65-mph-Limit hält. Diese Zeit soll sich ohne Geschwindigkeitsbegrenzung eklatant verkürzen. Dadurch soll der Vorteil des Autos gegenüber dem Bahnverkehr noch größer werden. Aktuell braucht ein Zug für die Strecke 4:17 Stunden. Eine Schnellzugstrecke soll erst im Jahr 2033 eröffnet werden. Auch deshalb will Moorlach lieber das Tempolimit für Autos aufheben; das sei realistischer, als dass der Schnellzug wirklich käme.

Ein Blick in die Netzreaktionen auf den Vorstoß des kalifornischen Politikers zeigt, dass die Einwohner Kaliforniens nicht besonders von der Idee überzeugt sind. Sie fürchten vor allem die Kosten, die Moorlach zufolge noch nicht durchkalkuliert sind. Manche halten das Vorhaben mit Blick auf die Fahrkünste ihrer Landsleute schlicht für verrückt. Der Politiker will den Sicherheits-Sorgen der Kalifornier mit empfindlichen Strafen entgegentreten: Wer einmal schneller als 100 mph erwischt wird, soll bis zu 500 Dollar (etwa 446 Euro) zahlen und bis zu 30 Tage nicht mehr fahren dürfen. Wiederholungstätern drohen gar bis zu 1.000 Dollar Strafe.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/tempolimit-in-kalifornien-schneller-fahren-fuer-die-umwelt/

Previous ArticleNext Article