Tesla-Feuer-Unfälle – Brandgefahr in Elektroautos? — Experten haben eine klare Meinung

Gerade ist ein Tesla Model S bei einem Unfall in der Schweiz komplett abgebrannt, der Fahrer kam ums Leben. Während brennende Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor selten eine Meldung wert sind, erregt jeder Feuer-Unfall mit einem Elektroauto Aufsehen. Wie brandgefährlich sind Elektroautos wirklich? Wir haben Experten gefragt.

Feuerwehr, ADAC und Dekra sind sich einig: Dass Autos bei Unfällen in Brand geraten, ist äußerst selten. Viel häufiger sind technische Defekte die Brandursache. Die Datenlage ist noch zu dünn, um eine endgültige Aussage dazu zu treffen, ob Elektroauto schneller oder weniger schnell in Brand geraten als ihre Verbrenner-Brüder. Laut Markus Egelhaaf, Experte für Unfallforschung bei der Dekra, lassen sich dazu selbst aus dem US-Straßenverkehr, wo deutlich mehr Elektroautos und Hybride unterwegs sind als in Deutschland, kaum Schlüsse ziehen. Es gibt aber eine Tendenz: Die Experten lassen sich zur ganz vorsichtigen Vermutung hinreißen, dass Elektroautos möglicherweise etwas seltener zum Brennen neigen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Brandursache Nr. 1 bei Verbrennern: Elektrik

Die Hauptursache für Fahrzeugbrände bei Autos mit Verbrennungsmotor ist die Elektronik: Durchgescheuerte Kabel verursachen beispielsweise im Stand Brände. Diese zu löschen, ist für die Feuerwehr Routine. Brennende Elektroautos haben bisher die wenigsten Feuerwehrleute erlebt: „Wir hatten bisher noch kein einziges brennendes Elektroauto.“, erzählt uns Friedhelm Bechtel, Brandamtmann bei der Berufsfeuerwehr Augsburg. Wie bei herkömmlichen Fahrzeugen, würde die Augsburger Feuerwehr auch bei Elektroautos Druckluftschaum zum Löschen nutzen. „Wasser funktioniert zum Löschen von Elektroautos auch sehr gut.“ meint Bechtel. Markus Egelhaaf von der Dekra ergänzt: „Es ist beim Brand einer Batteriezelle ganz wichtig, die Zelle zu kühlen. Das funktioniert am besten mit Wasser – sehr viel Wasser.“ Die einzelne, oft schwer zugängliche Zelle zu löschen, ist laut Egelhaaf beinahe unmöglich – schließlich ist in der Zelle auch Sauerstoff enthalten, der das Ersticken des Brandes unmöglich macht. Die brennende Zelle heizt ihre Nachbarzellen permanent auf, bis diese ebenfalls anfangen zu brennen. Der Fachmann spricht hier von einem „Thermischen Durchgehen“ (Thermal runaway). Und dieses Thermische Durchgehen muss mit viel Kühlwasser unterbunden werden. Deshalb dauert das Löschen von Elektroautos länger als das von Verbrennungsmotor-Fahrzeugen.

Stromschlag beim Löschen von Elektroautos?

Die Feuerwehrleute können übrigens vor Ort per Tablet über das Kennzeichen des Fahrzeugs abfragen, welche Antriebsart verbaut ist. Zudem zeigt eine schematische Darstellung, wo das Fahrzeug für die Bergung von Verletzten aufgeschnitten werden kann, ohne die Retter der Gefahr eines Stromschlags auszusetzen. Beim Löschen ist diese Gefahr, auch per Lichtbogen, laut Egelhaaf beinahe ausgeschlossen: „Im Gegensatz zum Hausstromnetz ist das Stromnetz des Autos nicht geerdet. Man müsste schon zwischen die beiden Batteriepole geraten, um einen elektrischen Schlag zu bekommen.“ Und da in Lithiumionen-Batterien kein elementares Lithium verbaut ist, ist auch in dieser Hinsicht der Kontakt mit Wasser unproblematisch.

Brände in Tiefgaragen sind grundsätzlich problematisch, da die entstehende Hitze nicht nach oben entweichen kann, so Albert Kreutmayr, ebenfalls Brandamtmann bei der Feuerwehr Augsburg. Ein Liter Wasser ergibt 1.700 Liter Wasserdampf. Dieser Wasserdampf behindert zusätzlich das Abfließen der Wärme. „Das ist wie bei einem Saunaaufguss“, so Kreutmayr. Da zum Löschen von Elektrofahrzeugen besonders viel Wasser benötigt wird, müssen die Feuerwehrleute dies bei Bränden in Tiefgaragen beachten.

Akkus bei E-Autos gut Crash-geschützt

Der ADAC hat bereits mehrere Elektrofahrzeuge in Crashversuchen getestet. „Wir testen mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 64 km/h und bisher ist noch nie eine Batterie kaputt gegangen. Nur bei einem Mitsubishi i-MiEV gab es mal eine Beschädigung an der Batterieschutzhülle – aber nicht an der Batterie selbst.“, sagt uns Melanie Mikulla vom ADAC. Für einen direkten Vergleich hat der ADAC einen VW e-Up und einen VW Up mit Benzinmotor gecrasht. Das Ergebnis: Beim elektrischen Up konnten die Experten, trotz des etwas höheren Gewichts, keinerlei Einbußen bei der Sicherheit feststellen. Der weltweit größte Automobilclub hat bisher keine Anhaltspunkte dafür, dass Elektroautos bei Unfällen eher zur Entzündung neigen als Autos mit Tank. Und auch bei den Euro-NCAP-Crashs ist bisher kein Elektroauto in Flammen aufgegangen. Friedhelm Bechtel von der Feuerwehr meint: „Bei Autos mit Gastank dachten Einige zum Anfang, dass die sich schnell entzünden können. Deshalb waren diese Fahrzeuge in vielen Tiefgaragen verboten. Heute wissen wir, dass auch Gasfahrzeuge nicht zu einer schnelleren Entzündbarkeit neigen. Diese Entwicklung könnte so auch bei Elektroautos ablaufen.“ Als schwierig hat Bechtel Autos mit Magnesiumteilen am Motor in Erinnerung. „Brennendes Magnesium war sehr schwer zu löschen, das haben wir aber mit speziellem Löschpulver in den Griff bekommen.“

Autos explodieren nur im Film

Bechtel betont zum einen, dass Autos nach Unfällen grundsätzlich nur extrem selten brennen, aber dass ein Auto explodiert, gäbe es nur im Film. Am heftigsten sei die Flammenentwicklung, wenn ein Kunststofftank reißt und dann der Kraftstoff in großen Mengen herausschwappt. Die entstehenden Dämpfe sind entzündlich, besonders bei hohen Temperaturen, wobei sich die Diesel-Dämpfe deutlich schwerer entzünden lassen als verdampftes Benzin: „Oft gar nicht.“ meint Bechtel.

Elektroauto-Problem: Verzögerte Entzündung

Auf ein spezielles Problem verunfallter Elektroautos weisen aber alle von uns befragten Experten deutlich hin: Bis zu 72 Stunden nach einem Unfall kann sich der Akku durch innere Beschädigungen noch entzünden – einigen Berichten zufolge fanden Entzündungen sogar noch später statt. Deshalb dürfen verunfallte E-Autos nur im Freien gelagerten werden und ein Elektroauto-Fachmann muss die elektrischen Komponenten deaktivieren und untersuchen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/elektroauto-brandgefahr-2018/

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