Teslas neuer Autopilot für vollautonomes Fahren — Umstrittenes System mit neuer Hardware

Tesla produziert angeblich bereits eine neue Hardware für sein umstrittenes Autopilot-System. Damit soll der Autopilot erstmals vollautonomes Fahren ermöglichen.

Unter der möglicherweise irreführenden Bezeichnung „Autopilot“ vermarktet Tesla sein Assistenten-Paket, das rudimentäres autonomes Fahren ermöglicht – vollautonomes Fahren war mit der Technik bisher nicht möglich. Das System enthält aktuell einen Spurhalte-Assistenten, einen Assistenten zum automatischen Wechsel der Spur, einen adaptiven Abstandstempomaten, ein automatisches Einparksystem und die Möglichkeit, das Auto von einem Parkplatz oder aus einer Garage zu rufen. Neue Hardware soll nun vollautonomes Fahren ermöglichen.

Vorgängertechnik wohl doch nicht für vollautonomes Fahren geeignet

Seit Anfang Oktober 2014 ist der Tesla-Autopilot optional für das Model S zu haben, für den von 2008 bis 2012 gebauten Roadster stand das System nie zur Verfügung. Für das seit 2015 ausgelieferte SUV Model X und die seit 2017 verkaufte Mittelklasse-Limousine Model 3 gab es das Assistenzsystem ab Marktstart. Die notwendige Hardware baut Tesla seit Ende 2016 in alle Modelle ein, möchte der Kunde sie nutzen, muss er sie gegen eine Gebühr freischalten lassen – entweder beim Kauf für 3.100 Euro oder später für 4.200 Euro. Der erste von Tesla eingesetzte Selbstfahr-Computer war ein Mobileye EyeQ3, seit 2016 basiert das Autopilot-Paket auf dem Nvidia Drive PX 2. Laut Tesla sollte bereits die Nvidia-Technik vollautonomes Fahren nach Level 5 ermöglichen – bei Level 5 muss rein technisch kein Fahrer mehr an Bord sein. Die Ankündigung war anscheinend falsch, das System erbringt wohl nicht die für einen echten Autopiloten notwendige Rechenleistung – deshalb musste Tesla nachlegen. Der neue Rechner soll 2.000 Frames pro Sekunde verarbeiten können und zehnmal schneller sein als der Vorgänger.

Weiterhin schrittweises Vorgehen

In einer Mitteilung an seine Investoren kündigt Tesla nun an, dass eine neue Hardware „in Produktion“ sei, ohne die Aussage zu konkretisieren. Die genannte Hardware nennt sich FSD-Computer, was für Full Self Driving, also vollautonomes Fahren steht. Software-Updates sollen dann das vollautonome Fahren ermöglichen. Einen Marktstart-Termin für den neuen Prozessor hat Tesla noch nicht mitgeteilt, bereits verkaufte Fahrzeuge sollen sich kostenlos nachrüsten lassen. Das System soll unter der Bezeichnung „Volles Potential für autonomes Fahren“ vermarktet werden.

Tesla verspricht für den neuen Autopiloten spannende Funktionen, ohne wiederum konkret zu werden. Für Ende 2019 sind eine Stopp-Schild- und Ampelerkennung angekündigt, die für ein automatisches Abbremsen und Wiederanfahren ermöglichen soll. Zudem soll ein Spurwechsel auf der Autobahn ohne Aktivierung durch den Fahrer erfolgen – der Tesla soll sich selbst die richtige Spur suchen können. Außerdem soll autonomes Fahren in Innenstädten möglich sein – was eine kleine Sensation wäre. Schließlich gehören Innenstädte mit ihrem dichten Verkehr und teilweise unübersichtlichen Verkehrssituationen inklusive Fußgängern, Radfahrern und Hunden zu den größten Herausforderungen beim autonomen Fahren. Kommen dann noch Dunkelheit und Regen oder die Sensoren überdeckender Schneefall hinzu, wird es noch komplizierter. Die meisten anderen Hersteller halten sich nicht ohne Grund mit Aussagen darüber zurück, wann und ob überhaupt autonomes Fahren in Städten möglich ist.

Unfälle mit Autopilot

Der Begriff „Autopilot“ für Teslas Assistenzsysteme zum Teilautonomen Fahren ist umstritten, da er suggeriert, mit dem Fahrzeug sei bereits jetzt vollautonomes Fahren möglich. So gab es inzwischen schwere Unfälle, die mit eingeschalteten Autopiloten stattfanden – möglicherweise, weil die Fahrer die Fahrzeugkontrolle komplett den Assistenzsystemen überließen. Insbesondere mit der Erkennung stehender Objekte scheinen die Radarsysteme des Autopiloten manchmal überfordert zu sein. Am 7. Mai 2016 raste in Florida ein Tesla Model S mit einer Geschwindigkeit von 119 km/h unter den Anhänger eines Sattelschleppers – der Fahrer war sofort tot. Spätere Untersuchungen ergaben, dass der Autopilot den Anhänger nicht als Hindernis, sondern als ein hoch hängendes Verkehrsschild registriert hatte. Am 22. Januar 2018 knallte ein Tesla Model S in Kalifornien in ein auf dem linken Seitenstreifen stehendes Feuerwehrauto. Der Fahrer überlebte. Am 23. März 2018 schlug ein Tesla Model X in Kalifornien in die beschädigte Mittel-Betonbarriere eines Highways ein – anscheinend, weil die Spurerkennung oder der Lenk-Assistent versagten. Der Fahrer, ein 38-jähriger Apple-Ingenieur, starb. Am 11. May 2018 fuhr wieder ein Tesla Model S unter Einsatz des Autopilot-Systems ungebremst in eine stehende Feuerwehr. Der Fahrer brach sich den Fuß und verklagte Tesla wegen fehlender Warnungen durch den Autopiloten – das Verfahren läuft noch.

Bekanntgabe des Funktionsumfangs noch im April

Trotz der genannten Zwischenfälle selbst beim teilautonomen Fahren hält Tesla erbittert an der Bezeichnung „Autopilot“ für das Assistenzpaket fest. Am 19. April 2019 stellt Tesla den Funktionsumfang des neuen Systems vor. Im Rahmen der Präsentation sollen auch erste Probefahrten mit noch in der Entwicklung befindlichen Funktionen möglich sein. Die Veranstaltung wird live im Internet übertragen. Sollte die Technik tatsächlich vollautonomes Fahren ermöglichen, müssten vor ihrem Einsatz noch regulatorische Hürden genommen werden – aktuell lässt die Gesetzeslage beispielsweise in den USA und Europa pauschal kein vollautonomes Fahren zu.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/neuheiten/tesla-autopilot-neu-2019/

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