Test: BMW X5 xDrive30d – Für die lange Tour

Der BMW X5 ist ein Klassiker unter den SUV und liefert in seiner vierten Auflage erneut viele Argumente für diese Gattung. Schwächen fanden wir im Detail. 

Als der BMW X5 im Jahr 1999 auf den Markt kam, war das SUV-Angebot noch übersichtlich. Zwanzig Jahre später muss er sich vielen Mitbewerbern stellen. Wir wollten wissen, wie sich das seit Ende letzten Jahres mittlerweile in der vierten Generation erhältliche Urgestein jetzt macht. Zum Test trat er mit der Basismotorisierung an.

Als Einstiegsaggregat fungiert beim X5 als xDrive30d ein Reihensechszylinder mit 195 kW/265 PS

Wobei der Begriff Basis etwas irritierend sein könnte. Als Einstiegsaggregat fungiert beim X5 als xDrive30d ein Reihensechszylinder mit 195 kW/265 PS, der ab 69.200 Euro zu haben ist. Wem die 265 PS nicht reichen, muss zum M50d mit 294 kW/400 PS (ab 92.200 Euro) und – als einziger Benziner zurzeit im Angebot – zum xDrive40i mit 250 kW/340 PS (ab 70.700 Euro) greifen.

Der 30d hat dynamisch unsere Erwartungen mehr als erfüllt. Wer das Gaspedal durchtritt, schafft den Standardspurt in 6,5 Sekunden; bis zu Tempo 230 km/h geht es auf einer freien Autobahn vorwärts, ohne dass der Fahrer irgendeine Anstrengung des Motors bemerken würde. Die Stärke des 30d liegt jedoch diesseits der Höchstgeschwindigkeit. Im Bereich zwischen 130 und 180 km/h vermittelt der Diesel einfach kraftvolle Souveränität. Bauartbedingt überzeugt der Sechszylinder durch Laufruhe; die Kraftausbeute von 620 Nm, die zwischen 2.000 und 2.500 Umdrehungen zum Tragen kommt, trägt ihren Teil zum Reisekomfort bei. Dass man mit einem 2,2 Tonnen schweren Fahrzeug unterwegs ist, fällt nicht weiter auf. Der entspannt-kraftvolle Auftritt ist auch der Achtgangautomatik zu verdanken, die für jede Fahrsituation den passenden Gang auswählt und dies alles schnell und unauffällig erledigt. Mit gelassenem Gasfuß kamen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von 7,8 Litern, einen guten Liter mehr als der Normwert vorgibt. Nutzt man das Beschleunigungspotential jedoch aus, geht es, nicht ganz überraschend, in Richtung zweistelligen Verbrauch. Das Fahrwerk filtert Unebenheiten meist weg; wer es aber halbwegs kommod mag, sollte auf die sportliche Abstimmung verzichten und gleich auf „comfort“ stellen.

Die Stärke des 30d liegt jedoch diesseits der Höchstgeschwindigkeit

Beim Thema Komfort kommen auch die Sitze des X5 ins Spiel. Diese sind vielfach elektrisch verstellbar und bieten eigentlich für jede Körperlänge und jede Rücken- und Nackenanatomie die passende Einstellung. Leider haben die Sitzentwickler nicht an die weniger durchtrainierten Nutzer gedacht. Mit anderen Worten: Wer ein wenig mehr Fleisch auf den Rippen hat, fühlt sich von den Sitzauflagen und Seitenwulsten unangenehm bedrängt. Dabei fällt uns immer wieder auf, dass die seitlichen Wangen der Sitzfläche pseudosportlich hochgezogen werden, was bei längeren Fahrerbeinen immer zu Verdruss führt, weil die Kanten dann unter dem Oberschenkel drücken. BMW ist hier keine Ausnahme, kann das aber, zum Beispiel beim 7er deutlich besser.

Der BMW X5 ist ein Klassiker unter den SUV

Der aktuelle X5 kommt im Vergleich zu den Vorgängermodellen etwas dezenter vorgefahren. Den Designer ist es gelungen, die tatsächlichen Abmessungen geschickt zu kaschieren. Erst ein Blick ins technische Datenblatt zeigt, dass das SUV sich auf 4,92 Meter Länge streckt. Mit ausgeklappten Außenspiegeln kommt er in der Breite auf stolze 2,22 Meter. Er ist also nicht unbedingt dafür prädestiniert, sich in engen Parkhäusern und eng bemessenen Parkbuchten heimisch zu fühlen. Sein Revier ist doch eher der Alltag als Reise-„Limousine“. Viel Platz für die Passagiere ist gegeben; an Luxus spart BMW auch nicht. Für knapp 70.000 Euro darf die Kundschaft auch Einiges erwarten, und erhält auch unter anderem Features wie Dreizonen-Klimaanlage, LED-Scheinwerfer, Leder, Sitzheizung inklusive der Erwärmung von Türarm- und Mittelarmlehme und ein umfangreiches Assistentenpaket. Darunter befindet sich ein Rückfahrhelfer, der die letzten 50 gefahrenen Meter in Vorwärtsrichtung auf Wunsch wieder rückwärts selbständig zurücksetzt. Optionen wie Laser-Matrixlicht, Head-up-Display, schicke Lackierung, auffallende Alus, eine bessere Musikanlage sowie weitere Assistenten lassen den Preis des X5 gerne um die Anschaffungskosten für einen gut ausgestatteten Kleinwagen steigen.

Als der BMW X5 im Jahr 1999 auf den Markt kam, war das SUV-Angebot noch übersichtlich

Wobei nicht alle Assistenten dem nicht mehr ganz jungen Fahrer als sinnvoll erscheinen mögen. Warum soll man die Lautstärke der Musikanlage mittels Gesten verändern, zumal man gerne die Hände beim Reden nutzt? Nachdem man so die Lautstärke mehrfach ungewollt „manipuliert“ hat, ging es in den tiefen der Menüeinstellung auf die Suche zur Deaktivierungsoption der Gestensteuerung. Schließlich fand man das entsprechende Häkchen, um diese Einstellung auszuschalten.

Dass man mit einem 2,2 Tonnen schweren Fahrzeug unterwegs ist, fällt nicht weiter auf

Apropos Bedienung. Natürlich ist jetzt auch beim X5 vieles moderner und schicker geworden. Die Sprachsteuerung funktioniert ziemlich gut, wo es Verständnisprobleme bei der Suche bei der Eingabe einer Navigationsadresse gab, bot sich ein Conciergedienst an, zu helfen. Das Navi arbeitete tadellos und schnell. Audio-, Klima- und Konnektivitätseinstellungen werden wie gehabt über einen zentralen Dreh-Drückknopf sowie Tasten für das Schnellfinden von Media, Navigation und Hauptmenü angewählt. Wobei für die Klimatisierung ein extra Tastenfeld unter dem Bildschirm platziert ist, das sich vor allem im Dunkeln, weil beleuchtet, gut bedienen lässt. Im hellen sind die mittleren Taster, weil in Alu gefräst, kaum zu identifizieren.

Natürlich ist jetzt auch beim X5 vieles moderner und schicker geworden

Die Nutzung des großen Gepäckabteils von 650 Litern gestaltet sich nicht ganz einfach. Klappt man die zweitgeteilte Heckklappe aus, entsteht eine ebene Ladekante. Die untere Heckklappe wird traditionell gerne als Outdoorsitz in britischer Campingtradition genutzt, hat im Alltag aber den Nachteil, dass Gegenstände, die sich im Kofferraum an den hinteren Sitzlehnen befinden, für kleine Personen nicht zu erreichen sind. Selbst langgewachsene Menschen müssen sich strecken, um an sie heranzukommen.

Die Nutzung des großen Gepäckabteils von 650 Litern gestaltet sich nicht ganz einfach

Letztlich sind die kritisierten Punkte allerdings Kleinigkeiten, die der Qualität des großen Reise-SUV keinen Abbruch tun, aber eben Raum für Verbesserungen zeigen.

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SP-X Redaktion | Elfriede Munsch
Elfriede Munsch, Automobil-Journalistin Dieser Artikel stammt aus dem Redaktions-Netzwerk von SPS Spot Press Services GmbH. Änderungen, Adaptionen und Korrekturen durch die Redaktion von AUTOHUB möglich.