Test: Peugeot 208 GTi

Dieses GTI-Zeichen. Er trägt es wie einen Orden an der Brust. Nein, dieser 208 versteckt sich nun wirklich nicht. GTI. Drei Buchstaben nur. Gran Turismo Injection war mal die Bedeutung, heute steht GTI für die „Sportsbrüder“ in der Golfklasse. Und die Franzosen haben früh mitgespielt, als es darum ging, die GTI-Idee aufrecht zu halten. Der jüngste Peugeot 208 GTI trägt die Insignien des „Sport“ stolz als Abzeichen an der C-Säule.

Französische Wochen – Teil 5

Im Fahrbericht:

Peugeot 208 GTi 200 THP

GTI oder GTi? Der Peugeot 208 GTI hat viel „Sportler-Folklore“ aufgetragen bekommen. Zu viel Chrom? Zu prägnante GTI-Insignien allenthalben? Ein Fahrbericht mit dem 200 PS-Franzosen soll klären, ob der Kompakte den GTI-Geist tatsächlich noch besitzt oder ob das alles doch nur Folklore ist.

GTI. Da haben wir in Deutschland sofort ein Auto, eine Marke und sogar einen ganzen See im Kopf. Bei den Franzosen ist das nicht anders. Was uns der Golf GTI ist, ist den Franzosen der Peugeot 205 GTi. Darf ich gar sagen: Der legendäre 205 GTi? In den 80er und 90er Jahren fegte er über den Peripherique und – in einer speziellen Wettbewerbsversion – die Rallyepisten entlang. Fast 30 Jahre, nachdem dieser Kraftzwerg auf die Welt kam, hat die Löwenmarke mit dem neuen 208 GTi einen adäquaten Nachfolger im Programm.

Und der ist mit 147 kW/200 PS fast doppelt so stark wie sein Vorläufer.

Unter der Haube mit der prägnanten Nase für den Löwen arbeitet der gleiche Turbo-Benziner mit 1,6 Liter Hubraum, den man auch aus anderen PSA-Modellen und sogar aus BMW-Modellen kennt. Da soll es einen Briten geben, mit Eltern aus München, der trägt im Herzen die französische Kraftquelle. Und jetzt pocht dieses Herz auch im 208 GTi.

Im 208 hat sich der Turbo-Vierzylinder mit seinem spontanen Ansprechverhalten und seiner Drehfreude als Idealbesetzung für den kleinen Sportler herausgestellt. Wobei – eine andere Wahl bliebe dem 208 GTi-Käufer ohnehin nicht. Für genügend Schub aus dem Drehzahlkeller sorgt der VTG-Turbo: Bei 1.700 U/min wird bereits der Drehmoment-Hügel (275 Nm) erklommen. Zackige Schaltarbeit an der knackigen Sechsgang-Schaltung vorausgesetzt, sprintet der GTi in 6,8 Sekunden von null auf 100 km/h; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h.

Testfahrzeug 43 Peugeot 208 GTi

So fährt sich der Peugeot 208 GTi

Straff, sportlich, sicher. So erwartet man das von einem kompakten Sportler. Der 208 GTi bekam ein verbindliches Fahrwerks-Setup verpasst. Weit entfernt von ungebührlicher Härte lässt sich der 208 GTi stramm über Landstraßen wedeln. Die Lenkung könnte dabei ein wenig mehr Feedback vertragen. Auf der anderen Seite, der Peugeot 208 GTi kam mit der Winterbereifung zum Test. Mit sportlichen Sommerrädern ändert sich das ganze Setup vermutlich noch einmal mehr in Richtung „Straßen-Sportler“.

Dabei liegt das kleine Lenkrad gut in der Hand, die Instrumente wurden weit oben untergebracht, anstatt durch das Lenkrad zu blicken, schaut man eher darüber hinweg. Das ganze Cockpit wirkt jugendlich, dynamisch und die roten Ledernähte lassen keinen Zweifel an der Ausrichtung des dynamischen Franzosen aufkommen.

Wer den 208 GTi freudvoll von Kurve zu Kurve wirft, der bekommt ein agiles und sicher mitfieberndes Fahrwerk zu spüren. Der kleine Peugeot hält beim flotten Ritt, was sein Make-Up auf dem Parkplatz noch versprochen hat.

Der Sound passt zum Antritt. Locker, leicht dröhnig im Keller, frei nach obenheraus rauschend. Da pocht eben ein Turbolader unter der Haube, so richtig freikehlig gröhlen die nicht mehr.

Testfahrzeug 69 Peugeot 208 GTi

Testverbrauch

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[tab title=“Alltagsfahrer“]Der Alltag lässt sich mit 7.7 Liter bewältigen. Im Normverbrauch sollten es laut Peugeot 5.9 Liter sein, die dürften aber in aller Regel nicht zu machen sein.[/tab]
[tab title=“Öko-Experte“]Minimal waren 6.4 Liter zu verbuchen. Das ist für einen 200 PS Kompakten ein fairer Wert.[/tab]
[tab title=“Ohne Rücksicht“]Turbo läuft, Turbo säuft. Mit 12.8 Litern genehmigt sich der Peugeot 208 GTi unter Last dann auch eine ordentliche Tasse vom Saft.[/tab]
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Test-Alltag im Peugeot 208 GTi

Unser Testwagen hatte fast 30.000 Kilometer auf der Uhr und stammte aus der ersten Serie der Presse-Fahrzeuge. Das merkte man dem kleinen Franzosen an. Die Bremse litt massiv unter den Vollgas-Etappen der Kollegen, die bereits auf dem kleinen Sportler über Autobahnen geritten waren und da anscheinend in Dauerpackung massiv aus hohen Geschwindigkeiten abbremsen mussten. Die Bremsen rubbeln, wummern, dröhnen. Das gehört eigentlich nicht zum 208 GTi, nicht ab Werk. Zeigt aber: Wer den 208 GTi richtig ran nimmt, der darf keine Angst vor den Verschleißteilen haben.

Das Navi-System hatte auf diese Art der Fortbewegung anscheinend auch keinen Bock und stieg mehrfach aus. Eine simple Fehlermeldung war dann die positive Seite, eine hängende Navigation,  die nicht anders zu beruhigen war als mit einem „Zündung aus“, die nervige Variante.

Testfahrzeug 50 Peugeot 208 GTi

Zahltag

Die Preise für das neue Topmodell der Kleinwagenbaureihe beginnen derzeit bei 23.300 €. Viel Auswahl bleibt nicht. Kein alternativer Motor, kein Doppelkupplungsgetriebe. Ansonsten lässt die Ausstattung, die auf dem Top-Niveau der Allure-Serie basiert, kaum Wünsche offen. Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer, Licht- und Regensensor, beheizbare Sportsitze, Einparkhilfe und ein großer Farb-Touchscreen sind bereits inklusive, von der Optionsliste empfehlen sich auf Anhieb lediglich das 750 Euro teure Navigationssystem und das JBL Soundsystem für 360 Euro. Ohne Aufpreis gibt es hingegen zahlreiche Designmerkmale wie die roten Ziernähte im Innenraum, rot umrandete Instrumente, Heckspoiler, rot lackierte Bremssättel, einen verchromten Doppelauspuff und einen eigenständigen Frontgrill.

Fazit:

Unser Fahrbericht zum Peugeot 208 GTi könnte auch als Gebrauchtwagen-Test durchgehen. Mit mehr als 12 Monaten Alter und fast 30.000 km auf dem Tacho ist der gefahrene Peugeot 208 GTi eigentlich als Demo-Objekt für die Verarbeitung von „modernen Franzosen“ zu werten.

Positiv: Die wummernde Bremse können Grobmotoriker im Prinzip binnen 15 Minuten produzieren, das würde ich dem Peugeot 208 GTi erstmal nicht anlasten. Die Frage ist: Wie gut wäre die Bremse gewesen, hätte diese bei uns den normalen Test-Alltag mitgemacht.

Negativ: Das unzuverlässige Navigations-System im Tester lässt schnell die „alten Vorurteile“ zur französischen Qualität aufleben und wirkt dem Vertrauen in „neue Franzosen“ nicht positiv entgegen.

Ansonsten: Der 208 GTi ist erfrischend unterhaltsam. Wer bei GTI nicht an den Wörthersee denkt und ansonsten auch eher weniger an Wolfsburger-Kultsportler, der findet sich beim Peugeot GTi sicherlich gut verstanden!

Hier geht es zum Peugeot 208 Konfigurator

Fahrberichte zum Peugeot 208 GTi von den Kollegen: Das kräftige Löwen-Baby,  bissiger, kleiner Löwe, Der Ruf der Legende, Testbericht Peugeot 208 GTi, Getaway im Peugeot 208 GTi, autophorie zum 30th 208 GTi.

 

 

 

 

 

Fotos im Artikel: Bjoern Habegger  Titelbild: Bjoern Habegger
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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

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