Tops & Flops Pebble Beach — Warum hier alles super ist

Einmal im Jahr treffen sich die Reichen in Kalifornien, um ihre Autos zu bestaunen. Finden Sie da mal einen Flop. Deshalb zeigen unsere Tops und Tops die Highlights des Events. Eine geballte Ladung Superlative, aber auch einiges, womit Sie garantiert nicht gerechnet hätten.

Eine rosarote Welt, die gibt es nicht. Oder doch? Betritt man den Eingangsbereich von The Quail ist es so, als würde man das „normale“ Leben für einen Tag an der Rezeption abgeben. Aber wohin mit dem Stapel Vorurteile, die man sich so schön säuberlich zurechtgelegt hat? Superreiche, Champagner, Kaviar, Protz und Autos, die einmal im Jahr an der frischen Luft sind. Nun, alles davon ist wahr. Trotzdem ist The Quail noch mehr.

Mike hantiert gerade an seinem Austin Healey 100 M Le Mans herum. Er zieht den Gürtelriemen über der Haube fest. Als er merkt, dass er beobachtet wird, blickt er auf und lächelt: „Ich muss hier gerade noch etwas fixieren, damit er perfekt aussieht“, plaudert der Amerikaner locker drauf los. 1962 hat ihm sein Vater das stark ramponierte Rennauto für 1500 Dollar gekauft. „Mein Alter meinte, dass ich doch ein anständiges Auto für die Schule bräuchte“, erzählt der Mann mit der roten Kappe und dem weißen Schnurrbart.

Mit dem Austin Healey zur Highschool

Acht Jahre lang haben Mike und sein Vater den Austin Healey restauriert, und zwar komplett in Eigenregie. Seitdem hat er die Familie nicht mehr verlassen. Ob er ihn verkaufen würde? „Vor ein paar Wochen hat mir ein Interessent einen Check über fünf Millionen Dollar angeboten. Ich habe abgelehnt. Er gehört schließlich zur Familie“, beteuert der Kalifornier. Während er in seiner Jugend damit zur Highschool fuhr, fährt er nun einmal im Monat mit ihm, meistens sonntags.

Brain, der ein paar Reihen weiter in einem mit Gold bedruckten Campingstuhl, der die Lettern „The Quail“ trägt sitzt, fährt seinen Ferrari da schon häufiger. Vor einem Jahr hat er sich einen 1983er Ferrari 308 GTS Quattrovalole gekauft. „Ferrari fahren ist wie Karneval“, beschreibt der Entwickler aus San Francisco, wie es ist, so ein Auto im Alltag zu fahren, „Alle Leute gucken, bleiben an der Straße stehen, freuen sich und winken.“

Entweder Ferrari oder Fahrradfahren

Er genießt es sichtlich, auch der Rote beim Einkaufen im Supermarkt oft an seine räumlichen Grenzen stößt: „Da passt eben doch nicht so viel rein“, gesteht Brain. Doch er hat keine Alternative, denn einen Zweitwagen hat er nicht: „Ich könnte höchstens auf mein Fahrrad umsatteln“, lacht er und genehmigt sich einen Schluck Champagner.

Jeder der Autobesitzer hat hier einen Schaumwein in der Hand. Manche stellen die leeren Gläser auf dem Kunstrasenboden vor ihren Autos ab. So wie eine Bierdose. Die Frauen schmücken sich zwar mit Hüten, aber die sehen weniger nach Ascott aus, sondern sind eher im lässigen Stroh-Look. Die meisten Besucher kombinieren Slipper oder Sneakers zu ihren Anzügen, manche kommen aber auch einfach in Shorts und im Ferrari-Shirt. Die Frauen tragen Plateau-Sandalen anstatt Stilettos, um nicht im Boden einzusinken.

Jay Lenos Kumpel baut Vorkriegsauto

Auch Gary Wales hat einen Strohhut auf dem Kopf. Diesen hat er aber ganz individuell verziert. Mit Fotos seines Schätzchens, einem La Bestioni „The Beast“, einem Vorkriegs-Roadster in gigantischen Ausmaßen. Der Kumpel von Jay Leno ist sehr umtriebig: „Vor einem Jahr zogen wir das Prachtstück hier aus dem Wald. Dann haben wir es direkt restauriert.“

Das ging ja ganz schön flott? „Ja“, erklärt der rüstige Schnurrbartträger in beiger Hose und Weste, „ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste! Da sollte man keine Zeit verschwunden.“ Schwups, und ein Schluck Champagner hinterher. Gary ist ein kleiner Star auf the Quail, er hat stets eine Schar begeisterter Fans um sich herum.

Die meisten Leute hier dürften verdammt reich sein oder haben zumindest die Gabe, es so aussehen zu lassen. Sie nennen ihre Hunde „Enzo“ und im Zehnminutentakt ertönt Lärm am Himmel, wenn mal wieder ein Hubschrauber landet. Am kalten Buffet gibt’s keine Schnitzel, sondern „Spice Rubbed Salmon“, „Marinated Fregola Sarda“ und „Roasted Cauliflower“.

Hersteller zeigen sich der solventen Kundschaft

Inzwischen haben so ziemlich alle US-relevanten Autohersteller The Quail für sich entdeckt und nutzen die Location für ihre Premieren. Links enthüllt Bugatti den Divo, rechts zeigt Audi das Showcar PB 18 e-tron. Da macht Infiniti gleich mal mit und packt den Prototype 10 dazu. Ach ja, und Lamborghini stellt den Aventador SVJ noch auf die Bühne. Jede Wette, dass der im kommenden Jahr in mehrfacher zwischen goldenen Campingstühlen auf dem robusten Rasen steht.

Denn die Leute hier lieben ihre Autos. Wahrscheinlich würden sie sich auch mit Lightbier aus der Dose zufriedengeben, wenn es hier so prominent herumstehen würde wie die Champagnergläser. So lange sie auf Campingstühlen sitzen und stolz sind auf das, was neben ihnen steht. Egal, ob es ein Pagani Huayra aus Carbon, ein Ferrari F50 oder ein lila Lamborghini Aventador Performante ist. Eine Liebe, die Auto-Enthusiasten verstehen. Und die sich ja zum Glück beliebig skalieren lässt.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/tops-flops-peeble-beach/

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