Völliger Unsinn oder doch genial? — Skyway hebt Radfahrer in die Luft

Aus Weißrussland stammt ein Mobilitätskonzept, das den Schienenverkehr in die Luft bringen will – und die Radfahrer gleich dazu. Kann das funktionieren?

Wir wollen mal versuchen, nicht allzu voreingenommen zu sein. Haben nicht schon viele Pioniere und Vordenker eine Reaktion wie „Du spinnst ja wohl!“ hervorgerufen, und am Ende dann doch mit einem neuartigen Konzept überzeugt? Obwohl man sich schon schwer damit tut, etwas reizvolles an einem schwebenden Heimtrainer zu finden. Unibike nennt die weißrussische Firma Skyway ihre pedalbetriebene Schwebekabine. Doch wir wollen fair bleiben: Das Mobilitätskonzept umfasst in seiner Gesamtheit noch deutlich mehr. Ist es vielleicht sogar der beste Freund des leidenschaftlichen Autofahrers? Finden wir’s heraus.

50.000 Fahrgäste pro Stunde

Das Prinzip einer Schwebebahn kennen wir bereits, und zwar nicht nur deshalb, weil zum Beispiel in Wuppertal eine verkehrt. Skyway hat ein Konzept aufgelegt, das dieses Transport-Prinzip mit Gondeln verschiedener Größe und Auslegung nutzt. So gibt es etwa den Unibus, der zum Personentransport von bis zu 28 Passagieren gedacht ist. Mit einer Geschwindigkeit von 120 bis 150 km/h sollen so bis zu 50.000 Fahrgäste pro Stunde befördert werden. Das Skyway-Konzept sieht aber auch Gondeln zum reinen Gütertransport vor.

So, jetzt aber zu den Radfahrern. Die Lösung dafür nennen die Weißrussen sinnigerweise Unibike. Dabei handelt es sich um eine kleine, ultrleichte Gondel, die im Inneren in unterschiedlichen Layouts aufgebaut werden kann. Sie alle eint ihr Antrieb: Muskelkraft. Während die übrigen Skyway-Vehikel elektrisch betrieben werden, soll hier der Fahrer in die Pedale treten, um an der Schiene hängend voran zu kommen. Falls Sie das mal live ausprobieren wollen, ein kleiner Insider-Tipp: Sie finden in vielen Freizeitparks entsprechende Fahrgeschäfte. Allerdings unterscheidet sich Unibike ein wenig, denn als Topspeed gibt Skyway 150 km/h an. Das dürfte selbst einem Jan Ullrich zu seinen Top-Zeiten nicht gelungen sein. Hier liegt es daran, dass auch externe Antriebsquellen, sprich Strom, zusätzlich genutzt werden können. Erscheint sinnvoll, da das Überholen an einer Schiene hängend schwierig werden könnte.

Mit Highspeed überregional

Das Skyway-Universum reicht natürlich auch über urbane Grenzen hinaus. Mit dem Highspeed-Unibus sollen je nach Ausbau zwischen vier und 24 Passagiere mit bis zu 500 km/h überregional transportiert werden. Dann allerdings auf der Schiene aufsitzend, ähnlich wie beim vom Edmund Stoiber so liebevoll beschriebenen Transrapid. Die Köpfe hinter Skyway beziffern den Kostenaufwand für Bau und Betrieb als zehn bis fünfzehn Mal günstiger als Elon Musks Hyperloop.

Warum sollte Skyway nun aber der beste Freund des Autofahrers sein? Ganz einfach: Weil das Mobilitätskonzept die Straßen von Bussen, Stadtbahnen und Radfahrern befreit. Das dürfte nicht zuletzt beträchtliche Auswirkungen auf die Unfallstatistik haben. Naja, ganz so einfach ist es natürlich nicht. Schließlich ist die große Vision, den Individualverkehr im eigenen Auto langfristig durch Unibus-Gondeln zu ersetzen. Immerhin bringt das Konzept bauartbedingt einige nicht zu vernachlässigende Vorteile für die Umwelt mit. Darunter reduzierte Emissionen, eine reduzierte Flächenversiegelung und ein reduziertes Lärm-Level.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/tech-zukunft/mobilitaetsservices/skyway-unibike-unibus-mobilitaetskonzept/

Previous ArticleNext Article