Volkswagen We — Wolfsburger wollen eigenen Appstore anbieten

„In Zukunft will VW nicht mehr nur Autos bauen.“ Das ist die Kernbotschaft, die der VW-Chefstratege Michael Jost während der Eröffnung des WE Space in Berlin in den Köpfen seines Publikums zementieren will.

Stattdessen soll sich der Wolfsburger Konzern unter dem Label Volkswagen We künftig verstärkt um die Themen Digitalisierung und Software kümmern. Hierzu soll bis 2020 ein eigenes Betriebssystem entwickelt werden, dass das gesamte Bordnetz steuert. „Bisher arbeiten in Fahrzeugen bis zu 70 Steuergeräte unterschiedlichster Anbieter. Alle kaufen wir einzeln von unseren Zulieferern und müssen uns dann darum kümmern, dass sie fehlerfrei miteinander kommunizieren“, erklärt Jost. Das koste Geld und sei extrem aufwendig und soll bald ein Ende haben. Denn mit dem vw.OS soll es nur noch ein Betriebssystem für das gesamte Fahrzeug geben, das auf drei bis vier Hochleistungsrechnern im Fahrzeug läuft – und natürlich an eine Cloud angebunden ist.

Technisch gesehen ist das ein echter Meilenstein. Nicht nur weil VW derzeit nur wenige hundert Softwareentwickler beschäftigt und damit kaum die Schlagkraft und Kompetenz hat, so ein umfangreiches Unterfangen zu starten. Sondern auch weil die Wolfsburger damit einen völlig neuen Schritt gehen. Statt viele einzelne Systeme aus unterschiedlichen Generationen anwendungsspezifisch miteinander kommunizieren zu lassen, soll das vw.OS eine gemeinsame Plattformbasis bieten. Was der Kunde davon hat? Schier unendliche Flexibilität. Denn die Fahrzeuge müssen nicht schon bei der Auslieferung für alle möglichen Anwendungen vorbereitet sein, sondern können beispielsweise über Over the Air-Updates (OTA) nachträglich mit neuen Diensten ausgerüstet werden. „So bleibt das Auto auch noch Jahre nach dem Kauf auf dem aktuellen Stand“, erklärt Michael Jost. Allein die Möglichkeiten, die damit für den Gebrauchtwagenhandel erschlossen werden sind schier unvorstellbar. Denn wird heute ein Auto ohne Navi ausgeliefert, kann höchstens mit sehr viel Aufwand eines nachgerüstet werden. Sind die Systemvoraussetzungen dagegen bei allen Autos schon vorhanden, lässt sich ein solches System einfach nachträglich freischalten.

Appstore von Volkswagen

Mit We will Volkswagen auch ein Art Appstore bieten, wie es IT-Größen wie Apple, Google, Microsoft und Amazon vorgemacht haben. „Unser Appstore wird aber deutlich anders aussehen, als der den wir aus unseren Smartphones kennen“, erklärt Christoph Hartung, Head of Digital and Business Development sowie Mobility Services bei VW. „Wir wollen gezielt nach Partnern suchen und deren Dienste dann unseren Kunden situationsbezogen anbieten. Das reicht von Angeboten im Supermarkt und aktuellen Tankstellenpreisen bis zur Möglichkeit Pakete in den Fahrzeugkofferraum liefern zu lassen.“ Für Hartung hört es damit aber nicht auf. Insbesondere bei E-Fahrzeugen sind für ihn auch zeitlich begrenze Powerupgrades denkbar. „Die könnte der Kunde dann für ein Wochenende buchen, die Anwendung für die Parkplatzsuche, die er jeden Tag nutzt dagegen für zwei oder drei Jahre. Zudem sind Kundenbindungsprogramme denkbar“, fährt Hartung fort. Wie das Payback von VW aussehen soll, wollte er allerdings noch nicht verraten.

Insgesamt will Volkswagen bis 2025 3,5 Milliarden Euro investieren. Allein für die Dienste und Software und rechnet spätestens 2025 mit einer Milliarde Euro Umsatz jährlich. Wie das so schnell gehen soll? Ab 2020 wird jeder neue VW serienmäßig mit WE Connect ausgestattet sein, dem Nachfolger des aktuellen Car Net, das die VW-Modelle schon heute auf deutlich geringerem Umfang vernetzt. Ab 2020 soll es dann jedes Jahr rund fünf Millionen neue We-Kunden geben.

Connect App mit Fahrzeugdaten

Wer nicht so lange warten will, kann sich schon heute eine We Connect Light-Variante zulegen, die immerhin für alle VW-Modelle ab Baujahr 2008 verfügbar ist. Der sogenannte DataPlug wird in die OBD-Schnittstelle des Fahrzeugs gesteckt und versorgt von dort aus via Bluetooth die Volkswagen Connect App mit Fahrzeugdaten, die vom Kilometerstand oder dem aktuellen Tanklevel bis zum letzten Parkplatz oder einer Fahrtenbuchfunktion reichen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/volkswagen-we-app/

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