Volvo eröffnet erstes US-Werk — Bis zu 150.000 Autos pro Jahr

Volvo hat im Bundesstaat South Carolina sein erstes US-Autowerk eröffnet. Damit ist der Hersteller in den drei großen Absatzregionen Europa, China und USA mit jeweils eigenen Werken vertreten.

Volvo möchte nach eigenen Angaben seine Fahrzeuge vorwiegend dort bauen, wo sie verkauft werden. Aus diesem Grunde hat der Hersteller jetzt ein Werk in den USA eröffnet. Als Standort wählte die schwedische Tochter des chinesischen Autoherstellers Geely den US-Bundesstaat South Carolina – dort betreibt BMW schon seit 1994 eine Produktionsstätte. Die Entscheidung für den Standort, so Volvo-Chef Samuelsson, fiel aufgrund des leichten Zugangs zu internationalen Häfen und der Infrastruktur sowie wegen gut ausgebildeter Arbeitskräfte, attraktiven Investitionsbedingungen und der Erfahrung in der High-Tech-Produktion. Außerdem gilt der Südstaat als besonders Autobauer freundlich und die Arbeitnehmer sind dort nicht so streng gewerkschaftlich organisiert wie im Norden der USA.

Der Bau des modernen Produktionsstandorts im US-Bundesstaat South Carolina – nur etwa 40 Kilometer von BMWs größtem Werk in Greer entfernt, ist nahezu abgeschlossen. Die ersten Fahrzeuge der sogenannten Nullserie laufen gerade an. Im Herbst startet in Charleston die Serienproduktion der Volvo-Limousine S60 mit Plug-in-Hybridantrieb, die auf Volvos skalierbarer Produkt-Architektur (SPA) basiert. Ab 2021 läuft in Charleston dann die nächste Generation des großen SUV XC90 vom Band. Die in den USA hergestellten Volvos sind sowohl für den heimischen Markt als auch für den Export bestimmt.

150.000 Fahrzeuge pro Jahr

In seine US-Produktion pumpt Volvo 1,1 Milliarden Dollar, umgerechnet zirka 950 Millionen Euro. In Charleston sollen 4.000 Arbeitsplätze entstehen, bis Ende dieses Jahres arbeiten dort laut Volvo 1.500 Beschäftigte. 300 Mitarbeiter aus Forschung und Entwicklung, Einkauf, Qualität und Vertrieb sind in einem Verwaltungsgebäude untergebracht. Das Werksgelände umfasst 650 Hektar, die bebaute Fläche ist 215.000 Quadratmeter groß. Die Bauarbeiten begannen 2015. Volvo verkauft seine Fahrzeuge seit 1955 in den USA und plant dort mittelfristig mindestens 100.000 Modelle pro Jahr abzusetzen. Wenn das Werk seine volle Auslastungskapazität erreicht, sollen bis zu 150.000 Fahrzeuge pro Jahr aus den Montagehallen rollen.

Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete die Volvo Car Group, rund 1,43 Milliarden Euro. Der Fahrzeug-Absatz erreichte 2017 ein neues Allzeithoch von 571.577 Fahrzeugen – ein Plus von 7,0 Prozent gegenüber 2016.

Volvo betreibt in Europa bereits zwei Werke, sein Stammwerk im schwedischen Göteborg und ein weiteres im belgischen Gent. Dort soll in Zukunft auch der technisch mit dem Volvo XC40 verwandte Lynk & Co 02 vom Band rollen – Lynk ist ebenfalls eine Geely-Tochter. Außerdem laufen im schwedischen Skövde Volvo-Motoren vom Band. In China produziert Volvo in Chengdu, Chongqing und Daqing, in Malaysia (Kuala Lumpur) und Indien (Pithampur) entstehen ebenfalls Volvo-Motoren.

Steiler Aufstieg

Im Jahre 2010 hatte die Zhejiang Geely Holding Group alle Pkw-Aktivitäten der Marke Volvo von Ford zum Preis von 1,8 Milliarden US-Dollar erworben. Ein Spottpreis, wie Analysten sagen. Zu dieser Zeit verkaufte Volvo 335.000 Fahrzeuge. Ein herber Rückfall, denn 2007 hatte Volvo bereits ein Absatzhoch von 458.000 Fahrzeugen erreicht. Hakan Samuelsson wurde 2012 zum CEO von Volvo und schuf angesichts der angehäuften Probleme in Göteborg in kurzer Zeit einen profitablen und als innovativ geschätzten Autohersteller.

Bis Jahresende 2018 wird Volvo insgesamt neun Modelle eingeführt haben. Samuelsson hat sich als Ziel gesetzt, bis 2025 die Hälfte aller Volvo-Modelle mit rein elektrischem Antrieb anzubieten. Damit rechnet sich der Volvo-Chef auf seinem Hauptmarkt in China bessere Absatzchancen aus. Dort verkauften die Schweden im vergangenen Jahr erstmals mehr als 100.000 Fahrzeuge.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/volvowerk-usa-2018/

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