Vorstellung ACM City — Das Elektroauto mit Wechsel-Akkus

ACM steht für Adaptive City Mobility und „adaptive” ist tatsächlich das Motto des dreisitzigen Elektro-Wägelchens. Durch seine variable Inneneinrichtung und die herausnehmbaren Akkus lässt sich der Stadt-Stromer flexibel an seine Einsatzzwecke anpassen.

Die Idee mit den Wechsel-Batterien steht ja eigentlich unter keinem guten Stern: Wer erinnert sich noch an den israelischen Tech-Pionier Shai Agassi, der um 2010 mit seinem Start-up „Better Place“ ein weltweites Netz an Akkutausch-Stationen errichten wollte? Das Projekt floppte grandios – zu teuer, zu kompliziert und vor allem zogen die Hersteller von E-Autos nicht mit.

ACM hat die Idee wieder aufgegriffen und derart vereinfacht, dass sie tatsächlich funktionieren könnte: So befinden sich die Akkus des nur 3,30 Meter langen Stadtwägelchens in zwei Schubladen im Fahrzeugboden und können von Hand entnommen werden, um sie durch frische, vorgeladene Energie-Speicher zu ersetzen. Da ein kompletter Antriebs-Akku fürs manuelle Wechseln viel zu schwer wäre, wurde er von den Entwicklern in acht Module aufgeteilt, die jeweils 15 Kilo wiegen und zwei Kilowattstunden speichern. In etwa drei Minuten ist die Prozedur erledigt, so schnell lädt noch nicht einmal ein Porsche Taycan an einem 350 kW-Lader.

Zusätzliche Akkus zum externen Laden lohnen sich natürlich nur für Flottenbetreiber, die den ACM ohne Unterbrechungen einsetzen wollen. Das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Fahrzeug richtet sich daher auch nicht in erster Linie an Privatkäufer, sondern soll in Logistik-Unternehmen oder zur Personenbeförderung eingesetzt werden, erklärt ACM-Gründer und Chef Paul Leibold. Zusammen mit Partnern wie dem Batteriehersteller BMZ, Siemens oder dem Fraunhofer Institut entwickelte Leibolds Team ein dreisitziges Leichtfahrzeug, das irgendwo zwischen Renault Twizzy und dem viertürigen E-Smart rangiert, sich jedoch viel flexibler einsetzen lässt: Nicht nur die Akkus lassen sich entnehmen, auch die Innenreinrichtung kann mit wenigen Handgriffen an die Transportaufgabe angepasst werden. Wird die Rückbank ausgebaut, entsteht ein 1.200 Liter großer Gepäckraum, der sogar eine Euro-Palette aufnimmt. Damit könnte der Wagen beispielsweise tagsüber von Paketboten, abends als Taxi eingesetzt werden. Der 15-kW-Motor an der Hinterachse beschleunigt den ACM auf maximal 90 km/h und soll mit dem insgesamt 16 kWh fassenden Akku bis zu 160 Kilometer Reichweite schaffen.

Der grundsätzliche Aufbau ähnelt dem eines BMW i3: auf einem Alu-Chassis, das die gesamte Technik beherbergt, sitzt eine Karosserie aus Carbon, weshalb sich das Gesamtgewicht mit 650 Kilo in Grenzen hält. Tatsächlich von BMW übernommen wurden die Türschlösser, die mit einem Funkmodul ausgestattet sind und sich per Handy-App öffnen lassen. Damit können Nutzungs-Berechtigungen per Smartphone verschickt werden, was wiederum ideal für Mietwagen-Betreiber ist, die dadurch keine Filialen zur Schlüsselübergabe mehr benötigen. Die Profitabilität erhöhen Displays am Heck, auf die Werbung eingeblendet werden kann. Leibold hält einen vierstelligen Euro-Betrag für realistisch, den die Werbetafeln pro Jahr einspielen. In Serie gefertigt, soll der Wagen rund 15.000 Euro kosten.

Wann das nur 1,66 Meter breite Wägelchen mit seinem Wendekreis von unter zehn Metern durch europäische Städte stromern wird, steht jedoch noch nicht fest. Gut möglich, dass der ACM zuerst in asiatischen Mega-Citys eingesetzt wird, quasi als elektrische Edel-Rikscha. In Indien und Pakistan befindet sich Leibold bereits in weit fortgeschrittenen Gesprächen, was den Aufbau einer Serienfertigung betrifft.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/tech-zukunft/alternative-antriebe/vorstellung-acm-city/

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