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Warum Diesel und Benzin so teuer sind

Mit den Rohölpreisen haben die Spritpreise nicht immer direkt etwas zu tun. Und auch der gierige Staat ist nicht Treiber der inflationären Entwicklung.

„Fünf Mark für den Liter Sprit“ – das einstige Horror-Szenario für viele deutsche Autofahrer ist mittlerweile fast Realität. Sowohl für Super E10 als auch für Diesel werden seit Wochen Preise von 2 Euro und mehr aufgerufen. Wo liegen die Gründe für das anhaltend hohe Niveau? Und was bringt die kurzzeitige Steuerentlastung

Alles wird teuerer deswegen

Der offensichtlichste Grund für die hohen Preise ist der Ukraine-Krieg, der einerseits zu erhöhter Nachfrage, gleichzeitig zu einem geringeren Angebot geführt hat. Nicht zuletzt, weil die Mineralölunternehmen auf eigene Initiative den Import von Diesel und auch Rohöl aus Russland reduziert haben, wie der Branchenverband „en2x“ kurz nach Kriegsbeginn mitteilte. Beide Faktoren zusammen haben auf dem Weltmarkt zu den stark gestiegenen Produktpreisen und in der Folge auch zu höheren Tankstellenpreisen geführt, heißt es in einer Stellungnahme. Das gelte für Kraftstoffe aus heimischer Produktion ebenso wie für im Ausland hergestellte und importierte Kraftstoffe. 

Tatsächlich ist der Rohölpreis kurz nach Beginn der russischen Invasion kräftig in die Höhe geschnellt. Danach ging es zunächst bergab, mittlerweile liegen die Kurse jedoch wieder auf dem Niveau von Anfang März. Vor allem, weil nach dem Ende der Lockdowns in China mit anziehender Nachfrage gerechnet wird. Das aktuell verhandelte europäische Erdöl-Embargo gegen Russland und der Start der ferienbedingten „Driving Season“ in den USA kommen noch dazu. Im Ergebnis ist nicht nur das Rohöl knapp, sondern aufgrund weltweit begrenzter Raffinerie-Kapazitäten auch die Endprodukte wie Benzin und Diesel. 

Alter Sprit an den Tankstellen

Doch der Spritpreis an den deutschen Tankstellen hängt nicht direkt vom tagesaktuellen Rohölpreis ab. Verbrauchervertreter wie der ADAC bemängeln diese Entkopplung schon lange und verlangen bei sinkenden Kursen eine Weitergabe an die Kunden. Die Branche verweist in diesem Zusammenhang gerne darauf, dass in den Tanks der Tankstellen noch zum alten Preis gekaufter Sprit lagert. Das ist auch die Begründung dafür, dass die ab dem 1. Juni wirksame Energiesteuersenkung wohl nicht zu einem akuten Fall des Literpreises führt. Der sinkt demnach erst, wenn die Betriebe ihre Vorräte sukzessive mit steuerbegünstigtem Kraftstoff nachfüllen – also nach und nach. 

Der Betrag, den Autofahrer an der Zapfsäule bezahlen, wird auf die Töpfe mehrerer Akteure verteilt. Die reinen Produktkosten machen bei Benzin und Diesel mehr als die Hälfte des Preises aus: Dazu zählen neben dem Preis für das Rohöl unter anderem die Kosten für Transport, Weiterverarbeitung, Lagerhaltung, Verwaltung und Vertrieb. Außerdem kommen die CO2-Abgaben der Mineralölkonzerne sowie deren Gewinn dazu. Den Rest des Preises machen Steuern aus. Beim Diesel summieren sich Energie- und Mehrwertsteuer auf 39 Prozent, bei Benzin auf 48 Prozent. 

Tanken statt Essengehen

Der beliebte Vorwurf, der Staat würde sich bei steigenden Spritpreisen die Taschen voll machen, stimmt allerdings so nicht. Denn der Energiesteuersatz ist fix und hängt nicht vom Preis ab. Bei Diesel liegt er bei 47,04 Cent, bei Benzin werden 65,45 Cent pro Liter fällig. Zwar steigen die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer, allerdings dürfte das aus Sicht des Fiskus häufig ein Nullsummenspiel sein: Wer sein Geld beim Tanken ausgibt, gibt es nicht fürs Essengehen oder sonstigen Konsum aus. 

Um die Verbraucher zumindest kurzfristig zu entlasten, hat die Regierung eine dreimonatige Energiesteuererleichterung beschlossen. Die macht je Liter Benzin inklusive Mehrwertsteuereffekt 35,2 Cent aus, beim Diesel 16,7 Cent. Wie stark die Autofahrer davon profitieren, bleibt abzuwarten. Dafür, dass die Mineralölkonzerne die Differenz nicht in die eigene Tasche wirtschaften, soll die Markttransparenzstellt des Bundeskartellamts sorgen. Keine einfache Aufgabe, wie Experten glauben.

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