Was Apple kann, kann BMW schon lang‘?

Es gibt eine interessante Presse-Meldung von BMW. Leider, wie so oft bei Premium-Marken mit extremen Lifestyle-Anspruch, geht es nur noch am Rande um das Kern-Produkt – sondern viel mehr um den „Life Style“ darum herum:

„Brand Store bietet mit Product Genius den Future Retail“

Gesundheit!

Brand Store, Product Genius und Future Retail? Verstehen Sie auch nur noch „Katholischer Hauptbahnhof“? Nach der „modernden“ Ausstattungslinie dürfte dieses Fremdländisch klingenden Marketing-Geblubber, nicht nur AutoBild Redakteuren die Fußnägel nach oben rollen.

Okay – worum geht es hier eigentlich?

Im Prinzip möchte BMW das Konzept der Apple-Stores umsetzen. Das bedeutet so viel wie: Lifestyle vor Produkt. Denn auch in einem Apple-Store wird nicht in erster Linie ein Produkt verkauft, sondern ein Lebensgefühl. Was bei einem viel zu teuren MP3 noch funktioniert hat, wird bei den Smartphones derzeit schon schwieriger. Denn jedes funktionierende Konzept findet seine Nachahmer.

Apple gelingt es jedoch, wie keiner anderen Marke zuvor, mit einem Ladenkonzept das zu den eigenen Produkten passt, nicht nur Elektronik-Geräte zu verkaufen, sondern eine Weltanschauung. Einen Lebens-Stil. Ein Lebensgefühl. Und weil man Luxus leichter verkaufen kann, wenn das „drumherum“ passt – funktionieren die Apple-Stores so perfekt. Hier befruchten sich Produkt-Design und Bubble-Store in Perfektion.

Das zu kopieren ist nicht unbedingt innovativ – aber durchaus verständlich.

Und mit den „Brand Stores“ will BMW nun genau das tun. 

Das Pressesprech‘ der BMW-Group (ist das Unternehmen eigentlich noch deutsch?) führt 3 Ziele aus:

  • Die Anzahl der möglichen Kontaktpunkte mit Kunden und Interessenten soll erhöht werden.
  • Die Services und Vorteile der Einzelhandelskanäle werden ausgebaut.
  • Das Kundenerlebnis im Handel, soll in allen Facetten verbessert werden.

Wenn man davon absieht das man, eine derart geschwurbelte Denglisch-Pressemeldung (Anmerkung: Nein, ich meine nicht die Bimmer-Today Meldung an sich, sondern das Original der BMW-Presse, das aber wie immer nur von Drittklassigen Medien im Original verwendet wurde und von mir deswegen nicht mit einem Link geehrt wird!) vermutlich nur im Koksrausch verfassen kann, verdienen diese 3 „Key-Facts“ doch eine besondere Aufmerksamkeit.

 

„Die Anzahl der möglichen Kontaktpunkte mit Kunden und Interessenten sollen erhöht werden.“

Hier würde es in meinen Augen einen Prunk-Bau in den Luxus-Vierteln der Jet-Set Städte nicht benötigen. Einfach zuhören und kommunizieren sollte da ausreichen und so wie ich das erlebe, ist BMW sowohl in der Offline-Kommunikation per Telefon und Post, ebenso bemüht, wie online auf Facebook. Hier würde es bereits helfen, jedem BMW-Händler eine Facebook- / und Socialmedia Kommunikations-Kultur zu indoktrinieren.  Und wenn dann in den klassischen Verkaufsräumen, Verkäufer vor Ort sind, die mit Rat und Tat zur Seite stehen – dann ist das Ziel weder komplex, noch besonders schwer zu erreichen. Und einen Eispalast zur Selbstbeweihräucherung in der Marketingsprech-Nachhilfe-Stunde bräuchte es nicht.

 

„Die Services und Vorteile der Einzelhandelskanäle werden ausgebaut.“

Worauf dieser Satz abzielt? Keine Ahnung. Ganz ehrlich, ich habe keinen blassen Dunst, was dieser Satz ausdrücken soll. War der Service bisher eingeschränkt? Hatten die BMW-Händler bis dato nur beschränkte Vorteile zu bieten? Gegenüber wem? Bietet AMAZON nun BMW-Neuwagen an? Nein – beim besten Versuch und Willen, den Sinn will ich nicht finden.

 

„Das Kundenerlebnis im Handel, soll in allen Facetten verbessert werden. „

Die nächste Phrase, der nächste Bullshit. Das Kundenerlebnis? Wir reden über einzelne „Flagship-Stores“ in den Metropolen der Welt? Wäre es nicht das viel größere Erlebnis, ich würde bei jedem BMW-Händler der Welt, den gleichen kompetenten und freundlichen Service erhalten?  Mir würde es ausreichen, einen Händler vor Ort zu haben, der mich kennt – mich begrüßt und meine Sprache spricht.

Vorzeige-Showrooms zu finanzieren, in dem ich ein per Marketing aufgeplustertes Fahrzeug kaufe, das immer weniger BMW-Herzblut transportiert? Schwierig.

Wobei es ja Hersteller gibt, für die ist dieses Konzept sinnvoll. Ich spreche von Bentley, Rolls Royce, Aston Martin, Ferrari, Lamborghini und McLaren. Aber auch für BMW?

Schwierig. Schwierig. 

Sinnvoller in meiner Weltanschauung wäre das Prinzip: „McDonalds“ für den Automobil-Handel.  Man hat nie weit zu fahren. Man weiß, womit man rechnen kann. Das Angebot ist sofort verfügbar. Die Qualität der Produkte ist überall auf der Welt gleich gut. Das Personal ist freundlich und kennt sich mit den eigenen Produkten aus. Man bietet an vielen Orten der Welt, die gleiche Dienstleistung. Jeder Händler ist sofort zu erkennen.  Die Produkte stammen (laut Werbung) aus der Produktion im Vertriebs-Land!  Die Toiletten sind sauber und aufgeräumt und wenn ich etwas bestellen will, dann ist ein Ansprechpartner hinter der Theke –

..irgendwie schon mehr als bei manch BMW-Händler heute.

 

Nein – ich fand die Flugzeug-Hangars der Volkswagen und Audi-Händler schon too much – einen Edelpuff-Palast um die Marke zu präsentieren braucht es sicher nicht. Und ob diese Pälaste geeignet sind für die Zukunft bei iBMW?  Ich bin mir nicht sicher!

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

5 Comments

  1. Ja, sicher. Das ist ein Weg. Aber warum kaufen die Menschen die Sachen von Apple? Aus Imagegründen, sie interessieren sich nicht für die Technik, die dahinter steckt. Samsung und HTC bieten auf dem Papier bessere Handys an, was die Ausstattung angeht, hilft dennoch nicht 😉 So sehe ich das in Zukunft bei den Autos. Da die Technik eh bei allen gleich ist, interessiert es kaum einen, was für ein Motor drin steckt. Das spielt dann in der sportlichen Oberklasse eine Rolle, also ab 70.000 Euro aufwärts und da auch nur für einen geringen Teil der Käufer. Der Rest will halt eine Marke haben.

  2. Sehe ich ein wenig anders. Apple hat das ja schon vorgemacht, dass es bei 08/15 Produkt nur ums Image geht. Und vor dem Problem steht die Automobilindustrie auch. Im Grunde ist es gerade bei den deutschen und japanischen Herstellern relativ wurscht, in was für einem Wagen man sitzt. In den „Brot & Butter“ Klassen, die den meisten Umsatz bringen, gibt es nur marginale Unterschiede zwischen den Wagen. Motoren, Verarbeitungsqualität – fast alles gleich. Nur bei der Ausstattung/Preis gibt es Unterschiede. Wie aber Apple allein mit dem iPhone 4 zeigt: Man kann unterlegene Technik verkaufen, so lange das Image stimmt. Im Grunde ist die Frage doch, ob man sich einen BMW, Audi usw. vor die Garage stellen will die entscheidende, und nicht mehr, ob der Wagen schneller oder verbrauchsärmer ist.

    Im Hochpreissektor sieht die Sache noch anders aus, da geht verstärkt ums Image. Von daher sind Brandstores durchaus sinnvoll, sie erreichen bestimmte Käuferschichten in Lagen, usw. die man sonst nicht bekommt.

    Ich sehe das durchaus interessiert, auch wenn ich Deine Aussage, dass man die Händler nicht vergessen sollte, nachvollziehen kann.

    1. Das Problem liegt imho eben gerade darin, das es egal geworden ist in welchem Auto man sitzt und es notwendig wird, Marketing für das Selbstbild eines Herstellers zu betreiben. Anstelle den Reihensechser aufs Abstellgleis zu stellen und sich Motoren mit Peugeot zu teilen, um dann das Image mit einzelnen Glaspalästen aufpolieren zu müssen – sollte man das Bild einer Marke durch Produkte formen, authentisch – nicht durch deren Verpackung im Regal 😉