“New 7” – Adipöse Nacktmulle präsentiert

“New 7” – Adipöse Nacktmulle präsentiert

Bevor wir uns den klassischen Inhalten von Autojournalistischen Arbeiten widmen, sei uns ein rein redaktioneller Kommentar zum neuen Siebener erlaubt.

Mit einer Außenlänge von 5.39 Metern und der Front eines zentralen Blockheizkraftwerks wirkt der neue Siebener vieles, aber nicht elegant, nicht schüchtern und Zurückhaltung wird im Duden auch anders definiert. Dennoch ist der Siebener nichts anderes als das Ergebnis von aufwendigen Marktumfragen und zudem eine logische Weiterentwicklung unseres automobilen Alltags, auch jenseits von Tempo 130.

Da gibt es dann auch schon einmal Kritik, selbst aus einer Ecke, aus der ansonsten bislang wenig kritisches zum dt. Premiumgedanken kam.

bmw siebener
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Dabei ist die Antwort verblüffend einfach.

Menschen wie der oben genannte Prof. Dr. oder der durchschnittliche Automobil-Journalist würden BMW niederschreiben, wäre die siebte Generation des Bajuwarischen-Statements nichts ebenso mächtig wie zugleich um Aufmerksamkeit heischend. Aber, gemotzt wird eben immer. In diesem Fall über die #Zentralheizung als Nase, die Höhe der Front bei der sich auch SUVs ausgebremst fühlen und der Idee von einer Leichtigkeit beim fahren, die völlig hinten angestellt wurde – schaut man auf das Leergewicht des Fahrzeuges. Dabei tut BMW alles, um richtig zu liegen. Man wird keine vorsätzliche Schuld bei Designern und Ingenieuren suchen können. Es sind die Umstände die uns zu diesen Fahrzeugen führen. Der Premium-Anspruch etwa, an uns selbst, an unsere Marken, an unsere Zukunft. Und schon kombinieren wir 800 kg schwere Akku-Pakete, deren Grundfläche eine ganz veritablen #Studentenbude ergeben würden und Tempo 250 im Sinne unserer Freiheit. Das alles muss ein mobiles Kino, einen mobilen Konzertsaal und die völlig Freiheit bei der Entscheidung für die Antriebstechnologie transportieren – wer sich da noch über das Ergebnis wundern will, der werfe die erste Niere.

BMW mag eine Art #Familienunternehmen sein, aber wie überall, muss man zum bezahlen seiner hochqualifizierten Arbeitskräfte, von denen doch noch eine ganze Menge im nicht Niedriglohnland Bayern arbeiten, nicht nur Umsätze, sondern gar Gewinne erwirtschaften. Dazu bedarf es einem Spagat aus “never change a running system” und dem Anspruch die Zukunft gestalten zu wollen. Veränderungen gibt es nicht umsonst und Kaufkraft will überzeugt werden. Und dazu packen die Ingenieure doch tief in die Trickkiste.

Und wer das alles nicht mehr will. Wer zurück zur Eleganz will. Wer sich nicht am Raub der Ressourcen beteiligen will, der kann ja schauen ob er seinen ersten Siebener zurück vom Fähnchenhändler kaufen kann. Ob er sich dem Fortschritt bei Komfort, Sicherheit und Luxus wirklich verweigern kann. Wobei dann wäre man ja schon 2013 auf einen BMW i3 umgestiegen. Hätte sich früh von maskuliner Aggressivität auf dem Firmenparkplatz verabschiedet und Nachhaltig bereits vor dem #Dieselgate für sich entdeckt. Denn man darf BMW auch in 2022 vieles vorwerfen, aber ganz sicher nicht, dass man es nicht auch schon anders versucht hätte – und am Ende zählt nur der schnöde Mammon. Das ist nicht verwerflich, sondern #Systemrelevant.

Text: Bjoern Habegger

Widmen wir uns nun dem klassischen Auto-Journalismus:

Das BMW-Flaggschiff 7er wird seit den 90er-Jahren turnusgemäß alle sieben Jahre neu aufgelegt. Entsprechend befindet sich der 2015 eingeführte G11 auf der Zielgeraden. Nachfolger wird der nun enthüllte und ab November verfügbare G70 sein, der auf ein gewaltiges Längenmaß angewachsen ist und zudem als rein elektrischer i7 auch beim Gewicht in neue Sphären vordringt. 

Auf stolze 5,39 Meter bringt es die Neuauflage der Prestige-Limousine, die künftig ausschließlich als Langversion mit viel Beinfreiheit im Fond gebaut wird. Weltweit einheitlich. Hier hat der Münchener Autobauer vor allem die betuchte Kundschaft in China im Fokus, die im Oberklasse-Segment vor allem Chauffeurs-Limousinen bevorzugt. Auffallend sind schlitzartige Leuchteinheiten vorne und hinten, mit der Blechhaut bündige Türgriffe sowie ein analog zur Fahrzeuglänge ebenfalls gewaltig gewachsener Nieren-Kühlergrill. 

Ebenfalls deutlich größer geworden sind die Bildschirme im Cockpit des neuen 7er. Hinterm Lenkrad gibt es ein 12,3 Zoll großes Informationsdisplay sowie der 14,9 Zoll große Touchscreen. Neben Infotainment- lassen sich hier viele Fahrzeugfunktionen steuern. Zusätzlich finden sich Bedienelemente auf der Mittelkonsole sowie im Lenkrad. 

Doch es geht beim neuen 7er künftig vor allem um Annehmlichkeiten im Fond. Zum Serienumfang gehören unter anderem Komfortsitze, 4-Zonen-Klimaautomatik oder ein festes Panorama-Glasdach. Optional gibt es unter anderem ein Glasdach mit LED-Lichtfäden, einen Liegesitz auf der Beifahrerseite, Flächenheizungen für Armauflagen oder das Entertainment-System mit einem aus dem Dachhimmel ausfahrenden „Theatre Screen“. 

Als klassischen Benziner wird es den neuen 7er für Kunden in Europa nicht mehr geben. Die Varianten 735i und 740i mit Reihensechszylinder sowie der 760i mit V8 werden nur außerhalb Europas verfügbar sein. Hier startet der 7er zunächst als rein elektrischer i7 xDrive60 mit einem zweimotorigen Allradantrieb, der 400 kW/544 PS und 745 Newtonmeter leistet. Damit soll der 2,7 Tonnen schwere Stromer in 6,1 Sekunden auf 100 km/h sprinten sowie maximal 240 km/h erreichen. Grund für das enorme Gewicht ist unter anderem die mit einem Netto-Energiegehalt von 101,7 kWh üppig dimensionierte Batterie, die im Gegenzug eine WLTP-Reichweite von 590 bis 625 Kilometer erlaubt. Dank Schnellladetechnik soll ein Nachladen von 10 auf 80 Prozent mit bis zu 195 kW Ladeleistung in 34 Minuten möglich sein. Unter Wechselstromzuvor mit 11 kW dauert das Befüllen von 10 auf 100 Prozent rund 9,5 Stunden.  

Völlig auf Diesel und Benziner müssen 7er-Kunden in Europa allerdings nicht verzichten. Zum Frühjahr 2023 will BMW nämlich noch den 740d xDrive nachreichen, der es dank der Kombination eines Dreiliter-Sechszylinders und einem kleinen E-Motor auf 200 kW/300 PS Gesamtleistung bringen wird. Der Mildhybrid erreicht 100 km/h in 6,3 Sekunden und maximal Tempo 250, der WLTP-Verbrauch soll bei rund 6 Litern Diesel liegen. Mit 750e sowie 760e xDrive sind außerdem zwei Plug-in-Hybride mit Sechszylinder-Benziner mit 360 kW/490 PS beziehungsweise 420 kW/571 PS Systemleistung vorgesehen. In beiden Fällen ist rein elektrisches Fahren bis Tempo 140 und knapp 90 Kilometer weit möglich. 

Der Diesel dürfte übrigens auch finanziell den Einstieg in die neue 7er-Welt markieren, der künftig auf sechsstelligem Niveau liegen wird.

Text: Mario Hommen

Fahrzeugpreise BMW siebte Generation BMW Siebener

Die Preise für den neuen BMW 7er starten künftig jenseits von 100.000 Euro. Für die Elektro-Version sind es sogar deutlich mehr, vor allem, wenn man noch ein paar Extras dazu kommen. 

BMW hat für den ab Herbst verfügbaren neuen BMW 7er erste Preise genannt. Den Einstieg markiert der 740d für 107.300 Euro. Der rein elektrisch angetriebene i7 startet ab 138.310 Euro. Für den Elektro-7er sind im Konfigurator Optionen wie Zweifarblackierung (12.000 Euro), 21-Zoll-Räder (3.750 Euro), Sitzbezüge Leder-Merino/Woll-Kaschmir (11.400 Euro) oder Fond-Entertainmentsystem (4.750 Euro) wählbar.

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