Test: Nissan Pulsar

Viel Raum – auch für ein paar Verbesserungen

Eigentlich hatte Nissan den Kampf um Marktanteile im Segment der kompakten Steilhecklimousinen schon aufgegeben. So übermächtig erschien dem Importeur die Vormachtstellung von VW Golf, Opel Astra und Ford Focus, dass er sich Mitte der Nuller-Jahre lieber mit dem damals leicht schrägen SUV-Modell Qashqai knapp neben der Mainstream-Spur positionierte. Nun ist letzterer so etabliert, dass auch wieder Zeit und Energie für einen Angriff in der klassischen Kompaktklasse ist. Doch auch der neue Pulsar trifft auf zementierte Machtverhältnisse. Diesmal hat er zumindest einen Ansatzpunkt gefunden, sie zu knacken.

Noch 2008 scheiterte der damals ziemlich halbherzige Versuch, mit dem betont bieder gestalteten Tiida alte Almera-Kunden bei der Marke zu halten. Nach wenigen Monaten wurde der auf Kompaktformat aufgeblasene Kleinwagen in Deutschland wieder aus dem Programm genommen. Zumindest die Design-Bürde seines Vorgängers muss der speziell für den europäischen Geschmack entwickelte Pulsar nicht tragen. Zwar wirkt er nicht nur im Vergleich mit den neuen Segments-Schönlingen Mazda3 oder Seat Leon etwas füllig und ein bisschen plump, dafür bietet die hochbauende und langgezogene Karosserie deutlich mehr Platz als bei den dynamischeren Konkurrenten. Vor allem hinten, wo selbst zwei große Erwachsene ausreichend Raum für Knie und Kopf vorfinden. Nissan spricht sogar von der größten Beinfreiheit im Segment (692 Millimeter). Auch die 385 Liter Kofferraumvolumen sind ein guter Wert. Allerdings verlässt sich der Pulsar zu sehr auf die großen Zahlen, statt in Variabilität zu investieren. So würden nicht nur chronische Alleinfahrer wohl eine verschiebbare Rückbank begrüßen, die bei Bedarf das Gepäckabteil vergrößern könnte. Diesem wiederum würde etwa ein doppelter Boden zu Gute kommen, denn die Ladekante ist relativ hoch.

Praktisch hingegen ist das Cockpit eingerichtet. Schalter und Taster sind sinnvoll geordnet und gut erreichbar, was auch für den Motor-Start-Knopf in der Mittelkonsole gilt, der sich nicht wie sonst üblich im toten Winkel des Lenkrads versteckt. Auch Materialauswahl und Verarbeitung wissen zu gefallen. Unterm Strich ein unaufdringlicher Innenraum, eher praktisch als schön, mehr nüchterner Arbeitsplatz als verspielter Pilotensessel. Apropos Sessel: Der Fahrersitz ist zwar verbindlich und langstreckentauglich gepolstert, könnte aber etwas mehr Seitenhalt bieten.

Womit wir beim Fahren wären. Wie man bei der ersten Sitzprobe schon merkt, will der Pulsar kein Dynamiker sein. Stattdessen möchte er den kommoden Gleiter geben, was ihm nicht zuletzt dank seines langen Radstands gut gelingt. Engagierterem Fahren steht auch die gefühllose Lenkung entgegen; selbst im Stadtverkehr nervt die fehlende Bereitschaft, nach der Kurvenausfahrt einigermaßen zackig in die Mittellage zurückzukehren.

Passend zum entspannten Charakter säuselt der kultivierte 1,2-Liter-Benziner leise vor sich hin, im Innenraum ist nur ab und an das Pfeifen des Turbos zu hören. 85 kW/115 PS und 190 Nm Drehmoment packt der Vierzylinder bei Bedarf aus, allerdings nur, wenn man fleißig im manuellen Getriebe rührt. Der kleine Motor ist in dem großen Auto eh schon kein Temperamentsbolzen, kann sich aber in den Gängen vier bis sechs kaum noch aus der Umklammerung der langen Übersetzung befreien. So wirkt der Pulsar müder als er sein müsste, vor allem, da trotz des Getriebe-Sparprogramms der Normverbrauch in der Praxis deutlich verfehlt wird. Statt der versprochenen fünf Liter sind es eher 7,5.

Sparen kann der Pulsar-Interessent hingegen beim Kauf. Allerdings nur bis Ende März 2015 mit der „Launch-Edition“. Die Benziner-Variante gibt es so lange für 15.990 Euro, danach steigen die Preise auf 17.940 Euro für das bereits ordentlich ausgestattete Basismodell „Visia“. Die Konkurrenz ist da bei vergleichbarer Motorisierung einige hundert Euro teurer, hat aber häufig ein noch günstigeres Modell mit schwächerem Antrieb im Angebot. Moderne Assistenzsysteme gibt es für den Basis-Pulsar nicht, diese sind als Option (1.600 Euro inklusive Navigationssystem) an die nächsthöhere Linie „Acenta“ gekoppelt (ab 20.580 Euro).

Zumindest wer häufig zwei Erwachsene im Fond mitnimmt oder ganz generell auf ein luftiges Raumgefühlt steht, findet einige Argumente für den Kauf des Pulsar. Ansonsten bietet der kompakte Nissan eher Mittelmaß – ausgerechnet in einer Klasse mit derart starker Konkurrenz. Wo der Qashqai ein Trendsetter war, ist der Pulsar nur ein Mitläufer. Trotzdem hat er seine Berechtigung, zumindest als strategisches Modell für die Händler der Marke. Die können mit ihm nämlich die Kundschaft locken, die das betont modische SUV einfach nicht anspricht.

[notification type=“notification_info“ ]Nissan Pulsar – Technische Daten
Fünftüriger Kompaktwagen mit fünf Sitzplätzen. Länge: 4,39 Meter, Breite: 1,77 Meter, Höhe: 1,52 Meter. Radstand: 2,70 Meter, Ladevolumen: 385-1395 Liter, Leergewicht: 1.258 kg.
Vierzylinder-Benzinmotor mit Turbolader und Direkteinspritzung, Hubraum: 1197 ccm, 85 kW/115 PS, 190 Nm bei 2.000 1/min., manuelles Sechsganggetriebe, Frontantrieb, Vmax: 190 km/h, 0-100 km/h in 10,7 s, Normverbrauch: 5,0 l/100 km, CO2-Ausstoß: 117 g/km, Effizienzklasse B, Euro 5, Testverbrauch: 7,5 Liter;
Grundpreis: 15.990 Euro (Launch Edition bis 31. März), 17.940 Euro (ab 1. April)[/notification]

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SP-X Redaktion
Die Nachrichtenagentur SP-X liefert Ihnen aktuelle Berichte und Informationen aus den Themenbereichen Auto und Mobilität. Die jeweiligen Autoren der Artikel sind in der Fußzeile des Artikels benannt.

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