Lifting für den Opel Astra / Test und Fahrbericht

Nach vier Jahren Bauzeit erhält der Opel Astra ein Facelift mit neuen und sparsamen Dreizylindermotoren. Wer lässt sich schon gern ein saftiges Bußgeld aufs Auge drücken? Opel jedenfalls nicht. „Wir werden keine CO2-Strafe zahlen,“ umschreibt der Opel Powertrain-Chefingenieur Dr. Matthias Alt eine der Vorgaben für seine Arbeit am Astra. Der ist nach einem umfassenden Update fit für die neuen Vorgaben in Sachen Emission. Will heißen: Die ab 2021 geltende Norm Euro 6d erfüllt jeder Opel Astra, der ab November an den Kunden ausgeliefert wird, sicher. Und auch bei den CO2-Werten gibt es keine Grenzüberschreitungen.

 

Der Dreizylinder mit bis zu 145 PS wird beim Astra Standardmotor 

 

 

Dazu war erheblicher Aufwand am und im Auto nötig. Der beste Astra aller Zeiten, wie der Chefingenieur ihn vorstellt, hat die beste Aerodynamik aller Zeiten und die kleinsten Motoren seiner immerhin schon 83 Jahre währenden Geschichte, die 1936 mit dem Kadett begann und nach Opel-Rechnung inzwischen in der 11. Generation angekommen ist. Mit ihr wird der Dreizylinder zum Standardmotor. Und er wird es bleiben. Mehr Leistung als 145 PS und mehr Hubraum als 1,5 Liter schließt Alt kategorisch aus: „Wir zahlen keine C02-Strafen, damit irgendwer noch einen Astra mit 200 PS fahren kann.“ Klare Ansage mit ebenso klaren Prioritäten.

 

 

Bestseller Astra Sports Tourer punktet mit einem cw-Wert von 0,255 

Ein Ergebnis solcher Vorgaben ist eine Windschlüpfrigkeit, wie sie bisher erst ein Serienopel erreicht hat: Der Calibra. Der Astra Sports Tourer, mit mehr als 60 Prozent der Auslieferungen Karosserieform Nummer eins in der Baureihe, bringt jetzt einen cw-Wert von 0,255 mit. Der Fünftürer ist einen Hauch schlechter: cw-Wert 0,26.  Dafür wurden maßgeblichen alle kritischen Stellen vor und unter dem Auto, im Motorraum und an den hinteren Achsen im Windkanal optimiert. Ein in Formel1-Manier voll verkleideter Unterboden ist dabei herausgekommen. Das ist kein Hexenwerk, man muss es nur machen.

 

 

Thermomanagement und bessere Aerodynamik senken CO2 Wert um bis zu zwei Gramm 

Schnittstelle für die aerodynamische und motortechnische Innovation ist eine ausgeklügelte Kühltechnik. Hinter dem aufgehübschten Frontgrill befindet sich jetzt eine zweigeteilte Jalousie mit einer elektronischen Steuerung. Die erlaubt anhand von Temperatur- und Geschwindigkeitsparametern den Luftstrom durch Öffnen und Schließen zu modifizieren. In beiden Fällen bringt das Einsparungen beim Verbrauch, was der zentrale Ansatz war, um den Astra auch in Sachen Umweltverträglichkeit weit nach vorn zu bringen. Laut Opel sorgt allein die intelligente Kühlertechnik durch ihr Thermomanagement und die bessere Aerodynamik für eine Absenkung des CO2-Ausstoßes um bis zu zwei Gramm pro Kilometer. „Wir schaffen mit fünf der sieben Motorisierungen des Astra einen CO2-Wert von weniger als 100 Gramm pro Kilometer“, erläutert Alt. Wo das mit den 100 Gramm pro Kilometer noch nicht ganz geklappt hat, ist bei den beiden Automatik-Versionen des Astra.  

 

Die zwölfte Generation des Astra wird dann komplett auf PSA-Technik basieren 

 

Hinter dem Aero-Shutter genannten horizontalen Kühlluft-Regulator baut Opel eine komplett neue, in Rüsselsheim entwickelte Motorengeneration ein. Es sind ausschließlich Dreizylinder. Warum nichts von Peugeot? Der Astra ist mit allem Drum und Dran noch ein Modell aus der GM-Ära. Was bedeutet, dass die Amerikaner letztlich bis zum Ende des Modellzyklus in gut zwei Jahren bei den Inhalten das Sagen haben. Der Entwicklungsauftrag für die kleinen Motoren kam zudem noch aus Detroit. Jetzt liefert Opel ab. Nicht nur mit dem Astra, die beiden Dreizylinder plus die Getriebevarianten wird GM für andere Autos des Konzerns nutzen. Das Gastspiel im Astra bleibt dagegen ein kurzes. Denn die zwölfte Astra-Generation wird dann komplett auf PSA-Technik basieren. „Das Knowhow in den Köpfen bleibt allerdings bei Opel“, versichert Alt. Vor allem in Sachen Leichtbau hat die Mannschaft in der Entwicklung viel gelernt. So ist der 1,2 Liter Benzinmotor jetzt glatte 6 Kilo leichter als der bisherige Dreizylinder mit lediglich 1,0 Liter Hubraum.

 

 

Den gefürchteten Gummibandeffekt beim Dreizylinder hat man bei Opel gut im Griff  

„Bis auf die Schrauben und da auch nicht alle, ist alles an dem Motor neu“, berichtet der Chefingenieur. Die bei ungerader Zylinderzahl auftretenden Motorschwingungen besänftigen die Rüsselsheimer aktiv mit einer Ausgleichswelle im Motor. Für die Turbobenziner sind 350 bar Einspritzdruck realisiert worden. Mit ihnen können 110 PS (81kW) und 195 Newtonmeter für das Basismodell geholt werden, die Stufe zwei sind dann 130 PS (95 kW/225 Nm). Sechs Gänge und manuelle Schaltung sind Standard. Für Automatik-Kunden hält Opel bei den Benzinern einen 1,4 Liter Dreizylinder mit 145 PS (107kW/236 Nm) im Angebot, der immer an ein stufenloses (CVT-) Getriebe gekoppelt ist. Das überrascht positiv, denn den gefürchteten Gummibandeffekt hat Opel besser als die meisten Wettbewerber im Griff. Im Paket klingt der Antrieb nicht gequält, sondern vergleichsweise gekonnt. Dreizylinder kommen ja immer etwas knurrig ums Eck, auch diese von Opel. Aber der Grundton hat fast sportliche Elemente und die Ausgleichswelle sorgt dafür, dass auch der Komfort nicht leidet. Der Turbobenziner beschleunigt den Astra im 9,8 Sekunden auf 100 km/h und ist in der Spitze für 210 km/h gewappnet.

 

Dem 122 PS starken Selbstzünder gönnt Opel die neue Neungang-Automatik, noch von GM  

 

Auch beim Diesel reduzieren sich die Hubräume. Aus 1,6 Litern mit vier Zylindern werden Dreizylinder mit 1,5 Litern Hubraum, der mit bis zu 2000 bar Einspritzdruck befüllt wird. Die Basisversion des neuen Selbstzünders bringt es auf 105 PS (77 kW) und 260 Newtonmeter. Die Alternative sind 122 PS (90kW) und 300 Newtonmeter. Für diesen Motor gibt es dann die erste Neungang-Automatik bei Opel als Alternative zur Sechsgang-Schaltung, wobei für die Automatik das Drehmoment leicht auf 285 Newtonmeter zurückgenommen wird. Dieses neue GM-Getriebe ist speziell auf die Drehmoment-Charakteristik und typische Dieselfahrprofile angelegt. Ein Langläufer mit kurzer Spreizung, was mit einem CVT-Getriebe nicht gut umsetzbar wäre. Durch Abgassäuberung verbessern sich die CO2 – Werte um bis zu 21 Prozent. Für die Abgassäuberung setzt Opel bei den neuen Benzinmotoren auf Partikelfilter, die Selbstzünder haben einen passiven Oxydationskatalysator zusätzlich zur Sintertechnik der Harnstoffeinspritzung. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Opel spricht von einer Verbesserung der CO2-Werte um bis zu 21 Prozent. Bei den Benzinern ergeben sich Verbrauchsverbesserungen um etwa einen halben Liter pro 100 Kilometer. Bei den Dieseln fällt die Verbrauchssenkung nicht ganz so stark aus. Der 122 PS-Diesel agiert beherzt, aber auch gut hörbar. Ganz ohne Nebenwirkungen bleibt das Reduzieren des Hubraums dann doch nicht. In der Spitze schafft der Motor es doch, den Astra auf 210 km/h zu beschleunigen. Bis 100 km/h vergehen 10,2 Sekunden.

 

 

Das neue einfache LED Licht hat zusätzliche positive Effekte für die CO2-Werte   

 

Optisch auffälligstes Merkmal des Facelifts ist die schlanke Chromspange im Kühlergrill, die jetzt in Insignia-Manier die volle Breite des Lufteinlasses überspannt und in die Scheinwerfer ausläuft. Standard ist hier weiter Halogenlicht, neben den Matrix-LED-Scheinwerfern bietet Opel jetzt auch „einfaches“ LED-Licht an. „Auch das“, so erläutert Alt, „hat positive Effekte für die CO2-Werte wegen der geringeren Leistungsaufnahme der LEDs. Bis der Astra beim Händler steht, vergehen noch ein paar Wochen. Mitte November beginnt die Auslieferung. Das Basismodell startet mit 19 990 Euro, der Sports Tourer kostet 1000 Euro mehr.

Text : Solveig Grewe

Fotos: Hersteller  

 

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