Von der Nähmaschine zum GM-Opfer

150 Jahre Opel

2012 wird Opel 150 Jahre alt.

Grund genug für einen kleinen Rückblick auf die Geschichte von Opel.

Adam und in diesem Fall beginnt die Geschichte nicht zusammen mit Eva, Adam Opel hat  1862 angefangen mit der Herstellung von Nähmaschinen. Geeigneter Platz hierfür war die Schlosserwerkstatt des Vaters. Und da um die Jahrhundertwende weder Amazon noch H&M auf der Bildfläche der Modebewussten Mittel-Europäer war, wurde der junge Adam Opel mit seiner Nähmaschinen-Fertigung schnell zu einem erfolgreichen Unternehmer.  (Unvorstellbar heute, aber wahr: Es gab viele Frauen damals, die mit der Nähmaschine zu echten Kleiderherstellern avancierten – soviel am Rande!)

Bereits 20 Jahre später hat Adam Opel seine Fertigung auf eine andere Besonderheit des alten Jahrhunderts erweitert: Zweiräder. Während man üblicherweise hoch zu Roß unterwegs war, oder zu Fuß, waren Fahrräder und später motorisierte Zweiräder  ein eben so boomendes Geschäft wie 20 Jahren zuvor die Nähmaschinen. Was besonders beeindruckt, ist die Tatsache das dass ganze Wachstum des Unternehmens ohne Internet und globalisierte Welt funktionierte. Ohne Print-Kampagnen und Schwimm-Ikonen in TV-Spots. Muss eine interessante Zeit gewesen sein.

Opel beginnt bereits 1899 mit dem Automobilbau und ist damit nach Daimler Benz der zweitälteste Automobil-Hersteller in Deutschland. Es dauert bis zum Herbst 1902 in dem Opel den ersten eigenen „Motorwagen“ präsentiert. Mit der Kraft von heutigen Kleinkrafträdern, nämlich um die 10PS wird der erste Opel zu einem Verkaufsschlager. Was in der damaligen Zeit jedoch um die 200 Fahrzeuge per Jahr bedeutet. Also in etwa so viele Fahrzeuge wie man bei Opel heute per Tag verkauft. (Nicht verifiziert – einfach nur ein Bild-Vergleich).

1914 avanciert Opel zum größten Automobil-Hersteller in Deutschland. 10 Jahre später beginnt Opel mit der Fließbandproduktion des „Laubfrosches“ und ist auch damit in Deutschland der Innovationsführer. Der Höhenflug von Opel wird 1928 von einem Raketenwagen auf der Berliner AVUS unterstrichen. 238 km/h waren damals eine unglaubliche Höchstgeschwindigkeit.

Was in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts als glückliche Fügung während der Weltwirtschaftskrise beginnt, die Zusammenarbeit von Opel mit dem US-Automobil-Hersteller General Motors dürfte aus heutiger Sicht als Grundstein für die Misere der Neuzeit bei Opel gelten.

1936 wird Opel jedoch erst einmal zum größten Automobil-Hersteller in Europa. Mit 120.000 Fahrzeugen wird der Grundstein gelegt für eine Markenhistorie, von der auch heute noch gezehrt wird.  Der Krieg und die Nazi-Zeit in Deutschland haben aus Opel für ein paar Jahre einen Hersteller für Kriegswichtiges Gerät gemacht. Kaum bekannt: Opel fertigte neben dem Wehrmachts-LKW Blitz auch für Jagdflugzeuge wichtige Bauteile.

(Wie es während des Weltkrieges mit der Gesellschaftsform von Opel und GM aussah, habe ich leider bis heute nicht vollständig verstanden.)

Nach dem 2.ten Weltkrieg wird Opel dank seiner Partnerschaft zu GM schnell wieder zu einem blühenden Automobil-Hersteller. Legendäre Namen wie der Olympia, der Rekord und der Kapitän begleiten das Wirtschaftswunder in Deutschland.  Auch die ’60 und ’70 sind für Opel Zeiten in denen man mit Kultautos den Markenstatus festigt und Klassiker vom Band laufen lässt, die heute noch klingende Namen haben. Der Manta, der Commodore und auch der Opel GT.

1971 überschreitet Opel den die Grenze von 10 Millionen gefertigten Fahrzeugen – ein weiterer Meilenstein.  1972 ist Opel der erfolgreichste Fahrzeug-Hersteller in Deutschland.

Von da an gibt es noch immer viele Erfolgsmodelle – aber zugleich fängt die Opel Mutter General Motors an, die eigenen Misserfolge mit den Gewinnen von Opel zu verrechnen.

Die Jahre ab 1980 und der ersten Ölkrise werden zu dauerhaften Nagelprobe für den Rüsselsheimer-Automobilhersteller. Was die Ölkrise nicht vollständig schaffte wurde in den Folgejahren von einem Manager namens Ignazio Lopez zu Ende geführt. Eine rabiate Sparpolitik in Verbindung mit wenig innovativem Design führte den Blitz in die schwerste Krise des Automobil-Herstellers.

Da half es auch nicht, dass man aus der US-Konzerne in immer kürzeren Intervallen neue Manager mit der „Sanierung“ eines Herstellers betraute, der eigentlich alles richtig gemacht hatte. US-Automobilmanager und die strenge Hand des Mutterkonzerns haben dazu geführt das man in den 90zigern des letzten Jahrtausends, eine ehemals prosperierende Marke Tod saniert hatte.

Seit 2008 ist der Ruf der Marke Opel durch erfolgreiches US-Mißmanagement endgültig angeschlagen.

Trotz innovativer neuer Modelle, einer zeitgemäßen Design-Linie und moderner Technik bleibt Opel mit negativ Schlagzeilen im Hinterkopf der Konsumenten hängen.

Es ist eigentlich eine Schande. 150 Jahre Opel – eigentlich kann es nur wieder besser werden. Ich hoffe darauf. Denn auch für mich war Opel ein Begleiter in der Zeit meiner ersten Führerschein-Jahre – es wäre eine Schande wenn Opel doch noch den Saab-Weg gehen würde!

 

 

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

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