Drei Dinge solle ein Mann in seinem Leben zuwege bringen:

  • einen Baum pflanzen
  • ein Haus bauen
  • einen Sohn zeugen

so befand es Nietzsche.

Ich bin so frei und füge dieser Aufzählung einen 4.ten Punkt hinzu:

„Einen Porsche fahren“

In diesem Sinne habe ich dann  auch einen der 4  Punkte  abgehakt:

Ich bin Porsche gefahren.

Das dafür bereits mehrfach. Der letzte Porsche war allerdings noch aus der Ära der Luftgekühlten ’11er und die allgemeinen Erfahrungen wurden angereichert mit dem damaligen „Hausfrauen-Porsche“ dem 944er. Wobei die Zeit gezeigt hat, der 944er und sein Nachfolger der 968er waren mehr als nur Sekretärinnen Porsche. Beide Modelle haben heute ebenso ihre Liebhaber gefunden, wie der beeindruckende  928er mit seinem V8  und natürlich der ewigen Klassiker, der Porsche 911.

Umso erfreuter war ich dann auch, als der Termin für eine Testfahrt mit dem aktuellen 2011er Cayman anstand.

Und so hat die Hauptrolle in diesem aktuellen Test der Porsche Cayman bekommen.

265PS  aus 2.9liter Hubraum sind im Sportwagenbau keine Meßlatte.  Nachdem heute bereits viele Diesel-Kombis in ganz ähnlichen Leistungsregionen unterwegs sind, breitet sich erst einmal eine  Form der Ernüchterung – ob des Sportwagen-Potentials –  aus.

Ich kann an dieser Stelle bereits Entwarnung geben. Der Porsche Cayman ist – selbst in seiner Basis-Motorisierung bereits ein vollwertiges Sportmobil. Sportlichkeit ist  nicht definiert an Motorleistung alleine. Sportlichkeit im Automobilbereich definiere ich mit einem Mix aus „Leistungsgewicht, Handling  und Charakter“.

Leistungsgewicht:

Der 2.9l 6 Zylinder Boxermotor stellt bei 7.200 U/min 265PS bereit. Vor zehn Jahren  etwas besonderes,  heute eher Standard. Doch der Boxer-Motor des Cayman ist mit einer Leistungsbereitschaft gesegnet, die  schlichtweg Freude bereitet. Die 265PS treffen im Umfeld Ihrer mittigen Positionierung auf ein Leergewicht von 1360kg (DIN) und erledigen ihre Aufgabe in Verbindung mit dem famosen 7-Gang Doppelkupplungstriebe grandios.

Weshalb ein Porsche Turbo S 530PS hat? Stellen Sie diese Frage jemandem,  der zum ersten Mal in Kontakt mit einem sportlichen Auto der „unter 5,5kg/PS“ Klasse  kommt, so werden Sie eine Mischung aus Begeisterung und Angst als Antwort in seinen Augen entdecken.       Subjektive Benotung? ->  7 von 10 Punkten

 

Handling:

Und das ist der Punkt, der aus dem Cayman auch mit dem kleinen Motor bereits einen Sportwagen werden lässt. Der Testwagen war ausgerüstet mit Winterreifen der Marke MICHELIN in der Mischbereifung: 235/40-18  vorne und 255/40-18 hinten. Und wie bekannt, sind Winterreifen keine passende Schnittstelle zwischen Auto und Straße, wenn es um  sportliche Ausfahrten geht.

Die weiche Mischung des Winter-Gummis und der hohe Anteil an Negativ-Profil in Lamellentechnik, stellen einen Sportwagen auf trockener Straße vor die gleichen Probleme,  wie Moonboots einen Hürdenläufer auf der Tartanbahn.

Und trotz dieses Handicaps ist die erste Reaktion nach dem Umstieg in den Cayman eine von Begeisterung getragene Fröhlichkeit ob dieses perfekt sitzenden Sportanzuges mit seiner lebendig, direkten Reaktion auf jedwede Bewegung am Steuer.   Eine perfekte Sitzposition in einer Umgebung von perfekter Verarbeitung,  mit messerscharfer Rückmeldung der im Cockpit  erteilten Fahraufträge.   Die Fahrdynamischen Grenzen des Cayman werden  dann in diesem Test  auch von den montierten Winterreifen recht deutlich  definiert.

9° Plus und sportliche Kurvenhatz führt zu frustriertem rubbeln der Winterreifen  auf dem Asphaltband und läßt beim  Fahrer den Wunsch nach Sportreifen aufkommen.               Subjektive Benotung? -> 7 von 10 Punkten

Charakter:

Frühe Porsche-Modellen hatten den Ruf schnell zu sein, aber heikel im Grenzbereich. Der Porsche Cayman ist ein ehrlicher und verläßlicher Sportsfreund. Ambitionierte Überlandpassagen enden nicht in schwitznassen Händen.

Der gefahrene Cayman war mit der optional angebotenen mechanischen Hinterachse Differential Sperre ausgerüstet. Das Ergebnis ist ein klar definiertes Fahrverhalten auch abseits der Haftungsgrenze der Hinterachse (was mit Winterreifen leider schnell erreicht ist).

Der Cayman ist  mit dem „Porsche Stabilitäts-Programm“ ausgerüstet, diese aktive  Fahr- und Stabilitäts-Hilfe soll dem Durchschnittsfahrer am Ende des eigenen  Fahrtalentes  den Abschleppwagen ersparen  und  ist grundsätzlich eine tolle Erfindung, doch wer einen Porsche ans Limit  bringen möchte, sollte wissen was er tut – wer es tut, aber weniger Straße als Talent zur Verfügung hat,  dem hilft das Porsche-ESP.  Im Gegensatz zu vielen Großserien-Fahrzeugen überzeugt das mehrstufige System bei Porsche mit eher sensiblen Eingriffen.

Mit diesem ehrlichen und  von  Zicken befreitem Fahrverhalten im Grenzbereich, dem bereits in dieser kleinen Ausbaustufe überzeugenden Porsche 6  Zylinder Boxer, dem famosen 7 Gang Doppelkupplungstriebe und der perfekten Sitzposition  hinter dem Lenkrad, ist der Porsche Cayman ein astreiner  Partner im Alltag und bleibt jederzeit ein durch und durch ehrlicher Typ mit einem klar sportlichen definierten Charakter.            Subjektive Benotung? ->  8 von 10 Punkten

 

Die Technik und die Ausstattung:

Porsche fahren ist nicht billig.  Der Basis Cayman hat einen Grundpreis von 50.790€, was ich als faires Angebot bezeichne.  In der  gefahrenen Ausstattungsvariante sind jedoch bereits 75.000€ an den freundlichen Porsche Händler zu überweisen.  Die  Auflistung aller möglichen Individualisierungen und Sonderausstattungen würde vermutlich den Rahmen  der Blog-Datenbank sprengen – daher sei nur versichert: Kein Porsche-Käufer muß  Angst haben, genau das gleiche Modell, mit der gleichen Ausstattung in der gleichen Farbe auf dem Parkplatz des Golfclub neben sich wiederzufinden. Wobei absolute Sicherheit vermutlich nur erreicht, wer einen Porsche in der asketischen Basis-Ausstattung ordert.

Unser Testwagen war abgesehen von 2 Punkten, sehr sinnvoll ausgestattet – weshalb ich 70.000€ als realistische Größe für einen Porsche Cayman angeben würde – eher  als den Basis-Preis von 50.000€.

Überzeugt haben uns vor allem folgenden Ausstattungs-Details:

Die Sportsitze (P77) – für  458€

Die normalen Porsche Sitze sind gut, die Sportsitze sind besser. Ausgezeichneter Seitenhalt im Bereich der Schultern  ist verantwortlich für eine stabile Sitzhaltung hinter dem Volant. Kritisieren kann man an diesen Sitzen allenfalls eine fehlende Lordosen Unterstützung.  An dieser Stelle  entscheidet dann auch, wie man seinen Porsche im Alltag nutzt.

Fährt man häufig lange Strecken, empfehle ich eher die Komfortsitze in elektrischer Ausführung mit „Speicher“ für 3 Sitzeinstellungen und entsprechender Lordosen Unterstützung.  Alternativ erhält man natürlich auch die Sportsitze in einer  Ausführung mit elektrischer Verstellung, Memory-Speicher mit Schlüssel-Erkennung sowie elektrisch verstellbaren Seitenwangen und der  Lordosen Unterstützung .

Xenon Licht mit integriertem Kurvenlicht (P75) –                                                                     für 1.558,90€

Licht ist Sicherheit. Gerade auf den Überlandstrecken lernt man die perfekt arbeitenden Kurvenlichter des Bi-Xenon Lichtsystems schätzen.

Porsche Doppelkupplungs Getriebe (250) –                                                                               für  2.945,25€

7-Gänge kombiniert mit der Funktionsweise eines Doppelkupplungsgetriebes ist der Traum aller, die viel fahren und den Komfort eines Automatikgetriebes schätzen aber auch gerne sportlich fahren und dann kein Kräfte zehrendes und lahm reagierendes Automatik-Getriebe an Bord haben wollen.  Das Doppelkupplungsgetriebe ist die eierlegende Wollmilchsau unter den Getriebe-Varianten.  Das PDK-Getriebe arbeitet unauffällig und betont verschliffen.

Wer  gediegen und souverän ohne sportliche Attitüde unterwegs ist, erlebt die Mr. Jekyll Variante des Getriebes und wechselt blitzschnell zur  Mr. Hyde Variante, binnen Bruchteile einer Sekunde, sobald man dem sportlichen Anspruch des Cayman gerecht werden will.  Porsche bietet zu diesem PDK-Getriebe ein Sportlenkrad mit Schaltpaddel  an. Die hierfür aufgerufenen 416,50€  sollte man definitiv investieren, da die Schaltpaddel deutlich angenehmer und intuitiver  zu bedienen sind, als die „Schaltwippchen“  des normalen Lenkrades.

Weiterhin war der Testwagen mit folgender Zusatzausstattung im Test:

  • Mechanische Hinterachssperre
  • Sitzheizung links und rechts
  • Tempomat
  • Elektronisches Sportfahrwerk PASM
  • RDK – Elektronische Reifendruck Kontroll-Anzeige
  • Klangpaket  (Lautsprecher-Paket mit mehr „Wumms“)
  • Alarmanlage
  • Windschutzscheibe mit Graukeil
  • Automatische Klimaanlage
  • Sport Chrono Paket Plus
  • Porsche Communication Center (Navigation und Autotelefon mit Touchscreen-Display) und Multimedia Anschlussbuchsen
  • Fussmatten
  • Felgensterne in schwarz lackiert (für 19“ Alufelgen –zum Testzeitpunkt nicht montiert!)
  • Mittelkonsole (hinten – zwischen den Passagieren) in Wagenfarbe lackiert
  • Gurte in Wagenfarbe lackiert

Das macht alles zusammen einen Gesamtpreis von 75.547,95€  –

und den getesteten Cayman zu einem veritablen Sportwagen mit komfortabler Ausstattung.

Wer es noch sportlicher mag, bestellt den 330PS starken Cayman R,  beläßt diesen in der Grundkonfiguration und ordert als einziges Extra das famose Porsche Doppelkupplungsgetriebe. Der freundliche Porsche Händler wird dann in Summe  74,536,45€ aufrufen.

Wer es jedoch komfortabler und ohne Dach wünscht, für den steht in dieser Summe eine Porsche Boxster S in umfangreicher  Ausstattung bereit.

Porsche macht es auf der einen Seite besonders leicht, die Fahrzeuge aus dem eigenen Haus zu lieben – im gleichen Schritt wird die breite Palette an Modellen und Sonderausstattungen jedoch zu einem echten Knackpunkt für Menschen die sich nur schwer entscheiden können.

Der Alltag und der Porsche:

Meine Frau hat den Cayman mehrfach für die Fahrt zur Arbeit nutzen können und mir im Anschluss nur berichtet: „Ja, ist ein schönes Auto.“ Muss man mehr dazu sagen?

Wer denkt ein Porsche sei für den Alltag nicht geeignet, kann sich bereits vom kleinen Sportler Cayman eines besseren überzeugen lassen.  Vorrausschauendes fahren und dabei im Verkehr mit schwimmen anstatt vorne weg zu sprinten belohnt der Stuttgarter Sportler mit einem Verbrauch von deutlich unter 9l/100km und das ohne besondere Askese im Sinne von:  „Verzicht üben zu müssen“.

Im Gegenteil – Leistung und Leistungsbereitschaft des Sechszylinder Boxers in der Zusammenarbeit mit PDK-Getriebe verleihen dem Alltagsverkehr eine Form von würdevoller Gelassenheit.

Jedoch nur, solange weder die Sport, noch die Sport-Plus Taste auf der Mittelkonsole gedrückt werden. In Verbindung mit der Sport-Taste der elektronischen Dämpferverstellung wird ansonsten aus der Fahrt „mal eben“ zum Supermarkt – ein Ausflug zum Col de Turini des kleinen Mannes. (Ich kenne ein paar Ecken hier bei uns im Spessart…aber lassen wir das…)

Kurzum, der Porsche Cayman ist in der Lage auch aus weniger schönen Tagen, etwas besonderes werden zu lassen, einfach nur in dem man mit ihm ein paar Kurven fährt.  Ich bin daher überzeugt, „Porsche fahren“  ist  als eine der 4 Aufgaben die man als Mann im Leben gestellt bekommt, so wichtig zu erfüllen, weil Freude und Genuß erwiesenermaßen geeignet sind das Leben zu verlängern.

In diesem Sinne;

Mein Fazit:

Nachdem ich nun erfolgreich den Punkt 4 mehrfach abhaken durfte, werde ich mich nun wieder Punkt 1 bis  3 widmen. Aber zuerst fahre ich noch eine kleine  Runde mit dem Cayman durch unseren Spessart, es gibt da eine Kurve….

Porsche Cayman

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