Jedes Jahr versammeln sich die Liebhaber automobiler Juwelen bei den Classic Days auf Schloss Dyck.

Inzwischen zum 14. Mal und wie stets am ersten Augustwochenende öffnet das Schloß Dyck im Rhein-Kreis Neuss seine Pforten für die Liebhaber automobiler Juwelen. Auf dem Dycker Feld versammeln sich 7.500 Klassiker, stolz präsentiert von ihren Besitzern, zum größten Open-Air-Fahrzeugmuseum Deutschlands. 45 ausgewählte Automobilbau-Masterpieces nicht nur aus Deutschland, messen sich beim Concours d’Elegance in den Kategorien „Design“, „Originalität“ und „Innovation“. Bei den „Racing Legends“ lassen geschichtsträchtige Rennfahrzeuge den Motorsport vergangener Tage auf dem 2,8 Kilometer langen Rundkurs wiederaufleben. In beiden Fällen übernehmen die Experten vom TÜV-Rheinland den Technik-Check für die Sicherheit der Fahrzeuge.

Alle Klassiker erhalten nach der Abnahme die obligatorische Tropfpappe vom TÜV-Rheinland, damit weder Öl noch Kühlwasser in den Boden eindringen können.

Fast 99% bestehen die Abnahme durch den TÜV-Rheinland  

„Wir kontrollieren Lenkung, Räder, Reifen, Beleuchtung und Bremsen und schauen nach möglichen Ölverlusten an Motor und Getriebe“, erläutert Joachim Schultz, gelernter Karosserie-und Fahrzeugbaumeister. Dem Porsche 912 in auffälliger, aber etwas unregelmäßiger Lackierung Blutorange Tangerine aus dem Jahr 1966 klebt er jetzt die diesjährige Plakette auf die Windschutzscheibe, die dem Fahrer das „Bestanden“ attestiert. Der Besitzer, Dr. Ulrich Busch aus dem nahen Köln-Worringen, ist ein alter Hase. Gerade viermal konnte er nicht am Classic Day teilnehmen, ansonsten war er immer dabei. Während er den Sechszylinder startet, murmelt der TÜV-Rheinland-Mann Joachim Schultz „Ohnehin bestehen fast 99% der Prüflinge die – übrigens hier kostenfreie Abnahme- durch uns; die Fahrzeuge sind schon im eigenen Interesse der Eigentümer meist im Bestzustand“.

Die Experten vom TÜV-Rheinland übernehmen den Technik-Check für die Sicherheit der Fahrzeuge.
Aus Sicherheitsgründen überprüft der TÜV-Rheinland Beleuchtung, Räder, Reifen, Lenkung und Bremsen bei den Fahrzeugen, die an den Rundkursen teilnehmen.
Auch den Beleuchtungstest besteht der Porsche 912 aus dem Jahr 1966 problemlos.
Die Fahrzeuge sind schon im eigenen Interesse der Eigentümer meist im Bestzustand.
Dr. Busch (links im Bild) ist ein routinierter Teilnehmer der Classic Days.

Nicht jeder Oldie ist ein „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“

Wenn es darum geht, den tatsächlichen Wert eines Klassikers zu ermitteln, kommt Norbert Schroeder zum Zug, langjährige Mitglied der international besetzten Jury des Concour’s de Elegance und Leiter des TÜV Rheinland Competence Center Classic Cars. Er weiß genau, was bei der Bewertung von Sammlerfahrzeugen eine entscheidende Rolle spielt. Als ein anerkannter Experte in der Klassikerszene und geschätzter Gutachter bei Wertermittlungen, Schäden und Kaufberatung beantwortet er am Stand des TÜV-Rheinland mit den Fachleuten der TÜV-Prüfstellen in der Region alle Fragen rund um historische Autos. Beispielsweise die zur Vergabe von H-Kennzeichen. Längst nicht jeder Oldtimer zählt zu den „kraftfahrzeugtechnischen Kulturgütern“.

Ohne Zweifel eine der wertvolleren automobilen Juwelen: Ein Porsche 356 a Speedster 1600 aus den fünfzigern.

Automotive Forensik soll helfen, Original und Fälschung zu unterscheiden   

„Entscheidend ist, dass der Originalzustand nicht durch unfachmännische Restaurierungen zerstört wurde“, betont Schroeder. Nur dann, wenn der damaligen Zeit entsprechende Teile nachträglich eingebaut wurden, stehe der Vergabe eines H-Kennzeichens nichts im Weg. Besonders die original erhaltenen Exemplare, die von einer Reparatur oder Restaurierung verschont blieben, sind meist auch extrem teuer, weil nicht reproduzierbar und in ihrer Herkunft weitestgehend zweifelsfrei. Sebastian Hoffmann, Geschäftsführer des Privaten Instituts für Automotive Forensik, hat es sich zum Ziel gesetzt, in nahezu detektivischer Akribie Fahrzeuge auf Fälschungen und Manipulationen zu untersuchen. Per Röntgenbild können durch Ausschleifen geänderte Fahrzeugnummern ermittelt werden, Durchstrahlungsverfahren helfen bei der Suche nach untypischen Schweißnähten und Spektralanalysegeräte können das Alter von Stählen in Sekundenschnelle identifizieren. „Der Aufbau von Datenbanken soll helfen, das Wissen um die urprüngliche Herstellung von Original-Fahrzeugteilen öffentlich zugänglich zu machen“, zeigt Hoffman auf. Sinnvoll bei schätzen, die schnell in sechsstellige Bereiche gehen.

Damit automobile Juwelen auch künftig unter sich bleiben und keine Fälschungen kursieren, ist eine Datenbank für Teile und Fahrzeuge sinnvoll.

Text und Fotos: Solveig Grewe