Erlkönig: So fährt Mercedes in die Zukunft

Eigentlich sollte diese Studie erst 2015 der Welt-Öffentlichkeit präsentiert werden. Auf der CES in Las Vegas wird Mercedes-Benz eine ganz eigene Interpretation des „Selbstfahrenden Autos“ präsentieren. Unserem Erlkönig-Fotografen sind allerdings bereits jetzt die ersten Fotos des „Google-Gegenentwurfes“ gelungen. Noch vor ein paar Wochen machte der Internetriese google große Schlagzeilen mit einem eigenen „autonomen Auto“. Jetzt scheint es, als wäre die klassische Automobil-Industrie bereit für eine Antwort.

Mercedes – Autonomer Luxus für die Zukunft

Autonomes fahren und neue Konzepte für den Innenraum

Das futuristische Gefährt, noch als Erlkönig getarnt, wirkt doch arg verändert gegenüber den heute bekannten Fahrzeugen. Und auf dem ersten Bild erinnert er mich stark an ein Batmobil. Doch zurück zur „realen Zukunft“:  Wenn wir in der Zukunft autonom unterwegs sein werden, dann wird man sich als Automobil-Hersteller Gedanken machen müssen, wie der Innenraum sinnvoller genutzt werden kann. Stupide hintereinander sitzen und jeder starrt auf die eigenen Füße? Vermutlich nicht das Konzept für die Zukunft.

Mercedes-Benz hat zu deren Ideen vor kurzem einen Einblick in die eigene Forschungsarbeit gewährt. Der Erlkönig zum „autonomen Mercedes“ eignet sich daher bestens um mit zwei Artikeln zum „autonomen fahren“ und dem „Innenraumkonzept der Zukunft“ weiter zu machen.

Vom Erlkönig auf diesen Bildern gibt es dann spätestens im Januar neue Fotos, richtige Fotos 🙂

Weiterführende Artikel:

 

 

Das Google-Auto – Jetzt wird es ernst

Google stellte in der vergangenen Woche ein Auto vor. Ein eigenes Auto. Ein Auto das viel näher am Begriff des ursprünglichen „Auto“ parkt, als es die seit über 100 Jahre bekannten Droschken unserer noch aktuellen Epoche des „Selbstfahrers“ tun.

Der US-Konzern hat nicht vor unter die Automobilbauer, so wie man es heute kennt, zu gehen. Wenn man in Mountain View über Lösungen nachdenkt, dann tut man dies oftmals unter völlig neuen Gesichtspunkten, mit neuen Aspekten und so verwundert nicht, das – was die Googlianer nun vorgestellt haben – einen klassischen Motor-Journalisten mit Fragezeichen hinterlässt.

100 Selbstfahrende Autos – made by google

Wir nutzen Google jeden Tag. 3.5 Milliarden Suchanfragen verarbeitet Google, täglich. Google hat längst die eigenen Sphären als „Betreiber einer Suchmaschine“ verlassen und wurde zum wichtigsten Technologie-Unternehmen der Welt. Wir suchen nicht im Internet, wir googeln. Das eigene Smartphone stammt entweder von Appel, oder es läuft mit einem Betriebssystem von google. Andere Anbieter? Längst zu Nischen dekradiert. Wer erinnert sich noch an Nokia? Einst die Helden der mobilen Telekommunikation. Wer erinnert sich an Motorola? Die Telekommunikationssparte von Motorola gehört heute zu google. Zwei Konzerne die mit Telefonen nichts am Hut hatten, haben die Welt der Telekommunikation verändert.

Droht dieser Umbruch nun der Automobil-Industrie?

Auf einer Podiumsdiskussion am Rande der AMI in Leipzig wurden Vertreter der Automobil-Industrie gefragt, ob die Entwicklung des „Google self driving vehicle“ eine Bedrohung für die etablierten Automobil-Hersteller darstellt. Blauäugig in meinen Augen die Antwort: Nein. Denn was man dort zeigen würde, wäre ja nur eine Ergänzung zu dem was man selbst anbietet. Ein Teil des Spektrums der Mobilität.

Wenn man sich da mal nicht irrt. Und dieser Irrtum könnte so schmerzlich sein, wie der Irrtum bei Motorola oder Nokia. Erst einmal wird google „nur 100 Fahrzeuge“ für einen Feldversuch fertigen. Das tut keinem Automobil-Hersteller weh, richtig. Aber es ist auch nur die erste Phase einer neuen Idee.

Autofahren ohne Lenkrad und Gaspedal – so die Überschrift des Artikels über das Google-Auto bei Motor-Talk.

Sicher. Das was Google im ersten Schritt vorstellt, sieht aus wie eine chinesische Kopie des SMART. Ein Auto ohne Lenkrad und Pedale zudem. Ein Fahrzeug soweit weg von den Vorstellungen der aktuellen Generation von Autofahrern, dass man es zunächst auch gar nicht dieser Gruppe von Menschen vorgestellt hat. Senioren, Kinder und Menschen mit einer Behinderung werden beim ersten Kontakt mit dem „Google-Car“ gezeigt. Die Reaktionen? Enorm.

Und nie zuvor war ein Auto, mehr Auto – als dieses „Google-Automobil“. Schlagen wir im Lexika nach -alternativ googeln wir – Auto kommt von autonom und steht demnach für Eigenständigkeit, für Unabhängigkeit, für die Möglichkeit Freiheiten zu besitzen. Und das Google Auto? Ist es nicht das wirklich erste „autonome“ Auto? Es fährt völlig ohne die direkte Beeinflussung durch den Fahrer. Es kann feste Routen nach Fahrplan abfahren, es könnte per Smartphone gesteuert die Wünsche des Insassen befolgen, ohne das dieser sich weiter mit der Aufgabe des „fahrens“ beschäftigen müsste. Der Mensch wäre frei in seiner Zeit – gleichwohl er sich gerade frei gemacht hat von der Beschränkung auf einen Ort. Seitdem wir uns als Menschen bewegen, wir uns von A nach B bewegen, müssen wir hierfür eine Aktion durchführen oder uns an mehr oder minder fixe Rahmenbedingungen halten. Reiten? Nicht ohne Pferd und ohne diesem zu sagen was es tun soll. Während der gesamten Strecke. Fahrrad fahren? Nicht ohne in die Pedale zu treten, die Umwelt zu beobachten und zu reagieren. Fortbewegung, das überbrücken von Entfernungen war immer eine Arbeit. Es bedarf der steten Überwachung von Technik, von Systemen und Netzen. Der Straßenverkehr ist mitunter die komplexeste Kombination von Autonomie, die sich der Mensch hat ersinnen können.

Das alles kann das erste „selbstfahrende“ Automobil ohne uns. Und genau deswegen kann sich das Google „self-driving vehicle“ zu einer Killer-Applikation entwickeln. Es erfüllt unsere Wünsche nach Mobilität, nach autarker Unabhängigkeit – ohne die negativen Eigenheiten des Alltagsverkehrs mit sich zu bringen. Von A nach B, jeden Tag wiederkehrend? Das kann das google-car erledigen. Die Zeit im Fahrzeug? Es schenkt uns diese zurück.

Sicher – sich fahren lassen, funktioniert schon heute. Bus, Bahn, Taxi und Chauffeurs-Dienste erfüllen uns diesen Wunsch auch. Doch zu welchem Preis? Mit der Hilfe von unfassbar gewaltigen Infrastruktur-Lösungen. Das erste selbstfahrende Auto bietet völlig neue Lösungen, bequeme Unabhängigkeiten. Es befreit uns vom Streß des Alltags im Stau. Der Verkehr darum herum? Car-to-X Funktionen werden die Mobilität der Zukunft neu definieren. Und das google-auto mag nicht in der Konkurrenz zu einem aktuellen Automobil stehen – richtig – aber es steht in der Konkurrenz zur Lösung von Fragen der Mobilität.

Mobilität neu definiert

Auch wenn Automobil-Hersteller im Augenblick gerne über die Fragen von selbstfahrenden Autos und umfassender Assistenzsysteme diskutieren. Wer denkt – google wäre keine Gefahr für das eigene Geschäftsmodell – hat aus der Vergangenheit nichts gelernt. Technologiekonzerne wie Google bringen neue Lösungen für altbekannte Probleme und sie tun es mit dem Pragmatismus eines Unternehmens, dasdie Freiheit besitzt, außerhalb bekannter Lösungs-Szenarien zu denken.

Und wer sich den Videoclip zum Google-Automobil anschaut, der sollte verstehen – wie groß die Chancen zum Erfolg von „autonomen“ Fahrzeugen ist. Denn der Mensch sucht genau diese Form der Mobilität. Eine Form die ihm geschenkt wird, minimiert im Aufwand der Umsetzung. Um von A nach B zu kommen langt in der Zukunft das eintippen eines Ziels. Der Rest wird vom autonomen Automobil erledigt.

Und das soll keine Gefahr, kein Wettbewerb, für aktuelle Automobil-Hersteller sein? Ihr täuscht Euch gewaltig! 

Ausgerechnet mit Google, einem Anbieter von „Dienstleistungen“ wird es den ersten Wettbewerber für die Automobil-Industrie geben, den diese fürchten sollte. Denn dort bietet man eine Lösung an, die man so bislang nicht umsetzen konnte. Statt dessen sprechen wir über Fahrfreude. Über das emotionalisieren des Fahr-Erlebnis. Sicher. Das gibt es. Aber nicht im Alltag, im Stau – jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit. Da haben wir andere Wünsche und ausgerechnet ein Unternehmen aus einer anderen Branche zeigt den Platzhirschen wie das funktioniert – mich erinnert das sehr an die Ereignisse rund um das Mobiltelefon.

… wake up call..

Kutsche ohne Kutscher

Es war 1888 als Bertha Benz die erste Kutschfahrt ohne Pferde unternahm. 1888 war es noch völlig normal, dass Kutschen von Pferden gezogen wurden und hoch auf dem Kutschbock saßen die Kutscher und lenkten die Fuhre auf ihren Wegen. Als Bertha Benz mit ihren Söhnen die erste Fahrt von Mannheim nach Pforzheim unternahm war es eine Sensation, wenn sich die Fuhre ohne Pferde in Bewegung setzte. Ebenso ungewöhnlich war die Beschaffung des Kraftstoffs. Apotheken waren gefragt. Tankstellen waren damals unbekannt. Dafür sind Tankstellen heute oftmals für ihre Apotheken-Preise bekannt.

Kutsche ohne Pferde, Kutsche ohne Kutscher

Mehr als 120 Jahre später haben wir uns daran gewöhnt, den Kraftstoff an Tankstellen zu bunkern und unsere Kutschen ohne Pferde zu betreiben. Aus dem Kutschbock wurden bequeme Sitze, gerne aus Leder, mit Sitzheizung und auf Wunsch und bei der Wahl der richtigen Marke, auch mit einer Massagefunktion. Wellness auf Rädern. Wir haben uns daran gewöhnt, dass uns Autos nicht nur von Mannheim nach Pforzheim bringen, sondern überall hin und das völlig ohne dabei  auf unserem Weg Pferdeäpfel zu verlieren, wie Hänsel und Gretel ihre Brotkrumen.

Doch die nächste Sensation steht bereits vor der Tür. 

War es um die Jahrhundertwende (1899/1900) eine Sensation, wenn die Kutsche ohne Pferde auskam, wird der nächste Schritt die Entwicklung von Kutschen ohne Kutscher sein. Und Mercedes-Benz steht wieder einmal ganz vorne in den Startlöchern.

Noch sind viele rechtliche Fragen ungeklärt – die Technik aber, ist vorhanden. Mercedes-Benz hat dies kurz vor der IAA in Frankfurt bewiesen und ein Video online gestellt.

Auf der „Memorial-Route“ von Bertha Benz, der Original-Strecke der ersten Kutschfahrt ohne Pferde, hat Mercedes-Benz in einer aktuellen S-Klasse bewiesen, dass es bereits heute möglich ist, nicht nur auf Pferde zu verzichten, sondern auch auf den „Kutscher“ – beeindruckend.

Doch Mercedes-Benz will den Kutscher nicht arbeitslos machen, die Zukunft wird sein, dass man frei wählen kann – wann man dem Auto die Führung überlässt und wann man als Fahrer in das Lenkrad greift. Stau und tägliche Pendler-Strecken könnten mit einem „Roboter-Kutscher“ jedoch völlig neue Chancen bieten.

Der persönliche Chauffeur – mit „Autonomen fahren by Mercedes-Benz“, eine charmante Idee.