Das Kind von Kermit und Batman im Rennstrecken-Test

Gute Geschichten fangen ja oft mit einem: „Es war einmal … “ an. So könnte ich auch mein Rendezvous mit dem Mercedes-AMG GT R anfangen. Es war einmal, in Laguna Seca, da hatte Habby, den damals noch nicht alle „Habby“ nannten, eine Eingebung. Es war wie eine Art Erleuchtung. Es war dieses „once in a lifetime feeling“ , das ich erfahren durfte. Und es war damals noch kein AMG GT R, sondern der kaum harmlosere AMG GT S, der mich beeindruckte. Der mir erklärte, sehr nachhaltig, wie sportlich ein AMG wirklich sein kann. Alle Vorurteile wurden binnen Minuten in den bewölkten Himmel Kaliforniens geblasen. Bernd Schneider, der AMG GT S, ein Satz Michelin Cup2 und ich. Es war so beeindruckend, ich kann nicht anders als heute, fast drei Jahre danach, noch immer davon zu schwärmen. 

The beast from the green hell

Mercedes-AMG GT R auf dem BILSTER BERG

Die Weltpremiere des Mercedes-AMG GT R wiederum erlebte ich im vergangenen Jahr live. Bei der Presse-Fahrveranstaltung war dann leider für Habby kein Platz. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. 50 Jahre AMG und eine mittlerweile beeindruckende GT-Familie boten den richtigen Rahmen, noch einmal das Erlebnis AMG GT R zu ermöglichen. Kurz bevor der Herbst über das Land zieht, das Wetter ungemütlich wird, lud AMG ein, nicht nur das 50 Jahre- Sondermodell des AMG GT C zu erleben, sondern auch, das „Biest aus der grünen Hölle“ auf der vermutlich schönsten „Nicht-Rennstrecke“ zu erleben. Der BILSTER BERG ist eine Teststrecke, keine Rennstrecke. Aber was für eine „Nicht-Rennstrecke“. Es gibt Stellen, die erfordern ein mächtiges Gemächt beim Fahrer. Die Mausefalle zum Beispiel. Doch anstatt Peak-G-Kräfte zu erleben, stand Nassgrip-Erfahrungen sammeln ganz oben auf der Agenda. Denn der Wettergott hatte nur wenig gute Laune zum Event mitgebracht.

Vom Michelin Cup zum Pirelli P Zero „Nassgrip-Reifen“

Wenn 585 PS und 700 Nm zum Dienst antreten, dann zählt die Verzahnung zwischen schwarzem Gold, dem Reifenrund und dem Asphalt doppelt. Dumm nur, wenn ein feiner – oder auch mal derber – Wasserfilm diesem Vorhaben einen Abschluss für Freischwimmer mit goldenem Seepferdchen voraus stellt.

Der speziell von Michelin in Zusammenarbeit mit den Rennprofis von AMG für den GT „ohne Bindestrich“ R entwickelte Cup 2 wird ein wenig zickig, wenn das Wasser daumentief auf der Strecke steht und das Thermometer zudem bereits den Winter ankündigen will. Doch bei AMG ist man auch darauf vorbereitet und so darf ich meine ersten AMG GT R Runden auf dem Bilster Berg mit einem P Zero bereiften „Beast“ drehen. Warum ich das erwähne? Nun – der P Zero ist bereits ein super grippiger Sportreifen. Aber – stellt man den speziell entwickelten Cup 2 daneben – dann verblasst sein Glanz wohl deutlich. Deutlich weicher.

Hinterachslenkung, breitere Spur, massive Reifengrößen, adaptives Fahrwerk und selbst eine Uniball gelagerte Hinterachse – dies alles verblasst, wenn eine feuchte Strecke primär ESP und Traktionskontrolle auf die Prüfung stellen. Für AUTOHUB haben wir die ersten Runden im Video festgehalten – (hier auf Youtube) – später am Tag wurde die Strecke trocken. Und bei AMG packte man die Michelin Cup 2 auf die Fahrzeuge. Völlig befreit vom Zwang einer Moderation durfte ich dann noch einmal ran.

Der Laguna Seca Moment am Bilster Berg

Eigentlich ist es völlig egal, wie viel PS ein Sportwagen hat. Wie viel Nm sich auftürmen. Wenn die Strecke nass oder feucht ist, dann kann dir jeder Sportwagen den Stift gehen lassen. Primär dann, wenn du das Auto auf einer Rennstrecke zum ersten Mal fährst und die Rennstrecke kaum besser kennst, als die Zufahrt zur Hauptverwaltung der DUH. Gut. Ich durfte schon ein paar Runden auf dem 4.2 km langen Bilster Berg fahren, aber mit 585 PS? Noch nie. Und auch wenn die P Zero weniger zickig im feuchten waren als (vermutlich) die Michelin Cup 2- wenn dir bei Tempo 180 auf der „Pömbser Höhe“ in einer der Kuppen der massiv beflügelte Hintern des GT R weggehen will – dann bist du eben doch ein wenig eingeschüchtert.

Da hilft es dem Ego auch nicht, wenn vor dir Jan Seyffarth die gleiche Stelle schneller und ohne Querbewegung durcheilt hat. Überhaupt. Diese Rennfahrer.

In Kalifornien war es Bernd Schneider. Auf dem Bilster Berg war es nun Jan Seyffarth. Rennfahrer haben einen völlig anders geschulten Hintern. Die spüren den Gripabriss, bevor er beim Durchschnitt im Cortex ankommt. Und wo der grobmotorische Journalistenfuß das Gaspedal stumpf in die Fußmatte drückt, da spielt der Profi mit den Zehen die Klaviatur des sensiblen Motorsteuergerätes. Heiland. Es ist am Ende nur das Auto fahren. Und dennoch, gleiches Werkzeug, gleicher Ort, gleiche Zeit und dennoch trennen einen einfach Welten.

Gefühlt ist der Abstand im Regen Lichtjahre groß – im trockenen kaschiert das brutale Gripniveau des GT R diese Differenzen auf die Distanz, die man einen Kirschkern spucken kann. Und das ist das Verdienst des GT R. War der AMG GT S bereits eine Offenbarung, schreibt der GT R das Kapitel „Fahrbarkeit und Vertrauen“ in der heiligen Schrift der Supersportwagen völlig neu.

Es muss immens viel Feinarbeit gewesen sein, die man in die Weiterentwicklung des AMG GT gesteckt hat. War der GT S noch ein wenig Spitz beim Einlenken, vermittelt der GT R bei den letzten Runden des Tages, auf trockener Strecke, genau die Form von Feedback und Präzision, die es eben benötigt, will man den 700 Nm V8-Bi-Turbo-Brummer in seiner grellen „Green Hell Magno-Lackierung“ korrekt in den Scheitelpunkt einer Kurve setzen. Überhaupt ist der donnernde Tiefflug über die von Hermann Thilke gezeichnete Teststrecke auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionslagers von derart viel Vertrauen gekennzeichnet, dass man prompt nach einem Nachschlag bei der Leistungsstufe verlangen will. 585 PS sind sicher nicht das Ende der Fahnenstange – vor allem, wenn man die hängende Berg-ab Links, die Mutkurve, durcheilt und dabei das Gefühl bekommt: Aerodynamik und mechanischer Grip des GT R würden hier noch mehr erlauben.

Mechanischer Grip und Aerodynamik werden von der donnernden Rampensau, dem V8 mit dem Hot-V, permanent in den Hintergrund gedrängt. Dabei sind beide am beeindruckenden Erlebnis ebenso beteiligt wie der scheinbar nach Belieben aufblasbare 3.982 ccm(hoch3) große Bi-Turbomotor. Wer sich nicht zum ersten Mal hinter das Steuer eines Sportwagens setzt, der fasst so schnell Vertrauen zum GT R, wie dieser benötigt, um aus dem Stand auf Tempo 100 zu spurten. Der GT R mag, gerade in „green hell magno“ aussehen, als würde Kermit ein Batman-Kostüm tragen, aber all sein Flügelwerk ist nicht der Show verpflichtet, sondern der Balance und dem Abtrieb. Und dass man mit einer Allradlenkung und Uniball-Gelenklagern eine adaptive Dämpfungseinstellung noch einmal eine fahrdynamische Krone aufsetzen kann – auch das beweist der Kermit aus Gotham-City Affalterbach.

Mercedes-AMG GT R, man bekommt ihn auch ohne Make-Up und grellen Farben

Wer Trackdays liebt, aber im Alltag nicht ständig angestarrt werden möchte und sich dennoch mit einem AMG GT anfreunden könnte – was immer auch eine Frage der finanziellen Möglichkeiten ist, kostet der AMG GT R immerhin über 165.000 € – der fragt sich vermutlich, ob es nicht auch eine weniger dramatische Lösung gibt. Gibt es. Der Mercedes AMG GT C kann fast alles so gut wie der R, nur weniger dramatisch in seiner Optik. Er sitzt leistungsmäßig oberhalb des S und unterhalb des R, besitzt aber die Achskinematik und die Hinterachslenkung des R und natürlich kann man ihn auch in gänzlich unauffälligen Farben bestellen – wie zum Beispiel in einem „graphite grey magno“. Okay, das war ein Scherz. Unauffällig ist ein AMG GT halt nie …

Natürlich ist auch der GT C nicht wirklich unauffällig 😉
Der Bilster Berg – eine extrem anspruchsvolle Strecke!

Blogger-Vollgasparty am Bilster Berg

#BBBD2016 und 40 Jahre GTI

Die erste Liebe? Vergisst man nicht. Das erste Mal? Vergisst man auch nicht.

Meine erste Liebe auf vier Rädern war ein Volkswagen Golf GTI, Bauhjahr 1979, 1.6 Liter Hubraum und 110 PS stark. Mein erstes Mal auf der Rennstrecke am Bilster Berg? Ebenso emotional. Denn die anspruchsvolle Rennstrecke im Teutoburger Wald bietet ein einzigartiges Umfeld. Allerdings ist beides ein wenig her und so war es mir eine besondere Freude, als Jens Stratmann den zweiten #BBBD2016 ankündigte. Den Bilster Berg Blogger Day 2016. Dieses Mal zusammen mit Volkswagen, denn die haben in diesem Jahr 40 Jahre GOLF GTI (GTI-Premiere 1975 auf der IAA, erste Auslieferung 1976!) auf dem Programm. Da kamen also die wichtigsten Punkte zusammen: Meine erste Liebe und die großartige Rennstrecke Bilster Berg.

40 Jahre GTI – Eine Driving Experience

Mein erstes Auto, der Einser Golf GTI hatte 110 PS, bei einem Leergewicht von gut unter 900 kg hat das auch ausgereicht um ordentlich Spaß zu haben. Der GTI hat damals eine völlig neue Fahrzeugklasse gegründet. „Hot Hatches“ – also Kompakte Autos mit Dampf. Die Geschichte des VW Golf GTI erzählt dann auch von leidenschaftlichen Ingenieuren die mehr Benzin im Blut hatten, als Respekt vor dem Vorstand und dann einfach mal einen Einspritzermotor von der Konzerntochter Audi in den „Typ17“ gebaut haben. Das Ergebnis? Ein 3.7, kurzer Kompaktwagen der locker 180 km/h lief und damit dann damals auf der Autobahn für „verblüffte“ Gesichter sorgte. Anfang der 80-Jahre war das ein echter Heißsporn.

Der Bilster Berg war zu dieser Zeit noch ein Munitions-Depot. 40 Jahre nach dem GTI-Debüt ist jedoch auch aus dem ehemaligen Munitions-Depot der Briten, ein Depot der gänzlich anderen Sorte entstanden.

Vom Munitions-Depot zum Fahrspass-Depot

Die vom Star-Architekten Hermann Tilke entworfene Strecke ist 4.2 km lang und bettet sich in die hügelige Landschaft zwischen Teuteburger-Wald und dem Eggegebirge. Sie erinnert durchaus an die Nordschleife, ist anspruchsvoll und gerade der Abschnitt „Mausefalle“ verlangt gekniffene Po-Backen.

Das besondere an der Rennstrecke Bilster Berg ist die Grund-Idee, die dahinter stand. Eine art „Automobiler Country-Club“ für Menschen die so richtig viel Spaß am Auto und vor allem am sportlichen Fahren eines Autos haben. Seit Beginn des Jahres hat der BILSTER BERG jedoch die Taktik ein wenig geändert und will sich öffnen für die Automobil-Industrie. Denn kaum ein anderer Fleck ist derart gut geeignet um neue Automobile zu präsentieren, schnelle Runden zu fahren und fantastische Events zum Thema „Auto“ abzuhalten, wie diese 2013 eröffnete Rennstrecke. Neben der anspruchsvollen Rennstrecke gibt es große Frei- und Dynamikflächen und sogar einen Offroad-Parcours. Die ideale Renn- und Teststrecke. Automobilrennen wird es hingegen am Bilster Berg nicht geben.

Hot Hatch-Tradition und Zukunft, Blogger und der Bilster Berg

Der Bilster Berg Blogger Day 2016 war geprägt von der Volkswagen Experience, die mit einer Horde an PS-starken Hot Hatches am Bilster Berg eintrafen. Vom 180 PS starken Volkswagen Polo, bis zum Clubsport Golf GTI, dem Ur-ur-ur-ur-Enkel meiner ersten Liebe. Die karierten Sitzbezüge sind noch da und unter Haube schlägt noch immer ein Vierzylinder-Herz, nun aber mit Turboaufladung und dank Boost-Funktion, bis zu 290 PS stark.

Zusammen mit den erfahrenen Instruktoren der VW Driving Experience gingen die Blogger-Kollegen auf die Erkundung des Bilster Berges, auf die Suche nach der Ideallinie. Als „alter Sack“ oblag es mir, die Moderation für das von Jens geplante Video zu übernehmen. Die oft von „Glückshormonen“ gefluteten Gesichter der Blogger-Kollegen haben mir jedoch gezeigt: „Wäre ich mal besser mitgefahren, anstatt nur zu reden“.

Bevor das VIDEO online geht, hier die Impressionen des 2. Bilster Berg Blogger Days 2016: 

Ideale Bedingungen am Bilster Berg. Nicht nur eine Rennstrecke. Eine echte PTRLHD-Event Arena!
Ideale Bedingungen am Bilster Berg. Nicht nur eine Rennstrecke. Eine echte PTRLHD-Event Arena!
Bevor man in das Lenkrad greift, gibt es ein paar Dinge die man beachten sollte.
Bevor man in das Lenkrad greift, gibt es ein paar Dinge die man beachten sollte.
Die Theorie startet IMMER vor der Praxis.
Die Theorie startet IMMER vor der Praxis.
Wie war das mit der Ideallinie? Wo treffen wir sie?
Wie war das mit der Ideallinie? Wo treffen wir sie?
Noch einmal zuhören, kurz bevor es losgeht.
Noch einmal zuhören, kurz bevor es losgeht.
Üben, üben, üben. Im 180 PS Polo GTI auch eine Spaß-Angelegenheit.
Üben, üben, üben. Im 180 PS Polo GTI auch eine Spaß-Angelegenheit.
Blogger, Youtuber und der GTI.
Blogger, Youtuber und der GTI.
Auf geht es zur schnellen Runde.
Auf geht es zur schnellen Runde.
Dynamik ist Teil des Bilster Berg Blogger Days.
Dynamik ist Teil des Bilster Berg Blogger Days.
Vom 180 PS Polo, zum Golf R und dem Golf GTI Clubsport. Einfach tauschen und noch einmal fahren.
Vom 180 PS Polo, zum Golf R und dem Golf GTI Clubsport. Einfach tauschen und noch einmal fahren.
#läuft
#läuft
Beim freien fahren durften die Kollegen dann auch die privaten Spielsachen auspacken.
Beim freien fahren durften die Kollegen dann auch die privaten Spielsachen auspacken.
Der Bilster Berg Blogger Day 2016 in nur einem Foto!
Der Bilster Berg Blogger Day 2016 in nur einem Foto!
Der Initiator und sein "Rolf". Jens Stratmann
Der Initiator und sein „Rolf“. Jens Stratmann

Ein authentischeres Event? Kaum machbar. 

Die Unterstützung durch die VW Driving Experience und deren erfahrenen Instruktoren, darunter der aktuelle Rekordhalter für das schnellste FWD-Fahrzeug (Serie) auf der Nordschleife, Benjamin Leuchter, hat die Blogger und Youtuber optimal auf die Fahrt auf der Rennstrecke vorbereitet. Der Bilster Berg ist anspruchsvoll und mit einem bis zu 300 PS starken Kompaktsportler ist eine schnelle Runde vor allem eines: Übungssache. Die Instruktoren der VW Driving-Experience sind jedoch geschult im Umgang mit Renn-Novizen und so gab es am Ende des Tages vor allem „glückliche Gesichter“ und kein geknittertes Blech.

Ob es 2017 auch einen „Bilster Berg Blogger Day“ geben wird? Ich bin mir ziemlich sicher … !

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Mehr zum #bbbd2016?

Gerne: http://www.nenalisi.de/news/bilster-berg-bloggerday-2016

 

 

#BDBB Blogger Day Bilster Berg 2015

#BDBB: Blogger Day Bilster Berg – Eine Horde Blogger auf der Piste

#BDBB Blogger Day Bilster Berg 2015

Bilster Berg. Wer auch nur ein wenig aufs Auto abfährt, dem glänzen in freudiger Erwartung die Augen. Organisator Jens Stratmann hatte gerufen. Der Berg, der Bilster Berg, rief auch. Am 1. April 2015 sollten 20 Blogger und Petrolheads zusammenkommen und die Strecke des Bilster Berg Drive Resorts entern. Und das war kein April-Scherz.

Eine Schande, dass es so lang dauern musste, bis mein Geschwurbel über den #BDBB online geht. Der Blogger Day Bilster Berg mag schon einige Monate her sein, aber Faszination und Fahrspaß kennen kein Verfallsdatum.

2015 #BDBB Blogger Day Bilster Berg

Per aspera ad astra – Die Anreise

Von Berlin aus machte ich mich mit dem Suzuki Swift Sport auf den Weg nach Bad Driburg – von Ost nach West, mitten durch den damals wütenden Orkan Niklas. Da ich meine Winterreifen auf der Strecke nicht runterraspeln wollte und die Temperaturen ohnehin konstant über 0° lagen, entschloss ich mich, die Räder zu wechseln. Klar, wenn schon auf den Track, dann gefälligst mit Sommerreifen. Doch schon am Nachmittag, als ich mich am 31. März aufmachen wollte, zeigten Niklas’ Vorboten, was uns wettertechnisch erwarten sollte: Regen, Hagel, Schnee.

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Mann gegen Frau – Die Entscheidung auf der Rennstrecke

Wer kennt das nicht in einer Partnerschaft: „Alles was du kannst, das kann ich viel besser!“ – „Kannst du nicht!“ – „Kann ich doch!“ doch was so humorig im Musical Annie get your gun besungen wird, kann hinter dem Lenkrad eines Autos durchaus mal zu Diskussionen führen. Denn hier geht es schließlich um die Ehre des Mannes, der diese Zeilen schreibt. Autofahren, das ist ganz klar meine Domäne. Dazu kommt: hunderte von Runden habe ich auf der Nordschleife abgerissen, da kommt doch jetzt nicht mal eben meine Freundin, setzt sich ins Auto ohne jegliche Rundstreckenerfahrung und ist dann schneller? Also brauchen wir einen Schiedsrichter. Neutral und kompetent, wenn es um schnelles Autofahren geht. Wir wenden uns an Gedlich Racing, denn die wissen, wie man mit Heißspornen umgeht und einen Plan hat das Team rund um Chefinstruktor und Rennfahrer Markus Gedlich auch gleich zur Hand: ein separates Coaching für mich und meine „Wilde Hilde“.

Wer bügelt hier? Und wen?

Mann vs. Frau – Die Entscheidung am Berg

Kreis Höxter im Spätherbst. Es ist kalt, die Wolken hängen tief. Genau nicht das richtige Wetter für den Showdown der erhitzen Gemüter im Geschlechterkampf. Noch ist es ruhig auf der hier Anfang 2013 eröffneten Rennstrecke Bilster Berg. Wikipedia bezeichnet diesen 4,2 Kilometer langen Rundkurs emotionslos als Test- und Präsentationsstrecke für Fahrzeuge auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots der Britischen Streitkräfte. Was eine technokratische Untertreibung, denn als uns Instruktor Daniel Schwerfeld bei der Hand nimmt und uns um diese beeindruckende Berg- und Talbahn führt, staunen wir beide nicht schlecht. „Noch Fragen?“ Daniel steht grinsend vor uns, nachdem wir in die steil abstürzende Mausfalle geblickt haben, den Kopf weit in den Nacken legen mussten, um den Ausgang aus der Steilwand zu finden und das Geschlängel zwischen Munitionsfeld und Telegrafenbogen uns fast schwindelig gemacht hat. Ja, wir haben eine Frage: warum haben wir uns ausgerechnet hier verabredet, um zu klären, wer schneller ist? Die Antwort ist bestechend: „Ihr kennt beide die Rennstrecke nicht und ihr habt die Möglichkeit, auf ein und dem selben Auto von uns gezeigt zu bekommen, wie man hier am besten rumkommt.“

Aha, rumkommen. Und mit was? Vor uns steht ein in hellblau und rot gehaltener Opel Corsa OPC, vorbereitet für den Einsatz auf der Rennstrecke: leergeräumt, mit Käfig, Schalensitze, Vierpunktgurte, Semislick, Differenzialsperre, 200PS stark und ausgestattet mit dem Race Navigator One, einem unbestechlichen Datarecordingsystem, das Rundenzeiten, Geschwindigkeit, sowie Längs- und Querbeschleunigung misst und zusätzlich auch noch die Insassen und die Strecke filmt. Es ist also angerichtet und ich fasse zusammen: Unbekannte Strecke, unbekanntes Auto und… ach ja, der Rundkurs ist nass und rutschig. Das kann ja heiter werden. Der Meinung ist auch unser Instruktor, der als erstes meine Freundin Daniela auf dem heißen Sitz des Co-Piloten verzurrt und dann mit dem Corsa kernig röhrend die Boxengasse verlässt.

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Photocredits: Thomas Wysocki

 

Kernig röhrend auf die erste Runde 

Drei Runden später kommen Daniel und Daniela grinsend wieder zum Pitstop: Fahrerwechsel und es scheint, die beiden haben richtig Spaß auf dem feuchten Geläuf. Als der Trainer und seine Schülerin nach ein paar weiteren Runden  wieder in die Boxengasse rollen, sich den per Saugnapf an der Frontscheibe befestigten Race Navigator schnappen und in ein stilles Kämmerlein zurückziehen, wird mir klar, wie ernst es die beiden meinen. Übertragen auf einem Tablet wertet der Coach die Daten aus und diskutiert sie mit meiner Partnerin. Ich bin zum Zuschauen verurteilt und bin zutiefst beeindruckt, wie man mit dieser Applikation Kurvengeschwindigkeiten, Bremspunkte und Beschleunigung übereinanderlegen und vergleichen kann. So akribisch, wie die beiden ins Detail gehen, haben sie ihr Lernziel klar im Visier und es wird deutlich: egal, ob Rennstreckennovizin oder alter Trackday Fuchs, beim 1:1 Coaching werden alle gleich behandelt und das Ergebnis ist verblüffend. Oder in Zahlen ausgedrückt: 17 Sekunden finden die beiden zwischen Danielas erster und letzter Runde. Doch es kommt den Instruktoren gar nicht so sehr auf den reinen Zeitgewinn an, sondern um das Gespür für Auto und Strecke. „Viele Teilnehmer nutzen die Breite einer Rennstrecke für ihre Ideallinie nicht optimal aus und passen ihren Fahrstil auch nicht auf die Charakteristik des Autos an.“ bringt es Daniel auf den Punkt. Und damit wendet er sich mir zu: „Los, Helm auf, festschnallen und Abfahrt. Du solltest ja eigentlich wissen, wie man sich auf einem Rundkurs bewegt.“ Das schon, doch auch mich bewahrt das nicht vor einer klaren Manöverkritik: ich bremse manche Kurven zu hart an, anstatt mich sanft in die Radien hineinzubremsen. „Du musst flüssiger fahren und mehr Speed mit in die Kurven nehmen.“ Auf geht es zum zweite Stint und nach etwas verunsichertem Start spüre ich deutlich das Ergebnis meiner Bemühungen: Daniel muss nicht mehr so stark nicken, als ob er in einem Smart sitzen würde und der Navigator spuckt eine acht Sekunden schnellere Rundenzeit aus. Daniel grinst zufrieden: „Weißt Du, genau darum mache ich diesen Job so gerne, denn jeder kann bei uns noch etwas lernen.“

Geschlechterkampf: Race-Mode: ON!

Und der geschwindigkeitsgetriebne Geschlechterkampf? Die männliche Ehre wurde gerettet. Mit etwas über 11 Sekunden konnte ich die beste Frau an meiner Seite distanzieren. Doch die reinen Rundenzeiten gilt es zu relativieren, denn sich innerhalb eines 45 minütigen Trainings um 17 Sekunden zu steigern, ist beeindruckend und zeigt ihre steile Lernkurve oder wie unser Coach sagt: „Daniela hat echt Potenzial“. Ich komme mir dagegen mit meiner achtsekündigen Verbesserung eher schwach vor.

Nichtsdestotrotz beweisen beide Ergebnisse, wie intensiv sich das Gedlich Racing Instruktorenteam beim 1:1 Coaching mit seinen Kunden auseinandersetzt und diese motiviert, ohne sie zu überfordern. So erfahren sich nicht nur Neulinge den Spaß an der Haftungsgrenze, auch den erfahrenen Hasen können etliche neue Aspekte bei der Suche nach dem Limit auf der Rennstrecke mitgegeben werden. Der moralische Sieger ist also ganz klar Daniela, denn sich ohne Vorkenntnisse in einen Trackday samt Coaching zu stürzen, verdient höchsten Respekt.

Die Frage, wer im automobilen Geschlechterkampf schneller ist, kann somit also nicht final beantwortet werden. Es riecht nach Revanche und auch dafür hat Gedlich Racing eine Lösung parat: Ein Wintertraining unter der wärmenden Sonne Südspaniens auf dem herrlichen Kurs von Ascari.

walter röhrl

Walter Röhrl im 911 Turbo am Bilster Berg

Walter Röhrl ist eine Legende, eine Legende die man heute noch bei Porsche-Events hinter dem Lenkrad erleben kann. Fabian hatte das Glück und konnte bei der Präsentation des 911 Turbo, ein kurzes Interview mit Walter Röhrl führen.

Ein OnBoard-Video von seiner flotten Runde mit Röhrl hat Fabian auch online gestellt:

Ihr solltet Euch das komplette Video anschauen und danach das Interview mit Walter Röhrl lesen – klick mich..

 

Hinweis: Das oben im Bild, das bin ich – nicht Fabian 😉 und das Foto stammt von der Motorshow Essen 2012.

Dunlop-Sportreifen auf dem A45 AMG

Mercedes-AMG rüstet das neue Modell A 45 AMG mit 19 Zoll-Bereifung ab Werk mit dem Sport Maxx RT aus.
Der Hightech-Sportreifen wird 2013 exklusiv in der Dimension 235/35 R19 91Y  montiert und bietet ein ausgezeichnetes Gripniveau, hervorragende Bremsleistungen sowie eine auf den Allradantrieb des Kompaktsportlers abgestimmte spezielle Reifenkonstruktion.

„Für den neuen A 45 AMG haben wir bereits frühzeitig zusammen mit Mercedes-AMG begonnen, die Spezifikation unseres Sport Maxx RT zu definieren und zu entwickeln“,

sagt Dr. Bernd Löwenhaupt, Direktor Automotive Engineering bei Goodyear Dunlop.

„Besonders der performance-orientierte Allradantrieb 4MATIC war hier natürlich Neuland für uns. Dazu haben wir bei der RT-Spezifikation für den A 45 AMG ein Konzept verwendet, das eine sehr spezielle Karkasskonstruktion mit Aramidverstärkungen beinhaltet“,

so Löwenhaupt weiter. Damit konnte ein minimaler Bremsweg und ein maximales Gripniveau sowohl auf 2013-06 Sport Maxx RT auf A 45 AMG_Reifentrockener als auch auf nasser Fahrbahn erreicht werden und das bei gleichzeitig sportlichem und sehr ausbalanciertem Handlingverhalten. Nach umfangreichen Tests, zusammen mit Mercedes-AMG vor allem auf der Nürburgring Nordschleife, konnte so dem hohem Anspruch des A 45 AMG an Grip, Bremsleistung und Sportlichkeit entsprochen werden.

Soweit so gut, die Presse-Meldung von Dunlop. Ich persönlich konnte den A45 mit genau diesen Reifen bereits auf der neuen Rennstrecke am Bilster Berg bewegen und fand das gesamte Fahrzeug extrem harmonisch.  Der A45 AMG rennt mit diesem Reifen wie eine wilde Wutz um alle Biegungen – das hat richtig Laune gemacht.

 

 

 

 

Unter Druck – Fahrbericht A 45 AMG

Mit der neuen A-Klasse hat es Mercedes-Benz im letzten Jahr ernst gemeint. „A wie Angriff“ lautete das Motto und aus der Ex-Kutsche für Senioren wurde ein scharfer HotHatch. Ob richtig oder falsch – das will ich an dieser Stelle nicht mehr diskutieren. Die A-Klasse wird als Kompaktwagen ihren Weg gehen.  Mit dem neuen Top-Modell der Baureihe – oder anders, mit dem neuen Einstiegsmodell der Mercedes-Sportwagenabteilung AMG demonstrieren die Schwaben nun, wie ernst sie es mit dem „Angriff“ gemeint haben.

Kraftwerk kompakt

Mit 360 PS Leistung spielt der A 45 AMG weit oberhalb der Golf GTI-Liga. Die einzigen Mitwerber um die Krone in der Kategorie „most powerful hot hatch“ sind andere: ein BMW M135i oder ein – derzeit nicht mehr erhältlicher – Audi RS3.  Auch der kommende Audi S3 erreicht die Leistungswerte der kraftvollsten A-Klasse nicht.

A45 AMG

360 PS HotHatch – 250 km/h schnell

A Klasse mit Druck A45

So beschreibt ihn der Hersteller:

„..ein agiles und emotionales High-Performance Fahrzeug für das urbane Leben..“

„…außergewöhnliche Kombination aus sportlichen Fahrerlebnis, extravagantem Design und höchster Individualität..“

„..enorm viel Fahrspaß mit vier Zylindern..“

  • Hubraum: 1.991 ccm³
  • Bauart: 4-Zylinder Reihen-Turbomotor
  • Drehmoment:  450 Nm – 2.250/ 5.000 Umdrehungen
  • Antrieb:  7-Gang Doppelkupplung Allradantrieb

A45 AMG Motor zwei Liter

Turbodruck in allen Lagen

Mit dem leistungsstärksten Zweiliter-Vierzylinder Turbomotor für Serienfahrzeuge feiert AMG den Einstand in die Welt der Kompaktwagen. 360 PS sind ein Machtwort in dieser Fahrzeugklasse und das Leistungsverhältnis je Liter Hubraum (180PS/Liter) überragt viele große Sportwagen-Namen. Neben der Höchstleistung des kleinen Vierzylinders, ist es vor allem das massive Drehmoment von 450 Nm zwischen 2.250 und 5.000 Umdrehungen, welches  sportlichen Fahrer das Grinsen in das Gesicht meißelt.

Wie bei allen AMG-Modellen, so wird auch der für AMG-Verhältnisse eher putzige Vierzylinder von AMG-Mannen per Hand zusammengebaut. Und weil man zur Qualität steht, kleben auch auf den A-Klasse Motoren von AMG die Plaketten mit dem Schriftzug des Monteurs. One Man, one Engine. Der Slogan gilt weiterhin!

A45 AMG Reifen Felgen 19

Fahrwerks-Perfektion

Es gibt Mitwerber, die lassen auch mehr als 300 PS über die Vorderachse auf die Straße – zur Freude von  Reifenhändlern, zum Frust der Besitzer bei Regen und anderen nicht idealen Straßenzuständen.  Den Kammschen Kreis bekommt man nicht eckig und so kann die Vorderachse auch bei kompakten Fahrzeugen am Ende eben nur eines: Die Richtung vorgeben oder die Kraft auf den Boden bringen.  AMG hatte den Allradantrieb in ihren Modellen, erst vor kurzem im neuen E63 AMG 4matic als Option vorgestellt – bei der neuen A-Klasse kamen die Kraft-Experten aus Affalterbach nicht mehr darum herum, den Allrad als „Basis“ zu nutzen. Und die Entscheidung war richtig. Sie war gut. Der A 45 AMG kennt keine Traktions-Probleme, er hechtet einfach bei jedem Leistungswunsch nach vorne. Das Gaspedal fest auf das Bodenblech gehämmert und das Küken im AMG-Nest krallt sich entschlossen in den Asphalt. Das funktioniert nicht nur geradeaus, sondern auch in Kurven. Vor allem in Kurven. Nervöse Reaktionen sind dem Fahrwerk hierbei fremd. Idiotensicher – das hören die AMG-Mannen nicht gerne, ich umschreibe es daher lieber als: Unproblematisch und souverän – egal wer am Lenkrad dreht.

Auf Landstraßen ist man im Prinzip ständig in der Gefahr, seinen Führerschein auf Lebzeiten zu verlieren – viel zu viel Laune macht der 360 PS und viel zu einfach macht er es seinem Piloten, die volle Leistung des Motors auch auf die Straße zu bringen.

A45 Drehzahlmesser

Eindrücke und Emotionen

Es war daher nur sinnvoll, die echten Talente der Über-A-Klasse auf der Rennstrecke zu erfahren. Nürburgring und Hockenheim kenne ich ganz gut – den Sachsenring eigentlich gar nicht und den Bilster Berg, den wollte ich unbedingt kennen lernen.

Und auf dieser völlig neuen Rennstrecke im Niemandsland zwischen Kassel und Hannover gelegen, konnte ich auf abgesperrter Strecke nachprüfen wie ernsthaft der sportliche Anspruch der A-Klasse in der AMG-Variante wirklich ist.

ESP off, das Automatikgetriebe auf „Sport“ gestellt und den Helm am Schalensitz abgestützt. Wer jetzt gefühllos auf das Gaspedal trampelt, der katapultiert die A-Klasse in 4.6 Sekunden auf 100 km/h. Die Auspuffanlage trompetet in einem für Vierzylinder untypischen Sound. Er brummt, er bratzelt, er faucht. Grummelnd bis fauchend lässt man den A45, über die Kuppen und Wechselkurven der neuen Achterbahn am Bilster Berg fliegen.

Der Profi-Rennfahrer Jan Seyfarth führt uns über die richtige Linie am Bilster Berg und hinter dem großen Bruder der A-Klasse, dem SLS, dürfen wir mit jeder Runder ein wenig näher an das Limit des kleinen AMG.  Und dabei zeigt sich vor allem eines:

Das Limit ist mit einer Butterweichen Linie gezogen. Keine fiesen Reaktionen sobald man über die Haftgrenze der Reifen kommt. Auf der Rennstrecke bestätigt der A 45 AMG,  was er auf der Landstraße bereits angedeutet hatte:

Im Feld der „kleinen wilden Kompaktsportlern“ hat der A45 AMG das Talent ein Großer zu werden! 

A45 und CLA 45 AMG im Bild

Fazit:

A wie Angriff. Der A 45 AMG ist eine fast ebenso beeindruckende wie dreiste Erscheinung unter den sportlichen Kompakten. Vor allem als Edition One wirkt sein Make-Up für den Kriegspfad jedoch schlicht „too much“. Der feuchte Traum von post-pupertären Führerschein-Neulingen wird als A 45 AMG ein vermutlich nicht refinanzierbarer Wunsch bleiben. Und das ist auch gut so. Der Einstandspreis von 49.682,50 € sorgt für eine simple, finanzielle Selektion, im Kreise der Kaufinteressenten.

Mich persönlich hat der A 45 AMG mächtig beeindruckt. Nie zuvor haben vier Zylinder in einem Kompaktwagen auf einer Rennstrecke für soviel Druck gesorgt und soviel Laune gemacht.

Achso:

Seinen Namen hat der A45 im übrigen vom „Leistungniveau“ seines Antriebs bekommen – er liegt „halt so“ zwischen einem 400er  und 500er Mercedes.