BMW Plug-in-Hybride – Pole-Position halten

Kein europäischer Premiumhersteller hat bislang mehr elektrifizierte Autos verkauft als BMW. Die Bayern tun alles dafür, damit das so bleibt – und starten jetzt eine wahre Hybridoffensive.

Wer von sich behauptet, unter den Premium-Marken jener Autohersteller zu sein, der weltweit am meisten elektrifizierte und vollelektrische Modelle verkauft, hat natürlich gut damit zu tun, seinen Spitzenplatz zu behaupten. BMW konnte im vorigen Jahr knapp 100.000 Autos mit Plug-in-Hybridtechnik absetzen. Rekord. Der batterieelektrische Carbon-Flitzer i3 erfreut sich gar von Jahr zu Jahr steigender Beliebtheit. Waren es im ersten vollen Verkaufsjahr 2016 noch 16.000 Einheiten, sind es jetzt fast zweimal so viele. Ebenfalls Rekord. Ausschlaggebend dafür ist die doppelte Reichweite gegenüber dem Erstmodell. Für BWM Grund genug, den extravaganten City-Stromer über den normalen Lebenszyklus von sieben Jahren noch ein paar zusätzliche weiterlaufen zu lassen. Als sicher gilt allerdings: Einen Nachfolger in gleicher Karbontechnik wird es nicht mehr geben.

Mindestens zehn Modelle mit Plug-in-Hybrid – als Kennzeichen dient ein kleines „e“ hinter dem Typenschild – wollen die Bayern in den kommenden 20 Monaten auf die Straße schicken. „Anders sind die Brüsseler CO2-Vorgaben nicht zu schaffen“, gibt Wolfgang Kremer, Projektleiter 7er Plug-in-Hybrid, ohne Umschweife zu. Die Luxus-Limousine bildet den Auftakt zur Strom-Offensive. Seit wenigen Wochen ist der neue 745e im Markt, ersetzt den seit Juli 2016 gebauten 740e. Dieser hatte innerhalb der Baureihe einen Anteil von sieben Prozent, in Deutschland waren es elf Prozent. Laut Kremer soll dieser Wert „deutlich zunehmen“, allein schon wegen der steuerlichen 0,5-Prozent-Regelung bei Dienst- und Firmenwagen.

Der 745e erhielt einen stärkeren E-Motor (80 anstelle 50 kW) sowie eine Batterie mit fast 20 Prozent mehr Energieinhalt. In ihr stecken Speicherzellen der von BMW intern genannten 4. Generation. Sie lösen die 3B-Zellen ab und werden sukzessive in allen Plug-in-Hybrid-Modellen Einzug halten. Davon betroffen sind auch die schon länger erhältlichen Modelle 225xe und 530e. Deren Updates stehen für Juli auf dem Plan. Beim Fünfer erwarten Branchenkenner ebenfalls einen 545e, heißt: Sechs- statt Vierzylinder-Verbrenner und damit eine deutlich bessere Laufkultur. Genau daran hat es dem 740e nämlich gemangelt. Der Zweiliter-Vierzylinder war übertriebener Sparzwang, zumal die neue Kombination mit dem B-58-Reihensechser sogar weniger verbraucht als das alte Duo. Als ausgemacht gilt: E-Maschine in Verbindung mit B 58 bekommt auch der X5 eingesetzt, während es beim X3 30e beim Vierzylinder B 48 bleibt.

Spekuliert werden darf über den X1. In China fährt er als 25 Le bereits als Plug-in-Hybrid herum und erhält derzeit ein Batterie-Update. Montiert werden auch hier Zellen der Generation 4. Damit soll er, bedingt durch seinen längeren Radstand und der damit verbundenen größeren Batteriekapazität, auf eine elektrische Reichweite von 110 Kilometer kommen. Er wäre so bestens präpariert, um die Käufer in den Genuss steuerlicher und zulassungstechnischer Incentives kommen zu lassen – in China ein großes Thema. In Europa sollte es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis es auch hier den X1 25e gibt. Schließlich könnte er aufgrund seines vermutlich hohen Absatzvolumens maßgeblich die Reduzierung des CO2-Flottenwertes beeinflussen. Wenig Investment würde es zudem erfordern, diesen Antriebsstrang auch im X2 sowie im nun ebenfalls auf UKL2 basierenden neuen 1er zu verbauen.

Weil Europa vereintes Kombi-Land ist, wird BMW für diese Märkte im nächsten Jahr wohl auch seine Flotten- und Dienstwagen-Bestseller 3er Touring und 5er Touring hybridisieren und auf mindestens 55 bis 60 Kilometer elektrische Reichweite bringen. Freunde des induktiven und damit kabellosen Ladens sollten sich allerdings noch in Geduld üben. Zwar sind die Testphasen weit gediegen, zu einem Serieneinsatz vor Ende 2020 kann sich BMW aber noch nicht durchringen. Die Entwicklung wurde gemeinschaftlich mit den Kollegen aus Stuttgart betrieben. Die übrigens wollen bis Ende kommenden Jahres auch über zehn elektrifizierte Modelle im Showroom haben. Es bleibt also spannend, das Rennen um die Plug-in-Pole-Position.