Elektroautos stellen klassische Vorfahren ins Abseits – Genfer Zeitenwende

Nach Jahren als Mauerblümchen sind auf der Genfer Automesse die Neuheiten mit Elektroantrieb auf Augenhöhe mit ihren klassisch angetriebenen, Benzin oder Diesel verbrennenden Ahnen. Zumindest, was die Zahl der Exponate betrifft.

Genf im Frühling, der Mont Blanc trägt seine Schneehaube, erste wärmende Strahlen besiegen den sterbenden Winter. Wie immer Anfang März sind die Stellplätze auf dem nahen Flughafen mit Privatjets zugeparkt, dunkle Limousinen schaufeln Massen von anzugtragenden Managern, Journalisten und Zaungästen zu den Eingängen der großen Ausstellungshallen. Die Autowelt trifft sich zur ersten Messe des Jahres auf europäischem Boden, der Genfer Salon gibt den Startschuss zum neuen Autojahr. Schönere, schnellere, stärkere Autos aller Art sollen die Gewinne der Konzerne auch in den kommenden Monaten sprudeln lassen und die Aktionäre beglücken.

Erstmals ist die Zahl der Neuvorstellungen von E-Autos auf Augenhöhe mit den klassischen Ausstellungsstücken, hier die elektrische Variante des Peugeot 208, der gleichzeitig auch als Verbrenner debütiert

So war das in den letzten Jahrzehnten. Und nun ist alles ganz anders in diesem Jahr 2019, das vielleicht später einmal als ein endgültiger Wendepunkt in die Geschichte der Traditionsmesse eingehen wird. Natürlich wabern die Dauerthemen Strafzölle, Brexit, Diesel oder drohender Verkehrskollaps durch die Hallen. Allesamt Tretminen, die von den Chefs der Ausstellerfirmen bei ihren Auftritten auf den Premierenbühnen sorgfältig umschifft werden. Solche Krisen gab es immer. Viel wichtiger und folgenreicher aber ist die Zeitenwende, für die der Genfer Salon in diesem Jahr steht.

Die alte Autowelt mit chromblitzenden Fünf-Meter-Schiffen, kraftstrotzenden Achtzylindern und ultraflachen Geschossen für die linke Spur ist auf dem Rückzug. Natürlich stehen sie da noch, die Bugatti, Lamborghini oder Bentley, die auf kleinen Stellschilder Effizienzklasse G zugeben müssen, die schlechteste überhaupt. Flankiert werden die Dinos durch Sportwagen-Kleinserien eher unbekannter Hersteller wie Pagani (562 kW/765 PS für einen Roadster namens Huayra) oder Zenvo mit dem Mittelmotor-Giganten TSR (866 kW/1177 PS). Beide fanden wie viele andere Platz dank prominenter Absagen renommierter Hersteller wie Ford, Opel oder Jaguar, deren freigewordene Lücken aufgefüllt werden mussten.

Kleine Unternehmen verheiraten den Spaß mit der grünen Vernunft, wie Hispano Suiza mit dem Carmen. Zwei E-Motoren liefern zusammen 750 kW/1.019 PS

Alles Beispiele für PS-Riesen, die ein Stück weit für den aussichtslosen Überlebenskampf der automobilen Saurier stehen. Denn das Umfeld hat sich geändert. Der deutsche Manager eines Dax-Konzerns, der nicht genannt werden will, sagt: „Das ist kein Umbruch, das ist ein Erdbeben“. Er meint damit die neue Welt mit ihren zumindest vor Ort abgasfreien Antrieben, immer stärker werdenden Batterien und höheren Reichweiten. Erstmals ist die Zahl der Neuvorstellungen von E-Autos auf Augenhöhe mit den klassischen Ausstellungsstücken. Fifty-fifty ist erreicht, schon im nächsten Jahr könnten die Stromer in der Überzahl sein.

Natürlich sind einige der Premieren noch Konzeptautos wie der Audi Q4 E-Tron oder die elektrischen Kleinbusse wie Mercedes EQV (stammt von der V-Klasse ab) und VW T6. Doch die Premiere im richtigen Leben ist nicht irgendwann in der Zukunft, sondern in wenigen Monaten. Batteriegespeiste Versionen von normalen Kleinwagen wie dem neuen Peugeot 208 werden Normalität. Dazu kommen zahllose sogenannte Plug-In-Hybride (an der Steckdose aufladbar), mit denen Mercedes, BMW oder auch Audi ihre bescheidener gewordenen Stände zuparken. Elektro ist nun mal das neue Öl, der saubere Motor der Mobilität, die dann auch noch autonom werden wird.

Die Sorge um das, was früher Fahrfreude genannt werden durfte, ist dabei unbegründet. Denn es haben sich kleine Unternehmen gegründet, die den Spaß mit der grünen Vernunft verheiratet haben. Beispiel ist die Wiedergeburt eines längst vergessenen Marke. Hispano Suiza, in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts eine Ikone der Mächtigen und Reichen, feiert in Genf eine Wiederauferstehung. Mit dem Carmen, den der spanisch-schweizer Hersteller als „elektrischen Hyperlux Grand Tourer“ beschreibt. Zwei E-Motoren liefern zusammen 750 kW/1.019 PS. Die Reichweite der Batterie soll bei 400 Kilometern liegen, natürlich nicht, wenn die mögliche Spitzengeschwindigkeit des 4,73 Meter langen Zweisitzers (250 km/h) ausgereizt wird. Preis: 1,8 Millionen Euro. Auch andere kleine Start-ups wollen mit Hochleistungs-Stromern den Anschluss halten, darunter der Erstling von Toni Piëch (40), dem Sohn des früheren VW-Chefs Ferdinand Piëch. Sein elektrischer Sportwagen trägt den Namen Piech Mark Zero.

Nach Jahren als Mauerblümchen sind auf der Genfer Automesse die Neuheiten mit Elektroantrieb auf Augenhöhe mit ihren klassisch angetriebenen, Benzin oder Diesel verbrennenden Ahnen. Ein Bote der neuen Zeit: der Piech Mark Zero

Bei aller elektrisierenden Hochspannung geht in Genf die Sorge um den Fortbestand der klassischen Automessen um. Zu teuer für die Hersteller, abnehmende Besucherzahlen und Absagen wichtiger Marken bereiten nicht nur den Messe-Managern Sorge. So ist heute schon klar, dass fast 20 bekannte Marken auf der IAA in Frankfurt im Herbst fehlen werden.

Elektroautos – Kein Platz für Rad und Ski

Jeder weiß, Elektroautos müssen mit ihrer Energie knausern, will der Fahrer die ohnehin knappe Reichweite möglichst voll auskosten. Selbst unter guten Bedingungen sind mehr als 150 Kilometer kaum zu schaffen – von den Tesla-Modellen und dem neuen Opel Ampera-e einmal abgesehen. Im Winter darf gut und gerne ein Drittel der Reichweite der Heizung geopfert werden. E-Autos erreichen nur noch gu…

Mobilitätskosten – E-Autos ab 2024 nicht teurer als Benziner

Der Kauf eines Elektroautos könnte sich ab 2024 auch finanziell lohnen. Dann lägen die Kosten für Kauf und Betrieb in den ersten vier Jahren auf dem Niveau eines benzinbetriebenen Pkw, wie die europäische Verbraucherschutzvereinigung Beuc berechnet hat. Berücksichtigt werden dabei Kaufpreis und Wertverlust, Kraftstoff, Wartung und Versicherung. Aktuell liegen die Kosten für Elektroautos bei knapp 29.000 Euro und damit noc…

Konventionelle Antriebe dominieren die LA Auto Show – Hubraum statt Hochvolt

Benzin ist in den USA, verglichen mit unseren Preisen, immer noch spottbillig und abgesehen von den Küstenregionen begegnen Elektroautos den meisten Amerikanern nur in den Abendnachrichten, wenn mal wieder eine Batterie in Flammen aufgeht. Zwischen Kentucky und Nevada sind nach wie vor große Autos mit noch größeren Motoren das Maß der Dinge. Die aber sind nicht gerade geeignet, um di…

Elektromobilität – Die Last mit dem Laden

Norwegen hat 14 Mal weniger Einwohner als Deutschland, aber mehr elektrische Ladesäulen. Die Niederlande hat nur zwölf Prozent der Fläche Deutschlands, versorgen den E-Auto-Fahrer aber mit rund viermal so vielen Ladesäulen. Auch in Frankreich und Großbritannien stehen doppelt so viele Stromtankstellen wie bei uns. Jüngste Zahlen belaufen sich auf knapp 6.500 öffentlich-zugängliche Ladestationen, darunter etwa 150 Schnelllader, die man i…

News: Nissan steigert Absatzzahlen in Europa

Nissan kann deutschlandweit mehr als 5.200 Neuzulassungen im Januar verbuchen. Punkt. Aber in welchem Verhältnis steht diese Zahl? Ist das viel? Wenig? Es geht so? Nun, im Januar ist Nissan damit wieder die klare Nummer eins unter den japanischen Automobilmarken in Deutschland. Dennoch sanken die Absatzzahlen gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,1 Prozent. Doch das liegt vor allem daran, dass dieser ein sehr starker Monat war. Welche Modelle bilden das Fundament des Japaner und wie ist der Trend bei ihnen zu verbuchen?

Zum Anfang des Jahres 2016 gönnt sich Nissan zunächst noch eine kleine Verschnaufpause, wenn man das so sehen möchte. Der zum Vergleich herangezogene Januar des Jahres 2015 war ein ungewöhnlich starker Monat, sodass mit rückläufigen Zahlen im diesjährigen Januar zu rechnen war. Aber mit einer erneute Steigerung des Marktanteils ist im weiteren Jahresverlauf eindeutig zu rechnen, schließlich beginnen die Japaner gerade den Start einiger neuer Modelle, wie etwa dem Nissan Navara.

Das zeigt sich allein schon am durchschnittlichen Marktanteil. Im vergangenen Jahr lag er bei 2,1 Prozent und schafft es im Januar sich um 0,3 auf insgesamt 2,4 Prozent zu steigern. Hier ist aber der erwartete Aufschwung durch neue Modelle noch nicht mit inbegriffen. Doch Nissan verlangt keine Wunder, sondern will seinen Markenanteil in Deutschland sukzessive ausbauen. Das kann mit dem Anteil leichter Nutzfahrzeuge gezeigt werden: Im Vergleich zum Januar 2015 wurde der Markt anteil um 0,5 auf 2,5 Prozent gesteigert. Verkauft wurden also insgesamt 431 Nissan Nutzfahrzeuge. Einen Löwenanteil von fast einem Drittel macht aber der Crossover Nissan Qashqai aus. 1.800 Exemplare setzten die Japaner im diesjährigen Januar ab. Weitere Säulen sind der Nissan Micra mit 950 Neuzulassungen, sowie der Nissan Juke mit 850 neu angemeldeten Exemplaren.

Einen kleinen Aufschwung lässt auch die Prämie für Elektrofahrzeuge erwarten. Schließlich spielt Nissan eine Vorreiterrolle bei emissionsfreien Autos. So zählt der Nissan Leaf zu den meistverkauftes E-Auto der Welt. Zudem befindet sich noch der vollelektrische Transporter e-NV200 im Portfolio und könnte, zusammen mit dem elektrischen Kompaktmodell, eine kleine Absatzsteigerung durch die Prämie verbuchen.

VDA-Präsident Wissmann: „Wir brauchen einen Startimpulus für Elektrofahrzeuge“

2015 war ein schwieriges Jahr für die Automobilindustrie und ob 2016 ein besseres wird, ist noch längst nicht ausgemacht. Wir sprachen mit VDA-Präsident Matthias Wissmann über die Herausforderungen des abgelaufenen und des kommenden Jahres.

Im Gespräch: Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA)

„Wir brauchen einen Startimpulus für Elektrofahrzeuge“

Der VW-Skandal überschattet das Autojahr 2015, aber auch einige schwächelnde Märkte sowie politische Unsicherheiten belasten das Geschäft. Und die Elektromobilität kommt vor allem in Deutschland einfach nicht in Schwung. Wie sieht der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Vertreter von über 600 Mitgliedsfirmen das Jahr 2015 im Rückblick und was dürfen wir von 2016 erwarten?

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie
Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie

Terrorismus, Flüchtlingsströme, VW-Skandal, schwache BRIC-Staaten, China mit reduziertem Wachstum. Welche Krise hat Sie im abgelaufenen Jahr am meisten beschäftigt?
In der Tat blicken wir  auf ein turbulentes Jahr mit vielen Herausforderungen zurück.
Obwohl manche Märkte eine schwache Performance boten – insgesamt legt der weltweite Pkw-Markt auch 2015 zu: Westeuropa, China und die USA liegen im Plus. Und natürlich waren wir sehr betroffen, als uns die Nachrichten zu VW und Diesel während der IAA erreicht haben. Wir sind von den Ingenieursleistungen in unseren 600 Mitgliedsunternehmen absolut überzeugt. Es ist bestürzend, wenn in so einem bedeutenden Unternehmen wie VW bei der Schadstoffemission manipuliert wurde.

Nach dem VW-Skandal häufen sich die kritischen Stimmen zum Dieselmotor. Kann er – auch angesichts des notwendigen Aufwands bei der Abgasreinigung – überhaupt noch eine echte Antwort für die Mobilität von morgen sein?
Die Anti-Diesel-Lobby ist derzeit lautstark unterwegs. Immer wieder wird der Versuch unternommen, den Diesel – oder gar die gesamte Automobilindustrie – unter Generalverdacht zu stellen. Dagegen wehren wir uns, mit Fakten und Argumenten. Es wäre völlig unberechtigt, wegen eines Vorgangs in einem Unternehmen jetzt die gesamte Dieseltechnologie  in Frage zu stellen, bei der die Deutschen bekanntlich weltweit führend sind. Der moderne Euro 6 Diesel erreicht mit modernsten Abgasnachbehandlungstechnologien bei der Reduktion von Schadstoffen Topwerte. Und vor allem  ist er effizienter als der Benziner. Das macht ihn so beliebt.

Er ist ein unverzichtbarer Helfer, um die beiden großen ökologischen Aufgaben erfolgreich zu meistern: die Reduktion von Schadstoffen einerseits, und die Minderung der CO2-Emissionen andererseits. Jedes zweite Auto, das in Westeuropa neu zugelassen wird, ist ein Diesel. Und jeder zweite Diesel, der in Westeuropa verkauft wird, trägt ein deutsches Markenzeichen. Die moderne Diesel-Technologie ist ein Ausweis deutscher Ingenieurskunst. Euro-6-Diesel sind nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße sauberer und sparsamer. Der Diesel ist wie die Elektromobilität eine Zukunftstechnologie mit großer Bedeutung für Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland.

Hat die Autoindustrie im Wettkampf um das letzte Zehntel Verbrauchsreduzierung die Grenzen des Legalen zu weit gedehnt, um noch praxisgerechte Werte zu erzeugen?
Noch einmal: Es geht um Manipulation in einem Unternehmen, nicht in der gesamten Branche! Software-Tricks und gefälschte Emissionsangaben widersprechen dem Selbstverständnis der Industrie. Die anderen Hersteller haben im Zuge der Ereignisse klar erklärt, dass es Software-Manipulationen in Form so genannter „Defeat Devices“ bei ihnen nicht gibt. Die Unterscheidung ist wichtig: Illegale Manipulationen von Abgaswerten sind etwas anderes als reguläre, technisch bedingte Unterschiede von Labormessungen und Emissionen im Straßenverkehr. Diejenigen, die den Diesel und die deutsche Automobilindustrie unter Generalverdacht stellen wollen, versuchen immer wieder, Labor- und Straßenwerte in einen Topf zu werfen.

Die Zahl der E-Autos liegt in Deutschland weiterhin auf geringem Niveau. Natürlich ist die Reichweite deutlich geringer als bei einem Auto mit Verbrenner und die Preise liegen höher. Aber können das die einzigen Gründe sein?
Die deutsche Automobilindustrie will die Elektromobilität entschieden vorantreiben – nicht zuletzt um die CO2-Grenzwerte zu erfüllen. Das Angebot an Elektroautos nimmt in Deutschland stetig zu. Anfang 2016 werden 29 unterschiedliche Modelle allein von deutschen Herstellern auf der Straße sein. Allerdings sind die Rahmenbedingungen noch nicht optimal – das ist es, was viele Kunden noch stört.  Die Wachstumsraten im Markt für Elektroautos sind in anderen Ländern, zum Beispiel in Norwegen oder in den Niederlanden, wesentlich höher. Sie zeigen,  dass sich die Menschen  für die Elektromobilität begeistern lassen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Deshalb setzt sich der VDA dafür ein, dass die Politik neue Impulse setzt – bei der Beschaffung ebenso wie bei der Ladeinfrastruktur.

Die meisten Hersteller haben jetzt erste E-Auto-Generationen auf dem Markt. Bis weitere echte Neuerungen kommen, wird einige Zeit vergehen. Wird dies die Nachfrage nicht wieder eintrüben? Wie wollen die Hersteller dem entgegensteuern?
Die Elektromodelle der deutschen Hersteller kommen weltweit beim Kunden gut an. Wir haben in diesem Jahr zwischen Januar und September unseren Marktanteil im Segment E-Autos in Westeuropa von 27 auf 43 Prozent gesteigert. In den beiden wichtigen westeuropäischen Märkten für Elektrofahrzeuge, in den Niederlanden und in Norwegen, sind wir mit 59 Prozent beziehungsweise 55 Prozent Anteil Marktführer. Auch in den USA, dem weltgrößten Markt für Elektrofahrzeuge, sind wir sehr gut unterwegs. Jedes fünfte Elektroauto, das in den USA verkauft wird, kommt heute von deutschen Herstellern. In unserem Heimatmarkt Deutschland haben wir einen Marktanteil von 55 Prozent. Die Industrie tut alles, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Der internationale Vergleich zeigt aber: In Ländern, die der Elektromobilität staatliche Starthilfe geben, steigen die Zulassungszahlen kräftig. Nur in Deutschland kommt der Markt nicht richtig in Schwung. Wir brauchen jetzt einen auf wenige Jahre begrenzten Startimpuls, der die Nachfrage ankurbelt.

Der weltweite Autoabsatz ist trotz aller Krisen 2015 gestiegen. Wie wird das Jahr 2016, speziell für die deutschen Hersteller, ausfallen? Sehen Sie besondere Risiken für Volkswagen?
Es sind unruhige Zeiten; die politischen Spannungen im Nahen und Mittleren Osten wachsen, der Kampf gegen den Terror fordert die Industriestaaten. Aber gleichzeitig ist der Ölpreis so niedrig wie schon lange nicht mehr, die Beschäftigung in Deutschland ist hoch, die Kaufkraft ebenso. Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht verändern, kann der Pkw-Weltmarkt 2016 nach unserer Erwartung um 2 Prozent auf 78,1 Mio. Einheiten zulegen. Und die drei großen Automobilmärkte – Westeuropa, USA und China – werden auch im nächsten Jahr wachsen. Doch der Weg wird steiniger. Der deutsche Pkw-Markt wird 2016 leicht auf rund 3,2 Mio. Neuzulassungen zulegen. Beim Export rechnen wir mit einem Zuwachs von 1 Prozent auf knapp 4,5 Mio. Pkw. Die Inlandsproduktion dürfte ebenfalls um 1 Prozent auf rund 5,8 Mio. Einheiten steigen. Bei Umsatz und Beschäftigung erwarten wir eine stabile Entwicklung.  Zu Volkswagen: Wir begrüßen es sehr, dass Volkswagen unter der neuen Unternehmensführung die Aufklärung der Ereignisse entschlossen und mit maximaler Transparenz angeht. Dies ist der richtige Weg, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

 

 

Das Gespräch führte der SP-X Redakteur Günter Weigel

News: Smart – E-Modelle kommen 2016

Die elektrisch angetriebenen Varianten der Smart-Modelle kommen Ende 2016 auf den Markt. Das erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der IAA. Neben dem zweisitzigen Smart und seinem Cabrio-Pendant wird erstmals auch der Smart Forfour mit einem E-Motor versehen. Der Stromantrieb stammt vom Kooperationspartner Renault Nissan. Smart verwendet den Motor des Renault Zoe mit 65 kW/88 PS. Die Produktion des bisherigen Smart Electric Drive wurde kürzlich eingestellt. Er basierte noch auf der Vorgängerplattform.

Autor: Holger Holzer/SP-X

News: Die fünf beliebtesten Elektroautos – Tesla S düpiert die deutsche Konkurrenz

Die Bestsellerliste für E-Autos ist in ständiger Bewegung. Zahlreiche Modelle liefern sich aktuell ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Wir nennen die in diesem Jahr bislang erfolgreichsten.

Rang 1: Tesla Model S (828 Neuzulassungen). Die Amerikaner meinen es als einer der wenigen Hersteller wirklich ernst mit der Elektromobilität. 828 Einheiten sind in den ersten sieben Monaten des Jahres bereits in Deutschland zugelassen worden. Das ist nicht nur für ein Elektroauto viel, sondern sollte den heimischen Herstellern auch in anderer Hinsicht sorgen machen. Denn auch im Ranking der prestigeträchtigen Luxusautos liegt der kleine US-Hersteller auf den vorderen Plätzen und lässt konventionelle Luxusliner und SUV wie Audi A8, BMW X6 oder Porsche Panamera alt aussehen.

Der Tesla S hängt die Deutschen ab
Der Tesla S hängt die Deutschen ab

Rang 2: VW E-Golf (783 Neuzulassungen). In den Wolfsburger wurde lange Zeit die Hoffnung gesetzt, das Fanal für den Durchbruch des E-Mobils werden zu können. Doch auch die Batterieversion von Deutschlands Über-Bestseller dümpelt eher vor sich hin. In Wolfsburg gibt es wenig Lobby für den reinen E-Antrieb. Die Konzernführung hat an seiner Stelle vorerst den Plug-in-Hybrid als führendes Öko-Projekt für die Marke auserkoren.

Der VW E-Golf fährt nur auf Rang zwei
Der VW E-Golf fährt nur auf Rang zwei

Rang 3: Kia Soul EV (739 Neuzulassungen). Die Elektroversion des kastigen Koreaners zählt wohl eher zu den weniger bekannten E-Modellen. Trotzdem reicht es für ein Platz auf dem Podium. Vor allem der starke Juli mit über 200 Neuzulassungen hat daran Anteil. Was für den Crossover-Kleinwagen spricht, ist nicht zuletzt sein relativ günstiger Preis von 30.790 Euro.

Der elektrische Kia Soul räumt ab
Der elektrische Kia Soul räumt ab

Rang 4: Nissan Leaf (679 Neuzulassungen). Das weltweit meistverkaufte E-Auto ist in Deutschland bislang nur ein Mitläufer. Immerhin bleibt Nissan am Ball und verbessert seinen Imageträger regelmäßig. Die jüngste Ausbaustufe schafft demnächst bis zu 250 Kilometer Fahrt ohne Steckdosenstopp. Der Preis ist mit 33.690 Euro ebenfalls auf einigermaßen akzeptables Niveau gesunken. Wem das noch zu teuer ist, kann auch die Vorgängerversion mit kleinerer Batterie wählen. Die gibt es schon für 18.590 Euro plus Batteriemiete.

Nissan hat gerade die Reichweite des Leaf verbessert
Nissan hat gerade die Reichweite des Leaf verbessert

Rang 5: BMW i3 (573 Neuzulassungen) Dass der Carbon-Kleinwagen aus München so weit unten steht, hat mit einer seiner besonderen Stärken zu tun. Den i3 gibt es nämlich nicht nur als reines Batterie-Auto, sondern auch in einer Variante mit zusätzlichem Verbrennungsmotor. Dieser sogenannte Range Extender lädt leere Akkus während der Fahrt wieder auf und erhöht so die Reichweite. Würde das KBA diese Variante mit unter Elektroautos zählen, wäre der kleine BMW mit über 1.000 Neuzulassungen Marktführer.

Generell ist die Zulassungsstatistik im Detail nach sieben Monaten nur begrenzt aussagefähig. Denn die monatlichen Zahlen differieren stark. Das mag wie beim Tesla S an einer unregelmäßigen Lieferung aus Übersee liegen, dürfte aber in vielen anderen Fällen eher mit strategischen Überlegungen der Hersteller zu tun haben. So steigen die Zahlen rund um Quartalsenden und Halbjahresbilanzen gerne mal kurzzeitig stark an, was den Verdacht nahe legt, dass die Fahrzeuge vor allem für die Statistik zugelassen wurden. Generell ist die Quote der Eigenzulassungen bei E-Mobilen hoch: Knapp 40 Prozent der Autos werden auf Hersteller oder Händler angemeldet.

Wer am Ende des Jahres oben steht, bleibt also abzuwarten. Auch Modelle wie der Renault Zoe oder der VW E-Up dürften angesichts des niedrigen Marktniveaus noch Chancen haben.

Autor: Holger Holzer/SP-X

News: Elektroauto-Neuzulassungen – Kia Soul an der Spitze

Die Zahl der Elektroauto-Neuzulassungen ist im Juli deutlich gestiegen. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts rollten 962 Pkw mit reinem Elektroantrieb neu auf die Straße, 61 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Erfolgreichstes Modell war mit 211 Neuzulassungen der Kia Soul EV, auf Rang zwei folgte der BMW i3 mit 194 Neuzulassungen inklusive der Range-Extender-Modelle. Der VW E-Golf landete mit 189 Einheiten auf Rang drei.

Die Zahl der neuen Plug-in-Hybridautos lag im Juli bei 944 Einheiten. Gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet das ein Plus von 105 Prozent. Die Bestseller dieser Antriebsart gehen aus der KBA-Statistik nicht eindeutig hervor.

Autor: Holger Holzer/SP-X

News: E-Mobilitätsprojekt abgeschlossen – So fahren Elektroautonutzer wirklich

Rund 24.000 reine Elektroautos sind derzeit auf deutschen Straßen unterwegs, Tendenz langsam steigend. Weil die Zahl im Vergleich zu 62,4 Millionen Fahrzeugen im Bestand insgesamt noch sehr klein ist, gibt es kaum längerfristige Erfahrungswerte über die Nutzung der E-Mobile. Ein soeben beendeter Praxistest des Projekts eMerge mit 146 E-Smarts von Privat- und Geschäftsleuten hat für die Dauer von zwei Jahren neue Erkenntnisse geliefert.

So hat zum Beispiel die Auswertung der tatsächlichen Fahr- und Ladeprofile ergeben, dass für den künftigen Bedarf an Ladestationen ein Viertel der Ladeinfrastruktur voraussichtlich an öffentlichen Standorten benötigt wird. Mehr als die Hälfte sollte an halböffentlichen Plätzen, etwa bei Einkaufszentren oder Freizeiteinrichtungen gebaut werden.

Als ideale Zielgruppe für Elektroautos haben sich in der Untersuchung Pendler mit täglichen Fahrstrecken ab 50 Kilometern erwiesen. Die teurere Anschaffung eines Elektroautos wird dann nach Angaben der Studienverfasser durch die geringen Betriebs- und Unterhaltskosten finanziell interessant.
Was den Verbrauch der E-Smarts angeht, erzielten einige der Teilnehmer aus Berlin, Potsdam und Nordrhein-Westfalen Rekorde: Der niedrigste durchschnittliche Energieverbrauch über ein Jahr lag bei 10,4 kWh/100 km, die höchste Reichweite bei 161 km. Zertifiziert ist der Smart mit einem Verbrauch von 16,3 kWh/100 km und 145 km Reichweite.

Das mit rund 6,5 Millionen Euro vom Bund geförderte Flottenprojekt eMerge soll nun mit einem zweiten Teil fortgesetzt werden. Dann kommen elektrische Mercedes B-Klassen und Plug-in-Hybride der Stuttgarter zum Einsatz.

Autor: Hanne Lübbehüsen/SP-X

Peugeot-Elektroautos: Längere Garantie auf die Batterie

Peugeot verlängert die Garantie auf die Batterien seiner Elektroautos. Bei allen seit Januar ausgelieferten Modellen des Kleinstwagens Ion und des Lieferwagens Partner Electric liegt die Garantiezeit nun bei acht statt fünf Jahren beziehungsweise 100.000 statt 50.000 Kilometer.

Der E-Stadtwagen Ion mit einer Reichweite von 150 Kilometern kostet ab 25.883 Euro, den Kleintransporter Partner Electric gibt es zum Nettopreis von 19.800 Euro (brutto: 23.562 Euro) zuzüglich der Batterie für 5.300 Euro (brutto: 6.307 Euro).

Autor: Holger Holzer/SP-X

Elektroautos und Renault und ein Blog

Bjoern hat ein Problem mit Elektroautos. Er glaubt nicht so recht daran und er hat viele Buchstaben in sinnvollen Sätzen zusammen gebracht um seine Meinung zu „verbloggen“.

Mit Bjoern rede ich allerdings nicht von mir in der Dritten Form, sondern von Björn Gutmann vom „automobil-blog.de“.

Bjoern ist auf das Elektroauto Blog von Renault gestossen, so wie er schreibt, durch einen TV-Werbespot. Da war er wohl erst einmal verblüfft. Und ja, als ich vor einigen Wochen das erste mal über das Blog gestolpert bin, war ich auch verblüfft. Der erste Gedanken: Noch ein Blogger der um Pageviews kämpft. Also wie üblich, erst einmal einen kurzen Blick ins Impressum werfen. Da war die Verblüffung gleich noch einmal angewachsen, denn dieser Elektrauto-Blog mit dem schnittigen Titel: Elektroauto-start.de wird von Renault Deutschland betrieben. *Baff*

Soweit sind wir dann also doch schon, ein Blog und seine typischen Merkmale eingesetzt von einem Automobil-Unternehmen um ein aktuelles Thema zu behandeln.  Als ich zum ersten Mal über Elektroauto-Start.de gestolpert bin, war die Seite noch sehr jung und frisch und hatte nur wenig Inhalte zu bieten. Mittlerweile wächst der Blog und selbst Nicole Y. Männl hat sich bereits im Blog mit einem Fahrbericht verewigt (Und sie hat auch eine eigene Meinung zum Beitrag von Björn)

Nun hat der ganze Beitrag für mich 2 Schwerpunkte: 

Zum einen das Problem von Björn mit Elektroautos, zum anderen die Vorgehensweisen der Renault-Verantwortlichen.

Zu Björns Thema kann man nur sagen: Natürlich hat er, Stand heute, Recht. Doch wenn man nicht beginnt, dann wird es keine Entwicklung geben. Es gibt also einen Zeitpunkt X an dem man mit der Umsetzung einer Idee anfangen muss, sonst erreicht man zum späteren Zeitpunkt keine Perfektion. Der Zeitpunkt X ist für das Elektroauto überfällig und abseits der Frage nach Kosten und Reichweite muss eine Entwicklungslawine angestoßen werden.

In diesem Sinne finde ich auch den Aktionismus von Renault, mit einem auf den ersten Blick „freien“ Elektroauto-Blog (der beim zweiten Blick ein klares Branding besitzt) das eigene Marketing zu unterstützen, schlichtweg richtig bis genial.

Ich persönlich bin überzeugt von der Notwendigkeit des Elektromobils und glaube auch an einen möglichen Erfolg. Mobilität wird immer ein Grundbedürfnis der Gesellschaft bleiben und mit genügend Solarzellen auf dem Dach und ohne Energie aus Braunkohle und anderen nicht regenerativen Energiequellen wird der Traum vom CO2-freien Autofahren zur Realität werden. Nein, nicht heute – und vermutlich auch morgen früh noch nicht.  Es muss jedoch begonnen werden. Man möchte sich nicht vorstellen was passiert wäre, hätten sich die Herren Daimler und Benz, oder Henry Ford durch Schwierigkeiten und Rückschläge entmutigen lassen und hätten die Entwicklung des Automobils nicht fortgeführt.

Der zweite Punkt ist der Weg den Renault mit diesem Blog geht. Mir gefällt die Idee, mir gefällt die Umsetzung.  Und es gefällt mir deswegen sehr gut, weil Nicole sich mit einem Testbericht eines Elektro-Renault einbringen konnte.

Damit hat Renault einen zweiten richtigen Schritt getan. Was bei anderen Konzernen noch als ein Problem mit der „Unternehmens-Compliance“ dargestellt oder gar verstanden wird, hat Renault mit einem Mehrwert für alle Beteiligte gelöst. Chapeau und Glückwunsch dazu.

Gleich zweimal das richtige getan…