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Test: Jaguar XF 35t AWD

Der Landlord hat es eilig

Jaguar XF 35t - Britische Alternative?

Test des Jaguar XF mit Kompressor V6-Triebwerk

Schreibt man über einen Testwagen aus England, dann müssen schnell die konstruierten Argumente und Brücken zu den deutschen Mitbewerbern herhalten. Dabei hat ein Jaguar eine gänzlich andere Zielgruppe. Einen Jaguar fährt man, weil man mit seiner Fahrzeugwahl auffallen will. Mangelnde Zuverlässigkeit, historisch belegt, oder ein…

Aston Martin – Zwölfender jetzt mit doppeltem Atem

Aston Martin Koln Engine Plant Photo -® Max Earey (205)
Unsere Redakteurin: Solveig Grewe

Freudig röhrt der Zwölfzylinder auf, als der Druck auf das Gaspedal ihn und die versammelte Kraft von 560 PS und 630 Newtonmeter Drehmoment auf die Hinterräder endlich fordert. Ein Autobahnabschnitt ohne Limit lockt den Aston Martin Rapide S jetzt aus der Reserve. Selbstverständlich im Drive Sport Modus. Der Sauger, intern AM 29 genannt, dreht kraftvoll nach oben, er schiebt die elegante, in dezentes Ultramarin Schwarz gehüllte und über fünf Meter lange viertürige Sportlimousine mühelos und ohne zu Zögern in gerade mal 4,2 Sekunden auf Tempo 100. Mehrere tausend Mal pro Sekunde kommuniziert die Elektronik mit Motor und Automatik, deren acht Gänge sich nahezu unmerklich abwechseln. Nur die Achtung vor den Verkehrsteilnehmern, die die Kraftentfaltung des britischen Gentleman hinter seiner langen Motorhaube und dem typischen Kühlergrill nicht wirklich einschätzen können, verhindert die Einstimmung auf die versprochene Höchstgeschwindigkeit von immerhin 327 km/h. Doch der leistungsstärkste viertürige Aston Martin, der je produziert wurde, kann auch anders, wenn es darum geht, seine Leistung fein zu dosieren.

Solveig Grewe
Die sorgfältig von Hand verarbeiteten Materialien im Innenraum passen perfekt zum Außendesign.

Keine Frage, die in eng anliegenden Ledersitzmöbeln platzierten Fahrgäste genießen die Fahrt über geschwungene Asphaltbänder im Bergischen Land. Ein wenig Wehmut kommt auf, als der Rapide S letztendlich und kraftvoll vor sich hin blubbernd an seinem heutigen Ziel in Köln ankommt.

In einem separaten Teil des Motorenwerks von Ford wird der neue 5,2 Liter Twin Turbo 12 von Aston Martin gebaut. Bereits seit 2004 lassen die Briten hier im Aston Martin Engine Plant ( AMEP) auf einer Fläche von mehr als 12 000 Quadratmetern ihre Acht- und Zwölfzylinder fertigen. Aston Martin und nutzt dazu Flächen und Fertigungskompetenz des einstigen Mutterkonzerns Ford. Aber auch für ein prestigeträchtiges Traditionsunternehmen wie Aston Martin tickt die Uhr nicht mehr nach einem Gangmuster: Umweltschützer und Politik setzen Grenzwerte und neue Normen, mit denen klassische Saugmotoren inzwischen kaum mehr mitkommen. Moderne Turboaggregate brauchen nun mal weniger Sprit als Sauger, bei denen die Luft nicht künstlich verdichtet wird, und stoßen deswegen weniger Schadstoffe aus.

Solveig Grewe
Stolz präsentieren die Mitarbeiter von Aston Martin „ihr“ erstes Serienmodell des neuen Twin Turbo V 12.
Aston Martin Koln Engine Plant Photo -® Max Earey (200)
Aston Martin Chef Andy Palmer will die ersten 1000 DB 11 persönlich abnehmen.

So ist es nur konsequent und nach vorn gerichtet, wenn sich hier jetzt mehr als 100 Mitarbeiter von Aston Martin um den ersten in Serie gefertigten aufgeladenen Zwölfzylinder scharen und stolz beobachten, wie Dr. Andy Palmer, President und CEO von Aston Martin, ihn signiert. Seinen Kommentar teilen alle in der Halle:

„Ich habe keine Zweifel, dass unser neuer Twin-Turbo-V12 der Beginn einer noch größeren Ära des Erfolgs sein werden „.

Die ersten Exemplare des im Aston Martin Headquaters im britischen Gaydon mit den Motoren aus Köln bestückten DB 11 werden Anfang des letzten Quartals 2016 zum Preis ab mindestens 204 000 Euro zu den Händlern kommen.

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Das britische Traditionsunternehmen Aston Martin nutzt die Fertigungsstätte des Motorenwerks von Ford in Köln.
Solveig Grewe
Der neue DB 11 wird Vorreiter für die nächsten Vantage und Vanquish sowie das geplante Crossover Modell DBX.

Mit den 608  PS und 700 Nm Drehmoment des 5,2 Liter Bi-Turbo Zwölfzylinders kann der DB11 eine Sprintzeit von 3,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 322 km/h realisieren und er wird damit das stärkste und schnellste Serien-DB-Modell sein. Als Grundlage für den neuen Motor, bei dem Mercedes AMG mitgemischt hat und der nur drei Teile mit dem Sauger gemeinsam hat, dient eine leichtere Aluminium-Architektur. Trotz Verminderung des Hubraums um 0,8 Liter liefert er mehr Leistung und ein früher anliegendes Drehmoment. Eine intelligente Zylinderabschaltung und Start-Stopp-Technologie sorgen dafür, dass diese Potenz, die von einer neuen Achtgang-Automatik an die Hinterachse weitergeleitet wird, mit einer stark verbesserten Effizienz einhergeht.

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Dr. Brian Fitzsimons ist stolz auf den neuen Motor, der voller Leidenschaft von ihm und seinem Team entwickelt wurde.

Der Chefentwickler der neuen Zwölfzylinder Motorengeneration, Dr. Brian Fitzsimons, geht davon aus, dass der Co2-Ausstoß bei Werten unter 265 Gramm liegen dürfte und der DB 11 rund fünf Prozent weniger Sprit verbraucht als der Vorgänger. Und das bei einem weiterhin bestens klingenden Sound, fügt er vielsagend hinzu.
James Bond wird sich daran gewöhnen müssen und können, dass sein Dienstwagen künftig mit einem Turbo auf Verbrecherjagd geht. Saubere Rasanz , wenn es gilt, Feinde abzuschütteln oder schöne Frauen zu retten.

 

 

 

 

Text: Solveig Grewe / Fotos: Max Earey, Solveig Grewe

 

Das Wohnzimmer am Ring: N24h ganz britisch.

Die Sache mit dem 24h Rennen am Nürburgring ist die: auch wenn man eigentlich durchaus immer wieder von Herstellern an den Ring eingeladen wird, um gemütlich in Hotels oder Bungalows zu nächtigen, geht die wirkliche Party draußen ab. Entlang der Nordschleife, wo die Fans kreuz und quer zwischen Leitplanke und Wald ihre Zelte, Camper und verrückte Eigenkonstruktionen platziert haben. Wie lässt sich diese Atmosphäre also bestmöglich inhalieren, gleichzeitig aber der Luxus eines feinen Hotels genießen?

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Szenenwechsel: wir stehen an einer Kreuzung in München entlang der Heinrich-Wieland-Straße, unweit des Innsbrucker Ring. Es ist Freitag, der Tag vor dem 24h Rennen. Der Kofferraum ist bis zum Anschlag gefüllt, der Tank ist voll und das Ziel Nürburgring im Navi programmiert, während sich die Massagefunktion in den Sitzen schon jetzt bemüht, den Rücken möglichst gut für die bevorstehenden 600 Kilometer vorzukneten.

Die Ampel geht auf Grün, der rechte Fuß auf’s Gas, der linke bleibt noch ein wenig auf der Bremse. 571 PS sind genug, um die Abfahrt zum Motorsporthappening des Jahres mit ein wenig Qualm gebührend einzuleiten. Es passt alles. Wäre da nicht diese zarte Kühlerfigur auf der gefühlt endlosen Haube: mal Emily, mal Eleanor genannt. Sie weist uns den Weg zum Ring, in unserem, diesem allerfeinsten Luxuswohnzimmer. Zugegeben: auch uns erscheint es ein wenig surreal, dass wir uns nun tatsächlich in einem Rolls-Royce Ghost II auf dem Weg zum Nürburgring machen.

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Doch wenn man es mal genauer betrachtet, gibt es an und für sich auch kaum besseres für ein paar Nächte am Ring. Campingwagen kann eh jeder, Zelte sind nass und kalt, normale Autos unbequem. Doch hier, in diesem britischen Luxuswohnzimmer, werden große Geschütze aufgefahren: feinstes Leder, ein Soundsystem der Extraklasse und ein Teppich, der so manche Luxusvilla alt aussehen lässt. Der Begriff „Fußmatte“ wäre hier eher eine herbe Beleidigung, versteht man darunter zumeist eher keine flauschigen Lammfellteppiche. Eigentlich wäre es eine feine Sache, könnte man alle Sitze komplett auf eine flache Ebene bringen und würde diese gesamte Fläche mit Lammfellteppichen beziehen – ein besseres Bett wäre kaum vorstellbar. So müssen es eben die feinen Ledersessel für die Nacht tun.

Wie man nun aber mit dem 366 Kilo teuren Rolls stilsicher zum Campingplatz kommt? Ganz klar: über die Zufahrtswege, welche eben meist auch etwas Bodenfreiheit erfordern. Kein Problem, ein echter Rollator zeigt sich flexibel, pumpt das Fahrwerk auf Wunsch auch ein paar Zentimeter in die Höhe und federt sich damit so komfortabel durch’s Gelände, dass selbst die Dose Früh Kölsch auf dem hinteren Tisch an Ort und Stelle bleibt.

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Überhaupt, sieht es mit Annehmlichkeiten ganz gut aus, insbesondere im Fond. Zwei separat einstellbare Sessel, getrennt durch eine Armlehne, die der Steuerungsbrücke der Enterprise gleicht und das gesamte Infotainment im Griff hat. Praktisch, denn das größte Problem – befindet man sich beim 24h Rennen live an der Strecke – ist doch eben auch, dass man vom Rennen, ein paar vorbeifliegende Rennwagen einmal ausgenommen, meist gar nicht so viel mitbekommt. Im Ghost legst Du dich einfach entspannt danieder, verfolgst über die hinteren Bildschirme entspannt per DVB-T die Fernsehübertragung des Rennens, während du von außen die volle Ladung Rennatmosphäre und Sound auf die Ohren bekommst und genüßlich von deinem Kölsch schlürfst.

Gut, wer es lieber dezent mag und bevorzugt, eher inkognito zu reisen, der ist hier selbstredend völlig falsch aufgehoben. Mit einem Rolls-Royce auf den Campingplätzen im Schwalbenschwanz wäre dir die Aufmerksamkeit auch dann noch sicher, wenn nebenan auf der Strecke das ganz große Drama losbrechen würde.

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Doch allem Wohlfühlambiente zum Trotz, ein bisserl was gibt’s natürlich trotzdem zu meckern: einerseits ist ein leerlaufender V12 nun sicher nicht die günstigste Form einer Standheizung. Andererseits liegt es sich zum schlafen halt auch nicht so ganz bequem. Sessel sind eben keine Liegestühle und eine Rückbank, welche Insassen eher separieren soll, ist dann auch nicht die komfortabelste Liegefläche. Doch sei’s drum: besser kann ein Kölsch bei den 24 Stunden eigentlich kaum schmecken, als in den Lounge-Sesseln eines Rolls-Royce irgendwo im Hatzenbach. Leckerer, als aus dem V12-Warmhaltefach, ist eine Currywurst kaum zu genießen und sowieso: viel besser als in diesem britischen Wohnzimmer, ist’s bei den 24 Stunden kaum auszuhalten. Sicher, man könnte ins Lindner oder Dorint, beiden fehlt es aber an Luxus. Und sie stehen eben nicht im Schwalbenschwanz. Inmitten brennender Fässer, trinkender Fans, dröhnender Partymucke und schreiender Motoren.

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Insofern: viel Spaß all denen, die sich nun über’s Wochenende wieder in ihren kalten, nassen Zelten die Nächte um die Ohren schlagen dürfen – wir denken derweil mit Genuss an die Stunden im britischen Wohnzimmer.

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Landsitz: Range Rover 5.0 SVAutobiography

Natürlich besitzen alle Eigentümer eines Range Rover ein Landgestüt, gehen in ihrer Freizeit einem elitären Sport nach und würden nie etwas auf Ihre Majestät, die Königin, kommen lassen. Oder so. In der Realität dürfte dem Großteil der Range-Käufer das britische Königshaus wumpe sein und der Range Rover ist doch eher bequemes Reise- und Prestigemobil denn Gelände-Hochsitz. Dabei gehört der Range Rover zu den Vertretern der Gattung: „Wir können es auch im Gelände richtig.“

Kurz gefahren: Range Rover 5.0 SVAutobiography

No sports, please

Man sitzt wirklich weit oben. Fahrer von Kleintransportern blicken auf. Doch dieser Range ist unter seinen Brüdern vom Schlage Range Rover noch einmal etwas besonderes: Langer Radstand, Fünfliter V8 mit Aufladung per Kompressor und eine Innenausstattung, die manche Eigentumswohnung in Upper Manhattan ärmlich erscheinen lässt. Willkommen im „LWB Autobiography“. Dem Range Rover mit dem „bisschen mehr“. Von allem.

Test Fahrbericht 65 Range Rover LWB V8 SVAutobiography

Das fängt bei der Länge an. Mit 5.20 Metern und der Höhe eines Einfamilienhauses ist der Range Rover vor allem in der LWB-Version eine unfassbar präsente Erscheinung auf der Straße. Der Range Rover wirkt nicht groß. Er ist groß. Und wer sich die „vollste“ der „vollen Hütten“ gönnt, der erhält einen V8 Kompressor, der in der SVAutobiography-Version noch einmal zusätzlich „aufgeblasen“ wurde. Mit 550 PS ist dies der vermutlich schnellste Landsitz, den man sich als Adliger zulegen kann.

Und für den Adel ist dieser Range auch gedacht. Denn das auf dem Autobiography basierende Testfahrzeug wurde von den Spezialisten der Konzern eigenen Truppe Special Vehicles noch einmal so ordentlich ran genommen. Was dem Mercedes der Maybach, ist dem Range Rover nun der „SVAutobiography“. Die Vergleichbarkeit des großen Range ist fast nicht mehr möglich. Einzig der neue Bentayga von Bentley schafft es unter Umständen, noch eine gemeinsame Basis zu finden.  Im Gegensatz zum Bentayga darf der Range Rover jedoch auf Generationen von überzeugten Aristokraten zurückblicken und die wissen, was sie am großen Range haben.

Test Fahrbericht 133 Range Rover LWB V8 SVAutobiography

Welcome to the lounge

Theoretisch darf man sich die SVAutobiography-Ausstattung zu jedem Range Rover ordern. Aber nur im „LWB“ und dem feisten Kompressor-V8 macht es so richtig Laune. Wenn, dann richtig. Ein Kaminzimmer plant man ja auch nicht in einer Studenten-Bude ein.

Zudem bekommt der SVAutobiography-Range neben den Massage-Loungesesseln und dem überwältigend verwendeten Leder auch eine PS-Spritze. 40 PS und 55 Newtonmeter plus. Auf dem Papier. Einmal in Fahrt, kommt es auf die Details eh nicht mehr an. Er spurtet aus dem Startblock, als wäre ein Pfändungsbescheid am Schlosstor hinterlegt. Mit dem Gaspedal sollte man also sensibel umgehen. Zu schnell verliert man sonst in Reihe zwei die Contenance. Und Beschwerden hört man in Reihe eins eh kaum noch. Zu groß der Abstand zwischen den Sitzreihen.

Dass der wüst mit Newtonmetern um sich werfende V8 so gefühlvoll agieren kann, ist auch ein Verdienst des Automatikgetriebes. Die von ZF stammende Achtgangbox hält einfach stets die korrekte Übersetzung parat und fällt – sinnigerweise – gerne in einen Modus, in dem man sich vom Drehmoment des Kompressor-V8 treiben lässt.

Test Fahrbericht 83 Range Rover LWB V8 SVAutobiography

Landsitz bis Tempo 250

Trotz der 22-Zöller, ein Range Rover ist immer auch einer, den man mit ernsthaften Absichten durch das Gelände jagen kann. Aber man macht es nicht. Nicht mit dieser Variante. Viel zu schade wäre es um Hochfloor-Teppich und Edelhölzer. Und auch dem Lack will man keine Schmutzspritzer verpassen. Tätscheln, streicheln und einfach darin sitzen bleiben. Den Komfort erleben. Und das soll sogar bis Tempo 250 machbar sein. Wir haben es nicht ausprobiert. Wir widerstanden auch der Verführung, den Offroad-Talenten auf das Leder zu gehen. Nein. Genießen mit allen Sinnen war angesagt.

Der Range Rover ist, gerade als LWB SVAutobiography, die ideale Ergänzung zum mondänen Landsitz – oder, falls der Pfändungsbescheid am Schloßstor kein Alptraum war, der einzig ernsthafte Ersatz zum Landsitz.