Peugeot 308 – Erlkönig und IAA Premiere

Gestern habe ich auf Facebook ein Erlkönigfoto in meinem Stream entdeckt. Es zeigte einen Kompakten der Golfklasse, übliches Hatchback, stark getarnt in der üblichen Erlkönig-Folie. Leider war es nur ein Bild und es zeigte den Wagen nur von 3/4 links hinten.

Peugeot 308 – Der Golf aus Frankreich

Meine Vermutung war: Volkswagen Golf Plus. Türgriffe und Spiegel sahen extrem nach VW aus und auch die Proportionen wirkten „bekannt“. Aber – nach ein wenig mehr Recherche ist ganz klar – der von „CLR“ fotografierte Erlkönig ist der kommende Peugeot 308. Seine Premiere wird er auf der IAA 2013 erleben!

Und jetzt die Enttäuschung – dieser Erlkönig wurde von Peugeot bereits vollständig enttarnt:

 

Es ist eine stilistische Wohltat – dieses neue Gesicht. Vorbei scheinen die Zeiten von wulstigen und bleiernem Designer-Schwermut. Erfreulich bekannt wirken die neuen Proportionen – keine Experimente, dafür eine kraftvolle C-Säule, schmale Lippen an der Front und ein leichter Schwung in der Seitenlinie. So könnte es endlich was werden – mit dem Golf von Peugeot.

Peugeot hatte am 13.5. bereits eine Presse-Meldung und die Fotos heraus gegeben, aber durch die vielen Termine der letzten Tage, hatte ich das nicht auf dem Schirm.

Hier nun die Fakten zum neuen Peugeot 308

Der 308 basiert auf der EMP2 Plattform des PSA-Konzerns und wurde zusammen mit GM vollständig neu entwickelt. Wikipedia gibt hierfür Entwicklungskosten in Höhe von 630 Millionen Euro an.  Der erste Citroën auf der EMP 2 Plattform wird im übrigen der neue C4 Picasso sein.

Das Gewicht des neuen 308 wird vermutlich um circa 75 bis 140 Kilogramm unter dem Vorgänger liegen und damit einen großen Teil zur notwendigen CO²-Einsparung beitragen.  4.25 Meter lang und 1.46 Meter hoch – soll er am Ende sein, der neue Löwen-Golf und unter anderem mit einem großen Kofferraum (470 Liter) glänzen.

LED-Lichttechnik vorne wie hinten soll nicht nur für eine frisches Design sorgen, sondern auch für eine unverkennbare Gestaltung des Äußeren sorgen.

Der neue 308 kommt im Herbst 2013 auf den Deutschen Markt und wird seine Weltpremiere auf der IAA 2013 feiern.

 

 

 

Opel-Mitarbeiter: V. Erzweiflung.

Vor ein paar Tagen erst, es wohl der Donnerstag und ich auf dem Weg zum Škoda Rapid, habe ich mich über Opels „ÄDÄM“ ausgelassen. Weniger über das Auto an sich, mehr über deren bescheuerten Namenswahl für die Ausstattungslinien.  Ich stelle mir bildlich vor, wie man im Opel Autohaus auf dem Lande, einen Opel Adam Slam (besonders deutscht ausgesprochen) bestellt.

Doch wie lange wird es noch Opel Autohäuser auf dem Lande geben? 

Den Beitrag über die groteske Namenswahl hatte ich begonnen mit:

Es muss die nackte Verzweiflung sein, die da morgens in die Büros des Rüsselsheimer-Autobauers zur Arbeit erscheint.

Da wusste ich noch nicht, wie richtig ich mit dieser „Verzweiflung“ liege. 24 Stunden später steht fest: Die Verzweiflung hat hingeworfen und wird in der Zukunft nicht mehr in die Büros nach Rüsselsheim fahren. Ein Paukenschlag in der Automobil-Industrie und von meinem Kollegen „Jens Rad-ab Stratmann“ auch zeitnah verbloggt. 

Während Jens, der dieser Blitz-Marke recht nahe steht, versucht den Vorgang möglichst objektiv als Nachricht zu verpacken – kann ich nicht umhin zu sagen:

Karl Friedrich Stracke hat keinen Bock mehr!

Und ich kann ihn gut verstehen. Während die Presse-Meldungen voll sind mit Hinweisen darauf, dass Stracke nicht entlassen wurde, sondern für Sonderaufgaben weiterhin dem GM-Boss Anderson unterstellt ist – bin ich mir ziemlich sicher, was hier wirklich passiert ist.

Opel-Bosse Stracke hatte keinen leichten Job. Mit der bößen Stiefmutter im Rücken und einer sehr begrenzten Handlungsfreiheit, hat er sich dennoch darin versucht, die Marke Opel als Deutsche Marke zu führen. Respekt und Anerkennung seinen Mitarbeitern gegenüber zu vermitteln und sozial verantwortlich zu handeln.  Und nun gibt es in der nahen Vergangenheit von Karl-Friedrich Stracke ein paar Statements, die er nicht halten wird können.

Ob es der anstehende Gesichtsverlust war, oder er schlicht genug hatte vom US-Dilettantismus   – kann ich nicht sagen, aber ganz sicher wird man in ca. 4 Wochen lesen, dass Stracke den GM-Konzern verlässt.   Dabei war Stracke als „GM-Versteher“ an die Opel-Spitze gekommen.

Einige Medien berichte, Stracke musste gehen, weil die Zahlen nicht stimmen und der Absatz brutale Rückgänge hin nehmen muss, das halte ich für arg kurzsichtig beurteilt. Der Mann war erst 15 Monate an der Opel-Spitze, die Gründe liegen eher in einer Zukunftplanung – die selbst GM-Versteher Stracke nicht kommunizieren und führen wollte.

Schade. Opel hätte, könnte, wäre…

PSA – Wie schlimm ist es wirklich?

Der französische Automobil-Hersteller PSA (Peugeot und Citroen) scheint noch tiefer in der Patsche zu sitzen, als man sich das derzeit vorstellen will.

Nach der Hochzeit mit GM, die mehr an eine Zwangs-Ehe unter gescheiterten Existenzen erinnert als an eine Traumhochzeit und PSA etwas mehr als 300 Millionen Euro in die Kasse gespült hat, hat man nun den Firmensitz in Paris verkauft.

Für 245,5 Millionen Euro geht das PSA Hauptquartier an eine Investmentgruppe Haus- und Vermögensverwaltung aus Kanada.

Der PSA-Konzern wird den Firmensitz jedoch nicht Besenrein übergeben, sondern einfach zurück mieten.  Was in der Modernen Finanzwelt üblich scheint, ist ein finanzieller Supergau für Unternehmen.

Das verkaufen von Eigentum an einen „Investor“ mit dem Ziel sich über Wasser zu halten und mit einem kurzfristigen Cash-Flow wieder liquide zu werden, nur um für die Zukunft weitere finanzielle Verpflichtungen erfüllen zu müssen, erinnert ein wenig an den Tod durch ertrinken, nachdem man bei einem Hausbrand die Feuerwehr gerufen, sich dann im Keller versteckt hat und durch Löschwasserfluten ertrinkt.

Ich habe weder BWL studiert, noch bin ich ein Banker – aber eines habe ich bereits verstanden: Wer Schulden hat, muss eine Lösung für seine Misere finden. Der Verkauf von Eigentum, kann eine Möglichkeit sein, der Tausch gegen neue Verpflichtungen jedoch nicht.

Am Ende gewinnt die Bank. Und wenn die Hausbanken eines französischen Konzerns „Non“ zur Umschuldung gesagt haben, dann wissen die etwas, was andere nicht wissen. Der Verkauf von Eigentum ins Ausland dürfte für einen Franzosen nicht die Erste Wahl sein. Wenn die Hausbank bei einem Gebäude im Wert von 240 Millionen Euro als Sicherheit keine Lösung sieht – dann sollte man eventuell nicht in den Keller gehen wenn die Feuerwehr anrückt – sondern sich in Sicherheit bringen.

Ich bin kein Freund von Konzern-Verschmelzungen. Bis heute gibt es nur wenig positiv verlaufene Konzern-Verschmelzungen in der Automobil-Industrie.  Bei Daimler wird man heute noch erschaudern wenn man an die Chrysler-Abenteuer zurück denkt und bei Ford wird man auch froh sein aus dem Abenteuer Mazda nur noch geringe Anteile über zu haben.

Ansonsten war es immer ein Vorgang des „schluckens“, den Geschmack genießen und ausspucken was unverdaulich ist. Am Ende bleibt mindestens ein Konzern als Verlierer auf der Strecke.

Nein – die Synergien zwischen GM und PSA werden PSA nicht zurück in die Gewinnzone führen. Eine weitere Verwässerung der französischen Automobil-Kultur braucht man bei Peugeot und Citroen so dringend wie der Franzose Eiswürfel im Rotwein. Einen weiteren Hausinternen-Mitbewerber im Bereich der „Kompakt-Modelle“ und „Kleinwagen“ braucht auch der GM-Konzern nicht.  Hier wurde Opel bereits in die Rolle des Verteidigers gedrängt. Konkurrenz belebt das Geschäft, aber nur wenn die Produkte eine Identität haben. Und dieses Ziel kann man nicht erkennen. Im Gegenteil.

Was ist das Ziel der PSA-Bosse? Eine langsame schmerzhafte Abwicklung?

Die Beendigung der Zusammenarbeit mit Mitsubishi im Bereich der kompakten SUV und Elektrofahrzeuge dürfte dem PSA Konzern eine weitere direkte Abhängigkeit von GM bescheren. Und ob der Europäische Markt mit den Fahrzeugen aus den USA besser bedient werden kann, das muss sich erst noch zeigen.

Meine persönliche Skepsis bleibt groß. Konzernverflechtungen über Kontinente hinweg, über die Grenzen von Kulturen verwischen nur eines: Die Originalität des Produktes. Austauschbar. Ohne Identität. Ohne Seele.

Das mag bei Smartphones und dem Big Mäc funktionieren – bei Produkten die Emotionen auslösen eher nicht.

Wie sehen Sie das?