BMW 328i: Rost und andere Kleinigkeiten

Es ist nun schon eine Weile her, dass es das letzte Kapitel zum 328i touring zu lesen gab. Warum? Weil mich der grüne BMW mehrfach an den Rand des Wahnsinns getrieben hat. Was weniger an ihm lag, als viel mehr an mir, denn: ich habe die goldene Regel des Autokaufs gebrochen.

Niemals, wirklich niemals, darfst du das Auto kaufen, das du kaufen möchtest. Denn das ist der größte Fehler, den du machen kannst.

Du musst das beste Auto kaufen – und wenn das Ausgesuchte eben nicht das Beste ist, dann: vergiss es! Ich habe diesen Fehler begangen. Es musste genau dieser E36 sein. Weil er in Ausstattung, Farbe, Interieur und Felgen exakt jenem 328i entsprach, in dem ich als Kind eine mehr als gute Zeit hatte.

In dieser romantischen Verklärung habe ich vermutlich das größte Stück Schrott gekauft, das mit dem weiß-blauen-Propeller durch die Gegend fährt. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass meiner noch immer nicht fährt. Also: fahren schon, bloß mit in einem einen Quadratmeter großen Loch im Unterboden.

Doch der Reihe nach: wir waren soweit, dass beide Querlenker vorne raus konnten. Das ging dann auch alles noch relativ harmlos. Mit ihnen gingen dann auch die Radträger vom Auto, weil die Ankerbleche der Bremsscheiben wie Knäckebrot vom Auto brachen. Also: einmal neu, dazu eben auch beide Radlager vorne neu – obwohl der TÜV das nicht einmal bemängelt hatte.

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Dazu dann nochmal einen Satz frischer Schrauben, Fettkappen und andere Kleinteile beim freundlichen BMW-Händler ausgefasst. Denn, egal wo du die Ratsche oder den Schraubenschlüssel angesetzt hast: alles rund. So einen verrosteten Müll habe ich tatsächlich noch nirgendwo gesehen. Der touring war untenrum so dermaßen mitgenommen, wie es ein Auto wohl nur sein kann, wenn es wochenlang im (!) Salzwasser steht. Wirklich, es war absolut unglaublich.

Aber mit etwas Geduld und einem heißen Draht zum Teiletresen war dann irgendwann Licht am Ende des Tunnels. Auch wenn es nicht unbedingt geil ist, unter der Woche im Schneeregen bei +2°C jeden Abend bis 23:30 und später unter freien Himmel auf dem Hof zu schrauben. Überhaupt, zu Anfang war es ja mal der Plan, dass man eine Art DIY-Anleitung für einen low-budget-200PS-Karren schreiben könnte. Welch’ Hohn. Ohne Spezialwerkzeug und wirklich fundierte Kenntnis über das Automobil an sich ist dieses Projekt absolut nicht zu stemmen.

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Als Beispiel nur die Bremsleitungen. Die Gummischläuche waren natürlich so porös, dass der beschützenden Werkstätte der Atem stockte. Nur bei der Demontage weigerten sich die Überwürfe derart hartnäckig, dass weder großzügigster WD40-Einsatz noch die Flamme irgendeine Besserung gebracht hätten. Es musste also gesägt und angesetzt werden. Wer hier nicht auf penibelste Sauberkeit und Präzision bei der Arbeit achtet, der hat am Ende sprichwörtlich das Nachsehen.

Mechanisch waren wir dann also irgendwann am Ende. Und der Moment, als wir den touring das erste Mal auf die designierten Räder stellten, war da dann doch so etwas wie Vorfreude. Schließlich standen die 17-Zoll M5-Felgen mächtig satt im Radkasten. Zwar noch mit der zu großen Reifengröße, aber immerhin – wir waren auf dem richtigen Weg.

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Bis die Schwellerverkleidung abkam. Was sich darunter verbarg, war Pfusch allererster Güte. Irgendwer hatte in der grauen Vorzeit des tourings zwei Mal den Schweller geflickt. Doch statt nach der Ursache zu suchen (Schiebedachabläufe!), wurden einfach Bleche drübergebraten. Wenn man diese jedoch ohne Ablauflöcher einschweißt, dann steht das Wasser am Ende nur noch höher im Schweller als sowieso schon.

Das Ergebnis: unser touring steht jetzt mit großzügig ausgeschnittenen Innenschwellern in der Tiefgarage und wartet auf den Karosseriespengler. Für uns ist das Projekt hier zu Ende. Ohne fremde Hilfe kommt der 328er nicht ans Laufen.

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Überhaupt war es uns eine Lehre: was ein Spaß werden sollte, uferte irgendwann einfach nur in große Nerverei aus. Jede angefasste Ecke war schlecht, aus einer Ersatzteilbestellung wurden zehn und ein Ende ist nicht in Sicht.

Natürlich ist der 193PS-Reihensechser eine große Freude, zumal mit frisch gebuchstem Chassis und einem gescheit einstellbaren Schraubfahrwerk. Doch, ist er die Arbeit und vor allem das Geld wert? Ich fürchte nein. Eher: absolut gar nicht.

Aber ich hätte es wissen müssen. Weil ich den schlimmsten Fehler bereits ganz am Anfang gemacht habe.

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Mechthild fixed it! Jetzt der BMW 328i (E36)

Der Sommer kommt. Und weil das Corsa-fahren auf Dauer dann doch ein bisschen langweilig ist, hat sich Mechthild ein neues Projekt zum Schrauben gesucht.

Neu: „Mechthild fixed it“

BMW 328i (E36) – Auferstanden aus Ruinen

War es im letzten Jahr „der billigste Corsa Deutschlands“, so ist es dieses Jahr „der billigste 328i Deutschlands“. Die Rechnung war einfach, der Corsa hat damals 250 Euro gekostet und im Verkauf brachte er glatt 1000 Euro. Kein schlechter Deal, wenn man bedenkt, dass er ein gutes halbes Jahr und 6000 Kilometer brav und ohne Mängel seinen Dienst verrichtet hat.

BMW E36 – 328i touring | Mechthild schraubt!

Für 1.000 Euro sollte sich nun doch ein gescheiter 200 PS-BMW kaufen lassen, oder? Die Auswahl war überraschend groß – wenn auch (wenig überraschend) extrem viel Schrott zum Verkauf stand. Meine Aufmerksamkeit fiel dann auf einen 328i touring, der auf den Fotos wunderbar aussah, vor allem aber durch seine Ausstattung gewann: Klima, Schiebedach, Sportsitze, Sitzheizung, großer Bordcomputer, HiFi-System und 16-Zoll Doppelspeichen-Alus.

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Ein entscheidender Fehler bahnte sich allerdings an. Es war ein exakt gleich ausgestatteter 328i hat mich damals in meiner Jugend dazu angestiftet bekloppt zu werden. Das Problem: niemals ein Auto kaufen, wenn man ideell vorbelastet ist. Denn ein Auto wird genau dann teuer, wenn man daran hängt.

Mein Plan: ich schaue ihn an, kaufe ihn aber sicher nicht, weil er mit 1500 Euro sowieso 50% über Budget lag.

Schnell stellte sich allerdings heraus, dass das Auto  – anders als in der Anzeige angegeben – nicht sehr nah, sondern eher sehr fern stand. Also schnell einen Kollegen angerufen und zur Besichtigung geschickt. Ergebnis: Auto auf der ersten Blick gut, aber auf Grund defekter Kupplung mit demontiertem Getriebe und Anlasser und damit nicht fahrbereit.

Was nun? Aus 350 km Entfernung ein Auto kaufen, dass man nicht nur nicht selbst gesehen hat, sondern das man auch nicht laufen hören konnte? Natürlich. Einen Preis angesagt und man wurde sich einig. Für 900 Euro wechselte der immobile 328i den Besitzer. Gratis dazu gab es noch eine Kupplungsscheibe, zwei Airbags und eine Hand voll neuer Scheinwerfer. Der Kombi-Kofferraum machte sich also schon auf der ersten (Hänger-)Fahrt bezahlt.

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Aus der Ferne wurde dann schnell noch die Montage der Kupplung beauftragt, weil eine Hänger- und Zugfahrzeugleihe zur Abholung der Neuanschaffung sicher genauso teuer gewesen wäre, wie der Kupplungswechsel-Arbeitslohn. Dachte ich. Denn es stellte sich heraus, dass die mitgelieferte Kupplung nicht für einen 28er bestimmt war. Der Mechaniker stellte das allerdings erst nach der Montage beim Versuch der Probefahrt fest. Ergebnis: neue Kupplungsscheibe bestellt, alles wieder ausbauen und die passenden Teile montieren.

Arbeitslohn übersteigt Kaufpreis

Das zu dieser Zeit der Arbeitslohn bereits den Kaufpreis des Autos überstieg – ich wusste es ja: nie ein Auto kaufen, dass man unbedingt haben möchte. Denn dann – und nur dann – passieren solche Fehler. Immerhin dankte mir der Reihensechser die horrenden Ausgaben und belohnte mich durch einen feinen Lauf. Seine 177.000 Kilometer sind recht spurlos an ihm vorüber gegangen.

Fahrverhalten: Uuaahh

Vom Rest konnte man das nicht unbedingt sagen. Zwar war das Fahrverhalten okay, aber nicht so, wie man es von einem E36 erwarten würde. Die Bremse war weich, die Elektrik hatte stellenweise sehr eigene Angewohnheiten und das Fahrwerk schien gerade an der Hinterachse sehr schwammig.

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Schnelle Hilfe? Mr. Rasch!

Bei Mister Rasch deshalb schnell die üblichen Verdächtigen bestellt: einmal einen großen Inspektionskit mit sämtlichen Filtern, Kerzen, Riemen und Wasserpumpe (die Gute mit den Blechflügeln, nicht den billigen Plastikmüll!). Dazu dann noch einen Bremsensatz bestehend aus Scheiben, Klötzen, Schläuchen und einem Satteldichtsatz. Zu guter Letzt die Fahrwerksbuchsen. Vorne komplett mit neuem Querlenker, Traggelenken und Lagerbock, hinten braucht es beim E36 meist nur die Schwingenlager, deshalb dort nur die „kleine“ Option. Durch einen glücklichen Zufall kam ich noch günstig an ein nagelneues, druckstufenverstellbares Gewindefahrwerk, was ebenfalls montiert werden wird.

Es liegt also noch ein bisschen Arbeit vor uns, aber wenn die 193 PS in Kombi-Verpackung dann das erste Mal tief und schnell ums Eck gehen, dann wird die Freude am Fahren überwiegen.

Deshalb bis dahin: dranbleiben!

mr rasch autoteile