Los Angeles Auto Show 2018 – Gute Laune in Kalifornien

Auf der diesjährigen Auto Show in Los Angeles bleibt die große Welle an Weltpremieren zwar aus, ein paar interessante Fahrzeuge haben es aber dennoch an die Westküste der USA geschafft.

Mit knapp 18 Millionen Einwohnern gehört die Metropolregion Los Angeles zu den größten der Welt. Die „Auto Show“ im Convention Center (bis 9. Dezember) zählt allerdings eher zu den überschaubareren Messen – zumindest neben Größen wie dem Pariser Autosalon oder der IAA in Frankfurt. Wären viele Neuheiten morgens nicht noch abgedeckt, man könnte den Besuch in relativ kurzer Zeit abhaken. Doch ein paar Gründe, etwas mehr Zeit auf dem Messegelände zu verbringen, gibt es dann doch.

Dieses Jahr spielen vor allem Sportwagen eine große Rolle an der Westküste. Auch, wenn Exoten wie Lamborghini, Ferrari oder Aston Martin völlig fehlen. Allen voran zeigt Porsche mit dem 911 der Generation 992, wie man eine Ikone behutsam weiterentwickelt und sich trotzdem nicht der Zukunft verschließt. Der 992 kommt mit einem sehr modernen Infotainment-System samt großem Touchscreen und kann mit deutlich mehr Assistenzsystemen ausgestattet werden als bisher. Wem der normale Elfer zu gewöhnlich ist, der kann – falls das nötige Kleingeld vorhanden ist – einen der 200 GT2 RS Clubsport ordern, den die Stuttgarter in LA überraschen vorgestellt haben. Der Clubsport kommt ohne Straßenzulassung und ist ein Rennwagen, der sich keinem Reglement beugen muss – gigantischer Heckflügel inklusive.

Mit einem Fokus auf die Rennstrecke stellt Mercedes auch den AMG GT-R Pro vor, eine nachgeschärfte Version des zweitürigen Sportwagens, der sich besonders bei Trackdays wohlfühlen soll. Deutlich entspannter dürfte es in der Messepremiere von BMW zugehen: Das Cabrio der 8er-Baureihe steht in Los Angeles erstmals vor großem Publikum und ist neben dem Coupé die zweite von drei vorgestellten Karosserievarianten des 8er. Das finale Puzzle-Stück in Form des Grand Coupé erwarten in Genf 2019.
Auch bei Audi hatten die anwesenden Journalisten mit einer Sport-Version gerechnet – etwa in Form des S7 oder des SQ8. Stattdessen zogen die Ingolstädter das Tuch von der sehr gelungenen Studie e-tron GT, dem direkten Verwandten des Porsche Taycan. Der viertürige Elektro-Sportler ist optisch auf jeden Fall ein Gewinn und dürfte auch dank 434 kW/590 PS kaum Boden auf den Taycan verlieren. Wann der Elektro-GT mit einer Reichweite von über 400 Kilometer in Serie geht, ist noch offen, wahrscheinlich aber erst 2021.

Deutlich unglamouröser geht es auf dem Messestand von VW zu. Hier ist neben dem bereits auf der IAA Nutzfahrzeuge gezeigtem I.D. Buzz (in neuer motorsportorientierter Folierung) lediglich die Abschiedsversion des Beetle Cabrio zu sehen, das die Wolfsburger in Deutschland schon haben verschwinden lassen.

Doch auch, wenn die deutschen Hersteller dieses Jahr ein paar bedeutende Premieren in Los Angeles feiern können, darf man die Marken aus Amerika und Asien nicht vergessen. Jeep hat die sehnlichst erwartete Pick-up-Variante des Wrangler mit dem kämpferischen Namen „Gladiator“ enthüllt, Lincoln das SUV „Aviator“ im Gepäck. Beide kommen nicht nach Europa. Ford und GM halten sich mit Premieren zurück und zeigen lediglich bereits bekanntes wie den Mustang Bullit oder die Corvette ZR1 von Chevrolet. Außerdem auf den Messeständen: jede Menge Pick-ups, die sich in den USA weiterhin größter Beliebtheit erfreuen.

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Wer sich für japanische Fahrzeuge interessiert, wird in Los Angeles nicht am Nissan-Stand vorbeikommen. Hier gibt es neben dem neuen Murano auch den Maxima zu sehen. Mazda hat außerdem bereits am Vorabend den neuen Mazda3 enthüllt, der in Los Angeles mit fünf Türen sowie als Limousine zu sehen ist und mit einem gelungenen Design glänzt. Bei Kia ist der neue Soul zu sehen, der optisch etwas gefälliger wird als bisher und nur noch elektrisch angetrieben offeriert wird. Die SUV-Welle reitet Toyota mit dem neuen Rav4, der sich der Formensprache des CH-R anpasst und deutlich schärfer gezeichnet ist als bisher. Skurril: Ein Toyota Tundra, auf dessen Ladefläche eine komplette Pizza-Hut-Produktion sitzt – vom Ofen bis zum automatischen Pizzaschneider.

Aller Sportwagen und hubraumstarken Trucks zum Trotz ist neben Tesla auch Rivian in Los Angeles vertreten. Der Newcomer zeigt ein klassisches Siebensitzer-SUV sowie einen kantigen Pick-up – beide mit Elektromotor. Neben beeindruckenden Performance-Werten mit bis zu 522 kW/710 PS wollen die Amerikaner auch mit einer großen Reichweite von maximal 640 Kilometer punkten.

Will man das Gesehene auf der wichtigsten Automesse der Westküste zusammenfassen, kommt man nicht umhin, festzustellen, dass die große Premierenflut hier ausgeblieben ist. Außerdem flacht der Berg an elektrischen Studien langsam ab, Audi und Rivian bilden hier die Ausnahme. Passend zum Lifestyle der Millionenstadt ist auch auf der Messe dieses Jahr eher „easy going“ angesagt, ohne dabei groß etwas verändern zu wollen. Außer, man steht auf die wilden Tuning-Umbauten, die sich im Keller der Messe verstecken. Hier gibt es alles: vom Widebody-Lamborghini bis zum 90 Zentimeter höhergelegten Escalade. Man muss sich eben nur trauen.

Max Friedhoff/SP-X

Was ist das für 1 Cabrio? Mercedes-Maybach S650 Cabriolet

Bitte! Etwas mehr Contenance! Aber die Frage in der Überschrift scheint berechtigt: Was ist das für ein Cabriolet? Ein S-Klasse Cabriolet? Mit etwas mehr Pomp? Das könnte man so unterschreiben, doch die Realität sieht etwas anders aus. Wie auch bei der Limousine, haben die Macher hinter den Stuttgarter Kulissen Potential für die ausgestorbene Marke Maybach auch beim offenen Luxus-Gleiter gesehen und machen daraus das Mercedes-Maybach S650 Cabriolet. Natürlich gibt es hier nur die feinsten Zutaten in Hülle und Fülle. Das kann man über die zukünftigen Besitzer wohl kaum sagen: Nur 300 Exemplare werden vom Luxus-Cabrio gebaut. Wir schauen einmal auf die Details.

Von außen sehr nah am S-Klasse Cabrio

Exklusive Premiere des Mercedes-Maybach S 650 Cabriolets am Vorabend der LAAS 2016: Exclusive Premiere of the Mercedes-Maybach S 650 Cabriolets at the eve of the LAAS 2016
Sinnliche Klarheit auch beim Mercedes-Maybach S650 Cabriolet

Was darf es sein? Das Beste! Eine Einstellung, die zu kaum einer anderen Marke so gut passt, wie zu Maybach. Entsprechend luxuriös und gediegen geht es in den Fahrzeugen zu. Doch das kann auch schon die Basis, das S-Klasse Cabriolet sehr gut. Beim Mercedes-Maybach S650 Cabriolet wird die „Sinnliche Klarheit“ aufgegriffen und mit fadenscheinig dekadenten Zutaten nochmals gepusht. So findet sich am Maybach ein neuer Stoßfänger, der von reichlich Chrom am gesamten Fahrzeug, Maybach-Emblemen an den Kotflügeln und 20-Zoll-Leichtmetallfelgen ergänzt wird. Den krönenden Abschluss bildet die Abdeckung des Verdeckkastens, die ein entsprechendes Marken-Signet trägt. Wohl eine Frage der Zeit, bis Tuner diese Ideen nachahmen.

Innen ist alles im Fluss

Im Interieur setzen die Schwaben beim Mercedes-Maybach S650 Cabriolet auf maritimes Flair – genauer: auf Yacht-Look. Hier ist nahezu jeder Quadrat-Zentimeter mit feinstem Leder ausgeschlagen und soll den Fluss der Linien in den Fokus setzen. Das zeigt sich besonders an den Sitzen, in die ein perforierter Wasserfall eingesteppt ist. Eingerahmt wird dies von einem Keder im Stil eines Budapester-Schuhs. Seine Abrundung findet das mehr als nur noble Ambiente in entsprechenden Zierteilen, die in ihrer Farbgebung und Maserung an die gewählte Leder-Ausstattung angepasst werden. Und hier zeigt sich, dass man Stil nicht kaufen kann, schließlich ist bei den Farbkombinationen von Pastellgelb/Schwarz bis Porzellan/Sattelbraun Vieles erhältlich.

Mercedes-Maybach S 650 Cabriolet, Interior, Fluss der Linien, Rautensteppung ;Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,0 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 272 g/km Mercedes-Maybach S 650 Cabriolet, interior , flowing lines, outer diamond quilting; Fuel consumption combined: 12,0 l/100 km; Combined CO2 emissions: 272 g/km
Wasserfall-artige Steppungen sollen alles im Fluss halten

Im Grundpreis von 300.000 Euro Netto sind aber noch ein paar nette Gimmicks enthalten. Dazu zählt etwa das exklusive Reisetaschen-Set, das in derselben Leder-Farbkombination gestaltet wird, wie die Innenausstattung. Zudem gibt es ein Car-Cover, das nicht nur eine hübsche Rautensteppung aufweist, sondern dieselbe Farbe trägt, wie das Stoffverdeck des Mercedes-Maybach S650 Cabriolet. Nicht auszudenken, wenn dieses Zubehör-Produkt beispielsweise schlicht schwarz wäre…

Auf 300 Exemplare limitiert: Neues Mercedes-Maybach S 650 Cabriolet: Ultimative Open-Air-Exklusivität
Leder soweit das Auge reicht

Die Freude am Überfluss

Mercedes-Maybach S 650 Cabriolet Studioaufnahme Exterior, exklusives Reisetaschen-Set "THE AFFINITY" ;Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,0 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 272 g/km Mercedes-Maybach S 650 Cabriolet studio shot, exclusive travel luggage set "THE AFFINITY"; Fuel consumption combined: 12,0 l/100 km; Combined CO2 emissions: 272 g/km
Das Reisetaschen-Set ist inklusive

Kommen wird zum Highlight des Maybach – dem Aggregat. Der V12 leistet 630 PS und ist damit kein Kind von Traurigkeit. Das zeigen allein schon die Fahrleistungen. Auf 100 km/h geht es in 4,1 Sekunden, Schluss mit lustig ist es bei politisch korrekten 250 km/h. Hier wird der Gang zum Haus- und Hof-Veredler sicherlich mehr versprechen. Aber das zeichnet das Mercedes-Maybach S650 Cabriolet gar nicht aus, sondern viel mehr sein Drehmoment. 1.000 ist nicht etwa die Kubik-Zentimeter-Angabe für zwei Brennräume des 6.0 Liter V12. Nein! Der V12 liefert 1.000 Nm direkt an die Hinterräder! Gedrosselt, versteht sich. Mehr würde die 7G-Tronic nicht verkraften. Und so kann man locker-flockig über die Flaniermeilen dieser Welt cruisen, mit dem Wissen, dass jeden Moment Kraft im Überfluss bereitsteht. Ein Attribut, das gut zu einem Maybach passt.