Impressionen: Mercedes-Benz Maybach S600

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Das ist kein Fahrbericht. Kein Test. Das ist kein Zollstock-Artikel, nicht einmal Journalismus. Das ist einfach nur Lebensart. Von der teuren Sorte.

Vermutlich ist es mit die beste Lebensart, die man sich für Geld kaufen kann. Zwischenstopp in Los Olivos. Ein kleines Nest in der Nähe von Santa Barbara. Die Neverland-Ranch liegt nicht weit entfernt und auch die Ranch von Ex-Präsident und Schauspieler Ronald Reagan ist in der Nähe. Was man in den USA eben so unter „in der Nähe“ versteht.

Los Olivos ist ein Nest. Ein putziges kleines Nest. Es erinnert an Westernkulissen, fast erwartet man, Karl May um die Ecke spazieren zu sehen. Los Olivos besaß bis vor kurzem die älteste Tankstelle in Kalifornien. Viel Verkehr war das damals wohl nicht. Eine Zapfsäule nur. Heute ist im ehemaligen Kassenhäuschen der Tankstelle eine Vinery untergebracht. Unter anderem. Und ein Laden für Touristennippes. Der Wein in der Verkostung stammt im übrigen aus einem Anbaugebiet kaum weiter als die Neverland Ranch oder Reagans Farm. Südkalifornischer Wein. Mit einer schweren Note. Im Geschmack ein wenig spanischer Rioja, gar ein Gran Reserva, ein wenig Erdbeere. Auf jeden Fall viel rote Traube. Eine Markierung auf dem Trottoir markiert die Embargo-Grenze, bis dorthin, nicht weiter. Also mit dem Alkohol. Da sind die Kalifornier streng. Alkohol auf der Straße: No Way ! Und das in der Porno-Nation Nummer eins. Geht. Ein Glas Wein, lässig am neuen Stuttgarter Flaggschiff gelehnt, das wollen sie verbieten.

Technische Daten sind, während der Wein in die Nase steigt, den Gaumen verzaubert und man im Hinterkopf das ruchlose Übertreten von Recht und Gesetz genießt, völlig unwichtig. Mercedes-Benz hat sich das erste Abenteuer Maybach einst viel Geld und auch ein wenig guten Ruf kosten lassen. Dieses Mal ist man schlauer. Toller Name, gerne.Kostspieliges Abenteuer mit ungewissem Ausgang? Eher nicht.

Deshalb pocht auch kein 16-Zylinder-Herz unter der S-Klassen Haube. Der bekannte Zwölfzylinder aus dem S600 muss es regeln. Für den Alltag ist er mit mehr als genug Leistung am Werk. Sechs Liter Hubraum sind eben doch schon eine Hausnummer. Zwei Turbos drücken das Kraftniveau in die Schmerzregionen der Getriebehersteller. Da mag das Technikerherz noch so laut nach „Extravaganz“ rufen, technisch und von dem, was an Kraft abrufbar ist, wird sich keiner vernachlässigt fühlen müssen. Andere hätten vermutlich aus dem Maybach nicht einfach nur eine Luxuslimousine gestrickt, nein, gleich ein Zeppelin wäre wohl die Alternative gewesen.

Zum zweiten Mal leicht nippen. Ein wenig rauchig, der Wein. Kräftig, schwerer Abgang. Kann man dem Maybach nicht vorwerfen. Selbst mit knapp fünfzehn Metern (sry. das ist eine Übertreibung, aber wie gesagt, keine Fakten in diesem Artikel) wirkt das ursprüngliche S-Klasse Design von Gordon Wagener noch immer flüssig, stimmig, elegant. Eine Schokoladenseite aus jedem Blickwinkel. Geadelt wird der Mercedes-Maybach durch kleine Embleme. MM, die Maybach-Motorenwerke. Und auch den Mercedes-Benz Schriftzug im Lenkrad wird man noch austauschen. Mercedes-Maybach ist die neue „Sub-Brand“. Neben Mercedes-AMG, dem Sport-Equipment für den Ausflug vor das Gym, steht nun „MM“ für Mercedes-Maybach, für neuen Luxus. Für sinnvollen Luxus. Wie ein guter Rotwein, gerne auch für 20 Dollar das Glas…

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Bevor wir die Pause eingelegt haben, hatte mich der Fond des Maybach in ein kokonartiges Nest gebettet. Tief und fest geschlafen. So gut, wie nie zuvor in einem Auto. Einem Eilzug ähnlich, nur viel leiser; wie in der Business-Class im Flugzeug, nur viel privater. Mercedes-Benz sollte sich dringend überlegen, einen eigenen Shuttle-Service mit diesen Maybach-Modellen zu etablieren. Nie zuvor war der Weg zum nächsten Weinglas friedvoller, luxuriöser, feiner. Das tiefe Lammfell lässt die Füße kaum mehr los. Luxus ist – wenn man zuviel von allem hat. Zum Beispiel mehr Dämmfolie, mehr Dichtungsgummi, mehr Nappa-Leder. Am Ende steht der leiseste Innenraum, den man derzeit für Geld in Serie kaufen kann. Fernes Rauschen, in vorauseilendem Gehorsam noch beim Entstehen an der Wurzel eliminiert.

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Steve hat mich an diesem Abend gefahren. Der Maybach war das erste Auto, in dem ich das Lenkrad freiwillig einem anderen überlassen habe. Steve trug weiße Handschuhe und wollte mir demonstrieren, wie schön das „gefahren werden“ sein kann. Ich habe es leider verpasst. Ich habe geschnarcht und von den Kilometern der Chauffeurs-Fahrt kaum das Schließen der Türen mitbekommen. Seine weißen Handschuhe hat Steve im übrigen auch nicht abgelegt, als ich ihn auf einen Kaffee einlud. Vermutlich machen das Maybach-Fahrer so.

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Roter Wein, auch aus Kalifornien, auf nüchternen Magen. Da bleibt auch auf der Rückfahrt das Steuer verwehrt. Aber das ist gut so.  Der richtige Platz im Mercedes-Maybach ist ohnehin der auf der Rücksitzbank. Am liebsten rechts. Da lässt sich per Fernbedienung auch noch der Beifahrersitz wegschieben. Die letzten Zentimeter aus der 20 Zentimeter -Wachstums-Orgie nutzen.

Eigentlich ist der Maybach nur eine S-Klasse. Eine mit mächtig viel Platz. Echter Luxus eben. Aber keine Experimente mehr. Das mag man doof finden. Am Ende entscheidet aber der Erfolg. Und während sich der erste Wiederbelebungsversuch der Marke Maybach als kostspieliger Fehltritt erwies, baut der zweite Versuch nun auf der „besten Limousine“ der Welt auf.

Was kann da schon schiefgehen?  Manchmal ist es eben besser, auf Experimente zu verzichten. Meine Rückfahrt habe ich deswegen genossen wie die Hinfahrt: Sanft schlummernd.

 

 

 

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In der Zwischenzeit sollte man den Artikel von Gast-Autor Fabian lesen … (klick)