Lynk & Co 03 Cyan Concept – Blauer Potenz-Protz

Aus der Performance-Marke Polestar ist nach dem Verkauf an Volvo das Motorsportteam Cyan Racing hervorgegangen, das jetzt einer anderen Geely-Tochter zu einem Power-Modell verhelfen könnte.

Cyan Racing heißt der Rennsport-Ableger der Volvo-Schwestermarke Lynk & Co. Bislang waren die Fahrzeuge allein für den Einsatz im Motorsport ausgelegt. Doch jetzt haben die Schweden ein extrem sportliches Konzept auf die Räder gestellt, das möglicherweise sogar eine Straßenzulassung bekommt. Es basiert auf dem Limousinen-Modell Lynk & Co 03, das der chinesische Hersteller seit vergangenem Jahr in China anbietet.

Das auffallend blau lackierte Kraftpaket wirkt wie ein Auto, das vor Kraft kaum mehr gehen kann

Optisch macht das Einzelstück keinen Hehl aus seinen rennsportlichen Genen. Das auffallend blau lackierte Kraftpaket wirkt wie ein Auto, das vor Kraft kaum mehr gehen kann. Für diesen Eindruck sorgen unter anderem Karosserieverbreitungen, aggressiv gezeichnete Schürzen und der mächtige Heckflügel. Understatement sieht jedenfalls anders aus.

Optisch macht das Einzelstück keinen Hehl aus seinen rennsportlichen Genen

Das Sonderstyling ist kein leeres Versprechen, denn der nur zwei Liter große Turbobenziner soll über ein sequentielles Getriebe 388 kW/528 PS und 504 Newtonmeter an die Vorderachse schicken. Dank eines dort integrierten Sperrdifferenzials soll ein Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 4,4 Sekunden möglich sein, der 200er-Marke fällt nach rund 10 Sekunden. Erst bei 310 km/h wird dem wilden Treiben Einhalt geboten.

Lynk & Co. hat auf Basis des Limousinen-Modells 03 ein extrem sportliches Konzept auf die Räder gestellt

Ein liefergelegtes Öhlins-Fahrwerk, 20-Zoll-Leichtmetallräder mit 285er-Reifen sowie großzügig dimensionierte Bremsen, vorne mit Sechskolbenzangen, versprechen eine der Leistung entsprechend gute Straßenlage. Ob, wann und in welchen Märkten ein solches Fahrzeug möglicherweise angeboten wird, sagt Lynk & Co noch nicht. 

Borgward, Lynk und Wey – China-Konkurrenz für Mercedes und Co.

Bloße Kopisten sind die chinesischen Autohersteller schon länger nicht mehr. Und auch das volumenstarke, aber wenig gewinnträchtige Geschäft mit Brot- und Butter-Autos reicht ihnen nicht länger als Betätigungsfeld. Immer stärker drängen sie in den Premiummarkt. Nicht nur in ihrer Heimat.

Neuester Anwärter auf einen Platz unter den Edelmarken: Wey, das neue Luxus-SUV-Label von Great Wall Motors. Mit dem Kompakt-SUV W01 und dem etwas sportlicher gestalteten Ableger W02 hat die nicht ganz uneitel nach Konzernchef Wey Jianjun benannte Marke gerade ihre beiden ersten Modelle präsentiert. Preislich rangieren sie leicht oberhalb der Konzernschwestern Haval H6, auf dessen Plattform sie basieren. Unterscheiden sollen sich die Volumen- und Premium-Modelle vor allem bei Design, Ausstattung und Antrieb. Strategisch gehen die Chinesen somit einen ähnlichen Weg wie vor ihnen Toyota mit Lexus, Honda mit Acura oder Nissan mit Infiniti.

Der Wey 01 basiert auf Chinas SUV-Bestseller Haval H6

Great Wall ist nicht der einzige chinesische Hersteller, der sich im Premiumsegment etablieren will. Die bekannteste neue Edelmarke chinesischer Herkunft dürfte Borgward sein. Der BAIC-Konzern mit seiner Tochter Foton hat den Namen des einstigen Bremer Traditionsunternehmens gekauft und bietet unter ihm nun aufgemöbelte Varianten von Fahrzeugen der Konzernmarke Senova an. Das Mittelklasse-SUV Borgward BX7 und der kompakte BX5 sollen ab 2018 auch in Europa und Deutschland angeboten werden. Ähnliche Expansionspläne verfolgt auch Lynk&Co., der Premium-Ableger von Volvo-Mutter Geely. Das Kompakt-SUV 01 hat bei der Vorstellung im Herbst mit seinem wettbewerbsfähigen Design bereits für Furore gesorgt. Bevor es nach Europa kommt, startet es zunächst 2017 auf dem Heimatmarkt.

Zunächst startet das SUV in China

Die Mission von Lynk&Co 01, Borgward BX7 und Wey 01 ist dabei klar: Die Vormachtstellung der ausländischen Marken im Premiumsegment brechen. Aktuell halten diese 99 Prozent des Marktes, rund 75 Prozent teilen sich allein die deutschen Platzhirsche Audi, BMW und Mercedes. Insgesamt geht es um immerhin knapp zwei Millionen Autos im Jahr, Tendenz steigend. Während der Premiumanteil am Gesamtmarkt in den USA bei 12 Prozent und in Europa sogar bei 23 Prozent liegt, beträgt die Quote in China erst rund 10 Prozent.

Der Borgward BX7 soll 2018 nach Deutschland kommen

Raum für Wachstum ist in China also genug vorhanden. Europa scheint vor diesem Hintergrund wenn überhaupt aus Image-Gründen als interessanter Markt. Was in der Fremde Erfolg hat, wird von den chinesischen Autofahrern gleich doppelt geschätzt. Klar dürfte jedoch auch sein, dass für die deutschen Premiumhersteller die Goldrauschzeiten in China langsam ihrem Ende entgegengehen. (Holger Holzer/SP-X)