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Erste Fahrt: Der neue Ford Mondeo

Die Produktion eines Autos ist dann doch ein wenig komplizierter, als Kuchen zu backen. Viele Zutaten, viele Stationen, viele Zulieferer, viele Prozesse sind zu durchlaufen, bis aus einem Stück Blech, viel Kunststoff-Granulat, einer Menge Kupfer und Elektronik und der Arbeit von Menschen und Maschinen ein Auto entsteht. Üblicherweise arbeiten Automobil-Hersteller bereits am Nachfolge-Modelle, während man gerade das neue Auto vorstellt. Wenn dann eine Krise die Planungsphasen durcheinander wirft, dann muss man einen Marktstart absagen und verschieben.

Ford hat genau dieses Problem gerade durchgemacht. Das Werk im belgischen Genk erlebte nicht den Produktionsstart für den neuen Mondeo, sondern sieht seiner Schließung entgegen. Das war anders geplant, aber eine Sachen namens „Wirtschaftskrise“ kam dazwischen. Also musste umgeplant werden. Von Belgien nach Spanien. In Valencia wird Ford nun den Mondeo vom Band laufen lassen. Aber dafür musste das Werk dort erst einmal erweitert und modernisiert werden. Den neuen Ford Mondeo kostete das zwei Jahre. Zwei Jahre Verspätung, die aus einem „Neuwagen“ einen „lang erprobten Neuwagen“werden lassen.

Aber jetzt hat das Warten ein Ende, der neue Mondeo konnte in seinem Geburtsland zu einer ersten Ausfahrt antreten.

Ford Mondeo: Nummer 4 lebt.

Spießgeselle oder Gute Laune-Laster?

Der neue Ford Mondeo im ersten Fahrbericht

Ford Fusion nennt FORD USA den baugleichen Bruder des Mondeo. Gemäß der „One Ford“ Strategie gibt es keine Sonderlösungen mehr. Was hier funktioniert, muss auch dort funktionieren und andersherum. Zum Glück lässt FORD aber auch bei der „One Ford“ Idee nicht alle Chancen verstreichen, wenigstens ein wenig auf die Anforderungen der Märkte einzugehen. Das ist bei einem Fahrzeug wie dem Mondeo besonders wichtig. Wie eine erste Fahrt im Mondeo Hybrid im letzten Jahr zeigte, erwartet der europäische Käufer von einer Limousine der Mondeo-Klasse ein wenig mehr Feinarbeit im Inneren. Der damals gefahrene „Fusion Hybrid“ war doch noch arg abenteuerlich in der Verarbeitung und von überschaubarer Materialqualität. Der neue Mondeo will das besser machen, muss das besser machen!

Und? Er macht es besser! 

Ford Mondeo erster Test

Mondeo – Die Generation Nummer vier lebt!

Verdammt, sieht der gut aus. Wenn James Bond seinen Job im Auftrag Ihrer Majestät an den Nagel hängen würde und in einer großen Firma in den Außendienst wechseln würde, der neue Mondeo wäre seine Dienstwagen-Wahl! Ganz klar. Die Aston Martin „look-a-like“ Front mit dem eleganten Kühlergrill, die dynamisch und schmal ausfallenden Scheinwerfer und dazu die Motorhaube mit den Powerdomes. Wer vermisst da noch das „New Edge“ Design aus der letzten Dekade? Der neue Mondeo setzt eine aggressiv-sportliche, aber dennoch unaufdringliche, mehr eine sympathische Duftmarke im Bereich der sonst so biederen Klasse von langweiligen Dienst- und Firmenwagen.

Mehr als 70 % aller Ford Mondeo landen bei uns in Deutschland nicht in Privatbesitz, sondern in den Flotten von Firmen- und Dienstwagen-Zulassungen. Und der neue Mondeo hat bereits optisch das Potential,  in der Zukunft aus dem Segment des preissensiblen Flottenkunden in das Feld der „User-Chooser“ vorzudringen. Bewusst für einen Ford Mondeo entscheiden? Gegen Audi A4 und Dreier BMW? Warum nicht? Der neue Aston Martin Ford Mondeo hat das Design und die Technik.

Am Hubraum gespart – nicht an der Dynamik!

Für 2015 stehen die Zeichen auf 1.0 Liter und EcoBoost im neuen Mondeo. Das wird spannend. Für die erste Ausfahrt standen indes erst einmal der neue 1.5 Liter EcoBoost Vierzylinder Turbobenziner und der 2.0 Liter TDCi-Turbodiesel zur Verfügung. Und zum Reinschnuppern für eine kleine Runde der neue Ford Mondeo mit Hybrid-Antrieb und 182 PS Systemleistung. Zu diesem 99 g/km CO2 Spar-Meister gibt es jedoch demnächst einen eigenen Artikel. Zurück zum 1.5 Liter Benziner.

Der EcoBoost-Vierzylinder bringt 240 Nm mit und gönnt sich vom Start weg eine kaum fühlbare Gedenksekunde. Mit mehr als 1.5 Tonnen ist der Turnier (Kombi-Version) kein Leichtgewicht, dennoch fühlt sich der 1.5 Liter Vierzylinder nicht überfordert an. Ein wenig energischer bringt sich der TDCI-Diesel ein, wie gewohnt sind die 2 Liter großen Turbodiesel mit mehr Drehmoment am Start. Was beiden Kraftstoff-Varianten gut tut, ist der gelungene Kompromiss aus Durchzug im Drehzahlkeller und der Bereitschaft, auch fein über das gesamte Drehzahlband hinaus zu touren.  Zum Start bietet FORD drei Benzinmotoren an. Alles EcoBoost-Turbos, einmal mit 1.5 Liter (der neue Motor!) und 160 PS und zweimal als 2.0 EcoBoost mit 204 und 240 PS. Bei den Dieselmotoren handelt es sich um 1.6 Liter große TDCIs mit 115 PS als Basistriebwerk, einem weiteren 1.6 Liter Diesel im „Spritspar-Modell“ ECOnetic, der sich auf 94 Gramm Emissionen beschränken soll und zwei weitere 2.0 TDCI-Leistungsstufen mit 150 PS und 180 PS. Auch von diesen beiden Leistungsstufen wird es jeweils eine Econetic-Version geben.

So fährt sich der neue FORD MONDEO

Spaniens Landstraßen bieten die ideale Teststrecke. Enge gewundene Strecken, welliger Asphalt, hängende Kurven, weite Kurven, schmale Gassen. Das Programm ist abwechslungsreich und vollständig. Und der neue Mondeo beweist wieder einmal, die Kompetenz zum Thema Fahrwerke, die haben sie in Köln. Dass der neue Mondeo mit dem US-Ford Fusion verwandt sein soll,  ist kaum zu glauben. Behände wie ein Hot Hatch lässt sich auch der lange Kombi durch schnelle Wechselkurven werfen. Er federt geschmeidig durch, schwingt nicht nach, schlägt nicht in die Dämpfer, rüttelt nicht am Lenkrad. Sauber, astrein, an einer imaginären Schnur gezogen, durcheilt der große Ford die Kurvenkombination auf der A-7000 hinauf auf den „Montes de Malaga“. Frostaufbrüche, Schlaglöcher und fiese Fahrbahn-Absenkungen pariert das aufwändige Fahrwerk des Mondeo. In der vierten Generation hat FORD die Schwertlenker-Hinterachse gegen eine aufwändige Integral-Lenker Hinterachse getauscht und in diesem Zuge eine passiv mitlenkende Hinterachse integriert. Während man bei den Dämpfern zusätzlich noch auf eine Version mit variabler Wirkung umsteigen kann, bietet aber bereits der Aufstieg zu einer „State-of-the-art“ Hinterachse einen nicht erwarteten Fahrspaß im neuen Mondeo.

Und der Mondeo ist leise. Still wie im Mädchen-Pensionat nach dem „Licht aus“. NVH (Noise, Vibration, Harshness) nennen die Automobil-Experten das hör- und fühlbare Paket aus Geräuschen, Schwingungen und Vibrationen in einem Auto.  Natürlich hört man im Stand leise das Rumoren der Direkteinspritzer, dieses harte Verbrennungsgeräusch lässt Dieselmotor und Benziner im Stand näher zusammenrücken. Einmal in Fahrt, geht der Motorklang beider Aggregate im angenehmen Mix aus Lauf- und Windgeräuschen unter. Wobei das Niveau extrem niedrig ist. Der Mondeo hat in diesem Punkt einen weiteren großen Schritt gemacht!

Ford Mondeo Testbericht

Technik, Haptik, Sicherheit

Man kann den neuen Mondeo als günstiges Flottenmobil ordern, greift zum kleinen EcoBoost Turbo mit 160 PS, Handschaltung und der Basis-Ausstattung Trend und fängt beim Kombi mit 28.150 € in der Preisliste an. Der Mondeo bleibt weiterhin gute 4.80 Meter lang, hat dank eines fast 2.90 Meter langen Radstandes in beiden Sitzreihen viel Platz und verstaut 488 bis 1.630 Liter im Kofferraum. Auch die aufwändige Hinterachse und die gelungene Fahrwerksabstimmung bleiben erhalten. Oder man rüstet den MONDEO zum modernen Familienkombi mit umfangreicher Sonderausstattung aus.

Dafür eignet sich dann die Titanium-Ausstattung, im übrigen bislang die meistverkaufte Ausstattungslinie. Vom Fahrspur-Assistenten zum Müdigkeitswarner, vom großen Ford SYNC2 Multimedia-System bis hin zu den aufpreisflichtigen LED-Frontscheinwerfern. Der neue Mondeo lässt sich dank attraktiver Pakete zu einem fairen Preis in die Liga der Premium-Kombis rüsten. Der gefahrene Mondeo Turnier (blaues Modell auf den Fotos) kostete laut Liste 40.245 € und bot neben den Ford-typischen Extras wie der beheizbaren Windschutzscheibe auch das ganze Paket an neuen Assistenzsystemen. Dazu den neuen Park-Piloten, der beide Parkvarianten beherrscht, das Sony-Soundsystem mit 12 Lautsprechern und 700 Watt Leistung. Der Fahrersitz mit der 10-Wege Einstellung gehört ebenso zum Komfort-Paket wie das interaktive Fahrwerk. Damit ist der 160 PS starke Kombi ein Preisbrecher. Weder Volkswagen Passat, Audi A4 noch BMW Dreier bieten diese Ausstattungsfülle zu diesem Gesamtpreis. Und auch bei der Fahrdynamik (Handling) dürfte der Mondeo seine schnittige Nase vorne halten.

Im Innenraum ist die Mittelkonsole rund um das Sync 2 und dem großen (20.3 cm) Touchscreen ein wenig „einfach“ geraten. Armaturenbrett und andere Kunststoff-Elemente waren dafür ordentlich. Auf jeden Fall nicht billig. Die Verarbeitung wirkte solide und selbst auf den Rüttelpisten war es still im Innenraum. „Da scheppert nix“.

Safety first

Der Mondeo bietet als erster Vertreter in seinem Segment einen Gurt-Airbag in der zweiten Reihe. Der Gurt-Airbag mindert die sekundären Verletzungen im Falle eines Unfalles, indem er die Belastungen für den Brustkorb der Mitfahrer minimiert. Im Falles eines Crashs bläst sich der Gurt zu dreifacher Breite auf und verteilt so die Rückhaltekräfte auf mehr Fläche. Ford bietet dieses System leider nicht in Serie an, ebenso wenig wie den City-Notbrems-Assistenten. Beide Systeme erhält man im empfehlenswerten Technologie-Paket, zusammen mit weiteren Assistenten, ab 750 € Aufpreis.

Bleibt das Fazit:

Ein größeres Stück vom Kuchen.  Dem Mondeo hängt ein Stück Spießer-Image an. Zu Unrecht. Das neue Modell kommt spät, aber es kommt ordentlich fein geschliffen. Die Motoren sind frisch, sparsam und machen dennoch Laune beim Fahren. Die Sicherheitsausstattung ist vollständig, die Multimedia-Einheit perfekt gelungen.

Ich sehe keinen Grund, weswegen der neue Mondeo sein Stückchen vom Kuchen am Markt der Dienstwagen, Firmenwagen und auch Familienkombis nicht massiv vergrößern sollte. Die Verspätung bringt ihn zusammen mit dem neuen Passat auf den Markt, was ihm ein wenig Aufmerksamkeit kostet, aber ein Mondeo war nie näher am Klassenprimus als heute!

Ist James Bond ein Spießer? Nein. Der Mondeo Turnier auch nicht mehr! 

Ford Mondeo Turnier 1.5 EcoBoost

Verkaufsstart:  -sofort / Marktstart offiziell: Februar 2014
Basispreis:  28.150 €
Motorleistung:  1.5 Liter Vierzylinder Benziner Turbo – 160 PS / 240 NM
Antrieb und Getriebe:  6-Gang Schaltgetriebe
Beschleunigung:  9.3 Sekunden von 0-100 km/h
Normverbrauch:  5.9 Liter auf 100 km
Höchstgeschwindigkeit:  217 km/h
Länge, Breite, Höhe, Radstand  4.876, 1.852, 1.501, 2.850 mm

LED-Frontscheinwerfer

Ford bietet für den neuen Mondeo ein adaptives LED-System für die Hauptscheinwerfer an. Der Lichtkegel der Frontscheinwerfer wird hierbei in Helligkeit und Winkel an die jeweilige Fahrsituation angepasst. Um die ideale Ausleuchtung der Fahrbahn zu berechnen, beachtet das System die gefahrene Geschwindigkeit, Umgebungslicht, Lenkeinschlag, andere Fahrzeuge und ob die Scheibenwischer arbeiten. Jeder der beiden Scheinwerfer besteht aus über 500 Einzelteilen und beheimatete über 80 LED-Elemente. Im Gegensatz zu Halogenlicht erreicht ein LED-Scheinwerfer bis zu 80% Wirkungsgrad. Das hilft auch beim Sprit sparen!

Wie die anderen den neuen Ford Mondeo erlebten:

  1. Autophorie.de zum neuen Mondeo
  2. MOTOR-TALK 

Galerien:

  • Ford Mondeo Hybrid

 

Fotos im Artikel: Bjoern Habegger / Ford-Werk, Titelbild: Bjoern Habegger

Vorstellung: Mercedes-Benz GLA 45 AMG

Malaga/Spanien Er grollt wütend aus dem Auspuff, sprintet beherzt von Kurve zu Kurve und setzt den Fahrer einem echten Persönlichkeits-Check aus. Auf die Bremse, angehalten im spanischen Hinterland, ausgestiegen und noch einmal durch den Kopf gehen lassen, was hier eigentlich gerade passiert.

Vor mir steht ein kompakter SUV. Allerdings nicht einer von vielen, denn was da so effektvoll knackend die Hitze der vorangegangenen Bergpassagen in eine neue Energieform bringt, ist die heiße Bremsanlage des sportlichsten GLA von Mercedes-Benz. In der derben AMG-Version. Mit dem GLA kommt Mercedes-Benz recht spät in das Segment der kompakten SUVs. Doch dafür setzen die Stuttgarter mit der sportlichsten Version GLA 45 AMG gleich mal eine besonders durchdringende Duftmarke. Der Schwabe an sich ist nicht bekannt für „halbe Lösungen“ – wenn man etwas macht, dann will man das richtig machen. Vermutlich hat es deswegen ein wenig länger gedauert mit dem GLA. Und während man sonst bei Daimler von “ das beste oder nichts“ spricht, faucht der GLA 45 AMG zum Motorstart ein: „Und jetzt erst recht“  durch die armdicken Endrohre. Und nach getaner Bergetappe lassen sich die 350 mm großen Bremsen dann zu einem neuerlichen Statement in Bezug auf Newtons drittes Gesetz  hinreißen.

Schwabe mit Nachschlag – Der Rebell in der SUV-Klasse?

Mercedes GLA 45 AMG

Da kommt der kompakte SUV-Schwabe erst zu spät und nun auch noch politisch unkorrekt. Der Mercedes-Benz GLA 45 AMG trägt dick auf. Und wer die Edition 1 wählt, stolziert vermutlich auch mit dem Federschmuck einer Travestie-Königin auf den Wiener Opernball. Über Geschmack kann man nicht diskutieren – über Abtriebswerte schon.  Massives Räderwerk, üppige Schweller und ein Flügel, der eigentlich auf die Rennstrecke gehört. Wie dieses ganze Paket durch den Geschmacks-TÜV kam? Es bleibt mir ein Rätsel. Ebenso wie dieses brachiale Anstürmen der nächsten Biegung. Der GLA 45 AMG Edition 1 profitiert natürlich vom Allradantrieb 4matic, der die Verantwortung dafür übernimmt, die Kraft auch in Vortrieb zu verwandeln. Unter seiner Haube tobt das gleiche 360 PS starke Herz, das man auch beim  A45 AMG und CLA 45AMG findet. Und diese Kombination trifft direkt in den Magen empfindlicher Beifahrer. Der GLA 45 setzt Newtons erstes Gesetz mit einer für diese Klasse bis dato unbekannten Vehemenz durch.  In der Klasse der sportlichen SUVs ist das auf jeden Fall eine ganz neue Erfahrung.  Während der Q3 in seiner sportlichsten Form immerhin 310 PS mitbringt, muss sich der vermeintlich sportliche BMW X1 mit nur 245 PS begnügen. Da spielt der GLA 45 AMG mit seinen 360 PS in einer völlig anderen Liga. Und das trifft auch für die Fahrzeugklasse zu. Während der normale GLA in Verbindung mit dem optionalen Offroad-Paket durchaus als „Kompakt-SUV“ durchgeht und den Wettbewerb mit dem Musterschüler Tiguan sucht, liegt der GLA 45 AMG Edition 1 drei Zentimeter tiefer und ist damit nur wenige Millimeter vom Niveau der A-Klasse entfernt. Die AMG-Offenbarung in der sportlichen Klasse der „kompakten SUV“ ist kaum als solche zu akzeptieren.

Der Testwagen:

  • Modellbezeichnung: GLA 45 AMG Edition 1
  • Fahrzeugklasse: Kompakt-SUV
  • Auslieferung: Juli 2014
  • Leistung: 360 PS

  

Basispreis:

55.9 k € 

Mercedes-Benz GLA 45 AMG 50 Edition 1 Fahrbericht

Die bessere A-Klasse

Ja, der Pilot sitzt prächtig hinter dem sportlichen Dreispeichen-Lenkrad, das Gestühl mit der integrierten Kopfstütze kennt man aus den anderen Modellen der A-Baureihe und selbst an das Navi-Display in der exponierten Lage hat man sich inzwischen gewohnt. Dennoch, für einen SUV, selbst einen in kompakter Größe, sitzt man recht tief. Der Kopf findet sich im Straßenverkehr auf der Höhe von Fiat 500 Abarth-Piloten, zu anderen SUVs blickt man auf.  Der GLA bietet kaum mehr Platz als sein Plattform-Bruder, die A-Klasse.  Das ist kein Tippfehler. Der GLA ist im Innenraum exakt so groß wie die A-Klasse, mit Ausnahme des Kofferraums und der Höhe zwischen Dach und Rücksitzbank.

Die Ausschnitte der Türen wirken nicht nur gleich groß, sie sind es auch, doch die Sitzhöhe ist weniger sportlich tief. Wer zwischen A45 AMG und GLA 45 AMG schwankt, der wird die Entscheidung auf Basis seiner eigenen Bandscheibe fällen müssen.

Fahrdynamisch spielt die AMG-Version des GLA in einer völlig neuen Dimension, würde man den Maßstab der „Kompakt-SUVs“ anlegen. Allerdings behilft sich Mercedes-Benz hierbei eines Tricks.  Der normale GLA ist 4 Zentimeter höher als die A-Klasse. Der AMG-Spross sinkt wiederum drei Zentimeter in Richtung Asphalt.  Damit schrumpft die Offroad-Lust auf ein Minimum. Konsequent auf sportliches Handling „on the road“ ausgelegt und somit fernab der „kompakten SUV-Klasse“.

Und auch wenn der Kofferraum nun eine vernünftige Größe erreicht hat, die Vernunft muss beim GLA 45 AMG draußen bleiben. Schuld ist dieser unverschämt geile Zweiliter-Motor.

Mercedes-Benz GLA 45 AMG 33 Edition 1 Fahrbericht

 

Voller Unvernunft – Das Aggregat

Wenn nur zwei Liter Hubraum zur Verfügung stehen, wird einiges an Magie notwendig, um dem Vierzylinder dennoch ein derart kraftvolles Leben einzuhauchen. Damit der stärkste Zweiliter-Serienmotor dazu auch noch lange lebt, bekam er eine Wasserkühlung verpasst, die den thermisch hoch belasteten Turbo auch nach dem Ausstellen des Triebwerks noch mit kühlenden Wasser versorgt. Der Block besteht aus Aluminium, die Kurbelwelle wurde wie bei einem Rennmotor geschmiedet. Der Druck in den vier Brennräumen kommt von einem schnell agierenden TwinScroll-Turbolader mit Ladeluftkühlern im Format einer Einbauküche. Das Ergebnis sind protzig freche 450 Nm, die der starke Zweiliter-Turbo auf die Doppelkupplung des Siebengang-Getriebes drückt.

Wer den Launch-Start aktiviert, lässt den GLA 45 AMG, untermalt von einem dreisten Auspuffsound mit pubertären Zwischentönen, nach vorne hechten. Die Doppelkupplung gönnt den Getriebewellen dabei kaum Zeit zum Verschnaufen und bringt das perfekt abgestimmte Steuergerät zum Schwitzen. Aus dem Stand mit Vollgas beschleunigt, gerät das Getriebe mächtig unter Stress. Kein Wunder: Vorne drückt der 360 PS starke AMG-Triebtäter, die vier Reifen verzahnen sich dank des dynamisch abgestimmten Allradantriebs effektvoll mit der Straße, hierbei wird die Kraft im besten Fall zu 50% paritätisch auf die Achsen verteilt.  Da bleiben nur 4.8 Sekunden bis zur Tempo 100 Marke. Eine Zeit, die man in der restlichen Kompakt-SUV-Klasse für das Ausparken vor dem Supermarkt einrechnet. Doch auch hier der Einwurf: Die Klasse der bisherigen Kompakt-SUVs ist irgendwie anders, der GLA 45 AMG definiert eine neue Klasse. Sebastian Bauer nannte diese noch in der ersten Stunde unserer gemeinsame Testfahrt: CrossHatch. Und er hat Recht. Kaum eine Umschreibung für diese neue Nische passt besser.

Mercedes-Benz GLA 45 AMG 15 Edition 1 Fahrbericht

 

Die Benchmark

In dieser neuen Nische markiert der GLA 45 AMG eine Benchmark, die nicht zu erreichen sein wird, wenn andere Hersteller den Offroad-Gedanken von SUVs nicht ebenso konsequent ignorieren wie die Längsdynamiker aus Affalterbach. Wobei der GLA 45 AMG eben, dank seiner für Kompakt-SUV-Verhältnisse unterdurchschnittlichen Bodenfreiheit, die 360 PS seines Triebwerks nicht nur für Lehrstunden im Thema Längsdynamik nutzt. Der GLA 45 AMG fährt sich mit beeindruckender Neutralität. Er zickt nicht herum. Er überspielt die Lächerlichkeit seines Federschmucks (Edition 1) mit der Professionalität seines Antriebsstranges.

 

Mercedes-Benz GLA 45 AMG 47 Edition 1 Fahrbericht

Vom SUV zum CrossHatch

Die Frage, wer sich diesen GLA 45 AMG denn überhaupt kaufen soll, stellt sich nicht. Beim GLA 45 AMG stellt sich nur die Frage: Mit oder ohne Kriegsbemalung? Meiner Meinung nach kann man sich die auffällige Bemalung des 63.248,50 € teuren Edition 1 ebenso sparen, wie den sinnlosen Heckspoiler. Der „normale“ GLA 45 AMG fällt auch so auf.

Finanzprobleme dürften die Interessenten für den GLA 45 AMG nicht kennen. Der Basispreis von 55.000 € sorgt hier für eine natürliche Auslese.  Am Ende werden dennoch genug Kunden übrig bleiben. Und davon werden nur wenige den Wiener Opernball besuchen und wenn, dann tragen Sie den ihnen eigenen Federschmuck mit der nötigen Selbstsicherheit.

Fakten:

Hersteller: Mercedes-Benz | Daimler AG
Modellname: GLA 45 AMG Edition 1
Karosserievariante: Viertürige Kompakter Sport-SUV
Motor: R4 – Turbobenziner mit Direkteinspritzung, 16V, DOHC, Ventilverstellung AVS,
Getriebe: 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: 4matic – Allradantrieb
Hubraum: 1.991 ccm
Leistung: 360 PS bei 6.000 U/min
Drehmoment: 450 Nm von 2.250 bis 5.000 U/min
Von 0 auf 100 km/h: 4.8 Sekunden
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch nach Norm: 7.5 Liter / 100 km
CO2-Ausstoß nach Norm: 175 g/km
Testverbrauch: +20 l/100km
Räder:  –
Leergewicht: 1.510 kg
Länge, Breite, Höhe, Radstand: 4.445 / 1.804 / 1.479 / 2.699 mm
Lustfaktor / max 10 Punkte:  9 von 10 Punkten
Preis: ab 55.871,– EUR

Der Qashqai auf Orangen-Tour.

In Süd-Spanien lässt es sich schön leben. Und noch schöner Auto fahren. Hoffen wir das diese wundervolle Lebensweise nicht bald durch eine Erweiterung des ESFS gestört wird.

Wie dem auch sei – ein paar erste Worte zur „Orangen-Tour“ mit dem Nissan Qashqai und seinem neuen Diesel-Motor habe ich bereits geschrieben …