Liveblog: Sachsen Classic – Tag 1

Hitze. Timing. Prüfungen. – Tag 1 bei der Sachsen Classic!

Der große Tag ist gekommen, die erste Etappe mit mehreren Wertungsprüfungen steht an. Vorher aber noch zum Fahrer- und Beifahrer-Briefing, um über die Regeln bei einer Oldtimer-Rallye eingewiesen zu werden. Hermann Dreyer, Leitung Gesamtfahrzeugentwicklung Volkswagen und ich checken noch mal alles durch und als ich viele Fragezeichen beim Anblick des Roadbooks und der Zeitenmessungen über dem Kopf habe, wechseln wir spontan die Rollen. Es sei wohl besser, wenn wir tauschen und ich „nur Gas geben“ muss, denke ich in diesem Moment.

Dann pünktlich um 12.01 setzt sich der Tross in Bewegung. In gewohnt fachkundiger Manier moderiert Johannes Hübner auf der Startrampe und stellt die 180 Fahrzeuge vor.
Mit unserer Startnummer 45 haben wir die Startzeit 12.27 Uhr bekommen. Um 12.15 gibt mir Hermann ein Zeichen, „Auf geht’s zu deiner ersten Ausfahrt, jetzt wirds ernst“ ruft er mir übers kochend heiße Blechdach unseres VW Rallye Golf zu. Drinnen ist es nicht besser, das Aluminiumgehäuse meines Notebooks scheint kurz vor dem Schmelzpunkt zu sein. Klimaanlage? Völliger Quatsch, 1990 benutzte man meistens noch die Seitenfenster zur Kühlung. Also die Fensterkurbel gegriffen, wobei ich mich frage, wann ich zuletzt eine Fensterkurbel in der Hand hatte und runter mit der Scheibe.

„Gegen die Hitze im Auto ist die 35 Grad heiße Luft von draußen fast wie ein kühler Wind.“

Die Straßenlage unseres Golf G60 ist, bescheiden formuliert, ohne Dämpfung. Auf den teils mit vielen Löchern übersäten Straßen, vorbei an dem ehemaligen VEB Sachsenring Automobilwerk, das heute zum Volkswagen-Konzern gehört, geht’s holprig zur ersten Wertungsprüfung.
Hermann Dreyer ist nach einigen Oldtimer-Rallye-Teilnahmen mittlerweile ein Profi, zumindest in meinen Augen. Blitzschnell rechnet er Distanz, Sollzeit und Vorgaben aus, klebt mir einen PostIT mit Zeiten in Sekunden aufs Lenkrad und sagt “Wenn du mit exakt 37 km/h durch die erste Lichtschranke fährst, dann sollte das gut klappen, ich zähle die letzten Sekunden an, dann nur noch über die Messlatte fahren.“
Ok, der Puls schlägt, vor mir senkt sich die grüne Flagge, erster Gang und ab. Die Hitze, fröhliche Menschen am Wegesrand winken, fotografieren, filmen, meine Augen starren nach vorne, die Ziel-Lichtschranke im Visier, Hermann zählt, dann sind wir drüber, beziehungsweise durch die Messung.

Fürs erste Mal gar nicht so schlecht, werde ich gelobt. Kann mich aber noch gar nicht freuen, ich schwitze einfach nur. Am Ende erfahre ich, Platz 31 von 180 Teilnehmern bei dieser Wertungsprüfung. Bei der nächsten, der berühmten „Steilen Wand“, habe ich leider noch zu viel Strecke übrig, als Hermann mit dem Zählen der verbleibenden Sekunden fertig ist und patze. Ein Platz jenseits der 120 ist das Ergebnis.
Auf dem Sachsenring, auf dem vor wenigen Tagen noch ein Lauf der MotoGP-Serie stattgefunden hat, machen wir fast alles richtig und holen mit Platz 12 unser bestes Tagesergebnis. Dazu sind wir auf dem Sachsenring bestes VW Classic Team.
Insgesamt wird es der 56. Platz im Tagesklassement und obwohl wir ja nicht ernsthaft auf eine vordere Platzierung fahren, schaut man abends dann doch in die Zeitenlisten und vergleicht.

Morgen führt die Tagesetappe durch das hoffentlich etwas kühlere Erzgebirge nach Dresden. Wenn am Nachmittag das rollende Automobilmuseum auf der Augustusbrücke ankommt, wird auch das Dresdner Stadtfest 2015 eröffnet. Wer dabei sein will, findet hier die Stationen für morgen:

Freitag, 14.August 2015, Etappe „Erzgebirge“ (273 Kilometer)

o 08:01 Uhr Start in Zwickau am „Platz der Völkerfreundschaft“ o 09:45 Uhr Wolkenstein, Markt
o 10:55 Uhr Saigerhütte Olbernhau
o 11:00 Uhr Mittagspause im Schloss Purschenstein
o 14:10 Uhr Altenberg
o 15:15 Uhr Glashütte Uhrenmuseum
o 16:15 Uhr Dresden Messe
o 16:30 Uhr Zieleinlauf in Dresden auf der Augustusbrücke

 

 

 

Text: Bernd Schweickard © Foto: Uli Sonntag für VW, Bernd Schweickard

Sachsen Classic Tag 1 – Prolog

Früher habe ich diese Artikel über Oldtimer-Rallyes, wobei der Begriff „Sternfahrt“ oder „Event“ wohl besser angebracht ist, immer gerne gelesen und nun bin ich mittendrin. Einer Einladung von Volkswagen Classic folgend, fahre ich ab morgen meine erste „Oldtimer-Rallye“ mit. Die wunderbare „Sachsen Classic“ soll es sein, ein Event, von dem ich in den vergangenen Jahren nur positives hörte. Die reizvolle Landschaft, nette Menschen im Fahr-Pulk und an den Straßen, nun darf ich es selbst erleben.

Heute am Vortag der dreitägigen Fahrt über gesamt 628 Kilometer, stand Kennenlernen und ein Rallye-Lehrgang auf dem Sachsenring in der Programmagenda.

Mein fahrbarer Untersatz, ein sogenannter „Yountimer“ wird ein „Rallye Golf“ Baujahr 1990 sein. Es ist eine Sonderedition des VW Golf GTI, der in einer zur Homologation gebauten Stückzahl von 5.000 Einheiten gefertigt wurde. 2.500 hätten laut FIA Reglement genügt, aber die Nachfrage war so hoch, das es doppelt so viele wurden.
Passend zu meinem Alter trägt er die Startnummer 45 auf den Türen. Als könnte man das nicht noch alles Toppen, stellt sich die Frage nach dem Fahrer, da ich als Beifahrer gemeldet bin und in die Rolle des Navigators schlüpfe, der uns hoffentlich gut zu den einzelnen Zielpunkten führt.

Mein Fahrer ist kein geringerer als Hermann Dreyer. Seit fast 35 Jahren ist Dreyer im Volkswagen-Konzern und 2012 übernahm er die Leitung Gesamtfahrzeugentwicklung der Marke Volkswagen. Sozusagen ein „Wolfsburger Urgestein“, wobei er das nicht gerne hört, da es klingt, als sei er älter als die Menschheit selbst.

„Vom Benziner über den G-Lader bis zum PlugIn-Hybriden –
Ich habe Fragen – Dreyer kennt die Antworten.“

Alles begann im Dezember 1980, als der Diplom-Ingenieur Dreyer in die Dienste von Volkswagen trat, zuerst im Bereich Produktionsplanung Montage. Weitere Stationen in der QS-Qualitätssicherung und ab 2005 deren Leitung, prägten seinen Werdegang. Wenn sich einer mit VW auskennt, dazu sämtliche Entwicklungsschritte der letzten drei Jahrzehnte locker aus dem Ärmel schüttelt in denen ich motorisiert aufgewachsen bin, dann ist das Hermann Dreyer.
Ich hab einige Fragen im Gepäck, ihr habt auch welche, ob zu alter Technik oder zu neuesten Entwicklungen bei Volkswagen?
Mailt uns eure Fragen. Jeden Tag wird Live aus dem Auto Hermann Dreyer einige beantworten.

Wer die Sachsen Classic Live vor Ort sehen möchte, hier der „Sachsen Classic Zeitplan“ für den morgigen Tag:

Donnerstag, 13. August 2015, Etappe „Sachsenring“ (125 Kilometer)
o 10:45 Uhr Start historischer Motorräder in Zwickau am Hauptmarkt, dort 14:30 Uhr auch Zieleinlauf o 12:01 Uhr Start der Oldtimer-Rallye „Platz der Völkerfreundschaft“ in Zwickau
o 12:20 Uhr Sahnpark Crimmitschau
o 12:30 Uhr Steile W and Meerane
o 13:00 Uhr Schloss Ponitz
o 13:40 Uhr Schloss Wolkenburg
o 14:00 Uhr Sachsenring Fahrerlager
o 15:10 Uhr Zwickau, August-Horch-Museum
o 15:15 Uhr Zieleinlauf in Zwickau am „Platz der Völkerfreundschaft“

 

 

 

 

Text: Bernd Schweickard © Foto Bernd Schwickard