Test: Mazda CX-5 2.2 Skyactiv-D AWD

Saubere Sache

Schick, geräumig und ein Langstrecken-Spezialist: Der Mazda CX-5 ist ein Kompakt-SUV, wie es sein muss. Auch, weil er eine zwischenzeitliche Schwäche mittlerweile abgelegt hat.

SUVs sind einfach keine Autos für die Stadt. Das bestätigt auch der kompakte Mazda CX-5, der in der City unter den typischen Schwächen seiner Spezies leidet. Über Land schlägt sich der Konkurrent von VW Tiguan und Nissan Qashqai hingegen prächtig. Und das seit dem Sommer auch richtig sauber.

28.290 Euro kostet der 150-PS-Selbstzünder mit Frontantrieb und Basis-Ausstattung

Äußerlich ist das Kompakt-SUV eine runde Sache: Der aufwändig modellierte Kühlergrill mit seiner prägenden Chromspange wirkt hochwertig, die kräftigen Flanken und das stimmige Heckdesign lassen den Mazda aus der immer noch wachsenden Masse der mittelgroßen Crossover herausstechen. Seit dem Generationswechsel Mitte 2017 passt auch der Innenraum zum äußeren Auftritt, die Materialien wirken teurer als beim Vorgänger, Verarbeitung und Ambiente müssen sich vor VW und den Koreanern nicht verstecken. Die Instrumente sind klar ablesbar, die Bedienung gibt nach kurzer Eingewöhnung keinerlei Rätsel auf. Lediglich der ungewöhnlich kleine Bildschirm auf dem Armaturenbrett wirkt in Zeiten des Display-Gigantismus nicht ganz zeitgemäß.

Beim Platzangebot können vor allem die beiden vorderen Sitze und der Kofferraum überzeugen. Letzterer ist nicht nur geräumig, sondern über die große Klappe auch gut zu beladen. Wer die Fondsitze über die seitlich im Gepäckabteil angebrachten Griffe umlegt, bekommt bis zu 1.608 Liter Sperrgut hinein. Kleinere Teile sind in einem Fach unter dem Ladeboden vor dem Umherfliegen gesichert. Punktabzug gibt es für die sehr hohe Ladekante – ein in dieser Fahrzeugklasse übliches Phänomen, das das Einladen schwerer Gegenstände kraftaufwändig macht. Leicht fällt hingegen der Einstieg durch die weit öffnenden Türen auf die vergleichsweise hoch montierten Sitze. Vor allem vorne geht es luftig zu, hinten ist das Platzangebot zwar selbst für größere Erwachsene gut, die hohe Schulterlinie und die massive C-Säule lassen den Fond jedoch enger wirken als er in Wirklichkeit ist. Womit auch eine generelle Schwäche des CX-5 angesprochen ist: die mäßige Übersichtlichkeit, vor allem nach hinten. Die optionale Rückfahrkamera ist daher eine klare Kaufempfehlung.

Der Monitor fällt ungewöhnlich klein aus

Doch auch mit dem Video vom Fahrzeugrückraum wird der CX-5 nicht zum handlichen Stadtauto. Dem stehen schon die 2,12 Meter Breite von Außenspiegel zu Außenspiegel und der Wendekreis von 12 Metern entgegen. Dass die City nicht das bevorzugte Geläuf des SUV ist, gibt auch das Fahrwerk zu verstehen, das bei geringer Geschwindigkeit mit schlechten Straßen etwas steifbeinig wirkt und Unebenheiten nur mäßig wegbügelt. Deutlich besser ist der Schnellfahrkomfort außerorts. Dort gefällt dann auch die recht agile Abstimmung des Mazda, der schnelle Kurven besser verkraftet als viele andere seiner Art.

Der im Testwagen montierte 2,2-Liter-Diesel mit 110 kW/150 PS sorgt dabei für kräftigen Durchzug, wodurch der Mazda einen souveräneren und sportlicheren Eindruck macht, als es die nackten technischen Daten vermuten lassen. Für die Kraftübertragung sorgt im konkreten Fall ein präzise zu schaltendes Sechsgang-Getriebe. Wer eine Automatik will, muss mit einer Sechsgangbox Vorlieb nehmen, die jedoch schon bei den Normangaben für ein kräftiges Verbrauchsplus von einem halben Liter sorgt. Und ein besonderer Sparmotor ist der Diesel auch schon in der handgeschalteten Ausführung nicht: Im Testfahrzeug mit Allradantrieb lag er bei 6,5 Litern und damit klar über der Herstellerangabe von sehr optimistischen 5,2 Litern (NEFZ).

Beim Platzangebot können vor allem die beiden vorderen Sitze und der Kofferraum überzeugen

Verbessert hat Mazda immerhin das Abgasverhalten des Vierzylinders. Verzichteten die Japaner im ersten Jahr nach der Markteinführung in Europa noch auf einen SCR-Katalysator zur Abgasreinigung, ist dieser seit Sommer 2018 Standard. In den USA war er das schon immer, hierzulande meinte man zunächst, darauf verzichten zu können. Nachdem das Abgasproblem nun gelöst ist, spricht wenig gegen den Kauf eines CX-5-Diesels. Auch der Preis nicht: 28.290 Euro kostet der 150-PS-Selbstzünder mit Frontantrieb und Basis-Ausstattung, 35.490 Euro mit Allradtechnik und der dann obligatorischen Top-Ausstattung. Extras gibt es fast nur in Paketen, was sie vergleichsweise teuer macht.

Technische Daten – Mazda CX-5 2.2 Skyactiv-D AWD:
Fünftüriges Kompakt-SUV: Länge: 4,55 Meter, Breite: 1,84 Meter (mit Außenspiegeln: 2,12 Meter), Höhe: 1,68 Meter, Radstand: 2,70 Meter, Kofferraumvolumen: 506 Liter (mit umgeklappten Rücksitzen 1.608 Liter).

2,2-Liter-Dieselmotor, Allradantrieb, Sechsgang-Handschaltung, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 380 Nm bei 1.800 – 2.600 U/min, 0-100 km/h: 10,1 s, Vmax: 199 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,2 l/100 km (WLTP: 6,6), CO2-Ausstoß: 137 g/km (WLTP: 175 km/h), Abgasnorm: Euro 6d-temp, Effizienzklasse: A, Testverbrauch: 6,5 l/100 km, Preis ab:  35.490 Euro.

Kurzcharakteristik – Mazda CX-5:
Warum: weil er zu den schönsten Modellen seiner Klasse zählt
Warum nicht: weil er für häufigen Stadtverkehr eine Spur zu klobig ist
Was sonst: VW Tiguan, Hyundai Tucson, Nissan Qashqai

Fahrbericht: Porsche GT3 RS

5.000, 6.000, 7.000 – Hochschalten. Wow, was ein Klang, was ein Vortrieb. Der weiterentwickelte Porsche GT3 RS der 991er-Generation setzt sein Drehzahllimit erst bei 9.000 Umdrehungen pro Minute. Da ist also noch Luft nach oben. Doch von Anfang an. Der vier Liter große Sechszylinder-Boxer, der direkt vom Rennwagen „GT3 Cup“ abstammt, ist einer der letzten Hochdrehzahlsauger und ein wahrer Freudenquell. Im Vergleich zum Vorfacelift-Modell leistet das Triebwerk 15 kW/20 PS mehr und kommt nun auf 383 kW/520 PS – der stärkste Saugmotor, den Porsche je in einem Serien-Elfer untergebracht hat. Dabei ist es nicht einmal die Kraft, mit welcher der GT3 RS sich fortbewegt, die so fasziniert. Es ist eine Mischung aus Leistung, der dank eines starren Ventiltriebs perfekt dosierbaren Gasannahme und dem charakteristischen Boxer-Sägen, das süchtig macht. Klar: Der 132 kW/180 PS stärkere GT2 RS macht noch einmal deutlich mehr Meter, das emotionalere Auto ist aber definitiv der „kleine Bruder“, der mit rund 195.000 Euro auch schlappe 90.000 Euro unter dem Top-Elfer rangiert.

Der neue Porsche GT3 RS

Die Anführungszeichen sind nicht nur deshalb angebracht, weil der GT3 RS bis auf neun Sekunden an die Nordschleifen-Bestmarke des Turbo-Monsters GT2 RS herangefahren ist, auch querdynamisch verhält sich der nominell unterlegene Saugmotorsportler mindestens so erwachsen wie das Stuttgarter Alphatier. Alle Fahrwerks-Lenker sind mit Uniball-Kugellagern ausgerüstet, die Federraten sind deutlich höher als beim Vorgänger und nahezu identisch mit dem Nordschleifen-Setup des GT3-Cup-Rennfahrzeugs. Dazu lassen sich Spur, Sturz und Fahrzeughöhe individuell auf die Vorlieben des Fahrers einstellen, die adaptiven PASM-Stoßdämpfer mit Rennstrecken-Modus tun ihr übriges zur hervorragenden Fahrbarkeit des GT3 RS.

Besonders beeindruckend ist immer wieder das – Heckmotorkonzept-bedingte – Gripniveau der Hinterachse. Wer sich elfertypisch tief in die Kurve hineinbremst, die Vorderachse leicht wandern lässt und dann wieder früh ans Gas geht, erfährt die volle Offenbarung dieser seit mehr 50 Jahren perfektionierten Idee. Dazu kommt im GT3 RS außerdem die harmonisch und nicht auffällig präsent abgestimmte Hinterachs-Lenkung, die besonders in engen Kehren noch einmal zur Wendigkeit des Fahrzeugs beiträgt. Aber auch die bei älteren RS-Modellen oft kritisierte Vorderachse funktioniert im überarbeiteten RS perfekt. Die Rückmeldung der Michelin-Sportreifen durch die leichtgängige Lenkung ist ein Gedicht, der Sportwagen lässt sich mit erschreckender Präzision für jede Kurve perfekt positionieren. Dazu arbeiten vor allem die optionalen Carbon-Keramik-Bremsscheiben – wenn sie denn auf Betriebstemperatur sind – extrem beständig und überzeugen mit einer für ein Straßenauto ungeheuren Verzögerung.

Optionale Carbon-Keramik-Bremsen hinter optionalen Magnesium-Felgen

Auch die Detailverliebtheit in Sachen Gewichtsoptimierung und Aerodynamik wird im GT3 RS erfahrbar. Der RS basiert auf der breiten Karosse des 911 Turbo und hungert sich mit Heckspoiler, Vollschalensitzen und Kotflügeln aus Kohlefaser sowie einem Dach aus Magnesium auf ein Gewicht von 1.460 Kilogramm herunter. Wer das optionale Weissach-Paket ordert, bekommt außerdem Dach, Fronthaube und Stabilisatoren aus Carbon. Zudem sind die Räder aus Magnesium und der Überrollkäfig aus Titan gefertigt. Gewichtsersparnis: 30 Kilogramm. Dazu konnten die Ingenieure den Abtrieb des RS im Vergleich zum normalen GT3 um 75 auf 144 Kilogramm bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h erhöhen. Hier trägt besonders der verstellbare Heckflügel zum Anpressdruck auf der Hinterachse bei.

Doch so gut sich die einzelnen Zutaten der Fahrspaßmaschine in die wichtigsten Bereiche zerlegen und sich die größten Änderungen separieren lassen: Mit grauer Schreibtisch-Theorie lässt sich die Faszination des GT3 RS nicht erfassen. Schon beim ersten Herausbeschleunigen aus der Boxengasse, dem ersten Erklimmen des Leistungsgipfels und mit dem orchestralen Anwachsen des Gänsehaut verursachenden Sechszylinder-Gekreisches zieht der RS einen in seinen Bann. Wenn man dann Runde um Runde auf der Rennstrecke abspult und sich immer näher an das Limit heranarbeitet, kann man verstehen, warum der RS bei Trackday-Enthusiasten so beliebt ist. Er involviert den Fahrer, fordert präzise Inputs und ehrliches Engagement am Grenzbereich. Er verwöhnt nicht mit früh regelnden Helferlein, sondern lässt den Fahrer an der langen Leine selbst erfahren, wo die Grenzen sind. Die des Autos und – meist schon früher – die persönlichen. Der GT3 RS überwältigt nicht mit brutalter Gewalt und spitzem Verhalten wie der GT2 RS, er führt heran und pusht das Ego des Fahrers mit präzisem, beherrschbarem Verhalten. Er ist ein Werkzeug, ein Skalpell. Aber auch ein Spielzeug. Eben ein Rennauto für die Straße. (Max Friedhoff/SP-X)

Der RS generiert bei 200 km/h 144 Kilogramm Abtrieb

Porsche GT3 RS – Technische Daten
Zweitüriger, zweisitziger Sportwagen, Länge: 4,56 Meter, Breite: 1,88 Meter, Höhe: 1,30 Meter. Radstand: 2,45 Meter, Kofferraumvolumen: 125 Liter

4,0-Liter-Sechszylinder-Benziner, 383 kW/520 PS bei 8.250 U/min, maximales Drehmoment: 470 Nm bei 6.000 U/min, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Heckantrieb, Vmax: 312 km/h, 0-100 km/h: 3,2 s, Durchschnittsverbrauch: 12,8 l/100 km, CO2-Ausstoß: 291 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse G, Preis: ab 195.137 Euro.

So fuhr man vor 20 Jahren

Fünf Autos der 1990 Jahre an die man sich gerne erinnert!

Es ist gerade einmal zwei Jahrzehnte her, dass diese Autos ihr Debüt auf der Straße feierten – und heute sind sie bei vielen schon in Vergessenheit geraten. Eine Erinnerung an fünf Autos der 90er.

Wer sich heute an die Autos der 90er erinnert, der denkt vielleicht an Ford Ka, VW Beetle, Audi TT oder Renault Twingo. Bis heute haben Exemplare aus der Zeit zwischen Wende und Jahrtausendwende überlebt. Doch es gibt auch Fahrzeuge, die aus der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend verschwunden aber eigentlich trotzdem erinnerungswürdig sind.

Noch bevor 1994 mit dem Toyota RAV4 das erste SUV auf den Markt kam, hatte Volkswagen bereits ein derart trendiges Gefährt im Programm: Von 1990 bis 1991 bauten die Wolfsburger den Golf Country, eine höher gelegte Allrad-Version des viertürigen Kompakten. In schwerem Gelände konnte der Golf Country mangels Differenzialsperren und Untersetzungsgetriebe nicht viel ausrichten. Besonders praktisch war der bullige Golf aufgrund des deutlich kleineren Kofferraums im Vergleich zur Standard-Version auch nicht. Doch in die Lücke zwischen Geländewagen und Allrad-Pkw quetschte er sich schon damals wie heute Tiguan und Co.

Dass ein Opel Calibra – der Sohn des Manta - schon in vier Jahren ein amtlich verbriefter Klassiker sein kann, das dürfte manchem komisch vorkommen.
Dass ein Opel Calibra – der Sohn des Manta – schon in vier Jahren ein amtlich verbriefter Klassiker sein kann, das dürfte manchem komisch vorkommen.

Dass ein Opel Calibra – der Sohn des Manta – schon in vier Jahren ein amtlich verbriefter Klassiker sein kann, das dürfte manchem komisch vorkommen. Das seit 1990 gebaute Sportcoupé kann dann mit 30 Jahren das H-Kennzeichen und damit den Oldtimer-Status erlangen. Fast 40.000 Mark kostete der 2+2-Sitzer einmal, der bis zu 110 kW/150 PS starke, frontgetriebene Calibra wurde maximal 223 km/h schnell. Heute ist sein aerodynamisch geformtes Äußeres (er war „Aerodynamik-Weltmeister) immer noch besonders – und bei 90er-Fans begehrt.

Wegen seiner Form mit langer, gewölbter Motorhaube und bulligem Heck zog das BMW Z3 Coupé Spott als „rollender Turnschuh“ genauso auf sich wie Bewunderung für seine sportliche Auslegung.
Wegen seiner Form mit langer, gewölbter Motorhaube und bulligem Heck zog das BMW Z3 Coupé Spott als „rollender Turnschuh“ genauso auf sich wie Bewunderung für seine sportliche Auslegung.

Ein BMW Z3 mit festem Dach, großer Heckklappe und kompromisslosen Sportler-Genen: Das Z3 Coupé kam 1998 auf den Markt, wurde nur knapp 7.000-mal gebaut. Wegen seiner Form mit langer, gewölbter Motorhaube und bulligem Heck zog der Münchner Spott als „rollender Turnschuh“ genauso auf sich wie Bewunderung für seine sportliche Auslegung. Selbst mit dem kleineren, 142 kW/193 PS starken Sechszylinder – alle Motoren stammen aus dem 3er – erreicht das Coupé eine Höchstgeschwindigkeit von 231 km/h.

Nein, der Polo Harlekin war kein Werbegag – weder von Volkswagen noch von McDonalds -, sondern er wurde von 1995 bis 1997 wirklich gebaut.
Nein, der Polo Harlekin war kein Werbegag – weder von Volkswagen noch von McDonalds -, sondern er wurde von 1995 bis 1997 wirklich gebaut.

Nein, der Polo Harlekin war kein Werbegag – weder von Volkswagen noch von McDonalds -, sondern er wurde von 1995 bis 1997 wirklich gebaut. Aber der Reihe nach: Der vierfarbige Kleinwagen, bei dem unterschiedliche Karosserieteile in unterschiedlichen Farben – Chagallblau, Flashrot, Pistaziengrün und Ginstergelb – lackiert waren, machte ursprünglich Werbung für das Baukastensystem des neuen Polo. Als der bunte Harlekin dann in Serie ging, wurden die Teile nicht umlackiert, sondern es wurden fertige einfarbige Polos aus der Produktion genommen, um Karosserieteile zu tauschen. In der Erinnerung bringen viele den Harlekin in Verbindung mit dem Gewinnspiel einer Fast-Food-Kette – in einem McDonalds Preisausschreiben konnte man später Exemplare gewinnen.

Wohl auf ewig einen Platz in der Rangliste der hässlichsten Autos wird der Fiat Multipla (ab 1999) haben, ist doch die Fahrzeugfront ein designerischer Totalausfall.
Wohl auf ewig einen Platz in der Rangliste der hässlichsten Autos wird der Fiat Multipla (ab 1999) haben, ist doch die Fahrzeugfront ein designerischer Totalausfall.

Wohl auf ewig einen Platz in der Rangliste der hässlichsten Autos wird der Fiat Multipla (ab 1999) haben, ist doch die Fahrzeugfront ein designerischer Totalausfall. Wer sich erinnert: In einem Wulst direkt unter der Frontscheibe sind zunächst die runden Fernlicht-Scheinwerfer angebracht. Dort, wo man sie vermuten würde – nämlich am vorderen Ende der Motorhaube -, folgen dann die eigentlichen, ebenfalls runden Leuchten. Sieht man den Multipla von vorn, hat man den Eindruck, doppelt glubschäugig angestarrt zu werden. Dafür durften vorne drei Personen sitzen, was  vor allem Kinder schätzten.

 

 

 

Fünf Jahre Elektroauto – Eine Bilanz

Wechselstromhafte Bilanz

Das Elektroauto der Neuzeit wird fünf Jahre alt. Aber ist das ein Grund zu feiern?

Als im Dezember 2010 mit wenigen Tagen Differenz der erste Nissan Leaf und der erste Chevrolet Volt verkauft wurden, sollte eigentlich eine Revolution beginnen. Die beiden Elektroautos waren die ersten speziell für den Strombetrieb entwickelten E-Mobile der Neuzeit, sie kamen von großen Herstellern und wurden weltweit vermarktet. Kein Wunder, dass viele sie als die Vorboten einer neuen Zeit sauberer Mobilität sahen. Fünf Jahre später ist jedoch Ernüchterung eingekehrt.

Der Nissan Leaf wird fünf Jahre alt
Der Nissan Leaf wird fünf Jahre alt.

Elektroautos gab es auch vor Leaf und Volt schon. Doch entweder handelte es sich um Nischenmodelle wie den Tesla Roadster oder um halbherzig auf E-Antrieb umgerüstete Serien-Kleinstwagen wie Mitsubishis i-MiEV (Anmerkung der Redaktion: Hier irrt der Redakteur von „Spotpress“ gewaltig! – Der i-MiEV war das erste Serien-Elektroauto der Welt und kein „halbherzig umgerüsteter“ Kleinwagen!). Mit Chevrolet und Nissan hatten erstmals zwei globale Hersteller die komplette Konstruktion eines Autos den Anforderungen von Strom-Motor und Batterietechnik untergeordnet. Allerdings mit leicht unterschiedlichen Ansätzen: Während der Nissan Leaf ein reines E-Auto ist, hat der Chevrolet Volt (wie auch sein zwischenzeitlich in Europa angebotener Modellbruder Opel Ampera) zusätzlich einen Verbrennungsmotor an Bord. Der dient in erster Linie, einen erschöpften Akku ohne Tankstopp aufladen zu können. Kurzzeitig kann er aber auch die Räder direkt mit antreiben. (Anmerkung der Redaktion: Auch hier irrt der Redakteur von Spotpress: Der VOLT und der Ampera waren zum größten Teil der Betriebsstrategie E-Mobile mit Range-Extender. Das VOLTEC-System mit drei Kupplungen und dem Planetenradgetriebe erlaubte jedoch auch eine direkte Übersetzung des Benziners auf die Antriebsachse. Bei höheren Geschwindigkeiten (ab 113 km/h) ist das effizienter als die Umwandlung von Benzin in Strom im Range-Extendermodus) 

Technische und wirtschaftsgeschichtliche Meilensteine sind beide Autos mit Sicherheit. Revolutionäre jedoch nicht. Das Problem: Die Straße in die E-Auto-Zukunft war in Realität viel steiniger als gedacht. Knapp eine Million elektrisch angetriebene Autos sind in den vergangenen fünf Jahren weltweit zugelassen worden. 200.000 davon entfallen allein auf den Nissan Leaf, das weltweit meistverkaufte Auto seiner Art, 104.000 weitere stellt Chevrolet mit dem Volt.

Der Nissan Leaf wird fünf Jahre alt
Der Nissan Leaf wird fünf Jahre alt.

Beeindruckende Zahlen für einen neuartigen Antrieb. Genug jedenfalls, um die Freak-Nische zu verlassen: Die Technik funktioniert – auch in großem Maßstab. Trotzdem ist eine Million bei weitem nicht genug, um bei einem gesamten Kfz-Ausstoß im gleichen Zeitraum von rund 300 Millionen Fahrzeugen auch nur als Revolutiönchen wahrgenommen zu werden. Auch in Deutschland ist von umwälzenden Entwicklungen nichts zu spüren. Gerade einmal knapp 40.000 E-Mobile gehen zwischen 44,4 Millionen Bestands-Pkw komplett unter. Wenn wenigstens die Neuzulassungszahlen Grund zu Hoffnung geben würden. Doch die stagnieren im laufenden Jahr bei rund 10.000 Einheiten. Die von der Bundesregierung als Ziel gesetzte eine Million Fahrzeuge wird es 2020 in Deutschland genau so wenig geben, wie die bereits für Ende diesen Jahre von Obama angekündigte in den USA.

Die Gründe für die mäßige Kundenakzeptanz der E-Mobile sind bekannt: Die Autos sind teurer als ein Verbrenner-Pedant, die Reichweite ist beschränkt und „Tankstellen“ sind selten. Schwer dürfte aber auch etwas anderes wirken: der Dauerniedrigpreis für Kraftstoff. Beim Entwicklungsstart von Leaf und Volt waren diese noch kaum vorauszusehen. Explodierten die Rohölpreise auf dem Weltmarkt von 2001 bis 2008 und zwischen 2009 und 2011 richtiggehend, fallen sie seitdem mit steigender Geschwindigkeit. Mittlerweile liegen sie wieder auf 2005er-Niveau. Um Tankkosten zu sparen. braucht Elektroautos gerade niemand.

Ein zweiter Faktor bei der schnell abflauenden Elektro-Begeisterung könnte in der gefühlten E-Mobil-Inflation Anfang des Jahrzehnts liegen. Jeder Hersteller, der etwas auf sich hielt, kündigte ein entsprechendes Fahrzeug für die nächste Zukunft an, zeigte Studien, versprach sinkende Preise und steigende Reichweite. Vielfach enttäuschten die Ergebnisse. Häufig gab es die Elektromobile nur in Mini-Stückzahl oder ausschließlich als Leasingfahrzeug für gewerbliche Kunden. Auch eine lokale Beschränkung des Angebots sorgte häufig für lange Gesichter bei potenziellen Käufern. Gerade der US-Bundesstaat Kalifornien kann ein Lied davon singen, gab es dort doch zwischenzeitlich eine weltweit einmalige E-Auto-Auswahl. Modelle wie den Toyota RAV4 EV etwa haben die Japaner ausschließlich wegen der dortigen strengen CO2-Regeln aufgelegt und anderswo gar nicht erst verkauft. Ähnliches gilt für den Chevrolet Spark EV oder den Fiat 500 E. Das Bild des Mauschel-Mobils, das diese Modellpolitik vermittelte, sorgte vor dem Hintergrund der üblichen Probleme mit neuer Technik nicht gerade für Vertrauen bei der Kundschaft.

Auch der Chevrolet Volt hat Geburtstag
Auch der Chevrolet Volt hat Geburtstag.

Und Kinderkrankheiten gab es noch dazu. So hatte der Nissan Leaf anfangs zumindest in den USA mit erhöhtem Batterie-Verschleiß zu kämpfen, der Volt litt unter einer Serie von Fahrzeugbränden. Die technischen Start-Probleme dürften sich mittlerweile bei allen Herstellern erledigt haben. Technische Fortschritte sind allerdings noch kaum zu bemerken, beim Leaf gibt es immerhin optional demnächst 50 Kilometer Reichweite (250 km insgesamt). E-Mobile sind zwar etwas preiswerter geworden, ob das aber an Produktivitätsverbesserungen und Skaleneffekten liegt, ist oft kaum zu sagen. Vielfach dürften höhere Subventionen durch die Hersteller der Grund sein. Auch die Reichweiten-Gewinne der letzten Zeit gehen kaum auf das Konto verbesserter Technik, sondern vor allem auf den Einsatz von größeren Akkus.

Trotzdem: Es geht weiter. Nissan plant für 2017 eine Neuauflage des Leaf, die deutschen Premiumhersteller Audi und Porsche wollen 2018 im großen Stil eigene E-Autos auf den Markt bringen. Und auch die Infrastruktur entwickelt sich. Nissan etwa hat kürzlich am Rande des Pariser Klimagipfels erklärt, die sogenannte Smart-Grid-Technik weiterentwickeln zu wollen. Dabei soll sich die E-Auto-Batterie als Speichermedium in das zunehmend dezentrale und erneuerbare Energienetz einfügen. Auch nach dem Autoleben können die Akkus dort als stationäre Speicher nützlich sein. Nicht zuletzt wollen die Japaner auch den Ladevorgang vereinfachen; eine entsprechende „Tankstelle der Zukunft“ wollen sie im kommenden Jahr präsentieren. Mit-Pionier Chevrolet will das E-Mobil 2017 dann wirklich zum Massenphänomen machen: Dann soll der elektrische Kompaktwagen Bolt mit einem Preis von unter 30.000 Euro die Mitte der Gesellschaft erobern. Ob das klappt, lässt sich vielleicht in weiteren fünf Jahren beurteilen.

 

 

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel stammt aus dem Redaktionspool von Spotpress. mein-auto-blog kauft dort Artikel ein. In diesem Artikel wurden Behauptungen aufgebaut, die nicht belegt werden. Wir haben uns dennoch entschlossen, diesen Artikel zu veröffentlichen. Der konstruktive Diskurs zum Thema E-Mobilität sollte gefördert werden. Der Artikel setzt sich teilweise kontrovers mit der E-Mobilität auseinander. Abgesehen von den falschen Fakten zum VOLT und i-MiEV ist dies auch in unseren Augen sinnvoll. E-Mobilität ist eine Technik der Zukunft, der Betrieb im heutigen Alltag setzt Kompromisse voraus. Diese zu diskutieren, ist im Sinne der E-Mobilität.