Historische Fahrt: 35 Jahre Suzuki in Deutschland – eine Erfolgsgeschichte

Seit nunmehr 35 Jahren vermarktet Suzuki auch in Deutschland
2015-06-10 11_06
35 Jahre Suzuki in Deutschland

Bereits 1980, 25 Jahre nach dem Suzuki den ersten PKW in Japan auf den Markt brachte, expandierte der japanische Autobauer und wurde im bayrischen Oberschleißheim ansässig. Die Marke entschloss sich, im anspruchsvollsten Markt der Welt einen Vertrieb aufzubauen, um sich gegen die stärksten Mitbewerber zu behaupten. Aufsehen erregte der Hersteller mit dem LJ80 auf der IAA im Herbst 1979 als japanischer Kleinwagen- und Allradspezialist. Bis heute wurden ca. 980.000 Fahrzeuge in Deutschland verkauft und die Zukunft lässt weiter auf die 1 Million- Marke hoffen. Bis zum Ende dieses Jahres wird Suzuki das 35 jährige Jubiläum in Deutschland mit einer ganzen Reihe von Aktionen feiern. Zahlreiche Modelle, die als Ausstellungsstücke eine Rundreise von Händler zu Händler starten werden, sollen die 35 Jahre dokumentieren.

Nach der Einführung des „Eljot“ LJ80 (1980) auf dem deutschen Markt startete der Aufbau des Händlernetzes. Suzuki liess den damaligen Vertriebspartnern viel Spielraum, um aktiv daran mitzuwirken, diesen Wagen zum Kultauto werden zu lassen. Das damals ursprünglich für militärische Zwecke konzipierte Fahrzeug wurde sehr schnell als cooles Freizeitauto gesehen und holte den klassischen Geländewagen aus seiner so typischen Nische. Voll geländetauglich, sehr spartanisch ausgestattet, mit 39 PS und einem extrem leichten Gewicht von 820 Kilogramm fand der LJ80 gerade junge Käufer in Deutschland. Mit einem Reserverad am Heck und mit gerade einmal 3,20 Meter Länge wurde der LJ80 angeboten. Der zuschaltbare Allradantrieb sowie das Zwischengetriebe mit Geländegang und Differenzialsperre hinten lassen den kleinen Offroader heute wie auch schon vor über 30 Jahren souverän über Schotter und Schlamm fahren. Zwei Karosserievarianten wurden in Deutschland angeboten: den Van mit einer geschlossenen Karosserie aus Stahlblech und das Cabrio. Für damalige Verhältnisse kein Sonderangebot, denn Suzuki rief für den Eliot DM 12.500 auf.

Auf den LJ 80 folgte die SJ-Serie. Mit verbesserter Technik und neuem Design löste 1982 der SJ 410 „Samurai“ den LJ 80 als best verkauftes Allradauto ab. Mit dem SJ 410 konnte Suzuki einige Schwächen seines Vorgängers korrigieren und bewies durch mehr Platz und Komfort, dass das Fahrzeug erwachsener werden kann. Der SJ erinnert mit seinem Längsrippen-Kühlergrill und den Rundscheinwerfern zwar an seine Vorgänger, aber er war ein komplett neu konzipiertes Auto. Eine umklappbare Rücksitzbank ermöglicht erstmals auch größere Transporte. Der 1989 auf dem deutschen Markt erschienene SJ410 ist das letzte Fahrzeug der SJ-Baureihe. Eine neue Instrumentenfront besticht mit mehr Funktionalität beim „Samurai“. Mit seinem Benzinmotor mit 47 kW (64 PS) und Dieselaggregat mit 46 kW (46 PS) war er nicht nur ein Auto für`s Gelände und so reihte sich auch dieses Fahrzeug zu den Bestsellern ein.

Das heutige Endprodukt - der Vitara
Das heutige Endprodukt – der Vitara

Knapp 30 Jahre nach dem Start der Geländewagenfertigung konnte man den Jimny bestaunen. Weil der 1988 erstmals erschienene Vitara deutlich als Allradfahrzeug mit gutem Komfort für normale Straßenfahrten ausgelegt war und der Samurai inzwischen als Nutzfahrzeug arbeitete, war Platz für einen neuen kleinen Allradler, der all die Tugenden der bisherigen LJ- und SJ-Modelle in sich vereinte. Der 3,67 Meter lange Jimny, der im Herbst 1998 zu Preisen ab DM 21.900 angeboten wurde, bestach mit dem Charme seiner Vorgänger. Leiterrahmen-Konstruktion, Starrachsen vorn und hinten – jetzt aber mit Schraubenfedern – und ein zuschaltbarer Allradantrieb mit Geländereduktion waren damals wie heute ein gutes Erfolgsrezept. Altbekannt war der Motor, der in ähnlicher Form schon im SJ 413 arbeitete. Im Jimny war er überarbeitet und mit Vierventiltechnik ausgerüstet worden. Gleichzeitig überzeugte der Jimny mit 59 kW (80 PS) bei nur 1,3 Litern Hubraum. Das synchronisierte Verteilergetriebe erlaubte ein Zuschalten des Allradantriebs bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h. Nach dem Debüt der geschlossenen Version reichte Suzuki 1999 das Jimny Cabrio mit Softtop nach, 2004 folgt erstmals ein Dieselmotor mit 1,5 Litern Hubraum und 48 kW (65 PS), der später auf 63 kW (86 PS) gesteigert wurde und den Jimny mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,1 Litern zu einem der sparsamsten Geländewagen Deutschlands machte. Die gleichen PS-Werte erreichte nach einer Leistungsspritze der 1,3-Liter-Benziner, der inzwischen über eine variable Ventilsteuerung verfügte und später auch in Kombination mit einer Vierstufenautomatik lieferbar war. Der offene Jimny wurde nach einigen Jahren aus dem Programm genommen und der Selbstzünder bis 2009 angeboten. Insgesamt verkaufte sich der Jimny seit der Markteinführung bis Ende 2014 72.088-mal.

Dass Suzuki nicht nur Spaßfahrzeuge für`s Gelände bauen konnte, bewies der im Jahre 1994 erschienene „Cappuccino“. Leider kam es nur zu einem kurzen Intermezzo von genau einem Jahr. Nur wer sehr schnell mit seiner Kaufentscheidung war, konnte eines der 120 Exemplare für Deutschland des 3,30 Meter kurzen, zweisitzigen Micro-Cabriolets bekommen. Dieses ultraleichte Fahrzeug war ausschließlich als Rechtslenker zu haben. Die Sensation am japanischen Frisch-Luft-Flitzer war sein spezielles Vier-Wege-Dachkonzept: Je nachdem, welche Elemente des dreiteiligen Hardtops man entfernte, wurde aus dem Cappuccino ein sehr agiles und 725 kg leichtes Coupé oder Voll-Cabrio. Alternativ dazu trat der Micro-Roadster als Targa oder mit T-Bar auf. Für einen knackigen Sound sorgte ein Dreizylinder-Turbomotor mit Ladeluftkühlung. Aus nur 657 ccm Hubraum schöpfte der extrem leichte Vollaluminium-Antrieb 46 kW (64 PS), was bei einer Nennleistung von 85 Newtonmetern bei 4.000 Umdrehungen für ca. 137 km/h Spitzengeschwindigkeit reichte. Seine Sportlichkeit demonstrierte der Cappuccino unter anderem auch mit einer bis 12.000 U/min reichenden Skala am Drehzahlmesser. So fuhr dieser besondere Roadster, den es wahlweise in Rot oder Silber in Deutschland gab, bevor die limitierte Stückzahl auf dem deutschen Markt vergriffen war. Die Serienausstattung wurde zuvor noch um ABS und ein Sperrdifferenzial erweitert.

Modelle wie der Vitara, Jimny oder Swift, die Ende der 80er oder 90er Jahren auf den Markt kamen, sind auch heute noch Bestseller für Suzuki in Deutschland. Mit kundenorientierter Modellpflege und gezielter Erneuerung der Produktpalette baute sich der Autobauer einen Kundenstamm auf, der im Jahre 2015 bereits die 1 Million- Grenze der verkauften Einheiten mit Suzuki in Deutschland überschreiten wird.

Aktuelle Modellpalette Suzuki in Deutschland: 

Modell:  Einstiegspreis:
Suzuki Celerio:  €   9.690
Suzuki Swift:  € 13.490
Suzuki Swift Sport 3-Türer:  € 18.990
Suzuki Swift Sport 5-Türer:  € 19.790
Suzuki SX4 S-Cross:  € 19.490
Suzuki Vitara:  € 17.990
Suzuki Jimny  € 15.590

 

Der Suzuki Cappuccino - Fahrspaßmaschine
Der Suzuki Cappuccino – Fahrspaßmaschine
Fotos im Artikel: Stefan Beckmann Titelbild:Stefan Beckmann

News: Suzuki Eljot (1980) vs. Suzuki Jimny (2015) – Kleine Drachen und kultige Dinos

Eigentlich kennt man das ja. Die Jahrzehnte vergehen und erst die Begegnungen bei Familienfesten machen klar, dass die Zeit ihre rostigen Zeichen oder grauen Haare hinterlassen hat. Genau diese Erwartung hatten wir vor dem Geburtstagstreffen des ersten in Deutschland verkauften Mini-Geländewagens von Suzuki mit seinem aktuellen Gegenstück. Suzuki Eljot (offizell LJ 80), Stand 1980, versus Suzuki Jimny, Modell 2015, also. Um es vorwegzunehmen: Unsere Vorurteile zum Fazit dieses Vergleichs erfüllten sich nicht! Warum? Weil der LJ 80 nichts von seinem einstigen Fun-Faktor verloren hat und seine überlegenen Kletterkünste wie eh und je ausspielen kann. Vor allem aber, weil auch der aktuelle Jimny bereits ein Veteran ist, ein Oldie, der seit 17 Jahren gebaut wird. Statt „hochbetagter Großvater trifft jungen Enkel“ erlebten wir also gleich zwei überaus vitale automobile Dinosaurier. Mit dem besonderen Reiz, dass der Jimny als 62 kW/84 PS-Benziner zu Preisen ab 15.590 Euro weiterhin beim Suzuki-Händler im Angebot steht. Und außerdem als 3,70 Meter kurzer Offroader eine Alleinstellung am Markt besitzt.

Grund für Eljots Zwergenwuchs waren seine Wurzeln in der steuerbegünstigten japanischen Kei-Car-Klasse
Grund für Eljots Zwergenwuchs waren seine Wurzeln in der steuerbegünstigten japanischen Kei-Car-Klasse

Eine Einzigartigkeit, die übrigens bereits den winzige 3,20 Meter messenden Eljot von 1980 auszeichnete, der mit seinem Namen nicht zufällig an Walt Disneys damals populären Film-Drachen „Elliot, das Schmunzelmonster“ erinnerte. Grund für Eljots Zwergenwuchs waren seine Wurzeln in der steuerbegünstigten japanischen Kei-Car-Klasse. Was das Platzangebot betrifft, präsentiert sich der einen halben Meter längere Jimny im Vergleich zum Vorfahren fast als Raumriese, mit zwei vollwertigen Sitzplätzen auch hinten und Gepäckabteil von bis zu 816 Litern. Natürlich können das neue SUV à la Jeep Renegade alles noch viel besser – dafür fehlt es ihnen an den gemsengleichen Klettertalenten des Japan-Duos mit robusten Leiterrahmen-Konstruktionen.

Der Jimny sieht weicher und runder aus
Der Jimny sieht weicher und runder aus

Und genau das ist die Kernkompetenz der Suzuki. Bevor wir die Motoren starten, noch ein Wort zur Karosserie: Der Eljot machte nicht nur 4×4-Fahrzeuge für alle erschwinglich, er stand auch für die Wiederentdeckung des Frischluft-Fahrvergnügens. Mit zwar umständlich zu bedienender, dafür billiger Plane revitalisierte der Suzuki die zwischenzeitlich ausgestorbene Zunft kleiner Sonnenanbeter. Auch den Jimny gab es vorübergehend als Cabrio, aber das ist Geschichte.

Los geht’s – bei Eljot wie Jimny über angetriebene Hinterräder. Einmal auf flotte Fahrt gebracht, beim 29 kW/40 PS „starken“ Eljot ein Vorgang, der sich im Zeitlupentempo vollzieht, legen sich die Geländegänger grundsätzlich in atemberaubenden Schräglagen in alle Kurven. Vorausschauendes Navigieren ist also angesagt, zumal auch die gefühllose, klassische Kugelumlauflenkung klar macht: Hier sind automobile Urgesteine unterwegs. Immerhin gibt es im Jimny eine Servounterstützung, nützlich nicht nur auf städtischem Terrain, wo sich der kurze und übersichtliche Kasten bequem in auch in kleine Lücken zirkeln lässt. Nach kurzer Gewöhnung machen die Gelände-Dinosaurier durchaus auch auf Landstraßen Freude – wobei die soundgewaltige Fahrgeräuschkulisse in den kaum gedämmten Karosserien ebenfalls zu mäßigem Tempo animiert.

Der Innenraum ist eher karg
Der Innenraum ist eher karg

Wirklich autobahntauglich ist übrigens nur der Jimny, der sogar bei Richtgeschwindigkeit 130 mitschwimmt, während der Eljot an Steigungen manchmal sogar Lkw ausbremst. Stichwort Bremsen: Hier ist der 35 Jahre alte Urtyp mit Tommelbremsen rundum komplett von gestern. Beim aktuellen Jimny gibt es ABS und immerhin vorne Scheiben.

Gleich ob über matschige Wiesen und moddrige Waldwege oder durch das Dickicht des Unterholzes, mit zugeschaltetem Allrad und aktivierter Gelände-Untersetzung kämpfen sich Eljot und Jimny auch dort noch durch, wo ein ausgewachsener Jeep bereits hängenbleibt. Davon kündet beim Eljot bereits der Typencode LJ, der „Light Jeep“ bedeutet. Eljot und Jimny sind meist erst dort am Ende, wo ihre Fahrer der Mut verlässt. Andererseits: So wie bei den Dinosauriern Land Rover Defender und Lada Niva kaufen den Jimny heute vor allem Förster, Freizeitjäger und Offroadfreaks, die Grenzen ausloten wollen oder müssen. Das war 1980 anders, da machte der Eljot auch als schrilles Lifestylegefährt auf Düsseldorfer Kö oder Berliner Kudamm eine gute Figur. Wer dagegen einen Jimny will, freut sich vor allem darüber, dass der unverwüstliche Suzuki überhaupt noch neu zu ordern ist.

Besonders wohnlich geht es auch im Jimny nicht zu
Besonders wohnlich geht es auch im Jimny nicht zu

Unverwüstlich war der Eljot vor 35 Jahren übrigens keineswegs. Nicht nur, dass er bereits nach zwei Jahren vom geringfügig größeren SJ 410 abgelöst wurde, es mangelte dem „Suzi“ auch an Korrosionsresistenz. Da nützte es dem Eljot auch wenig, dass er in Deutschland sofort zum Marktführer im Allradsegment aufstieg. Trotz der damit verbundenen Stückzahlen ist der Nippon-4×4 heute gesuchter und rarer als ein Rolls-Royce jener Jahre. Längst erzielen gut erhaltene LJ 80 das Doppelte des ehemaligen Neupreises. Auch der Jimny könnte bald als Klassiker zu Kultpreisen gehandelt werden – die Schatten seiner Produktionseinstellung stehen schon an der Wand.

Autor: Wolfram Nickel/SP-X