BMW X5 – G05 – Der SUV der alles kann

Ein SUV mit Komfort und Dynamik. Diese Kombination gelang BMW schon vor fast 20 Jahren. Der X5 fährt seitdem weltweit auf Platz eins in seinem Segment. Das dürfte mit der neuen, nun 4. Generation so weitergehen.

Man kann eigentlich vor den Entwicklern des X5 nur den Hut ziehen, egal, ob es sich dabei um die erste, zweite oder dritte Generation dieses von BMW offiziell SAV (Sport Activity Vehicle) genannten Gefährts handelt. Der X5 war weltweit stets und unangefochten die Nummer eins in seinem Segment. Ein Grund, warum er intern „The Boss“ heißt. Kein anderes Luxus-SUV konnte dem dicken Bayern im Absatz je das Wasser reichen. Über 2,1 Millionen Einheiten sind seit seinem Debüt 1999 verkauft worden.

Erstmals wird für den BMW X5 ein Offroad-Paket angeboten. Das permanente Allradsystem wirft selbst dann nicht das Handtuch, falls es mal härter zur Sache geht

Dass auch die am 24. November zu Preisen ab 70.000 Euro anlaufende vierte Generation (intern G05) auf dieser Erfolgsspur weiterfährt, dazu braucht es keinen Blick in die Glaskugel, sondern nur auf das Auto selbst. Denn seinen Charakter und sein Design – jedes Stück Blech ist übrigens neu – hat der X5 beibehalten und ist gleichzeitig in vielen Punkten verbessert worden. Am auffälligsten betrifft dies wohl den Innenraum. Qualitätsanmutung und Verarbeitung haben gegenüber dem Vorgänger nochmals zugelegt. Alles wirkt gediegen und luxuriös. Die Bedienung läuft zu großen Teilen intuitiv über den 10,2 Zoll großen Touchscreen (übersichtliche Kacheldarstellung) ab. Natürlich ist die jüngste Ausbaustufe der Konnektivität an Bord. Dazu zählen WLAN, Navigation, Echtzeit-Verkehrsinfos, Gestensteuerung, Spracheingabe, Email-Empfang, Smartphone-Anbindung, Apps und Concierge-Service, halt alles, was der moderne Autofahrer meint, heute haben zu müssen.

Als detailliert durchdacht erweist sich auch alles, was hinter den Vordersitzen passiert. Dazu zählen selbst Kleinigkeiten. Gewöhnlich weiß man zum Beispiel nicht wohin mit der ausziehbaren Gepäckabdeckung, wenn der ganze Laderaum benötigt wird. Im neuen X5 gibt es unter dem Kofferraumboden jetzt ein spezielles Fach. Dort passt das Teil hinein wie die Gabel in den Besteckkasten. Wer noch größere Variabilität benötigt, kann ein Cargo-Paket bestellen. Hier sind die Lehnen im Verhältnis 40:20:40 geteilt. Zudem lassen sie sich in der Neigung vielfach verstellen. Als Netto-Kofferraumvolumen nennt BMW 650 Liter, maximal sollen bis 1.860 Liter hineinpassen. Das ist mehr als in einem Oberklasse-Kombi. Schon eine gewissen Tradition hat beim X5 die horizontal geteilte Heckklappe. Sie bleibt auch der jüngsten Generation erhalten.

Qualitätsanmutung und Verarbeitung im neuen X5 haben gegenüber dem Vorgänger nochmals zugelegt. Alles wirkt gediegen und luxuriös

Gleiches gilt für das Gefühl hinter dem Lenkrad. Der neue X5 muss fahren wie sein Vorgänger, nur besser. „Wir haben den Anspruch, Klassenbester bei der Fahrdynamik zu sein und die präziseste Lenkung zu haben“, sagt der Projektleiter Johann Kistler. Die Handlichkeit und das direkte Fahrverhalten sind in der Tat beeindruckend. Das hohe Gewicht von über zwei Tonnen ist nicht zu spüren, besonders dann nicht, wenn Extras wie Wankstabilisierung und mitlenkende Hinterräder an Bord sind.

Ihren Anteil an der Agilität haben gewiss auch die Motoren. Zur Markteinführung im Dezember startet der X5 bei uns mit zwei Diesel-Aggregaten und einem Benziner. Alle drei sind Reihen-Sechszylinder, alle sind gekoppelt mit einer Achtgangautomatik, alle haben Allradantrieb. Schon der Einstiegs-Selbstzünder xDrive 30d mit 195 kW/265 PS reicht für sämtliche täglichen Bedürfnisse locker aus. Das wundert wenig. Schließlich liegen bereits ab 2.000 Umdrehungen satte 620 Newtonmeter Drehmoment an und beschleunigen den X5 in nur 6,5 Sekunden von null auf Tempo 100. Viel schöner aber ist, den „Boss“ entspannt gleiten zu lassen und den hohen Komfort zu genießen. Dann dürfte sich auch der Verbrauch den Normwerten nähern. BMW verspricht sechs Liter je 100 Kilometer.

Seinen Charakter und sein Design – jedes Stück Blech ist übrigens neu – hat der X5 beibehalten und ist gleichzeitig in vielen Punkten verbessert worden

Als sportliche Alternative ist der M50d gedacht. Der Dreiliter wird hier von vier Turboladern beatmet. Entsprechend steigt die Leistung auf 294 kW/400 PS, das maximale Drehmoment auf 760 Newtonmeter. Traditionellen Benzin-Befürwortern sei der xDrvie 40i empfohlen. Der seidenweich laufenden Dreiliter-Reichensechser entwickelt 250 kW/340 PS. Auf den bulligen Achtzylinder (xDrvie 50i), der zweifellos bestens zum Charakter des X5 passt und der zunächst nur in Amerika angeboten wird, müssen europäische Kunden wohl noch Weilchen warten. Er soll aber kommen, verspricht das Marketing von BMW. Nächstes Jahr will man erst einmal zwei weitere Diesel folgen lassen, den heckangetriebenen sDrive 25d und den xDrive 40d.

Auch beim Thema alternative Antriebe halten sich die Bayern zurück. Vermutlich erst Ende 2019 dürften unter der Haube des X5 wieder zwei Herzen schlagen, heißt, ein Plug-in-Hybrid-Antrieb arbeiten, dieses Mal allerdings in Verbindung mit einem Sechs- und nicht erneut mit einem Vierzylinder. Bis zu 100 Kilometer elektrische Reichweite und die Möglichkeit des induktiven Ladens werden versprochen.

Nicht untalentiert zeigt sich der neue X5 auch auf losem Terrain. Schotter und Sand mögen in Deutschland zwar weniger eine Rolle spielen, doch in anderen Ländern schon. Erstmals wird ein Off-road-Paket angeboten. Das permanente Allradsystem wirft selbst dann nicht das Handtuch, falls es mal härter zur Sache geht. Auch Wasserdurchfahrten von einem halben Meter Tiefe nimmt der X5 gelassen.

Seit 1999 hat sich der BMW über zwei Millionen Mal verkauft. Am 24. November schicken die Bayern die vierte Generation ins Rennen

Quasi zur Pflichtübung in dieser Klasse gehören mittlerweile die Assistenzsysteme. Sie stammen aufgrund der gleichen Elektronik-Architektur vom Siebener und Fünfer. Es ist alles dabei, was Kunden im Luxus-Segment erwarten, das meiste jedoch muss extra bezahlt werden: das üblichen Halten der Spur und des Abstands zum Vordermann, das selbstständige Wiederanfahren im Stau, das Warnen bei Gefahr im Totem Winkel, das Lesen von Verkehrszeichen, das Notbremsen, das vorausschauende Sparfahren, die Rückfahrkamera, der „360-Grad-Surround-View“, das automatischen Ein- und Ausparken oder die Warnung bei Querverkehr hinter dem Auto.

Ganz neu und bislang einmalig auf der Welt ist jedoch der Rückfahrassistent. Dieser spult bis zu einer Distanz von 50 Metern die zuletzt vorwärts gefahrene Wegstrecke in umgekehrter Richtung ab. Der Fahrer muss sich nur auf Gas und Bremse konzentrieren, den Rest übernimmt Kollege Computer.

 

 

 

 

Quelle: SP-X / Michael Specht

Eine schrecklich schnelle Familie -Mercedes-AMG GT 63s Viertürer

Erste Kurve, Turn 1, oben auf dem höchsten Punkt der Rennstrecke – hartes Anbremsen den Berg hinauf, zusammen stauchen aus Tempo 220 – die Michelin Pilot Sport 4S krallen sich in den Asphalt, die Luftfeder tut ihr bestes, den Wagen nicht völlig in den Asphalt verschwinden zu lassen – Umsetzen am Lenkrad, erst einmal blind, die Strecke fällt atemberaubend ab, sofort früh vom rechten Rand zurück nach links für den folgenden Turn 2 – eine schnelle, leicht hängende Rechtskurve. Sensibel, aber nachdrücklich am Gas, vor mir enteilt der AMG GT R des Instruktors mit Meilenschritten –  bellt dabei aggressiv seinen zornigen V8-Evergreen in den bedeckten texanischen Himmel. Dran bleiben, lautete die Tages-Parole. Wieder einmal. Wie damals bei der Premiere des AMG GT – sitzt da vorne am Steuer einer, der fünf Mal die DTM-Meisterschaft  und einmal die GT-Weltmeisterschaft gewonnen hat. Bernd Schneider, Mister DTM himself. Wie vor 4 Jahren. Damals war es der Zweisitzer GT von Mercedes-AMG, nun hockt der Autor pressgepasst im vierten von AMG selbst entwickelten Modell – dem Viertürer – oder wie wir hier bei AUTOHUB sagen, dem Panamera-Killer.

War es damals ein Traum, erstmalig in Laguna Seca fahren zu können, passt die Rennstrecke, auf der wir uns mit dem Mercedes-AMG GT 63s 4-Türer Coupé wiederfinden, viel besser zum Charakter des stärksten Serien-AMG aller Zeiten. Der Circuit of the Americas ist die aktuelle Formel 1 Rennstrecke der USA und bietet weitläufige Auslaufzonen. Der Gedanke daran hilft – während der AMG GT R des Instruktors die Pace anzieht. Es bleibt Raum für Fehler. Für Fehler des Fahrers.

Eine schrecklich schnelle Familie

Mercedes-AMG GT63s 4-Türer Coupé im Fahrbericht

Während wir damals in Laguna Seca Waffengleichheit hatten – Bernd Schneider saß im gleichen Modell wie die unerfahrenen Journalisten – beißt sich dieses Mal die schärfste Ausbaustufe der Mercedes-AMG GT Familie, der R – vor der Journalisten-Horde in die Teerdecke der fulminanten Rennstrecke. Dahinter, der „fette Bruder“ – ein Bruder im Geiste – oder auch ein Bruder mit neuen Genen. Anderen Genen. Nicht schlechter, aber anders. Die Anforderung, einen – mindestens – ebenbürtigen Gegner zum Porsche Panamera formen zu wollen, forderte einen Griff in die „Trickkisten des Konzerns“. Natürlich hat der neue GT 4-Türer eine enge Verwandtschaft zum Mercedes CLS – aber, um im Familien-Bild zu bleiben, es ist doch eher eine Patchwork-Familie und er damit weniger ein Zwilling des CLS.

Die (modulare) „Mercedes Rear Architecture“ bildet die Basis, auf der sich die Techniker von AMG austoben durften. Massive Versteifungen, Verstrebungen, an die zuvor niemand gedacht hatte und Leichtbau-Ideen,die man üblicherweise nicht für die Großserie verwenden würde. Es ist eben kein CLS 63 AMG, den man auf die Räder gestellt hat. Wenngleich der 4-Türer natürlich nicht das Tansaxle-Getriebe des AMG GT bekam, so teilen sich beide doch wenigstens den sportlichen Geist hinter der Idee eines Rennstrecken tauglichen Racers. Dieses Mal eben mit dem Platz für Vier.

Circuit of the Americas

COTA ist derzeit die einzige Rennstrecke, auf der man in den USA die Formel 1 erleben kann. Seit 2012 findet hier der  USA GP statt. Der Kurs ist 5,5 km lang und umfasst 20 Kurven und einen Höhenunterschied von 40 Metern.

Während der Ausfahrt aus der Boxengasse erklimmt man den höchsten Punkt der Strecke und Turn 1. Die Kurven hier sind alle nummeriert. Mangels einer Historie, muss man sich hier nicht vor einer Cork-Screw fürchten, sondern primär vor den Kurven 3, 4, 5 und 6. Ähnlich den Asses in Suzuku sind Turn 3 bis 6 schnelle Wechselkurven, die jedoch, ausgehend vom schnellen Rechtsknick in Turn 2, einen behutsamen Umgang mit Gas und Bremse fordern. Dass der neue GT 4-Türer schwerer und unhandlicher als der GT R ist, hier spürt man es zum ersten Mal. Doch spätestens aus Turn 9 heraus, unter Volllast des 639 PS starken V8 schnaubend, schnupft man sich gefühlvoll an den GT R heran. Turn 10 ist ein ultraschneller Links-Knick, den man voll fährt. Bis zur Anbremszone der Haarnadelkurve Turn 11, die ein wenig an die Kehre in Hockenheim erinnert, hat man den zuvor eingefangenen Rückstand aufgeholt.

Die blinkenden Rücklichter am GT R des Instruktors zeigen, hier wird nicht herum gespielt, der große Bruder des GT R meint es ernst. Später Scheitelpunkt, früh am Gas. Kurz wischt das Heck im ESP-OFF Mode, sofort verteilt der voll variable Allradantrieb Leistung nach vorne – das elektronisch geregelte Sperrdifferential, Serie im GT 63s 4-Door, erfüllt seinen Zweck, vergeudet keine Antriebsmomente in blauen Rauch am überforderten inneren Rad, leicht die Lenkung geöffnet und der Viertürer katapultiert sich unter dem Druck seiner 900 Nm nach vorne.

Das von Mercedes-AMG mit einer nassen Anfahrkupplung versehene 9-Gang Getriebe ballert, einem Maschinengewehr nicht unähnlich, die Gänge durch. Im RACE-Mode versteckt sich der 4-Türer hinter keiner Komfort-Fassade mehr, er nimmt dich gefangen und du wirst zum Spielball der G-Kräfte. Am Ende der fast 1.5 km langen Geraden zwischen Turn 11 und 12 stehen mehr als 250 km/h auf dem Tacho, ohne Gnade beißt die 6-Kolben Keramikbremsanlage wieder zu. Ohne Gnade zieht es dir unter dem Helm die Backen lang.

315 km/h – nicht auf der Rennstrecke

Dass der Viertürer GT sich auf der Rennstrecke nicht so wohl fühlt wie sein leichterer Bruder GT R liegt nicht an ihm, sondern einzig am Maßstab. Wer versucht, einem „Mr. DTM“ in einem 585 PS starken Transaxle-Sportler mit Semi-Slicks zu folgen, dem reichen auch der Leistungsvorsprung von mehr als 50 PS und 200 Nm nicht. Dass der GT Viertürer mit der Allradlenkung des GT R in Serie kommt, lässt ihn handlicher wirken, als es seine Größe vermuten lassen würde. Die rund 400 Kilogramm Übergewicht im Vergleich mit dem Hardcore-Sportler der Affalterbacher rücken die Verhältnisse aber wieder gerade. Der Viertürer ist ein GT, aber eben kein GT R.

Vier Runden müssen reichen für das persönliche Erfolgserlebnis

Von der AMG-Ridecontrol +, aktiven Motorlagern, Zylinderabschaltung und der standesgemäßen Folklore des Stammes der AMG, der GT Viertürer bietet vieles und erfüllt höchste Ansprüche. Doch eines kann man auch in Affalterbach nicht aushebeln, die Physik. Wer über 2 Tonnen über die Rennstrecke wirft, der muss seinen Reifen zuhören. Für den Autor waren die Lockrufe des vorauseilenden Bernd Schneider zu laut – das Wimmern der Vorderreifen nicht laut genug. Die ausgewogene Balance des GT Viertürers lässt unsachliche Kurven-Geschwindigkeiten zu. Doch wer zu schnell in die Kurve geht, der tut dies auf Lasten der Vorderachse – langsamer rein, in einem kontrollierten Drift über alle vier Räder raus. Das wäre dann für alle Reifen gleich wenigstens gleich übel gewesen. So gewinnt, wieder einmal, Bernd Schneider. Und der AMG GT Viertürer.

Alle Fotos: Mercedes-Benz

Erste Fahrt: BMW X4 M40d – Provokant aus Prinzip

Und er driftet doch. Eigentlich tut der xDrive-Allradantrieb mit seiner flinken und cleveren Verwaltungsarbeit alles, damit der X4 nur ganz sicher nicht den stabilen Pfad der kontrollierten Kreisfahrt verlässt, aber grob provoziert und mit einem DSC im Off-Mode lässt sich der knackige Hintern der Promenaden-Mischung dann doch zum Ausfallschritt überreden. Nicht lange, aber je nach Mut und Willen, mit bis zu 90° Querlaufwinkel – wer dabei voll auf dem Stempel bleibt, der erlebt die Magie des xDrive-Antriebs, die Vorderräder bekommen sukzessive mehr Kraft und ziehen die Fuhre auch nahe einer dreistelligen Geschwindigkeit wieder in die richtige Bahn.

Ob die Käufer des neuen X4 jemals diesen bewussten und martialisch anmutenden Drift werden nutzen wollen? Egal. Ein SUV, pardon, ein SAC, muss auch solche Späße mitmachen können. Wofür sonst sollte man sich die ganze Folklore der Fahrdynamik über Jahre auf die Fahne getackert haben, wenn man nicht auch mal ein wenig „Spaß“ versteht. Und mit Spaß kennt sich der neue X4 M40d für wohl aus! Doch fangen wir vorne an!

BMW X4 M40d – Provozierend, nur aus Spaß.

In Sichtweite des BMW Performance-Centers, dem Treffpunkt für unseren spaßigen Ausritt im bereits nach knapp 4 Jahren frisch aufgelegten X4, befindet sich die Geburtsstätte des neuen BMW X4. Das BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina, USA. Es ist nicht nur flächenmäßig das größte BMW-Werk, es ist auch das BMW-Werk mit dem größten Fahrzeug-Output. Vom X2 bis hin zum X6, alle Crossover, pardon SAVs, werden in diesem modernen Werk gefertigt. Erfolge am laufenden Band also. „Made in Germany“ ist da mehr so als eine Art Meta-Ebene zu verstehen.

Der einfache Grund für die Erfolgsgeschichte der BMW X-Modelle? Das ist beim X4 nicht anders als bei seinen Brüdern: Der Bauch schlägt das Hirn. Es sind die Emotionen der Autokäufer. Würde die Kaufentscheidung für ein Automobil rein rational fallen, wir würden alle Kombis mit Dieselmotor oder Hybrid-Benziner fahren. Stattdessen macht der X4 mit seiner bewusst provozierenden Form an. Ein SUV mit dem Platzangebot eines viertürigen Coupès? Ein viertüriges Coupè mit der Bodenfreiheit eines SUV? Ganz egal, wie man es sieht, BMW bricht gleich doppelt mit den Konventionen und bietet nun bereits die zweite Generation einer Fahrzeugklasse an, deren Nutzwert weit unterhalb eines klassischen, aber dafür eben biederen Kombis liegt. Da sind sich Bauch, Herz und Hirn nicht gänzlich einig in der Beurteilung. Macht das Sinn? Sinn machen?

SUV klingt behäbig, dröge und natürlich unsportlich. Der Begriff Sports Activity Coupè soll da deutlich mehr versprechen. Und BMW liefert ab!

Während man auf der Strecke des Performance-Centers den neuen X4 nicht nur auf der bewässerten Kreisbahn in den Drift zwingen kann oder ihn auf dem überschaubaren Performance-Kurs auf seine sportlichen Talente prüfen kann, bietet die Region zwischen South- und North-Carolina, nur eine knappe Stunde vom BMW-Werk entfernt, auch eine landschaftlich begeisternde Möglichkeit zum Ausritt. Enge Kehren, wechselnde Bankings und Fahrbahnflickenteppiche lassen die Potentiale des X4 entdecken. Wer denkt, in Amerika ginge es immer nur auf dem Highway in vier Spuren geradeaus, der irrt. Schwarzwald, Alpen oder Eifel bieten keine unterhaltsameren Wege. Im Gegenteil. Die schiere Größe der USA ist schlicht der einzig echte Spielplatz, um ein Auto zu erfahren. Der M40d überfällt einen bei Bedarf mit einer Wechselwirkung aus Dominanz beim Spurt oder Handlichkeit beim Kurven carven.

Der Reihensechsender im M40d spielt die Idealbesetzung und ist, zumindest bis Ende August, das Highlight im Lieferprogramm. Seine 326 PS sind ein Wort, seine 680 Nm das schlagende Argument. Die Leichtigkeit, mit der sich der X4 M40d durch die Landschaft fräst, ist einfach begeisternd. Dabei ist, wer sich im Griff behält, und auf öffentlichen Straßen in den USA ist das durchaus empfehlenswert, mit unter 7 Litern unterwegs. Der ab Ende August verfügbare M40i wird mit 354 PS die Leistungsspitze bilden, muss sich beim Drehmoment aber hinter dem Selbstzünder anstellen. Wer sich partout nicht mit weniger als Sechszylindern abfinden will, der bekommt zum gleichen Zeitpunkt noch einen 30d mit 265 PS und 620 Nm – vermutlich der, fast schon bescheiden geltende und, goldene Mittelweg in Sachen BMW X4. Zudem bietet BMW Vierzylinder Diesel mit 190 und 231 PS an und Vierzylinder-Turbobenziner mit 184 oder 252 PS. Eine Hybrid-Version? Ein Plug-in Hybrid? Eine iPerformance-Variante? Sicherlich zwingend notwendig, aber bislang in den Pressemappen nicht erwähnt!

Drei Linien zum Glück

BMW bietet den neuen X4 in drei Ausstattungslinien an, die jeweils das Erscheinungsbild des SAV beeinflussen. Das gefahrene M Sport X Modell gibt sich unverblümt als Dynamiker, der dennoch maskulin durch Offroad-Talente beeindrucken sollen. Die Frozen Grey lackierte BMW-Niere (ist das bei der Größe eigentlich noch eine Niere?) und die ebenso lackierten Außenspiegel setzen vor allem in Verbindung mit der gefahrenen Lackierung Flamenco-Rot schöne Kontraste. Die einzig richtige Linie ist jedoch, ganz egal welche Ausstattungslinie man wählt, die auf der bewässerten Kreisbahn, sobald der X4 zum Quertreiber wird 😉

Always on

Der neue 10.25″ große Touchscreen für das Navigationssystem Professionell ist der Dreh- und Angelpunkt der Multimedia-Welt im X4. BMW versteht es mittlerweile, wie kein Zweiter in der Branche, dem Kunden alle Möglichkeiten der Bedienung zu offerieren. Sprach-, Gesten-, Touch-, oder klassische iDrive-Controller Steuerung, alle Funktionen des umfangreichen Systems sind schnell zu erlernen und per App und BMW Connected ist man jederzeit mit dem Fahrzeug verbunden. Mittlerweile sind auch Office-Dokumente zu öffnen und wer im Stau vom cleveren Stau-Assistenten mit dessen Stop & Go-Funktion „gefahren“ wird, der checkt schnell seine eMails oder die letzte Präse vor dem Meeting. Sowohl beim Touchscreen als auch be dem um 70% gewachsenen Head-Up Display spielt BMW eindeutig in der absoluten Oberliga – und damit ebenbürtig zur Faszination des Bi-Turbo Reihensechsers.

Provokant, provozierend, prosperierend. 

So ein SAC (Sports Activity Vehicle) gehört zu den unsinnigsten Fahrzeugen, die man für Geld und gute Wort kaufen kann. Und zu den erfolgreichsten. Mit dem BMW X4 und seinem größeren Bruder X6 hat BMW den Trendsetter für eine Fahrzeugklasse gespielt, die man nicht seriös oder mit Argumenten erklären kann. Alles, was der X4 M40d aus fahrdynamischer Sicht kann, kann ein 435d GrandCoupé nicht schlechter. Eher besser. Im Gelände wäre ein X3 20d nicht schlechter, eher besser und dennoch, gerade mit der Vollfett-Stufe des Motorenbaus, und der bewussten Einschränkung durch das unsinnigste Karosseriekonzept der Automobilgeschichte, wird der X4 zu dem, was er darstellt. Ein fahrendes Sex-Appeal. Vor allem in Flamenco-Red.

 

BMW X4 M40d

Markteinführung:  August 2018
Basispreis:  70.900 €
Motorleistung:  6-Zylinder Twin-Turbo Diesel, 326 PS / 680 Nm
Antrieb und Getriebe:  8-Gang Automatikgetriebe, xDrive Allrad
Beschleunigung:  4,9 Sekunden von 0-100 km/h
Normverbrauch:  6.6 Liter auf 100 km
Höchstgeschwindigkeit:  250 km/h
Länge, Breite, Höhe, Radstand  4.752 / 1938 / 1621 / 2864 mm
Alle Fotos: Hersteller

2.757 km mit dem Alfa Romeo Stelvio

2.757 km mit dem Alfa Romeo Stelvio

Fernfahren, um dem Mythos nahe zu kommen

Es gibt wenige Automobil-Marken, die einen Mythos besitzen wie die italienische FIAT-Tochter Alfa Romeo. Alfa Romeo. Der Name alleine, er bringt Zungen zum Schnalzen und fordert den Redner förmlich dazu auf, einen italienischen Dialekt anzuschlagen und die Hände zum Sprechen mit zu benutzen. Alfa Romeo Stelvio. Ein Name, wie andere ein Musikstück betiteln.

Dabei ist der Stelvio doch auch nur ein schnöder Pass in den italienischen Alpen. Ein Asphaltband, das sich über die Ortler-Alpen spannt und sich dabei hinauf auf 2.757 Meter zieht. Für Automobilisti ist aber genau das der Himmel. Kurve an Kurve, 75, um genau zu sein, eine schmale Straße, in den Alpen. Fahrvergnügen nennen wir das. Wenn man auf das richtige Auto gesetzt hat.

Mit dem neuen Alfa Romeo Stelvio setzen die Italiener auf die richtige Fahrzeugklasse. SUV sind begehrt. Jeder will so einen praktischen Vielzweckwagen haben. Man sitzt gut, hat Platz, es bietet sich eine gute Übersicht über das Verkehrsgeschehen. Dass Alfa Romeo ausgerechnet mit einem SUV eine Wiedergeburt feiert, mag alte Alfisti ein wenig wundern. Doch ohne Verkaufserfolg keine erfolgreiche Historie. Und so spielt der Alfa Romeo Stelvio die Rolle des Helden. Und wie gut er diese spielt, das konnte ich auf meiner ganz persönlichen Heldenreise erfahren.

Stelvio mieten & erleben

Das erste SUV von Alfa Romeo. Da sind die Erwartungen hochgesteckt. Emotionen, Dynamik, Fahrfreude und die pure Lust am Automobil, gegossen in eine verlockende Form. Weniger erwartet man nicht. Und der Stelvio erfüllt. So viel vorab.

Um ein Auto zu verstehen, um es kennen zu lernen, um sich ein Urteil bilden zu können, muss man es fahren. Der durchschnittliche deutsche Autofahrer fährt 12.500 km pro Jahr. Soviel Zeit hatte ich nicht. 4 bis 5 Tage mussten reichen, denn der Alfa Romeo Stelvio kam dieses Mal nicht direkt von der Presse-Abteilung als Testwagen, sondern über Enterprise Rent-A-Car. Von dort kam die Frage, ob ich nicht Lust hätte, den Stelvio zu „erfahren“ – zu erleben. Was für eine Frage …

Enterprise Rent-A-Car gehört zu Enterprise Holdings, einer Firma, die auch heute noch in der Hand der Gründerfamilie Taylor ist und weltweit für exzellenten Kundenservice steht. Zusammen mit den Marken Enterprise Rent-A-Car, Alamo Rent A Car und National Car Rental gehören 1.9 Millionen Fahrzeuge, 100.000 Mitarbeiter und mehr als 9.900 Standorte zur Unternehmensgruppe.  In Deutschland gibt es den größten Autovermieter der Welt seit 1997. Mittlerweile hat man rund 200 Standorte und um die 2.300 Mitarbeiter. Und ganz aktuell den ersten SUV der italienischen Traditionsmarke Alfa Romeo in der Flotte. Es war also an der Zeit, dies alles zu verbinden. Und da kam ich ins Spiel.

2.757 – die Zahl ist Programm

Wie soll man ein Auto erleben, wenn man nur 4 bis 5 Tage Zeit hat? Am besten, indem man einsteigt und erst einmal nicht mehr aussteigt. Damit war klar, ich tausche die Meter in Kilometer und mache aus der Passhöhe von 2.757 Metern die „Erlebnisstrecke“ von 2.757 km. Einmal quer durch Deutschland. Und damit man auch ein Ziel hat, habe ich mir Filialen von Enterprise Rent-A-Car auf der Strecke als Zwischenstopps ausgesucht.

Startpunkt: Aschaffenburg – 9:00 Uhr  – die Hatz beginnt

Man kann ja über Autovermietungen denken, was man will. Wenn man allerdings mit einem freundlichen Lächeln, einem frischen, heißen Kaffee und per Handschlag begrüßt wird, dann fängt der Tag extrem gut an. Genau das habe ich am Startpunkt meiner Reise erlebt. Der Alfa Romeo Stelvio stand frisch getankt, gewaschen und picobello aufbereitet für mich bereit. Sein 2.2 Liter Diesel schnurrte sich warm. Noch drei Unterschriften und dann wartete die Autobahn auf mich. Die Route war geplant. Von Aschaffenburg ging es über Fulda nach Dresden, zur ersten Enterprise Rent-A-Car Filiale auf meinem Trip. Die ersten Kilometer mit einem „neuen Testwagen“ sind immer gleich. Ein wenig aufgeregt beschäftigt man sich mit dem Interieur. Drückt die Knöpfchen, spielt mit den Einstellungen. Eine perfekte Sitzposition war gleich zu Beginn gefunden. Der Stelvio bietet optional eine elektrische Sitzverstellung mit Memory-Funktion. Auf den kommenden 2.757 km sollte ich die Sitzposition jedoch nicht mehr ändern und das spricht eindeutig für den Sitzkomfort des Alfa. Eine Lordosen-Unterstützung und die sehr gute Kinematik der Sitzposition lassen einen binnen weniger Minuten das Gefühl von Heimat hinter dem Lenkrad spüren.

Von Dresden ging es nach Berlin, von Berlin nach Kiel, von Kiel nach Bielefeld. Alles an einem Tag. Ja. Alles an einem Tag. 1.363 km binnen 13 Stunden. Inklusive Stadtverkehr in Berlin, Dresden und Kiel. Inklusive Stau. Inklusive Pinkelpausen und einer Rast für einen schnellen Burger zwischendrin. Dass ich dennoch einen Reiseschnitt von mehr als 100 km/h erreichte, verdankte ich dem 2.2 Liter Turbodiesel hinter dem traditionellen Alfa Romeo Kühlergrill.

210 PS und Achtstufenautomatik

Der Vierzylinder-Diesel mit seinen 210 PS ist eine von derzeit 6 angebotenen Motorisierungen. Die Leistung reicht dabei vom 150 PS Diesel bis zu einem 510 PS starken V6-Turbo Benziner. Für mich stand der kräftige Diesel bereit.

Die Gänge wechselt die famose 8-Stufenautomatik von ZF, die Kraft wandert über alle vier Räder in Richtung Asphalt. Typisch für einen Alfa Romeo dabei : Die klar hecklastige Dominanz der Kraftverteilung und genau das spürt man.

Die ersten 500 Kilometer musste sich der Stelvio durch Regenmassen kämpfen. Gäbe es einen Freischwimmer für Automobile, der Stelvio und ich, wir hätten an diesem Tag das goldene Seepferdchen erschwommen. Und dennoch, der Reiseschnitt betrug vor allem auf den langen Etappen in Richtung Dresden, auf freien Autobahnen, gerade zum Start und bei diesen widrigen Bedingungen, noch deutlich mehr als die 100 km/h, die am Abend als Schnitt  feststanden. Das spricht vor allem für das Fahrwerk des Stelvio. Schnelle Autobahnkurven sind pure Unterhaltung. Die Zwischenspurts von 160 bis 210 km/h kurzweilig.

Tag 2 – oder wie man 2.757 km in nur 48-Stunden abfährt

Eigentlich wären 4-5 Tage planbar gewesen. Doch einmal im Alfa Romeo Stelvio Platz genommen, waren 1.363 km an Tag 1 und 1.141 km an Tag 2 kein Hexenwerk. Nachdem am Vortag mit Kiel bereits der nördlichste Zipfel der Republik abgehakt war, mit Berlin und Dresden der Osten besucht, ging es von Bielefeld über Köln bis nach Füsse/Reutte an die Grenze Österreichs. Im Eiltempo. Am späten Abend von Tag 2 stand der Alfa Romeo Stelvio dann vor der eigenen Hütte im heimischen Spessart. Bis zum Ziel, der Distanz von 2757 km, fehlten nur noch 253 km. Dafür lockte nach erneuten 11 Stunden hinter dem Steuer einfach das heimische Bett zu sehr.

Eine Extrarunde im Spessart, ein Ausflug über den Odenwald und am Ziel in Aschaffenburg am nächsten Morgen standen 2.757 km auf dem Tacho. Exakt. Eine Punktlandung.

Und was lernen wir daraus?

Drei Dinge: Wer nicht schläft, der könnte diese Distanz theoretisch auch innerhalb von 24-Stunden schaffen (Was wir natürlich niemanden empfehlen, schlafen im Alfa Romeo Stelvio – ok, aber niemals übermüdet hinter das Steuer klemmen!). Bei Enterprise Rent-A-Car kann man mit hervorragendem, sympathischem Service einen SUV mieten, der nicht nur aussieht wie ein Alfa Romeo, sich fährt wie ein Alfa Romeo, sondern auch direkt von Alfa Romeo kommt und – ein Alfa Romeo Stelvio ist der definitiv beste Partner für diese Aktion gewesen. Emotional, sportlich, zuverlässig. Und ein Erlebnis, über das es sich lohnte, zu berichten.

 

Test: Mitsubishi Eclipse Cross (2018) – Ein ganz neuer Mitsubishi?

Der Eclipse Cross bietet, was sonst schon lange kein Mitsubishi mehr bot: Lifestyle und Sportlichkeit in einer auffälligen Hülle!

Mitsubishi will sich neu aufstellen – Image, Markenauftritt und Modelle sollen künftig veredelt werden, vor allem aber heißt die Zukunft: SUV. Dabei sehen sich die Japaner dank des ersten Offroaders PX33, 1936 vorgestellt, aus Tradition zum Geländewagenspezialisten berufen und möchten künftig mit den hierauf spezialisierten Marken Jeep und Land Rover verglichen werden.

Der neue Eclipse Cross passt zielgenau in diesen Fahrplan und schließt die Lücke zwischen ASX und Outlander. Letzterer gibt sich als Organspender und steuert die Plattform für den Eclipse Cross bei. Trotz fast 30 Zentimeter Längenvorteil für den Outlander haben beide Modelle denselben Radstand, das verspricht fröhliche Verhältnisse in Reihe zwei. Deshalb beginnt dieser Fahrbericht genau dort und konstatiert ein stimmiges: Passt. Die Lehne der geteilten Rückbank lässt sich individuell auf Wunschneigung einpegeln, die Sitze selbst in einem Verstellbereich von stolzen 20 Zentimetern durch den Raum bewegen. In hinterster Stellung gibt es dann Fußraum im Oberklasseformat und trotz modisch abfallender Dachlinie genügend Kopffreiheit.

Der Benziner im Eclipse Cross ist nagelneu

Nachdem hinten also inklusive dem klassenüblich großen, vielleicht in der Höhe etwas limitierten Laderaum der Tester-Daumen nach oben zeigt, kann die Fahrt beginnen. Unter der Haube hat ein komplett neu entwickelter 1,5-Liter-Benziner Platz genommen, der 163 PS verspricht. Das klingt in einem SUV-Coupé, welches sich selbstbewusst mit dem BMW X4 messen möchte, nach Hausmannskost, fühlt sich aber gar nicht einmal so an. Der Eclipse Cross ist mit rund 1,5 Tonnen für diese Fahrzeugklasse recht durchtrainiert unterwegs. Von ganz unten, beim Ampelstart, gibt es eine klitzekleine Lücke im Leistungsangebot, doch spätestens ab 1.000 Touren wird der Vierzylinder munter und pusht fast wie ein Diesel. Richtig sportlich allerdings ist seine Sache nicht, für Rundenrekorde muss ein anderes Fahrgerät gewählt werden.

Beim Benziner bietet Mitsubishi ein ebenfalls neu entwickeltes CVT-Getriebe an, der später erscheinende Diesel bekommt eine Achtgang-Wandlerautomatik. Wer der Idee einer variablen Gliederkettenautomatik aus fahrästhetischen Gründen eher skeptisch gegenübersteht, sollte die neue CVT des Eclipse Cross dennoch ausprobieren, denn die ist richtig gut gemacht. Mit programmierten Stufen simuliert sie geschaltete Gänge, vertraut im Überlandverkehr auf das bereits ab 1.800 Umdrehungen bereitstehende maximale Drehmoment und belässt die Drehzahl schön im Keller. Nur wenn der Auftrag Volle Fahrt voraus heißt, scheint es durch, das CVT-Gen, mit der hochjubelnden Dauerdrehzahl. Dennoch: Näher am klassischen Automatikgetriebe mit festen Übersetzungsstufen war bislang noch keine „Variomatik“.

CVT-Getriebe ist gut abgestimmt

Man muss auch aus anderem Grunde eine Empfehlung für die Eclipse-Automatik aussprechen: Das Schaltgetriebe gibt es nur für die Frontantriebsvariante, und die fährt sich nicht so schön. Denn schon bei mittelfester Beschleunigung erntet man beim zweiradgetriebenen Eclipse Cross Traktionsprobleme und vor allem fiese Lenkeinflüsse, die es in dieser Präsenz eigentlich schon seit Jahren nicht mehr geben sollte. Der Automatik-Allradler hingegen: Lammfromm, verhalten dynamisch und trotz der bei höherem Tempo etwas übersensibel reagierenden Lenkung insgesamt mit sauberem Strich zu fahren.

Wer beim Bestellen nicht zu sehr auf den Euro schaut (endgültige Preise gibt es erst im Herbst), wird mit Nachdruck verwöhnt. Den Anspruch, bei Verarbeitung, Gestaltung und Haptik für Mitsubishi ein neues Kapitel aufzuschlagen, erfüllt der Eclipse Cross. Vielleicht bei einigen der verstreuten Tasten zu fitzelig, doch hübsch anzusehen und nett anzufassen, mit geschäumten Oberflächen und glänzenden Applikationen. Richtung #Neuland ist das Multimediasystem unterwegs, dessen Bildschirm modisch aus der Armaturentafel ragt. Denn ein Navigationssystem im eigentlichen Sinn wird nicht angeboten, der Eclipse Cross setzt auf die Generation Smartphone und will vom Handy des Benutzers gefüttert werden. Android Auto und Apple Car Play sind integriert, letzteres wurde auf der ersten Testfahrt ausgiebig genutzt. Es genügt, das Smartphone per Kabel an eine der USB-Buchsen zu stöpseln, schon poppt auf dem Bildschirm das Menü mit den nutzbaren Apps auf. Funktioniert perfekt und scheint zukunftsfähiger als ein starr verbauter, teurer Navigationsrechner, der auf regelmäßige und kostspielige Kartenupdates angewiesen ist.

Fazit:

Die Akzeptanz der Karosseriegestaltung des neuen Mitsubishi Eclipse Cross liegt beim Betrachter, die Japaner wollen mit dem Design ausdrücklich polarisieren, das ist geglückt. Für seine Fahrzeuggröße ist der Wagen ziemlich geräumig, der Fahrkomfort gediegen, die CVT-Automatik gelungen und im Vergleich zur Basisvariante mit Frontantrieb klar zu bevorzugen. Beim Anfass-Faktor erreicht der Innenraum ein von der Marke in diesem Segment bislang nicht gekanntes Level.

Sprint-Sumo – Der neue Porsche Cayenne Turbo

Man stelle sich mal vor, das japanische Sumo-Nationalteam würde zu Olympia reisen und dort auf der 400m-Hürdenstrecke antreten wollen. Aus einem natürlichen Vorteil würde ein natürlicher Nachteil erwachsen. Einfach, indem man die Disziplin ändert, in der man antritt. So kann man sich das Problem vorstellen, will man einen 2.2 Tonnen SUV zum Sportwagen machen. Aber wer, wenn nicht Porsche sollte da erfolgreich sein? Und genau das tat man damals mit der ersten Generation. Nun stand die dritte Generation des Cayenne zum ersten Test zur Verfügung – und wieder einmal stellt sich die Frage: Kann das gutgehen? 

Testbericht: Porsche Cayenne Turbo

Sumo-Ringer und Sprinter in Personalunion

Der Cayenne teilt sich auch in der dritten Generation die Plattform mit den Konzernbrüdern. So stehen Audi Q7 und auch Bentley Bentayga auf der gleichen Plattform. Das sieht man dem Zuffenhausener Edel-Sport-SUV jedoch nicht an. Gerade beim Design hat man es ruhig angehen lassen. Das mag man auf der einen Seite wieder kritisieren – ist aber dennoch mittlerweile normal. Das Rad lässt sich nicht jedes Mal neu erfinden. Von vorne wirken vor allem die massiven Lufteinlässe auf den Betrachter, in der Seitenlinie fällt kaum auf, dass der neue Cayenne 9 mm tiefer liegt als der Vorgänger. Dass er um gute 6.5 Zentimeter gewachsen ist, das ist schon eher zu erkennen.

Auch wenn die Zuffenhausener aus vielerlei Gründen auf die Plattform der Konzernmutter setzen mussten, so gehen sie bei strategisch wichtigen Komponenten einen eigenen Weg. Bei Porsche ist man stolz über die Veränderungen, die man den Konzernbrüdern voraus hat. Hinterachse und Vorderachse sind Porsche eigene Entwicklungen und auch beim Antriebsstrang setzt man auf die eigenen Ideen.

Dazu kommen weitere Innovationen wie eine aktive Aerodynamik, eine spezielle Bremsanlage und das Innenraum-Bedienkonzept aus dem Panamera.

Ganz oder gar nicht?

Bei den Motorisierungen vertraut Porsche vom Start weg auf Turbomotoren. Neben einem 340 PS starken V6 mit Mono-Turbo steht ein 2.9 Liter V6 Bi-Turbo mit 440 PS zur Wahl und der V8 Bi-Turbo mit 550 PS, den wir auf Kreta für einen ersten Test gewählt haben.

Als Cayenne Turbo markiert dieser derzeit die Spitze der Nahrungskette bei den Sport-SUVs. Und das mit einem Gewicht von locker 2.2 Tonnen. Soviel zum Thema: „Sumo-Nationalmannschaft“. Um auf der 400m-Hürdenstrecke nicht hilflos zu verhungern, greift Porsche tief in die Trickkiste. Der 4.0 Liter V8 geht mit seinen 770 Nm überzeugend zu Werke. Aber Leistung ist nicht alles, die Masse muss man in den Griff bekommen. Der Top-Cayenne bekommt daher auch in Serie alle die faszinierenden Features,  die man eine Motorisierung tiefer optional bestellen müsste.

Der Allradantrieb des Cayenne ist mit einer variablen Momentenverteilung und Torque-Vectoring ausgerüstet und klar hecklastig domestiziert. Erstmalig vertraut Porsche auch auf eine Mischbereifung beim Cayenne. Mit 285ern Reifen auf der Vorderachse und 315ern auf der Hinterachse ist der Turbo überzeugend bereift. Das ganze natürlich in 21-Zoll. Hinzu kommt, wie beim Panamera, erstmalig eine aktive Hinterachslenkung für das große SUV. Neben eindeutigen Vorteilen beim Handling verkleinert sich damit zudem der Wendekreis auf überschaubare 11.5 Meter.

Am Heck des SUV thront zudem, erstmalig, ein aktiver Heckspoiler. Bis zu 30° Verstellwinkel lassen ihm verschiedene Aufgaben zukommen. Neben dem Optimieren des Luftwiderstandes arbeitet er auch für den Komfort der Passagiere. So gleicht er, bei geöffnetem Panorama-Dach, die Luftströmung aus und verhindert ein unangenehmes Wummern  im Innenraum. Ab 170 km/h arbeitet er zudem als „Airbrake“ und kann bei einer Vollbremsung aus Tempo 250 km/h den Bremsweg um bis zu 2 Meter verkürzen.

770 Nm sind ein Argument

Subtil wummernd setzt der Cayenne Turbo verbranntes Benzin in Vortrieb um. Sparbrötchen und Buchhalter könnten die Effizienz des Antriebs steigern, wenn sie auf den V8 verzichten und zum Beispiel den modernen V6 Bi-Turbo wählen. Aber ernsthaft. Ein Porsche SUV mit weniger als 8 Töpfen? Das klingt nach Selbstkasteiung. Also eingestiegen in den sportlichsten Sumo, den die Aschebahn je gesehen hat.

Und das meine ich ernst. Heckbetonter Allradantrieb. Effektive Dreikammer Luftfederung, aktive Wankstabilisierung und Torque-Vectoring – alles vernetzt und gesteuert über Porsches neues 4D-Chassis Control. Dass zudem Pirelli P Zero in fast unsittlicher Größe montiert sind, erledigt den Rest. Der Cayenne lässt eine neue Interpretation der physikalischen Grenzen zu. Er entzaubert alle anderen „Sport-SUV“ als fette und ungelenke Sumos. Wirft sich in Kurven, als wüsste er nicht, welches Leergewicht im Fahrzeugschein steht. Untersteuern? Selbst grob provoziert, scheut er sich davor und verteilt soviel Kraft in Richtung hinteres Kurven äußeres Rad, dass er sich aufrecht aus der Kurve zieht.

Beim Sound dürfte der 4 Liter Achtzylinder ein wenig mehr auftrumpfen – aber zur Entschuldigung sei gesagt, die optionale Sport-Abgasanlage war nicht verbaut – der Klang daher sehr bescheiden. Nur subtil.

Wolframcarbid 

Eine der Königsdisziplinen bei Porsche war immer schon die negative Beschleunigung. Das Bremsen. Da erlaubt man sich keine Ausrutscher. Und das, obwohl unser Testwagen nicht einmal die optionale erhältlichen Keramikstopper montiert hatte. Stattdessen glänzten an der Vorderachse massive 415mm große Bremsscheiben in einem unnatürlich hellen Farbton. Fast spiegelglatt. Die von einem Zehnkolben-Festsattel eingefassten Grauguss-Scheiben sind eine der Neuheiten von Porsche. PSCB steht dabei für „Porsche Surface Coated Brake“. Eine Wolframcarbid-Beschichtung lässt die Scheibe, nach einer kurzen Einfahrzeit, hell und ebenflächig glänzen, wie ein Spiegel. Diese hochfeste Beschichtung verlängert die Lebensdauer, garantiert standhaftes Bremsenwerkzeug und, ganz nebenbei, verringert sie die Bildung von Bremsstaub. Es mag albern klingen, aber eine der wichtigsten Eigenschaften der neuen PSCB ist in der Tat, die Felgen werden kaum noch von Bremsstaub verdreckt.

Gut, dass bei aller Schönheit auch die inneren Werte und die Leistung der Bremsanlage so überzeugend ausfallen. Denn mit 286 km/h dürfte dieser Sumoringer so manch einen Sprinter im Windschatten zurück lassen.

Wer gerne die Langstrecke fährt, vom Durst (locker 15+ Liter) des Turbo aber abgeschreckt wird – der wird im kommenden Jahr (eventuell 18 Monate) auch einen Diesel ordern können. Und wer nur zwischen Bauhaus-Villa und Schule pendelt, für den kommt in Kürze eine Plug-in Hybrid Variante.

Der Innenraum wird zur Lounge

Wer den neuen Porsche Panamera kennt, der kennt nun auch das Interieur des Cayenne. Ein großer 12,3-Zoll Touchscreen dominiert das Armaturenbrett, darunter eine elegante Ebene aus schwarzem Lack mit Touchfeld-Bedienung. Ebenso das Cockpit. Zwei 7-Zoll TFTs rahmen einen runden, analogen Drehzahlmesser ein und überzeugen mit einer prächtigen Darstellung, hohem Kontrast und liebevoller Grafik. Dass Porsche zudem erstmalig Amazon-Music als App für das PCM anbietet und die Sprachsteuerung soweit aufgebohrt hat, dass man nun auch die Sitzheizung damit aktivieren kann – es sind Details am Rande einer beeindruckenden Wohlfühl-Athmosphäre.

Habbys Fazit:

Dass der Turbo mit knapp 140.000 € alles, nur kein Schnäppchen ist, wird niemanden überraschen. Dass man auf 15-Jahre Erfahrung und 770.000 verkaufte Vorgänger aufbauen konnte, man spürt es an jeder Ecke. Nie zuvor war ein SUV eindrucksvoller in der Lage, sowohl den Langstrecken-Reisekomfort als auch die uneingeschränkte Dynamik,  die man mit einem Zuffenhausener verbindet, unter einen Hut – Pardon, in die kurze Schürze eines Sumo-Ringers –  zu stecken. Dieser Cayenne bügelt die Konkurrenz. Auch auf der 400m-Hürdenstrecke.

Motor und Getriebe

Porsche

Cayenne 2018 Turbo

Motor Turbo-Benziner 8-Zylinder
Hubraum 3.996 ccm³
Leistung 550 PS @ 5.750 – 6.000 U/min
Kraft 770 Nm @ 1.960 – 4.500 U/min
Getriebe 8-Gang Wandlerautomatik ZF
Antriebsachse Aktiver Allradantrieb, Lamellenkupplung, variable Momentenverteilung

Abmessungen und Fahrleistungen

Länge, Breite, Höhe 4.926, 1.983, 1.672 mm
Radstand 2.895 mm
Leergewicht 1.222 kg
Wendekreis 11.5 m (m. Allradlenkung)
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 3.9 sec (m. Sport Chrono Paket)
Normverbrauch 11.9 – 11.7 l/100 km 🙂

 

BMW 520d Touring: Ein stiller Held

Natürlich profitiert man bei BMW vom Mythos des Reihensechsers. Kein anderer Motor steht mehr für den sanften Motorlauf, für Laufruhe, ebenso spontanes Ansprechen, für den Komfort und Luxus von Sechszylindern. Doch spätestens mit der breiten Einführung von aufgeladenen Motoren und den NEFZ-Zwängen der EU-Vorgaben rutschte der „Reihensechser“ in den Hintergrund. Und rein preislich ist mittlerweile eine beträchtliche Hürde entstanden. So dürfte es nicht verwundern, wenn heute selbst im Business-Flaggschiff der Münchner der Vierzylinder zum Kassenschlager wird. Eine erste Ausfahrt im neuen BMW 520d Touring zeigt dann auch den besonderen Charakter des „stillen Helden“.

Ein feiner Typ, ganz ohne Six-Pack

Erster Test: BMW 520d Touring 2017 (G31)

Es ist eine simple Erfolgsformel für den deutschen Kernmarkt: Dieselmotor, Kombiheck und Automatikgetriebe – dazu ein wenig Glanz einer Premiummarke, fertig ist ein Kassenschlager. Und das nicht nur im Segment der Kompakten. Konzentriertes Arbeiten an den Themen Geräusche, Vibrationen und Schwingungen lassen den Vierzylinder-Diesel im 520d (G31) mittlerweile vollständig untergehen. Ob Sechs- oder Vierzylinder, gefühlt macht es keinen Unterschied mehr. Erst bei Tempo 180 wünscht man sich ein wenig mehr Schub. Darunter passt vor allem die Kombination aus Kraft, Ruhe und Perfektion des Automatikgetriebes zum Anspruch der Premium-Kombinationskraftwagen.

Das ewige Spiel der Verbesserungen

Keine neue Modellgenerationen entsteht, ohne die ewig erfolgreiche Schablone der stetigen Verbesserungen zu meistern. Weniger Gewicht, mehr Verwindungssteifigkeit, ein wenig mehr Spur, ein besserer cW-Wert und neue Assistenzsysteme. Das Muster wiederholt sich und bleibt auch bei der Touring-Variante des Fünfer (G31) gültig. 100 Kilogramm hat die Baureihe im Schnitt abgespeckt, dafür mehr Zuladung ermöglicht, der cW-Wert sinkt auf 0.27 und während der Fahrt überzeugt der neue Touring vor allem mit den Werten, die man eigentlich nicht bemerken sollte: Er ist ruhig, er gleitet dynamisch und behände und das alles, obwohl er doch nur den „kleinen Diesel“ unter der Haube hat.

Neben dem gefahrenen 190 PS starken 520d startet der Fünfer Touring auch mit dem bekannten und 265 PS starken Reihensechserdiesel im 530d. Alternativ bleibt der Griff zum Benziner 530i (Vierzylinder und 252 PS) oder dem 340 PS starken BMW 540i. Während alle Motoren mit der Achtgangautomatik kommen, bleibt der Automat für den Einstiegsdiesel eine aufpreispflichtige Option. Für den 540i und den 530d gibt es zudem die Möglichkeit, den BMW-Allradantrieb xDrive hinzu zu ordern. Auch deswegen mag man den 520d – er hat genug Zug, braucht aber sicherlich keinen Allradantrieb im Alltag.

Nur Vierzylinder und dann auch noch ein Diesel – und dennoch ein stiller Held und der Sieger der Herzen. Die in Serie gelieferte Luftfederung an der Hinterachse, die optionale Automatik, der überschaubare Durst des Diesels und die neu geschaffene Ruhe durch Feinarbeit an der Akustik präsentieren den 520d Touring als idealen Partner für lange Business-Touren.

Doch der Touring mag mehr sein. Partner für den agilen Jung-Manager. Surfbretter, Rennräder oder was auch immer einem gerade an Trendsportart einfällt, es soll im Kofferraum Platz finden. Dazu sind 570 bis 1.700 Liter Laderaum verfügbar und die Rücklehne lässt sich zudem 40:20:40 umklappen. Und ja – auch das separat öffnende Heckfenster ist wieder mit an Bord. Ebenso eine elektrische Heckklappe, die sich nun auch per Fußtritt öffnen lässt. Das sind alles Standard-Business-Tugenden.

Was den Fünfer Touring ausmacht, ist seine Handlichkeit. Seine Optimierung auf den Fahrer. Dazu zählt auch das neue Paket an Assistenzsystemen, die einem „wachend“ zur Seite stehen, und das vermutlich beste Head-Up Display im Segment. Dass man das iDrive System nicht nur per Touch, iDrive-Controller und Sprache, sondern auch per Gestensteuerung in den Griff bekommt, mag eine Antwort auf eine Frage sein, die man nicht gestellt hat – zeigt aber auf, wohin die Reise geht. Live-Inhalte im neu sortierten BMW Connected Display, die gelebte „always on“ Mentalität dank Connected App für Smartphone und sogar für ALEXA. BMW integriert zudem Apple Car Play symbiotischer als alle anderen Hersteller und schafft so Brücken, wo für einigen Monaten noch Hürden standen. Der BMW Fünfer ist der digitalste Businesskombi, den man sich derzeit konfigurieren kann und umso erstaunlicher wiegt die Erkenntnis, es geht auch ohne Sechszylinder.

Ein stiller Held, der BMW 520d Touring.

Technische Daten
BMW 520d Touring
Grundpreis 47.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4943 x 1868 x 1498 mm
KofferraumvolumenVDA 570 bis 1700 L
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 140 kW / 190 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 8,00 s
Verbrauch 4,50 L/100 km

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BMW M550i xDrive – Mit Druck an die Spitze

650 Nm bei 1.800 Umdrehungen. Damit wären die Fragen vermutlich beantwortet, bevor sie gestellt wurden. Doch die glitzernde Bergwelt hält Ende April noch einmal eine kalte Überraschung parat. Die ersten BMW M550i Testwagen mussten deswegen noch einmal mit Winterreifen ausrücken. Dass der neue M5-light in Serie mit Allradantrieb kommt, mag beim Vortrieb helfen, eisig kaltes Tauwasser und Schneereste am Straßenrand vertragen sich aber besser mit der Winterbereifung. Dem Antriebsstrang ist die Witterung erst einmal egal. 4.4 Liter Hubraum, zwei Turbos und 462 PS lassen dank flexiblem Allradantrieb auf dem Weg zum Gipfel nichts anbrennen. Dass hier gut 1.900 Kilogramm den Berg erklimmen wollen, man spürt es nicht. Willkommen in der Welt des neuen BMW M550i xDrive.

BMW M550i xDrive MPerformance – Fahrbericht

Dass es sich um die Luxus-Businessclass von BMW dreht, man spürt es beim Einstieg in den 5er der Baureihe G30 sofort. War die erste Testfahrt im neuen Fünfer noch geprägt von Flottenmanagement verträglichen Eckwerten, wird das beim Understatement-M5 ein wenig problematischer. 462 PS und 204 Gramm CO2 je Kilometer stehen gängigen Dienstwagenregelungen ähnlich diametral gegenüber wie der Grundpreis von 82.700 €. Aufgeregt pochende Testfahrer-Herzen will der V8 mit sanftem Blubbern beruhigen. Wirklich aufdringlich wird der M550i im Geräusch nie, aber man fühlt immer dieses sattsame Plus an Mehrleistung. Mehr als nötig wäre. Mehr als man braucht. Aber doch gerade genug, um das Grinsen nicht zu vergessen. Per „Fahrerlebnisschalter“ könnte man auf Sport-Plus schalten, das Getriebe in die Sportgasse „S“ pressen und dann erleben, wie handlich sich knapp 2 Tonnen anfühlen können. Theoretisch. Praktisch verweigern sich die französischen Winterreifen einer allzu harschen Gangart. 7-9 mm Profilblöcke lassen die knackige Abstimmung und die per Hinterachslenkung gewonnene Agilität ein wenig schwammig werden. Dass er auch anders könnte, scheint klar.

Winterreifen-Gangart

Man muss ihn ja auch nicht per Holzhammer-Methode den Berg hinauf prügeln. 20-Zoll Sommerreifen-Gold würde sicherlich Laune machen, aber, der M550i xDrive kann auch ganz anders. Wenn man sich ein wenig entspannt. Eloxierte Chromteile außen, blaue Bremssättel und die kleine Spoiler-Lippe auf der Heckklappe. Wer genüsslich fährt, lässt anderen die Chance, optisch zu verstehen, wer hier vorfährt. Ohne dass man gleich physisch den Ladedruck-Hammer des V8 auspacken muss. Und die M-Logos? Klar, hat er sich verdient, ist ja ein MPerformance-Modell. Also die Brücke zwischen dem Flottensegment und dem Traum aller Außendienstler. Dass so ein Spagat sinnvoll ist, zeigen alle Premiummarken.

Dank des adaptiven Fahrwerkes und der vorzüglichen Abstimmung des Achtgang-ZF-Automaten ist auch eine Fortbewegung mit nur milde zuckendem Drehzahlmesser im Digital-Cockpit möglich. Mehr als 2.000 Touren? Selbst im M5-Vorboten M550i bereits ein steter Tanz entlang der Grenze zur OWi.

Launig und gefühlt 1 Tonne leichter und 2 Meter kürzer gleitet der M550i durch die Bergwelt. Hektik muss nicht sein. Der Bariton des V8 kann zur Entspannung genutzt werden. Sollen doch die TDI-Fahrer dieser Welt an einem Magengeschwür leiden. Der V8 passt zum Fünfer wie der Murat-Schriftzug auf den Kofferraumdeckel eines E36 320i.

Gesten-Steuerung

Der jungen G30-Generation des Fünfers gedeiht selbstverständlich alles an moderner Assistenztechnik an, darüber haben wir bereits berichtet. Der M550i macht hier keine Ausnahme. Nur dass man vermutlich Level2-Teilautonomie in diesem Fahrzeug noch ein Stück weniger akzeptiert als in anderen Autos. Der Fünfer ist ein Selbstfahrerauto. Der M550i erst recht. Eine Belohnung für Erfolg. Ein Spagat zwischen Seriosität und dem kommenden Wahnsinn, sobald der M5 vorgestellt wird. Die Gestensteuerung für die Lautstärken-Kontrolle oder um eingehende Telefonate anzunehmen, mag erst einmal ungewöhnlich wirken, aber wer Allradantrieb, Allradlenkung und zwei Turbos mit acht Zylindern und acht Gängen kombiniert, der darf auch mit der Hand durch die Luft kreiseln, um die Lautstärke des neu gestalteten Entertainment-Systems zu variieren. Ein wenig Wahnsinn soll bleiben.

War noch was?

Ja. Vergessen Sie den Normverbrauch. 8.9 Liter? Dann kann man ja gleich einen BMW M530e iPerformance ordern. Mehr hierzu? Demnächst im Blog!

[notification type=“notification_info“ ]Der BMW M550i xDrive für Menschen mit Spaß am Auto und der notwendigen Schmerzfreiheit bei der anstehenden Leasingrate. [/notification]
BMW M550i xDrive
 
Technische Daten BMW M550i xDrive
Grundpreis 82.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4962 x 1868 x 1467 mm
KofferraumvolumenVDA 530 L
Hubraum / Motor 4395 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 340 kW / 462 PS (650 Nm)
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 4,0 s
Verbrauch 8,9 L/100 km

 

 

 

Vier gewinnt: Die BMW 4er Serie 2017

Vier neue Felgen, zwei neue Farben und ein wenig Kosmetik. Die Überarbeitung, die BMW der 4er Serie angedeihen lässt, ist überschaubar. Sehr überschaubar. Nicht BMW-Nerds werden sich schwer tun mit den Differenzierungen. Umso wichtiger ist es, die ab März 2017 verfügbaren Modelle einmal zu fahren. mein-auto-blog war dafür zwischen München und Berchtesgaden unterwegs und hat das BMW 430i Cabriolet und das BMW 440i Coupé zur ersten Sommertour gebeten. Theoretisch. Denn ein kurzfristiger Wintereinbruch hätte die launige Bergtour fast einfrieren lassen.

Vier gewinnt – Wie BMW die Vierer-Serie frisch hält

BMW 430i Cabriolet und BMW 440i Coupé im ersten Test

Zitat:

Die neue BMW 4er Reihe präsentiert sich mit weiter gesteigerter Präsenz, Wertigkeit und Dynamik.

Nun, auf eilig montierten Winterreifen lässt sich gerade der letzte Punkt leider gar nicht erfahren. Grummelnd und quietschend beschweren sich die Wintergummis über den Versuch, dem „Vierer“ die gesteigerte Dynamik aus dem Pelz zu wringen. Und an der Präsenz und Wertigkeit, hat es ja vorher schon nicht gemangelt. Mehr als 400.000 verkaufte Fahrzeuge (Stand 12/2016) dokumentieren den Erfolg der Baureihe und der Idee, Premium-Konzepte noch ein wenig mehr Premium-style-a-like zu platzieren. BMW 4er Coupé, Cabriolet und auch das Gran Coupé stehen eng verwandt zum beliebten „Dreier“, wurden aber bewusst wertiger und lifestyliger positioniert. Ein Blick in die Preisliste demonstriert dann, was man mit „wertiger“ meint.

Mit 40.000 € gelingt einem gerade einmal der Einstieg in die „Premium-Klasse“ des Vierers. Der gefahrene 430i mit Knick-Klapp-Falt-Blechdach und das 440i Coupé kosten wenigstens 53,850 € (430i Cabriolet Automatic), bzw. 54,950 €. Wobei die eigene Vorliebe da schnell bei gleichen Budget das Cabriolet gegen den Reihensechser eintauschen würde. Denn wenn etwas prägend in Erinnerung bleibt, dann ist es diese sämige Kraftentfaltung, begleitet von dem einzigartigen Summen eines Reihensechsers. Da können die Anstrengungen der Bayerischen Motorenwerkler noch so toll sein, ein Vierzylinder bleibt eben ein Vierzylinder. Selbst dann, wenn er mit viel Techniker-Hirnschmalz und flotten Anglizismen zum „EfficientDynamics“ Triebwerk mit TwinPower Turbo Technologie wird,  und mit – eigentlich – gar nicht so mageren 252 PS antritt.

Gar keine Schuld nimmt das von BMW auf Steptronic getaufte Automatikgetriebe von ZF auf sich. Acht Gänge wurden nie attraktiver, gefühlvoller und überzeugender serviert. Treffsicher liegt der richtige Gang an. Wobei, auch hier, zu einem Vierer gehört – verbrennt er das Benzin und zündet nicht selbst, wie es heute eigentlich die Mehrzahl aller auf deutschen Straßen fahrenden BMW tut – nun einmal ein Sechszylinder. Darüber lässt sich auch nicht viel diskutieren. Der direkte Umstieg vom 430i Blechdach-Cabriolet in das 440i Coupé verdeutlicht dies. Und es ist mit allen Sinnen erfahrbar. 326 PS sind die eine Seite der Argumentation, Turbinen gleiche Drehfreude und 450 Nm im breiten Band von 1.380 bis 5.000 U/min die andere Seite der glanzvollen Medaille.

Vier gute Argumente für das neue Modelljahr

Während man bei der ersten Testfahrt vom weiter überarbeiteten Fahrwerk nicht wirklich etwas berichten kann – zu unvorteilhaft die Winterbereifung auf trockener Straße – fällt vor allem das weiter verfeinerte Cockpit positiv auf. Ein wenig mehr Liebe hier, ein paar doppelte Ziernähte dort. Und vor allem das neue Instrumentenpanel mit Multifunktionsdisplay. Zudem bekam das Infotainment-System den letzten Stand der BMW-Technik und präsentiert sich nun mit adaptierbaren Kacheln und flott aufbauenden Live-Inhalten. So kann das „Connected Drive“ Erlebnis verstanden werden.

Die neuen Vierer sind seit März beim BMW-Händler verfügbar.

smart ED – Die Tests in der Hitze sind geschafft!

Ja, ich habe ordentlich geschwitzt. Ein Grund war ganz einfach die Hitze in Arizona, der andere Grund war jedoch die „geheime Testfahrt“ mit dem smart ED. Lange bevor der smart ED nun in Paris seine Weltpremiere feiern konnte, durften der Kollege Schlörb (fuenfkommasechs) und ich mit den Test-Ingenieuren die letzten Test-Kilometer des smart ED begleiten. In der Hitze Arizonas haben wir den elektrischen Stadtfloh bereits heftig testen können. Nicht hinter dem Steuer, aber auf dem Beifahrersitz und mit vielen Fragen zu den Details. Die Antworten gibt es im Video! 

 

Erste Fahrt: Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio

Fast ein Jahr ist es her. Giulia stieg vom Himmel. Berührte mit ihren vier Gummis den Boden und zeigte ihre Engelsflügel. Vorne ein Splitter, hinten eine Abrisskante. Anzusehen und anzufassen von einer ausgesuchten Gruppe automobiler Propheten. Die Gläubigen durften erst im September staunen. Die Messehalle 6 in Frankfurt wurde zu ihrer Kathedrale, in der sie Schlange standen. Um zu stauen, einen Blick auf vier oberarmdicke Endrohre zu werfen und kurz Platz nehmen zu dürfen.

Ein Jahr mentale und vor allem mediale Vorbereitung, bevor es nun so weit war. Der Engel fliegt das erste Mal. Und wir dürfen nicht nur zusehen, sondern sogar selbst das Geschehen bestimmen. Der heilige Ort: Das Testgelände des FCA-Konzerns (Fiat Chrysler Automobiles) in Norditalien. Mitsamt einem amtlichen Rundkurs. Und einer Horde Giulias. Quadrifoglios!

Die Schaltzentrale. Der rote Knopf links dient auch der Ausschüttung von Testosteron (Foto: Bernd Conrad).
Die Schaltzentrale. Der rote Knopf links dient auch der Ausschüttung von Testosteron (Foto: Bernd Conrad).

Fassen wir es noch einmal zusammen, könnte ja sein, dass es irgendjemand nicht bekommen hat: Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio heißt das neue Spitzenmodell der auferstehenden italienischen Marke. Obwohl, eigentlich ist es das Spitzenmodell der gesamten italienischen Automobilwirtschaft. Denn dieses Auto zeigt der Welt: Sie können es noch! Nicht nur Sportwagen bei Ferrari und Lamborghini bauen, nicht nur sportliche Luxusautos bei Maserati. Sondern eine Maschine zum Leben erwecken, bei der jeder zum Autofan werden muss.

Das sportliche Herz schlägt in Form eines 2,9 Liter großen V6-Triebwerks. Zwei Turbolader sorgen für ordentlichen Dampf. 375 kW / 510 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Nm. Nackte Zahlen. 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h (nochmal: dreikommaneun!) und 307 km/h Höchstgeschwindigkeit (dreihundertsieben!) sorgen schon für erste Gemütsregungen. Doch alles nichts gegen den ersten Lebendkontakt. Wenn der Sechszylinder angeworfen wird und Du sofort weißt: Dieser Sound ist Dein neues Gebet. Gasstoß. Ein Donnerhall. Kein spätpubertäres Plärren wie es der aktuelle BMW M3/M4 vormacht. Sondern der Schrei von High-Tech. Lasst mich von der Leine!

Der Fahrer wird von den perfekt passenden Sparco Sportschalensitzen (Aufpreis: 3.490 Euro) aufgesogen, die rechte Hand flippt den Hebel des manuellen Sechsganggetriebes nach links vorne, während der linke Fuß dem Gegendruck des Kupplungspedals nachgibt.

Langsam kann die Giulia Quadrifoglio auch. In der Boxengasse (Foto: Bernd Conrad).
Langsam kann die Giulia Quadrifoglio auch. In der Boxengasse (Foto: Bernd Conrad).

Rund fünf Millionen Haare hat ein Mensch auf seinem Körper. Jetzt stellt sich jedes einzelne auf. Du sitzt tatsächlich im Quadrifoglio und bestimmst Dein Schicksal selbst. Ausfahrt aus der Boxengasse, Vollgas auf die Strecke. Das Auto schnalzt mit einer Wucht nach vorne, dass Du kurz überlegst, ob gerade Anbauteile von der Karosserie fliegen. Aber keine Zeit zum Nachdenken, die erste Schikane rast auf mich zu. Besser gesagt: Die Giulia auf die Schikane. Mit knapp über 180 Sachen. Brutaler Tritt aufs Bremspedal und BÄM – das Gehirn knallt von innen gegen die Stirn. Die Karbon-Keramik Bremsanlage von Brembo (gepflegter Aufpreis: 7.300 Euro) schafft es, dem unfassbaren Vortrieb in Nullkommanix ein Ende zu setzen. In nur 32 Metern soll die Giulia Quadrifoglio von 100 auf Stillstand zu bringen sein.

So tief fallen wir nicht, mit um-die-50 und einem Lenkradlupfer nach links, dann einem nach rechts, lasse ich die Schikane wieder sie selbst sein und weiter geht es. Im Kurvengeschlängel der folgenden paar Kilometer überrascht, wie leicht beherrschbar der starke Alfa trotz der mechanischen Urgewalt ist. Vom ersten Moment an hast Du das beruhigende Gefühl, stets volle Kontrolle über die Giulia zu haben. Sie gleitet Dir nicht aus der Hand. Eine perfekte Gewichtsverteilung von je 50% auf Vorder- und Hinterachse sorgen ebenso für Zucht und Ordnung wie eine mechanische Sperre an der Hinterachse. Elektronisch geregelt verteilt sie die Leistung zwischen den Hinterrädern. Mit einem Yuppie-Kram wie Allradantrieb lässt sich eine Giulia Quadrifoglio nämlich nicht das Leistungsgewicht versauen. 285 Millimeter breite 19-Zoll-Walzen an der Hinterachse sorgen dafür, dass der Asphalt die Gebote des Bi-Turbos erhört. Den letzten Rest regelt die Elektronik.

Dazu gehört auch das ESP. Mit dem „Race“ Modus, der die von den irdischen Giulias bekannte DNA-Regelung bereichert, schickt man das in den Urlaub. Dann ist es ein leichtes, das hinterradgetriebene Viech quer zu treiben. Wenn man es kann. Ob man sich traut oder nicht, diese Frage beantwortet das Auto: Giulia scheint mir Dir zu sprechen, sie bereitet Dich in Echtzeit auf das vor, was sie mit Dir machen will – und mit sich machen lässt. Selten hat ein derart starkes Auto von Beginn so viel Vertrauen erweckt.

Umsteigen in die Automatikversion. Während die Giulia Quadrifoglio in den meisten Märkten, so auch in Deutschland, vorerst nur mit Schaltgetriebe verfügbar ist, kann man z.B. in England schon die Achtstufen-Automatik ordern.

Liebe Leser, bevor jetzt jemand wegen dem Wandler „Blasphemie“ zu rufen beginnt, lasst Euch bekehren. Der Automatik gelingt das Unfassbare: Nochmalige Fahrspaßsteigerung.

Hellwach sortiert sie die Übersetzungen und hat den passenden Gang schon parat, während der Mensch noch den Gedanken an das Schalten formt. Außerdem sind die steten Zwischengastöne beim Herunterschalten Musik.

Der Prophet zeigt sich: 2,9 Liter V6 Bi-Turbo mit 510 PS (Foto: Bernd Conrad).
Der Prophet zeigt sich: 2,9 Liter V6 Bi-Turbo mit 510 PS (Foto: Bernd Conrad).

Zum Abschluss begnüge ich mich mit dem Beifahrersitz und lasse einen Alfa Romeo – Werksfahrer an Steuer. Während er mir zeigt, dass mein „schnell“ durch sein „richtig schnell“ aber so was von egalisiert wird, bestätigt er meinen Hang zur Giulia Quadrifoglio Automatik. „Für das Driften um den Kurs“, sagt er, „nehme ich den Handschalter, um richtig schnell zu sein, die Automatik“.

Fazit:

Ja, die Giulia Quadrifoglio wird in den Gazetten ihre Vergleichsteste verlieren. Gegen M3, C63 und RS4. Weil dann der mangelnde Raum im Fond moniert wird, das nicht ultimative Infotainment und weitere Alltagsproblemchen.

Die Herzen der Kunden wird das Auto aber im Sturm aus den Endrohren erobern: Als perfekter Alltags-Sportwagen. „Ferrari wird nie ein Auto mit vier Türen bauen“ ertönte es oft genug aus Maranello. Jetzt wissen wir, warum: Es heißt Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio.

 

Technische Daten Alfa Romeo Quadrifoglio

Hubraum 2891 ccm
Leistung 375 kW / 510 PS bei 6.500 U/min
Maximales Drehmoment 600 Nm bei 2.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h  3,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 307 km/h
Norm-Verbrauch kombiniert 8,5 L. / 100 km (NEFZ halt..)
Grundpreis 71.800 Euro (mit Sechsgang-Handschaltung)

 

 

 

Erster Test: Der Mitsubishi Space Star 2016

Kein Blödsinn

Wer sich den „neuen“ Space Star anschaut, der erkennt viel vom „alten“ Space Star. Hier steht kein neues Auto vor einem, sondern weiterhin der pragmatische Kleinwagen, an den man sich bereits gewöhnt hat. Und das ist gut so. Denn was der Space Star kann, ist eine verlorene Tugend: Er konzentriert sich auf das wesentliche. Mit einer Ausnahme! 

Testfahrt 05 Mitsubishi Space Star 2016

Mitsubishi Space Star (2016) im Fahrbericht

Am kommenden Samstag, den 9. April, feiert man bei den Mitsubishi-Händlern in Deutschland den Marktstart für den neuen Space Star. Wobei neu übertrieben ist. Es ist ein solides Facelift mit ein paar schönen neuen Details in der Optik und ein paar sinnvollen Details bei der Ausstattung.

Frisches Design, verbessertes Fahrwerk, aufgewerteter Innenraum

Basis, Plus und Top sind die Ausstattungslinien des neuen Space Star. Mitsubishi macht es den Käufern leicht, sich in den Optionen und Möglichkeiten zurecht zu finden. Neben den Ausstattungslinien sind es zwei Motoren und ein Automatikgetriebe, das man auswählen kann. Wer sich nicht für die stufenlose Automatik entscheidet, die es im übrigen nur in der „Top-Ausstattung“ gibt, der kann zwischen 71 und 80 PS wählen. Beiden Motoren gemein: Es sind Dreizylinder. 999 ccm für den 71 PS-Motor und 1.193 ccm für den 80 PS-Motor.

Testfahrt 06 Mitsubishi Space Star 2016

So fährt sich der 71 PS Space Star in der Plus-Ausstattung

Eine sinnvolle Konzentration auf das wesentliche macht den Space Star aus. Ein Auto, mit dem man zu einem fairen Kurs von A nach B kommt. Zuverlässig. Ohne sich mit unnötigem Ballast zu behängen. Das macht den Space Star aus. Auf seinen nicht einmal 3.80 Metern finden dennoch fünf Türen Platz. Immer. Einen Dreitürer wird man nicht anbieten. Auch die Stufenheck-Variante nicht. Ästheten atmen auf. Pragmatiker wären vermutlich von diesem – bei uns weitgehend unbekannten Vertreter – begeistert.

Der kleine Rabauke unter der Motorhaube zieht wacker und tapfer durch das Drehzahlband. Von seiner Dreizylindrigkeit kann er nicht ablenken. Das Klangbild bleibt immer prägnant und deutlich „unrund“. Aber nach ein paar Kilometern fragt man sich: Was braucht man eigentlich noch? Bereits der 1-Liter Benziner reicht aus. Die Plus-Ausstattung mit den wichtigsten Safety-Features wie ABS, ESP und 6 Airbags wird von einem Berganfahr-Assistenten und dem Bremsassistenten unterstützt. Dass der Motor zudem über eine Start-Stopp Automatik verfügt, die Insassen elektrische Fensterheber in Reihe eins haben und das in Serie verbaute Audiossystem mit MP3s umgehen kann und einen USB-Port hat, vervollständigt den Eindruck vom „sinnvollen, erwachsenen, aber günstigen Auto“. Mehr muss es ja eigentlich gar nicht sein.

Die Platzverhältnisse in Reihe eins sind überzeugend. Mit seinen 1.66 Metern ist der Space Star breit genug, damit man als Fahrer nicht das Gefühl hat, der Beifahrer würde einem auf den Schoss rutschen wollen. Auf der anderen Seite wirkt der Space Star in der Stadt handlich und auf Autobahn-Baustellen ist er schmal genug, damit man keine Platzangst bekommt.

Wer den 1-Liter Motor und das 5-Ganggetriebe ordentlich arbeiten lässt, der schafft es in 13.6 Sekunden auf Tempo 100. Und bei 172 km/h ist Ende Gelände. Aber das ist nur halb so wichtig. Wie der Wendekreis. Mit 9.20 Metern wird der „Space Star“ zum „Wendekreis-Star“ in der Stadt.

Testfahrt 02 Mitsubishi Space Star 2016

80 PS und die Top-Ausstattung

Es geht nichts über ein wenig mehr an Leistung. Der 80 PS Motor ist vor allem deswegen die attraktivere Wahl, weil sein Hubraum-Plus zu einem Plus an Drehmoment führt und das auch noch früher anliegt. Mit 106 Nm bei 4.000 Umdrehungen ist der 1.2 Liter deutlich agiler als das Basistriebwerk mit seinen 88 Nm bei 5.000 Umdrehungen.

Die Motoren sind dennoch „alte Bekannte“. Man kennt die Triebwerke. Der Fortschritt steckt in einer Überarbeitung des Fahrwerks. So spricht Mitsubishi von einem modifizierten Fahrwerk. Mehr Fahrspaß und Handlichkeit versprechen uns die „Drei Diamanten“ für den neuen Space Star. Handlich ist er auf jeden Fall. Das haben wir selbst erfahren.

Für einen Kleinwagen ist der Space Star erstaunlich souverän im Handling.

Apple CarPlay im neuen Mitsubishi Space Star Im neuen Mitsubishi Space Star bietet der Hersteller aus Japan nun auch ein Multimedia-System mit Apple Car Play und Android-Anschluss an. Damit gewinnt der Kleine mit den drei Diamanten im Kühlergrill an Unterhaltungswert.

Posted by MEIN AUTO BLOG on Dienstag, 5. April 2016

Apple und Android an Bord

Fünf Erwachsene passen in den Space Star und dann bleibt immer noch Platz für zwei, die heute ganz besonders wichtig sind: Apple CarPlay und ANDROID Auto. Die beiden Schnittstellen für die Integration des eigenen Smartphones in das Auto. Ohne geht es heute einfach nicht mehr. Mitsubishi hat das eingesehen und bietet ein neues Multimediasystem mit gelungener Integration der beiden Smartphone-Welten an.

Testfahrt 07 Mitsubishi Space Star 2016

Fazit: Kein Platz für Blödsinn

Starke Argumente zum Start

Eigentlich kostet der Einsteiger Space Star 9.990 €. Zum Marktstart im April will uns Mitsubishi aber etwas besonders Gutes tun und zahlt 2.000 € aus der eigenen Tasche. Damit wird der Basis Space Star zum unschlagbaren Neuwagen-Angebot. Die von uns empfohlene Variante nennt sich jedoch „Intro Edition+“ und kostet mit dem 80 PS Benziner und dem manuellen Getriebe 11.990 €.

Dann ist auch das neue Multimedia-System mit Apple CarPlay und Android Auto mit an Bord.

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Der Fahrzeugschein für den Mitsubishi Space Star 1.2 (2016)

Verkaufsstart:  April 2016
Basispreis:  Ab 9.990 € (2.000 € Bonus zum Marktstart)
Motorleistung:  71 PS 1.0 Liter, 3-Zylinder / 80 PS 1.2 Liter 3-Zylinder
Antrieb und Getriebe:  5-Gang manuell, oder CVT-Automatik
Beschleunigung:   13.6 / 11.7 Sekunden für 0-100 km/h
Verbrauch – kombiniert:  4.0 – 4.3 L/100km
Höchstgeschwindigkeit:  172 / 180 km/h
Länge, Breite, Höhe, Radstand  3.795, 1.665, 1.505, 2.450 mm

 

Toyota RAV4 Hybrid

Im Fahrbericht: Der neue Toyota RAV4 Hybrid

Toyota hat die seit 2013 erhältliche vierte Generation des RAV4 überarbeitet und führt erstmals für den RAV4 eine Hybrid-Variante ein. Besser spät als nie.

Toyota treibt die Hybridisierung der eigenen Modellpalette voran und positioniert den RAV4 Hybrid als Top-Modell der 4. RAV4-Generation. Das ist gewagt, aber konsequent. Die Rolle des Diesels wird minimiert, der Benziner weiterhin stiefmütterlich behandelt. Der Weg ist also geebnet für den Hybriden.

Erste Fahrt mit dem neuen Toyota RAV4 Hybrid

Exterieur & Interieur

Über die Optik ließe sich streiten – oder eben nicht, wie das mit Geschmäckern so ist. Für mich ist der RAV4 mit der Modellüberarbeitung optisch gereift. Er wirkt verjüngt, moderner, im Rahmen der Möglichkeiten eines SUVs eleganter. Die Front wurde umfangreich überarbeitet und neu modelliert. Sie wurde geschärft und erscheint prägnanter. LED-Scheinwerfer gibt’s beim Hybrid serienmäßig obendrauf.

Toyota RAV4 Hybrid Frontalansicht

Am Heck fallen die Retuschen etwas sparsamer aus. Die neuen Rückleuchten in LED-Technik werten das Heck auf und erinnern mich an den jüngst aufgefrischten Lexus GS.

Auch im Interieur wurde der RAV4 aufgewertet. Es kommen neue Materialien zum Einsatz, Qualitätsanmutung sowie Haptik seien verbessert worden. Die durchgehend blaue Beleuchtung von Kombiinstrument und diversen Schaltern greifen das blaue Hybrid-Thema von Toyota auf.

Toyota RAV4 Hybrid Interieur

2AR-FXE – Der Antrieb

Wir können von Glück reden, dass der bekannte 1.8er 70-kW-Verbrenner aus Prius und Auris Hybrid nicht zum Einsatz kommt. Der wäre mit den mindestens 1.625 Kilogramm Leergewicht des RAV4 Hybrid überfordert. Stattdessen gibt es einen 2.5-Liter-Vierzylinder, der im Atkinson-Zyklus arbeitet und an einen 105-kW-Elektromotor gekoppelt ist.

Toyota RAV4 Hybrid Heckansicht

Mit dem 2AR-FXE kommt unter der Bughaube ein ähnlicher Antriebsstrang wie im Lexus IS 300h oder GS 300h (2AR-FSE) sowie der identische Strang aus dem Lexus NX 300h oder dem aktuellen Toyota Camry Hybrid zum Einsatz. Letzterer ist in Europa leider nicht erhältlich. Optional wird der RAV4 Hybrid in der Allrad-Version e-Four angeboten, der mittels eines weiteren E-Motors an der Hinterachse realisiert wird.

Toyota RAV4 Hybrid – Auf Fahrt

Fahrerisch präferiert der RAV4 Hybrid das gemütliche Cruisen und Gleiten; am liebsten in der Stadt, wo er besonders oft rein elektrisch unterwegs ist und durch häufiges Stop&Go viel rekuperieren kann. Mir scheint der RAV4 Hybrid das ideale SMV zu sein – Soccer Mum Vehicle.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Heckansicht seitlich

Wer in der Stadt unterwegs ist, das Fahrpedal streichelt und ihm maximal die Zwei-Drittel-Stellung antut, erlebt angenehm zügiges Vorankommen ohne Lärmbelästigung. Das teils anstrengende hohe Drehzahlniveau, das für zügiges Vorankommen gehalten wird, liegt nun nicht so schnell und häufig an. Insgesamt führt das zu entspannterem Fahren. Das Hybrid-Gefährt bewegt sich flott, tut dabei nicht weh und ist genügsam im Verbrauch. Für städtisches Geplänkel sieht der RAV4 Hybrid auch ganz hübsch und bullig aus.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i Kombiinstrument

Mithilfe der simulierten Gangstufen des stufenlosen CVT-Getriebes lässt sich die Motorbremse zum Rekuperieren nutzen, je nach Pedalstellung lässt sich bis zu einem Tempo von 70 km/h rein elektrisch dahingleiten. Mit ein wenig Sensibilität lassen sich sowohl in der Stadt als auch außerorts Verbräuche deutlich unter sechs Liter erzielen.

Wer es dagegen dynamischer mag, muss in vielerlei Hinsicht Abstriche machen. Der Hybrid-Antrieb mag geeignet sein, seinen Fahrer zu effizienterem Fahren zu erziehen. Das funktioniert in der Praxis auch wirklich gut. Wer den Umstand ignoriert, gerade einen Hybriden zu bewegen, der mag sich am hochdrehenden Sauger stören – auch wenn dieser akustisch zurückhaltender agiert als etwa im Auris Hybrid oder Yaris Hybrid.

Allerdings war auf kurvigem Geläuf deutlich zu spüren, dass der RAV4 von Dynamik nicht allzu viel hält. Die zu weiche Fahrwerksabstimmung und die etwas gefühllos geratene Lenkung sowie der hohe Schwerpunkt, der zu unschönen Wankbewegungen führt, schmälern das Fahrerlebnis auf der kurvigen Landstraße. Zu früh gerät der RAV in den Grenzbereich und darüber hinaus, um von der Fahrdynamikregelung zurechtgestutzt zu werden.

Symptomatisch ist dabei auch, dass bei stärkerem Anbremsen die Warnblinkanlage aktiviert wird oder das ABS bei einer Gefahrenbremsung überfordert wirkt. Insbesondere letzteres führte in einer leichten Rechtskurve zu hässlichem Schieben und Untersteuern. Vom Allradantrieb war kein Vorteil in Sachen Traktion, Sicherheit oder Kurvenstabilität zu spüren. Hier hatte ich mir deutlich mehr erwartet.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Seitenansicht

Selbstverständlich entspricht dieser etwas zackigere Fahrstil nicht der natürlichen Haltung eines zeitgenössischen SUV. Aber das Herantasten an den individuellen Grenzbereich eines Fahrzeugs kann Schwächen in der Abstimmung offenbaren – so wie hier. Insbesondere in kritischen Fahrsituationen wie einem Ausweichmanöver oder einer Vollbremsung können sich die eigenartige ABS-Abstimmung, die zu weiche Feder-Dämpfer-Kombination und der trotz der schweren Batterien hohe Schwerpunkt nachteilig auswirken.

Meines Erachtens sollte Toyota in puncto Fahrwerks- und ABS-Abstimmung dringend Hand anlegen. Natürlich ist der RAV4 in erster Linie komfortabel ausgelegt, allerdings darf dies nicht zu solchem Fahrverhalten führen.

Toyota RAV4 Hybrid – Fazit

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Vorderansicht

In der Stadt funktioniert der Toyota RAV4 Hybrid ganz wunderbar. Hier fühlt er sich zu Hause, allein im Urbanen erfüllt er seinen Zweck zur Gänze. Ich sehe ihn als Kindergarten-Schlachtross, mit dem Mami Kind und Kegel chauviert, Einkäufe erledigt und dabei möglichst effizient unterwegs sein möchte, ohne auf die Vorzüge eines SUVs verzichten zu müssen. In diesem Sinne betrachte ich den RAV4 Hybrid als Soccer Mum Vehicle.

Der Toyota RAV4 Hybrid lässt sich unaufgeregt und entspannt fahren. Ohne Hektik gleitet der Hybrid oftmals geräuschlos und damit lokal emissionslos durch urbanes Gelände dahin. Dagegen ist tatsächliche Geländegängigkeit nicht die Stärke des RAV – wie es sich für ein zeitgenössisches SUV geziemt. Erstmals kann und darf ein Hybrid von Toyota auch ziehen, bis zu 1.650 kg Anhängelast sind drin.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Logo

Der Toyota RAV4 Hybrid steht seit dem 29. Januar 2016 beim Händler und ist mit Frontantrieb ab 31.990 € erhältlich. Die Allrad-Variante kostet 3.000 € Aufpreis. Reichhaltig fällt für den Hybriden die Serienausstattung aus. Unter anderem gehören Voll-LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Geschwindigkeitsregelanlage, 7’’-Touchscreen mit Rückfahrkamera sowie das schlüssellose Zugangs- und Startsystem zum Standard.
Ganz zeitgemäß sind zahlreiche Assistenzsysteme gegen Aufpreis erhältlich.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Seitenansicht

Technische Daten

technische Daten
Toyota RAV4 2.5 Hybrid (2016)
Motorcode 2AR-FXE
Motor-Bauart R4-Ottomotor im Atkinson-Zyklus + Elektromotor | 16 Ventile | DOHC | variable Ventilsteuerung (Dual VVT-i)
Hubraum 2.494 cm³
Bohrung x Hub 90,0 x 98,0 mm
Verdichtungsverhältnis 12,5:1
max. Drehmoment 206 Nm bei 4.400–4.800 U/min
max. Leistung E-Motor (front // heck) 105 kW/143 PS // 50 kW/68 PS
max. Drehmoment E-Motor (front // heck) 270 Nm // 139 Nm
Systemleistung 145 kW / 197 PS bei 5.700 U/min
Hybrid-Batterie Nickel-Metallhydrid (NiMH)
Antriebsart Frontantrieb (optional Allrad)
Getriebe e-CVT (stufenloses Automatikgetriebe)
Beschleunigung 0–100 km/h 8,3 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h (abgeregelt)
Leergewicht 1.625–1.785 kg
zulässiges Gesamtgewicht 2.205–2.270 kg
Bereifung 225/65 R17 // 235/55 R18
Länge / Breite / Höhe 4.605 / 1.845 / 1.675 mm
Radstand 2.660 mm
Wendekreis 11,4–12,0 m
Anhängelast (gebremst) 1.650 kg (AWD) / 800 kg (FWD)
Bodenfreiheit 177 mm
Böschungswinkel vorn / hinten 19° / 22°
cw-Wert 0,34–0,36
Kofferraum-Volumen 501–1.633 l
Verbrauch gesamt 5,1–4,9 l Super
CO2-Emissionen 118–115 g/km
Tankinhalt 56 l
Effizienzklasse A+
Abgasnorm EURO 6
Grundpreis 31.990 €

Mit dem Amarok: Jenseits von Afrika

Neue Autos vorstellen kann jeder. Alles poliert, alles frisch, alles bestens. Was soll da schon schief gehen? Wie aber bewährt sich ein Wagen, der mehr als 60.000 Kilometer auf dem Buckel hat, davon die meiste Strecke abseits befestigter Straßen?

Ein Pick-Up, der von Deutschland bis nach Südafrika und wieder zurück gefahren ist und dem in seinem Autoleben Abenteuer-Trips in rauer Umgebung wie auf Island oder in Chile abverlangt wurden? „Da muss man beim Verschleiß eigentlich die zehnfache Laufleistung ansetzen“, sagt Matthias Göttenauer, einer der Geschäftsführer von „Experience“, einem Offroad-Veranstalter aus Fulda. Dem 49-jährigen Outdoor-Spezialisten gehört ein halbes Dutzend VW Amarok. Einer diente unter anderem dem Volkswagen-Motorsport-Werksteam als Servicefahrzeug bei der Rallye Dakar. Schlimmeres kann man einem Serienauto kaum zumuten. Auch der dreckige Sprit in den Schwellenländern ist eine ständige Gefahr.

Volkswagen zuckte daher zunächst auch kurz, als Göttenauer der Nutzfahrzeug-Sparte in Hannover vorschlug, den geschundenen Pritschen-Lastern erneut auf die harte Tour zu kommen und mit ihnen das südliche Afrika unter die Räder zu nehmen. Insgesamt mehrere tausend Kilometer Off-road-Abenteuertour. Eine Herausforderung mit einem nicht unerheblichen Risiko. Doch letztlich siegte das Vertrauen in die Robustheit von Volkswagens Arbeitstiers Amarok. Der Vorstand willigte ein.

Schon beim Landeanflug auf Maun, gesprochen Ma-un, in Botswana sieht man aus dem Kabinenfenster, dass da unten „normale“ Pkws zur automobilen Minderheit gehören. Die Mehrheit sind in der Tat Pick-ups. Doch keinesfalls, wie teilweise bei uns, lässige Lifestyle-Laster, sondern reine Nutzfahrzeuge in unterschiedlichen Größen. Motto „Es gibt immer was zu transportieren“, Baustoffe, Brennholz, Tiere, Menschen. Nicht selten hockt eine ganze Schar Kinder auf der Pritsche. Sitze? Gurte? Fehlanzeige. Isofix-Befestigungen? Nie gehört. Bei uns hätte diese Art der Beförderung sicher einen Großeinsatz der Polizei zur Folge. Hier juckt es niemanden.

Volkswagen Amarok 006 Jenseits von Afrika

40° im Dezember

Wir sind in Afrika. Das Leben funktioniert hier anders. Es ist ursprünglicher, längst nicht so perfektioniert, wie wir es gewohnt sind. Erst recht nicht in Botswana, das uns im Dezember bei Temperaturen von über 40 Grad Celsius empfängt. Maun gilt als Tor zum berühmten Okavango-Delta. Dort können Touristen „African Wildlife“ vom Feinsten erleben. Dutzende Lodges bieten nicht nur exklusive Aufenthalte, sondern auch sogenannte „Game Drives“ an. Das hat aber nichts mit Spielsucht zu tun. Game ist die Übersetzung für Wild. Und die Chancen stehen recht gut, dass einem auf diesen Safari-Touren – meist im speziell hergerichteten Toyota Land Cruiser – die „Big Five“ (Löwe, Leopard, Büffel, Elefant und Nashorn) vor die Linse laufen. Die Beobachtung von wilden Tieren ist zu einem wichtigen Wirtschaftszweig in Botswana geworden. Teile des Geldes werden unter anderem zum Artenschutz und zum Kampf gegen Wilderer verwendet. Letztere haben es besonders auf das Nashorn abgesehen. Ein Horn kann auf dem Schwarzmarkt bis zu 100.000 Euro erzielen und wird in Vietnam und China immer noch als vermeintlich potenzsteigerndes Mittel gehandelt. „Absoluter Schwachsinn, biologisch sind die Hörner nichts anderes als Fingernägel“, ärgert sich unser Ranger Steve, der uns auf wenige Meter an die urzeitlichen und tonnenschweren Tiere heranbringt.

Volkswagen Amarok 002 Jenseits von Afrika

Essen auf Rädern? Mal anders!

Selbst fahren dürfen wir in diesen Reservaten, die teils bis zu 75.000 Hektar große sind, nicht. Aus gutem Grund. Wer will sich schon wie „Essen auf Rädern“ fühlen? Aber Botswana, Zimbabwe und das nördliche Südafrika bieten noch genügend andere Auto-Abenteuer. Schon die Infrastruktur in diesen Ländern ist nicht mit der unsrigen zu vergleichen. Nur die größeren Verbindungen sind asphaltiert. Viele Straßen und Wege sind staubige „gravel roads“. Diese muss sich der Autofahrer auch noch mit Rindern, Ziegen und Eseln teilen, die – ohne jeglichen Zaun getrennt – am Straßenrand das letzte bisschen Grün aus der trocknen Erde rupfen. Oft genug stehen die Viecher auch direkt auf der Straße oder trotten unvermittelt über diese. Mit nicht immer optimalem Ausgang – meist für das Tier. Kadaver in unterschiedlichen Verwesungszuständen sind stumme Zeugen links und rechts des Fahrstreifens. Niemand fühlt sich verantwortlich, sie zu entsorgen.

Volkswagen Amarok 003 Jenseits von Afrika

Badewannengroße Schlaglöcher

Hohe Konzentration vom Fahrer erfordern auch die manchmal badewannengroßen Schlaglöcher und Unterspülungen auf den Nebenstrecken. Gleiches gilt für tiefe Spurrillen und Waschbrett-Pisten, die Auto und Insassen mitunter arg zusetzen. Bei Dunkelheit sollte man hier besser nicht unterwegs sein. Umso freudiger das Erlebnis allerdings, wenn die Sand- und Schotterpisten relativ eben verlaufen. Die Diesel schnurren, mit bis zu 120 km/h fegen die Amarok über sie hinweg, ziehen lange Staubfahnen hinter sich her. Eine herrliche Art, Auto zu fahren. Weiter entfernt als von unserem überreglementierten Verkehr und dem alltäglichen Stau- und Autobahnstress kann man da gedanklich nicht mehr sein.

Übertroffen wird dies nur noch, wenn es gilt, anspruchsvolles Terrain zu durchqueren. Wozu natürlich auch Wasser zählt. „Kein Afrika-Trip ohne die obligatorische Flussüberquerung“, sagt Tour-Guide Matthias Göttenauer. Meist jedoch geht es da um ein paar knietiefe Pfützen, etwas Sand und Geröll. Der Flusslauf, an dem sich unser Tross sammelt, hat es allerdings in sich. Nicht ohne Grund gibt es hier einen Fährbetrieb, wenn auch nicht ganz nach deutschem Maßstab. Auf einem Ponton ein paar Bretter, dazu ein Geländer mit einigen Rettungsringen (immerhin) und daneben ein kleines Beiboot mit Außenbordmotor. Kapazität der Fähre: ein Auto. Wegen der knappen Zeit entscheidet Afrika-Experte Matthias daher nicht zur Über- sondern zur Durchfahrt.

Volkswagen Amarok 004 Jenseits von Afrika

Grundregel Nummer 1

Es erfordert einigen Mut, ein unbekanntes Gewässer auf diese Art zu durchqueren. Grundregel Nummer eins: Stets zuvor zu Fuß die Fluten durchschreiten, um Untergrund und Tiefe zu checken (Krokodile sollen hier keine drin sein, bestätigten uns die Einheimischen). Nummer zwei: Nie fahren, ohne dass ein zweites Auto am Ufer bleibt, das einen notfalls wieder herausziehen kann. Amerok-Anführer Göttenauer, bereits bis zur Hüfte im Wasser, streckt den Daumen nach oben und ist sich sicher: Der allradgetriebene Pick-up wird es packen.

Jetzt nur noch die Differenzial-Sperre einschalten und ab in die Fluten. Im Schritttempo geht es voran. Schneller wäre nicht gut, weil der Wagen sonst aufschwimmen würde und die Räder die Bodenhaftung verlieren. Der Amerok sinkt bedrohlich tief ein, teilweise ist nicht einmal mehr das VW-Emblem im Grill zu sehen. Wasser strömt über die Motorhaube. Doch liegen Elektronik und der Ansaugstutzen für die Luft glücklicherweise noch höher. Auch unsere Füße bleiben trocken, kein Tropfen ist in den Innenraum gedrungen. Als wäre nichts gewesen, erreicht der Konvoi das Ufer auf der anderen Seite – übrigens sehr zum Erstaunen des Fährmanns, der in diesem Moment vermutlich schon seine Geschäftsgrundlage davon schwimmen sah.

Volkswagen Amarok 001 Jenseits von Afrika

Afrika-Prüfung für den Amarok

Die Amarok-Tage im südlichen Afrika waren nicht nur geprägt von unvergesslichen Momenten, sondern zeigten auch, wie anders man hier mit dem Auto umgeht, wie anders die Ansprüche an Mobilität sind, wie wenig das Auto als Statussymbol dient und wie sehr Robustheit und Zuverlässigkeit zählen. Keiner stört sich an Kratzern und Steinschlägen im Lack, keiner an einem halben Millimeter zu viel Spaltmaß am Armaturenbrett und schon gar keiner vermisst irgendwelche elektronischen Hilfen wie Abstandsradar, Einpark-Pilot, Head-up Display oder einen Spurhalte-Assistenten. Autofahren kann eben auch in ganz einfacher und ursprünglicher Art Spaß machen.

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Fahrspaß-Gigant: Toyota GT86

Toyota gibt uns den Fahrspaß zurück. Zum kleinen Kurs!

Toyota GT86 – Großer Spaß, trotz überschaubarer Leistung und fairem Einstiegspreis!

Toyota? Das sind doch die mit dem Hybrid-Thema. CO2 und Ökologie verpackt in eine Karosse, die nach Waldorfschule und Vollkorn-Müsli riecht. Prius. Wir wissen Bescheid. Aber ausgerechnet die Japaner haben den Fahrspaß für Petrolheads zurück in das eigene Voll-Sortiment geholt und tüten jetzt, zum fairen Kurs, 200 PS und Hinterradantrieb in eine klassische Sport-Silhouette ein.

Klassisches Rezept. Klassisches Lachen im Gesicht: Hinterradantrieb, gute Balance, wenig Gewicht! 

Autos werden heute zu fahrenden Wellness-Oasen, Sitzheizung und Massage zum Standard erhoben. Am Ende stehen wir im Stau, nutzen den Staufolge-Assistenten und wundern uns, was wohl aus diesem „Fahrspass“ wurde, den man mal kannte. Früher. Als man am Sonntag in aller Herrgottsfrühe in das Auto sprang, den Motor startete und einfach losfuhr.

Berg- und Tal, Kurven mit wechselndem Radius, der Griff in die Schaltbox, das direkte Feedback vom Popometer über die Befindlichkeiten der Fahrbahn. Dafür gibt es doch kaum noch ein Auto. Und schon gar keines von einem „Hybrid-Experten“. Mag man denken. Doch der Toyota GT 86 belehrt uns eines besseren!  Ausgerechnet diese „ach so vernünftigen“ Japaner haben seit drei Jahren einen handlichen Sportwagen im Programm, der alle diese früheren Argumente zum Thema „Freude am Fahren“ noch kennt! Und beherrscht.

Toyota GT86 006 Fahrspass Fotos Harald Dawo

6.75 Kilogramm je PS

Ein Vierzylindriges-Boxer-Aggregat mit zwei Liter Hubraum und ohne Aufladung. Schmale A-Säulen, ein dynamischer Coupé-Dachbogen und ein kurzes Heck mit kleinem aufgesetzten Flügel. Dazu ein Radstand von 2.57 Metern, der gerade genug Platz für die großen Türen und den 2+2 Sitzer Innenraum lässt. Die Überhänge vorne und hinten bleiben kurz. Die vorderen Kotflügel mit prägnanten Ausformungen betonen die kraftvolle Seitenlinie. Fertig ist der GT 86 – ein Fahrzeug, das im Namen die Hommage an einen anderen Klassiker aus dem Hause Toyota trägt (zum AE86 auf Wiki). Zugleich ist die 86 auch das Bohrungsmaß und der Hub der vier Zylinder in Millimeter. Output des klassischen Saugmotors? 200 PS.

Ja, es gibt nur ein Antriebslayout für klassische Sport-Coupés: Motor vorne, Antrieb hinten. Der GT 86 macht da keine Ausnahme.  Mit einem Leergewicht von knapp über 1.300 kg zeigt sich der Nippon-Sportler auch auf der Waage noch unterhalb der „Wohlstands-Speck-Marke“ und kommt so auf ein Leistungsgewicht von 6.75 kg je PS. Das reicht aus.

Ach ja, auch die beiden Auspuffrohre am Heck stehen zur 86. Mit 8.6 Zentimeter Durchmesser sind die beiden Rohre eine deutliche Ansage an den Willen zur freien Kraftentfaltung des drehfreudigen Boxermotors.

Toyota GT86 007 Fahrspass Fotos Harald Dawo

Pure. 

Als Toyota GT86 „Pure“ stehen 28.900 € auf der Preisliste. Das ist der Einstieg in eine vergessene Fahrspaß-Welt. Und das ist auch meine Empfehlung. Sicher. Man könnte sich am TRD-Programm bedienen, den GT 86 mit Spoilerwerk, Flügelchen und Schwellern besetzen. Muss man aber nicht. Gerade die wohlig unverklärte Sicht auf die Reduzierung der Umstände, das macht den GT 86 aus. Und da ist die Basis-Variante genau richtig.

Das Fahrwerk des GT 86 ist trocken und knackig abgestimmt, ohne dabei so hart zu sein, dass man die Farbe der Begrenzungslinie beim Überfahren heraus lesen könnte. Beim Basis-Pure kommen zudem vernünftige 16-Zoll Räder hinzu. Mag „sparsam“ aussehen, aber es reicht für die simple Rückkehr zum „einfachen Fahrspaß“. Die elektromechanische Servolenkung spielt den Part des Befehlsempfängers mit Bravour. Links, rechts, weite Bögen, enge Radien – der Toyota GT 86 spielt auf kurvigen Straßen das ganze Potential seines perfekten Grundlayouts aus.

Wer es darauf anlegt und die vollständig abschaltbare Fahrdynamik-Hilfe VSC deaktiviert, der lässt den GT 86 in launigen Driftwinkeln über die Asphaltbahnen wedeln. Vollständig abschaltbares ESP.  Das alleine zeigt, wie überzeugt der Hersteller vom Konzept und der Eigendynamik des GT 86 ist.

Hinter dem griffigen Drei-Speichen Lenkrad fühlt man sich gut aufgehoben, typisch japanisch, könnte die Sitzposition noch ein Stück tiefer sein. Aber das sage ich über fast jedes Auto aus Japan. Die Sitze sorgen dafür, dass sich die Insassen eng mit dem Fahrzeug verbunden fühlen. Kritik am Hartplastik im schicken schwarz? Wen kümmert schon die Ausstattung im Innenraum, wenn der Boxermotor kehlig unter der Haube rumort und die sich Hinterräder griffig durch den Asphalt fräsen?

Toyota GT86 010 Fahrspass Fotos Harald Dawo

Wie früher: Immer schön die Drehzahlleiter hoch. 

Einen frei saugenden Boxermotor, das findet man jetzt noch nicht einmal mehr in Zuffenhausen. Der verwendete Boxermotor im GT86 ist flacher und kürzer als der Standard-Reihenvierzylinder und seine geringeren rotierenden Massen lassen den Boxermotoren eine ihnen typische Drehfreude zuteil werden.  Ideale Voraussetzungen für den Einsatz in einem sportlichen Auto. Wobei das Saugmotor-Thema aber eben auch für eine Drehmoment-Welt sorgt, die man als Standard-Turbofahrer nicht mehr kennt. Leistung kommt hier über die Drehzahl. Das Temperament auch. Also – immer schön die Nadel über 4.000 halten!

Toyota GT86 001 Fahrspass Fotos Harald Dawo

Toyota GT 86: Eine fast vergessene Fahrspaß-Welt

28.900 € ist die Zahl, die man sich merken sollte. Der Toyota GT86, ein Fluchtwagen für den Weg aus der „all-inklusive“ Sackgasse in Richtung „fahrende Sofas“. Und damit hat ausgerechnet der „ach so vernünftige“ Hersteller Toyota ein Auto im Programm, das man sich, bevor wir alle autonom fahren, noch einmal gönnen sollte! Vorausgesetzt, man mag „puren Fahrspaß“!

 

Mit dem Volvo XC 90 auf dem Mont Ventoux

I want to guard your dreams and visions

Ausfahrt im neuen Big-Boss-SUV der Schweden

Spiel den Boss. Wie gewünscht, beschallt Bruce Springsteen jetzt den Innenraum des Volvo XC 90 mit seinem legendären Road Song  „Born to Run“. Die Sprachsteuerung versteht nicht nur die komplizierten Namen der südfranzösischen Örtchen, zu denen das Navigationssystem uns bringen soll, sondern sogar den Spitznamen des  Lieblingssängers. Wer eine konventionelle Eingabe für das Infotainment bevorzugt, greift auf den 9,2 Zoll großen Bildschirm im Hochformat und seine intuitive Menüführung zurück. Jetzt geht es die gut ausgebaute Straße hinauf zum Mont Ventoux.

Einundzwanzig Kilometer schlängelt sie sich mal in weiten Schwüngen, mal in engen Kehren erst durch Kiefernwälder, dann durch struppiges Nadelgehölz, bis die Vegetation dann eher an die nordische Heimat unseres Testwagens erinnert als an die Provence.  Immer wieder fällt der Blick auf den kahlen Kegel, bis zu dem mehr als 1600 Höhenmeter zu überwinden sind. Kein Problem für den Siebensitzer mit Allradantrieb.

Test Fahrbericht AQ5R8925 Volvo XC90

Die 225 PS des Vierzylinder Diesel  treiben den über zwei Tonnen schweren XC 90 ohne spürbare Mühe voran. Trotz seiner beachtlichen Ausmaße von knapp fünf Metern Länge und fast 2,20 Breite legt er sich in die Kurven wie ein normaler PKW. Schnell und unmerklich wechseln sich die acht Gänge der Automatik ab. Die Straße ist übersät mit Sprüchen und Markierungen der Tour de France. Zuletzt 2013 war der Mont Pelé, der geschälte Berg, wie der Mont Ventoux auch genannt wird, mit seinen Steigungen von bis zu 11 Prozent  Teil der Tour.  Nicht nur deshalb  zählt die Bezwingung des  „windigen Bergs“ zu den  anspruchsvollsten Bergstrecken.

Test Fahrbericht AQ5R8687 Volvo XC90

Auf der langgezogenen Geraden am Scheitel des Bergrückens blinkt es im Seitenspiegel auf einmal hektisch auf und ein Warnsignal ertönt.  Auf den Tote- Winkel-Assistenten in dem schwedischen SUV ist Verlass. Ein Motorrad nähert sich, setzt an zum Überholen. Gut, dass gerade mal keine Radfahrer auf der Strecke sind. Das wäre eng geworden. Die nächste Kurve scheint im unfassbar blauen Himmel zu enden. Doch kurz davor lenkt uns der Spurhalteassistent ohne Pardon zurück in die rechte Fahrbahn.

Test Fahrbericht AQ5R8730 Volvo XC90

Wenn sich einer auf Sicherheit versteht, dann ist das der schwedische Autohersteller, der sein größtes SUV mit allem bestückt hat, was an Assistenten greifbar ist. So soll zum Beispiel die Run off Road Protection für den Fall, dass man von der Straße abkommt, durch elektrische Gurtstraffung und speziell konstruierte Vordersitze schweren Verletzungen vorbeugen helfen.  Gegen Ende der Strecke, unter dem Gipfel, eine letzte steile Kehre. Eiskalter Wind pfeift um das Auto. Langsam senkt sich die Sonne ab und der Schwede begrüßt die aufkommende Nacht mit seinen Scheinwerfern.

Test Fahrbericht unnamed (4) Volvo XC90

 

 

Fotos: Craig Pusey

Fahrbericht: Nissan Qashqai 1.6 DIG-T – ein starker Benziner für jede Situation

Mit dem Qashqai stellte Nissan 2006 nach dem X-Trail ein Kompakt-SUV vor, das innerhalb kürzester Zeit zum Verkaufsschlager des Autobauers aus Nippon wurde. Im englischen Sunderland liefen bis Anfang 2015 ca. 2,5 Millionen Fahrzeuge vom Band. Zur zweiten Generation des Qashqai, die im November 2013 in London vorgestellt wurde, bietet Nissan jetzt seinen neu entwickelten 1.6 Turbobenziner an, um mehr Fahrspaß und Dynamik zu bieten. Das markante SUV-Design des Qashqai strahlt sehr gut die konzeptionellen Vorzüge eines Allrounders aus. Dennoch bietet der Qashqai neben dem Design auch Komfort und nützliche Technologien. Die Preisliste des Fahrzeuges startet bei 19.990 Euro.

Nissan verleiht dem Qashqai noch mehr Fahrspaß und Dynamik mit einem 1.6 Turbobenziner

Test: Nissan Qashqai 1.6 DIG-T Acenta

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Nissan Qashqai 1.6 DIG-T Acenta.

Nissan bietet mit dem Qashqai ein Kompakt-SUV an, das nicht nur einen hohen Nutzen für die Familie oder Kunden mit außergewöhnlichen Hobbys bietet. Dynamik und Fahrspaß waren unter anderem auch die Vorgabe der japanischen Ingenieure. Um dies noch weiter auszubauen, will Nissan seinen Bestseller noch schneller und effizienter machen. Das soll mit dem 1.6 DIG-T Turbobenziner gelingen.

Der speziell auf den Qashqai abgestimmte 1.6 Liter Motor bringt 120 kW (163 PS) auf die Straße und demonstriert dies in jeder Situation. Ob auf der Autobahn, der Landstraße oder im Stadtverkehr, der Qashqai bietet komfortables Fahren mit hohem Fahrspaß. Das maximale Drehmoment von 240 Newtonmeter bei 2.000 und 4.000 U/min. lässt den Wagen sehr kraftvoll anziehen. Bei diesen Werten erkennen wir sehr gut, dass Fahrspaß und Elastizität keine Frage des Hubraums ist. So sprintet der Qashqai in 8,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Selbst bei einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, die wir auf den Autobahnen erreichen können, lässt er Geräusche im Fahrgastraum kaum zu. Aber auch die Effizienz kommt beim sportlichen Fahren nicht zu kurz. In Verbindung mit seinen 17-Zoll-Rädern erreicht er immer noch einen sehr guten Wert von kombinierten 5,8 Litern je 100 Kilometer. Die damit verbundenen 134 Gramm CO2-Emission pro Kilometer sprechen für sich. Das Aggregat, das selbstverständlich die Abgasnorm 6 erfüllt, wird serienmäßig mit einem Sechs-Gang-Schaltgetriebe und einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet.

Der frontgetriebene Kompakt-SUV mit ordentlichen Abmaßen
Das frontgetriebene Kompakt-SUV mit ordentlichen Abmaßen.

Das frontgetriebene Kompakt-SUV macht bei seinen Abmaßen von einer Gesamtlänge von 4.377 mm, einer Gesamtbreite von 1.806 mm und einer Gesamthöhe von 1.590 mm generell eine sehr gute Figur. Die dazu gehörenden Innenmaße lassen 5 Personen bequem Platz nehmen und garantieren obendrein noch ein Kofferraumvolumen von 430 Litern. Das sieht sogar nach Bestwerten in seiner Klasse aus. Möchte man den Möbel- oder Baumarkt besuchen, lässt sich der Kofferraum bequem auf 1.585 Liter erweitern. Hier hat dann der gesamte Einkauf Platz.

Einmal Platz genommen, scheint sich das ganze Cockpit dem Fahrer zuzuwenden. Alle Instrumente sowie das in der Mitte des Armaturenbretts sitzende Navigationsgerät bieten nicht zu viel, aber auch nicht zuwenig Information. Das gut strukturierte Cockpit mit seinem Instrumententräger als Blickfang und Schaltzentrale sorgt zudem für ein großzügiges Raumgefühl. Auch die extrem gut zugeschnittenen Vordersitze wirken nicht nur sehr ergonomisch durchgestylt, sondern geben Halt in jeder Fahrsituation.

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Cockpit mit klarer Gestaltung.

Mit Fahrsicherheits- und Komfortsystemen geizt der Qashqai nicht. In der Ausstattungsvariante „Acenta“, die wir testen durften, bietet Nissan serienmäßig eine Fahrlichtautomatik, einen autonomen Notbrems-Assistenten, Fernlicht- und Spurhalte-Assistenten sowie die Verkehrszeichenerkennung. Hinzu kommen weiterhin eine Geschwindigkeitsregelanlage und Geschwindigkeitsbegrenzer, ein Berganfahr-Assistent und eine Parkbremse mit automatischer Deaktivierung beim Anfahren, die sich beim Ausschalten des Fahrzeuges im Umkehrschluss aber aktiviert. Die in Kombination mit dem Navigationssystem verbundene Rückfahrkamera lässt ein sehr bequemes Ein- und Ausparken zu. Den Preis der Ausstattungsvariante „Acenta“ mit dem 1.6 Turbobenziner, dem Sechs-Gang-Schaltgetriebe und dem optionalen Navigationssystem (€ 900) legt Nissan bei 27.240 Euro fest.

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Nissan Qashqai 1.6 DIG-T Acenta

Hersteller:  Nissan
Typ:  Qashqai 1.6 DIG-T
Kasse:  SUV
Motor:  R 4
Getriebe:  Sechs-Gang-Schaltgetriebe
Antrieb:  Frontantrieb
Hubraum:  1.618 ccm
Leistung:  120 Kw (163 PS)
Drehmoment:  240 Nm bei 2000 – 4000 U/min.
Gewicht Fahrfertig:  1.390 kg
Von 0 von 100:  8.9 s
Höchstgeschw.:  200 km/h
Verbrauch (NEFZ):  5,8 Liter
CO2-Ausstoß (NEFZ)  134 g/km
Emmissionsklasse  EU 6
Effizienzklasse  B
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Fotos im Artikel und Titelbild: Stefan Beckmann
Audi A4 B9 3.0 TDI quattro S line in Tangorot

Fahrbericht: Der neue Audi A4

Vor der Weltpremiere auf der IAA 2015 in Frankfurt/Main lud Audi zum Kennenlernen des neuen Audi A4 B9 nach Venedig ein. Diese Gelegenheit konnte und wollte ich mir nicht entgehen lassen – immerhin wurde der neueste Ingolstädter Mittelklasse-Spross bereits im Vorfeld kritisiert.

2015 Audi A4 B9 3.0 TDI quattro Tangorot

Natürlich würde Audi ein sehr gutes Auto auf die Räder stellen, keine Frage. Aber in puncto Design & Technologie verhieß das bisher veröffentliche Material auf Bildern und Papier Ernüchterung. Ist diese Kritik berechtigt? »Vorsprung durch Technik« – wird der Audi A4 neunter Generation diesem Claim gerecht? Unter anderem das galt es in Erfahrung zu bringen.

Am Flughafen Venedig angelangt, schlendere ich zunächst an den verschiedenen A4-Modellen vorbei.
Gut, Silber kommt schon mal nicht in frage.
Tangorot sieht schon interessanter aus. Einfaches Chrom-Doppelrohr? Ah, 3.0 TDI. Geht doch. Nehm’ ich.
Und den 2.0 TFSI quattro in Arablau, den nehm’ ich auch.
2.0 TDI wäre auch irgendwo zu banal – wie Silber.
Knallig muss es sein.

Heck des Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro S line in Arablau-Kristalleffekt

Leidiges Thema Design – neuer A4 oder nur ein Facelift?

Im Stand gab es mit Einstandszigarette noch genügend Zeit, mit Axel Griesinger das Design des neuen Audi A4 zu begutachten. Bereits der erste Eindruck offenbart sofort, dass die bisherigen Presse-Fotos dem B9 nicht gerecht werden. Damit hatte ich bereits gerechnet, erging es mir beim Audi A3 doch genauso. Erst, als der 8V vor mir stand, konnte ich das durchdachte und stimmige Design tatsächlich Wert schätzen. Er sieht aus wie der Vorgänger? Nein, ganz und gar nicht.

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line Arablau-Kristalleffekt in der Heckansicht

Audi A4 im S-line-Trim – Detailreiches Exterieur

Es sind viele kleine Details, die in der Summe ein Exterieur-Design ergeben, das dem Betrachter schnell klar macht, hier ist mehr als bloßes Kaschieren oder Lifting passiert. Als Beispiel sei hier die Motorhaube genannt. Diese liegt quasi überlappend auf, ragt an den Seiten über die Kotflügel, sodass kein Spalt sichtbar ist. Die entstehende Kante wird als Stilelement und Lichtkante hinter den Kotflügeln fortgeführt. Aus der hässlichen Notwendigkeit wird ein schniekes Stilelement.

Absolutes optisches Highlight sind die Matrix-LED-Scheinwerfer. Über das derzeitige Audi-Design mögen viele anderer Meinung sein, aber das Scheinwerfer-Design, das haben die Jungs und Mädels aus Ingolstadt einfach drauf. Die LED-Technik lässt viel Spielraum fürs Design und das lässt sich sehen. Ob das Facelift von Audi A1 und Audi A6, A7 oder eben der neue Audi A4 – die Scheinwerfer sind Design-Stücke.

2015 Audi A4 B9 S line Arablau-Kristalleffekt LED-Matrix-Scheinwerfer im Detail

Insgesamt bleibt der A4 nach wie vor auf den ersten Blick ein Audi. Was die einen Einheitsbrei schimpfen, ist für andere Marken-Identität. So etwa der Singleframe-Grill, der am B9 flacher, breiter und schärfer gezeichnet ist. Und dass sich Audi der identitätsstiftenden Eigenschaft dieses Merkmals bewusst ist, lässt sich an weiteren Details erkennen. Der Singleframe taucht etwa im Pralltopf des Lenkrads auf und umrahmt die vier Ringe. Feine Idee.

Piekfein – Das Interieur des neuen Audi A4

Interieur des 2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line

Die Parade-Disziplin bleibt das Interieur. Passend zum Arablau des Exterieurs sind die Kontrastnähte des beigen Leders in Dunkelblau gehalten. In Kombination mit dem offenporigen Eiche-Dekor möchte mir fast das Herz aus dem Busen springen. Kein in Klarlack gebadetes Wurzelholz, sondern eine leicht rauhe, strukturierte Holzoberfläche versprühen eine feine Noblesse. Dazu passen das im Chromrähmchen eingefasste Klimabedienteil sowie die darunter angeordneten Tasten. In der Mittelkonsole wirkt das Interieur damit angenehm reduziert.

Die Schaltkulisse mit dem Wählhebel als Armauflage, die Leder-Alcantara-Kombination – hier fühle ich mich schnell heimisch, ohne von zu viel Komplexität erschlagen zu werden. Erschlagen werde ich erst, wenn ich mich in die Tiefen des MMI und des virtual cockpit begebe. Beides benötigt Eingewöhnungszeit. So faszinierend und schön anzusehen die Technik auch ist, die Kombination aus großem MMI-Display, Audis virtual cockpit und dem Head-up-Display sorgt zuweilen für Informations-Overkill.

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro S line virtual cockpit

So schön und aufgeräumt alles erscheint und so sehr Armaturenbrettstreichler ihrer haptischen Genüssen frönen können – frei von Kritik ist das Cockpit des neuen Audi A4 nicht. Persönlich halte ich das freistehende Display für eine Unart. Es zerstört das stringente Cockpit-Design. Zwar sieht es nicht ganz so schlimm aus wie die Pattex-Lösung aus dem Hause Daimler – schön ist dennoch anders. Ich sehne mich nach dem versenkbaren Display im A3, A6 und A7.

Innenraum des 2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro S line

Auch liegt der Start-Knopf meines Erachtens ergonomisch ungünstig, das ist jedoch auch eine Frage der Gewöhnung. Mein größter Kritikpunkt gilt den Schaltwippen hinter dem Lenkrad. Dem großen Premium-Anspruch, den die Ingolstädter hegen, wird das Interieur gerecht – die Schaltpaddles tun dies nicht. Diese wirken geradezu billig. Mieses, leichtes Plastik. Und das gerade bei einem Teil, an dem ich unter Umständen häufiger zupfe. Hier bitte noch einmal Hand anlegen, Audi.

Audi A4 (B9) 2.0 TFSI quattro & 3.0 TDI quattro – Auf Fahrt

Audi A4 B9 3.0 TDI quattro S line in Tangorot

Beide Motoren schieben kräftig an, ziehen unangestrengt und souverän von dannen. Sowohl der 2.0 TFSI quattro mit 185 kW/252 PS als auch der große 3.0 TDI quattro mit seinen 200 kW/272 PS verfügen über Leistung im Überfluss. Innerorts geht’s in einen Kreisverkehr und mit nur mittlerer Gaspedalstellung schiebst du die Limousine wieder raus – kurzer Blick auf den Tacho, dicht gefolgt von einem Tritt aufs Bremspedal. Mit beiden Motorisierungen ist der Fahrer sehr schnell zu schnell unterwegs. Aber diese coole Lässigkeit, mit der beide Triebwerke aus dem Keller drücken, bringt Freude und beruhigt ungemein. Ich muss ja nicht immer – aber ich kann, wenn ich will.

Interieur des 2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro S line

Wer den A4 auf Landstraßen in Kurven wirft und wie ich mit meinem eckigen Fahrstil plumpe Lastwechsel provoziert, lässt sogar mal das Heck mitschwenken. Generell ist der A4 jedoch ausgesprochen ausgewogen abgestimmt. Die Lenkung macht ihren Job gut und unauffällig, lässt die A4 Limo in der Stadt ohne viel Kraft rangieren und wird mit zunehmendem Tempo direkter. Aber gerade im dynamic-Modus des drive select würde ich mir mehr Verbindlichkeit und Direktheit in der Mittellage wünschen.

Motorraum 2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line in Arablau-Kristalleffekt

Trotz adaptiver Dämpfer und Dynamiklenkung – großartige Unterschiede waren in den einzelnen Modi nicht spürbar. Auf die beiden Punkte könnte ich gut verzichten. Denn generell zeigt sich die Fahrwerksabstimmung sehr ausgewogen, sicher und mit einem für meinen Geschmack perfekten Kompromiss zwischen Komfort und Sport. Der A4 liegt satt auf dem Asphalt, dämpft und bügelt dabei aber fast alles weg, das einem in die Quere kommt und lässt dennoch beachtliche Kurventempi zu – auch dank des quattro-Antriebs.

Heckansicht des 2015 Audi A4 B9 3.0 TDI quattro V6 200 kW S line in Tangorot

Emotional berührt der 3.0 TDI mehr. Das ist für mich als alter Diesel-Verschmäher überraschend. Obwohl beide Motorisierungen überbordende Leistung offerieren, bleibt der 2.0 TFSI quattro emotional betrachtet etwas blass. Er klingt unter Last zugeschnürt und unwillig, ja schon fast bockig. Klar, er geht wirklich gut, aber dabei plärrt mir der Motor zu viel. Das macht der Dreiliter-Selbstzünder besser, selbstbewusster und energischer. Seine Stimme passt zu der abgelieferten Leistung, wuchtet sich nicht nur bärig aus jeder Kurve, nein, er klingt dabei kernig nach großvolumigen Diesel. So muss das sein.

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line Arablau-Kristalleffekt Frontalansicht Matrix-LED-Scheinwerfer

Zum guten motorischen Eindruck des 3.0 TDI passt auch die 8-Stufen tiptronic, dem 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF. Im direkten Vergleich mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe S tronic im 2.0 TFSI agiert die 8-Gang souveräner, sicherer, auf den Punkt. Wer beispielsweise vom Segeln in Nulllast in Teillast geht, sodass das Getriebe runterschalten muss, spürt, dass die tiptronic sehr viel feinsinniger schaltet. Die S tronic dagegen ruppt und kloppt im Antriebsstrang, schaltet unsauberer in den niedrigeren Gang. Zugebeben, das sind kleine, feine Details – aber gerade diese geben den Ausschlag.

»Vorsprung durch Technik« – Der prädiktive Effizienzassistent

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro S line Arablau-Kristalleffekt Draufsicht Detail

Hinter diesem verklausulierten Marketing-Sprech verbirgt sich das, was tatsächlich einen Vorsprung bildet. Die Technologien dahinter mögen nicht neu sein, deren Komposition ist es schon. Hier arbeiten Navigationsdaten, Verkehrszeichenerkennung, adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und mitlenkender Spurhalteassistent Hand in Hand und sorgen für eine effiziente Fahrweise. Der Tempomat ist auf 100 km/h eingestellt, kein Fahrzeug fährt vor uns, der A4 hält das Tempo. Anhand der Navigationsdaten erkennt das System, dass wir uns einer Kurve nähern, die mit niedrigerer Geschwindigkeit angegangen werden sollte. Statt zu bremsen, geht der Antriebsstrang in die Segelfunktion, wird langsamer und spart Sprit – noch bevor ich die Kurve sehe.

virtual cockpit im 2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro

Am Kurvenausgang beschleunigt der Audi wieder auf die eingestellten 100 km/h. Wir gleiten vor uns hin, als das Fahrzeug plötzlich abbremst. Einen Augenblick später passieren wir ein 80er-Schild – und fahren bereits 80 km/h. Abermals reagierten Auto und Technik, noch bevor das Verkehrsschild zu sehen war. Dieses von Audi so klobig prädiktiver Effizienzassistent (PEA) genannte System arbeitet genauso bei Baustellen, im Stau und – wie bereits von der ACC (adaptive cruise control) bekannt – bei vorausfahrenden Verkehrsteilnehmern. Dieses System passt die Geschwindigkeit stets den Begebenenheiten an, selbst an diejenigen, die der Fahrer noch gar nicht registrieren konnte. Das Ganze geschieht teil-autonom und arbeitete während meiner Ausfahrt sehr zuverlässig, auch wenn es gewöhnungsbedürftig ist.

Der neue Audi A4 (B9) – Fazit

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line Seitenansicht Arablau-Kristalleffekt

Ein Segen, dass Audi beim A4 am modularen Längsbaukasten (MLB) festhält, der hier in seiner zweiten Evolutionsstufe als MLB evo die Grundlage für die neunte Generation des A4 bildet. Ein Segen allein deshalb, da die Längsmotor-Konfiguration auch Sechs- und Achtzylinder-Motoren erlaubt – und den Platz benötigen noch S4 und RS 4. Der Audi A4 kann sich außerdem dank MLB vom MQB-Passat absetzen.

Die Audi A4 Limousine – und mit Sicherheit auch der Avant – ist das perfekte Reisefahrzeug. Leise, isoliert, völlig souverän zieht der B9 seine Bahnen.

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW Interieur Innenraum Cockpit

Es fällt schwer, am Audi A4 Kritik zu üben. Denn die Ingolstädter präsentieren hier ein verdammt ausgereiftes, sehr gutes Auto, das sich lediglich Detailschwächen erlaubt. Die Perfektion – sowohl technologisch als auch fahrerisch und gestalterisch – ist beängstigend. Audi bleibt sich in gewisser Hinsicht dennoch treu. Das Design wurde zwar behutsam, dafür an den richtigen Stellen markant verbessert. Die Vielzahl der Details macht hier den Reiz aus. Technologisch bietet Audi (beinahe) das volle Programm, ohne jedoch wirklich Neues aufzufahren. Aber die bloße Fülle sowie die Kombinationsmöglichkeiten der bereits vorhandenen Technologien sind beeindruckend. Damit ist auch der neue Audi A4 sehr, sehr technoid ausgefallen. Ein Auto, das nahezu perfekt daherkommt – und gerade deswegen an einer gewissen Emotionslosigkeit krankt.

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line Arablau-Kristalleffekt Vorderansicht

»Vorsprung durch Technik«? Wer mit diesem Claim neuartige Technologien in einem neuen Modell erwartet, der wird hier enttäuscht. Der technologische Vorsprung wird durch die Verknüpfung vorhandener System deutlich. Spürbar. Der sogenannte prädiktive Effizienzassistent zeigt sehr eindrucksvoll, wie durch die Verknüpfung vorhandener Assistenzsysteme ein schon beinahe beängstigend intelligentes Fahrzeug entsteht. Und das mit dem neuen Audi A4 Erlebte betrachte ich als »Vorsprung durch Technik«.

Der Audi A4 (B9) feiert aktuell seine Premiere auf der IAA 2015 und ist bereits bestellbar. Preislich startet der A4 bei 30.650 €, die gefahrenen 2.0 TFSI quattro sowie 3.0 TDI quattro sind ab 44.450 € bzw. 50.100 € erhältlich.

2015 Audi A4 B9 3.0 TDI quattro V6 200 kW S line Tangorot Vorderansicht Detail

Text: MvB
Fotos: MvB

Vettel-Feeling – Eine Ausfahrt im Sebastian Vettel Ferrari California T

Der vierfache Weltmeister aus Heppenheim, der seit Beginn dieser Formel 1 Saison für die Roten aus Maranello fährt, besuchte am 15 Juli das Ferrari Team in Wiesbaden. Die dreiwöchige „Sommerpause“ in der Formel 1 macht es möglich, die deutsche Niederlassung seines neuen Arbeitgebers in seinem Heimatland zu besuchen. Ein so autobegeisterter Mensch wie Sebastian Vettel möchte aber nicht nur sitzen und reden, er möchte am liebsten fahren. Am besten natürlich in einem italienischen Sportwagen und weil das Wetter in Deutschland gerade so schön ist, in einem Cabrio. In einem natürlich in rot lackierten California T fährt er durch die schöne Landschaft um Wiesbaden, den Rheingau und den Untertaunus. Wir kennen die Strecken nur zu gut, unser Redaktionsbüro hat seinen Sitz im grünen Taunus, der mit zahlreichen fast toskanisch anmutenden Landstraßen durchzogen ist.

Testdrive 114 Ferrari California T

Und nun, nur ein paar Tage später, ist es soweit. Wir sitzen in exakt dem Ferrari California T, in dem der 28-jährige Formel 1 Fahrer neulich noch am Volant drehte. Als wäre ein Ferrari, das Heiligtum der Italiener, auch wenn man das im benachbarten Sant’Agata Bolognese nicht gerne hört, nicht schon genug. Der Traumwagen nicht einer, sondern vieler Generationen, natürlich auch meiner. Aber hier ist es noch mal anders. In diesem mit cognac-farbenen Leder bezogen Sportsitzen saß „der Seb“ und hat an diesem Lenkrad gedreht, was ich gerade noch versuche einzustellen.

Die Sitzposition ist nicht ungewöhnlich, aber das Lenkrad steht recht hoch. Es ist halt kein Pseudosportler, auch wenn der Blech-Klapp-Dach-California gerne mal bei Kritikern mit dem Image des Frauensportlers belastet wird, wie früher der Porsche Boxster. Aber haben Kritiker überhaupt Ahnung von der Materie oder kritisieren sie nicht generös alles, was nicht schwarz oder weiß ist? Und muss ein „Frauenauto“ schlecht sein? Ehern nein, zumal es diesen Begriff auch nicht wirklich gibt und wohl eher zu einem knallbunten Cityflitzer passt, wo vorne ein Motörchen 60 PS erzeugt, die hinten, ja fast unbemerkt, in einem Auspuff mit Trinkhalm-Durchmesser zart entsorgt werden.

Testdrive55 Ferrari California T habby

Push the Button

Beim California T ist das ganz anders. Nach dem Drücken des Start-Knopfes am Multi-Funktions-Lenkrad brüllen 560 PS aus vier dicken Endrohren ihre italienische 8-Zylinder-Sinfonie in die Freiheit. Die ganz große Bühne. La Traviata im Taunus. Wer Aufmerksamkeit beim Boulevard-Cruisen mag, ist im California T richtig.
Und es scheinen viele zu sein. Vom Vorgänger, der noch mit dem obligatorischen Saugmotor ausgestattet war, verkaufte Ferrari über 10.000 Modelle. So viele wie noch von keinem anderen Modell mit dem schwarzen „Cavallino Rampante“ auf der Haube. Und es sind nicht nur die Ferraristi, die zugriffen. Mit dem California kamen über 70 Prozent der Käufer zur Marke, die vorher noch nie einen Ferrari besaßen.

Zum Glück ist auch heute das Wetter mit uns und wir öffnen das Dach, was gefühlt recht lange dauert, um die Sonne zu genießen. Aber auch, um dem Geräusch des 3,9 l V8-Aggregats noch intensiver zu lauschen. Und es ist enorm, was uns im dicht bewachsenen Wald im Taunus an Sound förmlich zurückgeschmettert wird. Vorne saugt der California T nun durch zwei in die Haube geschnittene Nüstern die Luft für die Lader an, die dann im fast zentral eingebauten Motor als Benzin-Luft-Gemisch explodiert. Und hier hat das Wort Explosion noch eine Bedeutung. Zumindest klingt es so. Wir können gar nicht sagen, woher die Geräusche überall kommen. Nur aus dem Auspuff oder unterstützt der Motor die orchestrale Klangfülle? Es ist auch egal. Die kleinen Härchen am Arm stehen alle im 90 Grad Winkel von der Haut ab nach oben.

Ein Turbo! Ein Turbo? Lange gab es bei Ferrari keinen Turbo mehr. Schon über 20 Jahre ist es her, als im legendären F40 die beiden oben liegenden Ladeluftkühler von Behr durch die durchsichtige Heckscheibe zu betrachten waren. Eine Erklärung, Ferrari arbeitete am Turboloch, um dieses Manko eines Turboladers, der bekanntlich erst ab einigen Umdrehungen Schub liefert, zu verringern.

Testdrive65 Ferrari California T habby

Turbo läuft

Dies scheint gelungen, als wir zu ersten Spurts ansetzen. Von unten raus dreht der Motor schnell hoch und liefert permanent Schub an die Hinterräder. Ein Novum, haben sich doch schon viele Sportwagenhersteller an dieser Problematik die Zähne ausgebissen. Die Ferrari-Techniker haben hier Pionierarbeit geleistet und einen Turbomotor entwickelt, der nahezu an die Charakteristik eines Saugers erinnert. Den Erfolg gaben nicht nur zuletzt die gleichlangen Krümmer, die die Strömung der Abgase zur Turbine der beiden Twinscroll-Lader gleich schnell beschleunigen.

Die Automatik schaltet bravourös und lässt uns auf der freien Autobahn in Sekundenschnelle auf Renntempo kommen. In nur 11,5 Sekunden sind wir aus dem Stand auf 200 km/h, die lachhaften 100 km/h durcheilt der California T schon nach 3,6 Sekunden. Theoretisch geht es bis zu 316 km/h Spitze, die aber heute, wie so oft, auf der Autobahn natürlich nicht erreicht werden können. Dennoch nimmt der California T uns auf der „Autostrada“ ein, als wir in verhältnismäßig hoher Geschwindigkeit durch eine langgezogene Autobahnkurve eilen.

„Es fühlt sich nicht an wie eine schnelle Autobahnkurve, es ist eher wie die „Curva Parabolica“ in Monza!“

Testdrive 125 Ferrari California T

„Vettel-Feeling“ durchströmt uns, der Hauch von über 200 GP-Siegen und 16 F1-Konstrukteurs-Weltmeisterschaften umgibt uns. Dazu dieses direkte Handling, als wir auf den kurvigen Landstraßen dem California T ein wenig Auslauf gestatten. Ja, dieses Auto fasziniert und ist sicherlich mehr als der „Frauen-Ferrari“. Es hat seine kleinen Mängel. Die Windgeräusche am Klappdach und die Seitenscheiben, die nicht perfekt anliegen. Oder die Bauart bedingte dezentrale Anordnung der Schalter, um das Getriebe bedienen zu können. Wobei man das in Italien mit den Worten „thats passion“ einfach übersieht. Und wer einen teils langweilig anmutenden Sportwagen möchte, kann ja bei den hiesigen Premiummarken fündig werden. Perfektion bis ins Detail, aber oft ohne Tradition und Emotion.

Wir sind uns einig, als wir den California T in Frankfurt, dort, wo Geld gemacht wird und die Käufer sitzen, wieder abgeben. Für ein Fahrzeug, das bei 183.499 Euro startet, bietet er eine grandiose Mischung aus Sportwagen und Cruiser. Nirgendwo sonst gibt es aktuell einen solch tollen Turbomotor. Dazu diese Geschichte der Marke und mittlerweile auch noch Zuverlässigkeit, die sich in einer siebenjährigen Routine-Kosten-Übernahme durch Ferrari selbst widerspiegelt.

Und für den Besitzer dieses unbezahlbare Gefühl, wenn sonntags die F1 Übertragung vorbei ist, schnell in die Garage gehen zu können, um ein ganz klein wenig „Vettel“ sein zu können.

Nummernschild-Check: Sebastian Vettel fuhr unseren Testwagen!
Nummernschild-Check: Sebastian Vettel fuhr unseren Testwagen!

 

Text: Bernd Schweickard | © Foto: Ferrari, Björn Habegger, Bernd Schweickard

Im Test: Nissan X-Trail 1.6 dCI

Mit dem jüngsten Modellwechsel von Qashqai und X-Trail sind die beiden Modelle von Nissan zu Brüdern geworden. Nicht nur wegen der gemeinsamen Plattform, auch die Optik lässt beide näher zusammenrücken. Tschüss, kantiges Offroader-Design. Der Abschied vom Offroad-Gen bringt im Falle des X-Trail allerdings viele positive Nebenwirkungen zu Tage und ganz nebenbei muss der Testwagen auch die Frage beantworten, ob man einen SUV mit Frontantrieb guten Gewissens kaufen kann?

Vom Offroader zum Crossover

Test: Nissan X-Trail 1.6 dCi

Der X-Trail ist äußerlich kaum gewachsen, nur sein Radstand wurde massiv gestreckt. Das schafft Platz für eine dritte Sitzreihe und verwandelt den X-Trail in eine fürstliche Familienkutsche. Die optische Ähnlichkeit wird verständlich, wenn man nachvollzieht, dass der X-Trail auch den Qashqai+ ersetzt. Somit trennt man bei Nissan nun zwischen dem Fünfsitzer Qashqai und dem 5+2 Sitzer X-Trail.

Fahrbericht Test04 Nissan X-Trail dci

Mit seiner Familienähnlichkeit wird aus dem rauen und hemdsärmeligen X-Trail nun ein schicker Crossover.

Wichtiger als die großzügig bemessenen Platzverhältnisse in Sitzreihe eins ist der ganz klar gewachsene Anspruch an die eigene Verarbeitungsqualität und die im Innenraum verwendeten Materialien. Und diesen Anspruch erfüllt der neue X-Trail : Mit weichen Kunststoffen, einer freundlichen Atmosphäre und modernen Formen zeigt er sich innen von seiner charmanten Seite. Cockpit und Armaturen erinnern freilich an den Qashqai, aber das ist wahrhaftig nun nichts, wofür man sich schämen müsste. Das ganz „Feeling“ im Innenraum ist um den Faktor 2 besser geworden.

In Reihe zwei bleibt genug Platz für die Mitfahrer. Dank einer gegenüber der ersten Sitzreihe erhöhten Sitzposition lässt es sich prima nach draußen schauen. Die ordentlich großen Fensterflächen und das neue, weit nach hinten gezogene Glasdach (mit der Möglichkeit, den vorderen Teil zu öffnen), tun ihr übriges, damit man im X-Trail ein Gefühl von Raumfülle und Weite erhält.

Fahrbericht Test35 Nissan X-Trail dci

Der Antrieb

Der Testwagen hat den 1.6 Liter Diesel mit 130 PS und 320 Nm unter der adrett geschwungenen Motorhaube. Zusammen mit dem manuellen Sechsganggetriebe und dem Frontantrieb wird man das Gefühl erst einmal nicht los, hier eine „Mogelpackung“ zu fahren. Sollte so ein SUV-Ding nicht immer mit Allrad und Automatik auf dem Hof stehen?

Nach dem Start klingt der kleine Vierzylinder-Diesel ruhig und satt. Die gute Dämmung des X-Trail-Cockpits trägt zur Ruhe bei. Und dann  passiert das Unerwartete. Der X-Trail fährt mit einer gefühlten Souveränität los, die man von ihm nicht erwartet hat. Nicht von dem „kleinen Diesel“. Grummeliger Dieselsound verleitet zum niedertourigen Fahren und der X-Trail spielt mit.

Effizienz:

[tabgroup]
[tab title=“Alltagsfahrer“] 6.3 Liter sollten im Alltag mit dem großen SUV als „normal“ verstanden werden.[/tab]
[tab title=“Öko-Experte“]Wer sich ständig im Zaum hält und mit mehr Hirn fährt, der drückt den X-Trail unter die 5 Liter Marke. 4.8l Diesel auf 100 km, das ist mehr als beeindruckend.[/tab]
[tab title=“Ohne Rücksicht“]8.8 Liter im Schnitt für den schnellen Galopp. Der X-Trail ist wirklich ein sparsamer Zeitgenosse![/tab]
[/tabgroup]

Der Innenraum

Den Innenraum hat Nissan nicht nur durch ein neues Niveau an Kunststoffen aufgefrischt, auch das Multimedia-Paket wirkt bei der ersten Ausfahrt stimmig. Routenplanung vom Handy zum Navigations-System schicken? Kein Thema. Die Google-Suche im Auto nutzen? Machbar, wenn ein Handy per Bluetooth gekoppelt wurde und die Internetverbindung herstellt.

Durch das Versenken der 3. Sitzreihe lässt sich ein großer Laderaum erschaffen. Von 550 Litern im Normalmodus bis hin zu 1.980 Litern bei umgeklappter Rücksitzbank. Das ist ein gutes Stück mehr als im alten X-Trail. Die Rücksitzbank (Reihe 2) lässt sich zudem um 25 Zentimeter in der Position verschieben. Im Kofferraum wiederum kann man per zusätzlicher Böden eine nützliche Unterteilung schaffen und so verschiedene Gepäckstücke sortiert einräumen.

Wer die Sitzplätze 6+7 nutzen will, der klappt diese aus dem Kofferraumboden heraus, dabei reduziert sich der nutzbare Kofferraum auf nur noch 135 Liter.

Nissan x-trail 1-6dci 31 fotos 02052015

Alltags-Held

Natürlich kann man bei 130 PS und 320 Nm in einem gut 2 Tonnen schweren SUV nicht von einem dominanten Vortrieb sprechen. Doch für den Alltag reicht er aus. Im Test musste uns der X-Trail mehrfach quer durch die Republik kutschieren und hat sich hierbei nicht nur als exzellentes Reiseauto herausgestellt, sondern konnte auch mit dem „kleinen“ Turbodiesel punkten. Denn der 130 PS Motor geht wacker an sein Werk, schiebt den großen X-Trail tapfer bis auf Tacho 200 (real 189 km/h) und bleibt dabei so richtig sparsam.

Natürlich ist der X-Trail kein Sportler. Das verkündet er bei schnellen Überland-Etappen frühzeitig, aber seine aktive Fahrkomfortregelung versucht über unmerkliche Bremseingriffe die Wankneigungen des X-Trail auszubügeln. Eine echte Hilfe bei langen Touren ist die Verkehrszeichen-Erkennung von Nissan. Bereits im Test des kleinen Qashqai fiel das System positiv auf und jetzt auch im X-Trail kann man nur von einem echt „nützlichen“ Feature sprechen. Zudem funktioniert die Verkehrsschilder-Erkennung absolut fehlerfrei!

Fahrbericht Test49 Nissan X-Trail dci

Fazit: Nissan X-Trail – Der sparsame Riese:

Aus dem Marlboro-Cowboy wurde ein fürsorglicher Daddy. Und die Frage, ob es wirklich einer Allradversion bedarf – die wäre ja alternativ möglich – ist während des Tests auch eindeutig geklärt worden. Der X-Trail ist, so wie er im Test war, ein extrem gelungener „Familien-Kombi“, verpackt in einem adretten SUV-Kleid. Mehr Bodenfreiheit und eine gute Rundumsicht dank der erhöhten Sitzposition lassen den X-Trail zum „besseren Familienkombi“ werden. Und der Allradantrieb wurde während der 3.000 km im Test nicht einmal vermisst. Dafür überraschten der Verbrauch und der Antritt des „eigentlich“ zu kleinen Dieselmotors.

Technische Daten: Nissan X-Trail 1.6 dCi Acenta

Hersteller:  Nissan
Typ:  X-Trail / SUV
Kasse:  Mid-Size SUV
Motor:  R4
Getriebe:  Sechs-Gang-Schaltgetriebe
Antrieb:  Frontantrieb
Hubraum:  1.598 ccm
Leistung:  96 kw / 130 PS @ 4.000 U/min
Drehmoment:  320 Nm @ 1.750 U/min.
Gewicht Fahrfertig:  2.090 kg
Von 0 von 100:  10.5 s
Höchstgeschw.:  188km/h
Verbrauch (NEFZ):  4.9 Liter
CO2-Ausstoß (NEFZ)  129 g/km
Emmissionsklasse  EU 6
Effizienzklasse  A
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Fotos im Artikel und Titelbild: Bjoern Habegger

Erster Test: Der neue Mitsubishi L200

Weimar – Erster Test

Goethe, Schiller und Herder und danach eine ganze Republik. Und jetzt auch noch den neuen L200 von Mitsubishi. Weimar ist ein Kulturerbe und bietet bildungsreiche Einsichten in die deutsche Geschichte. Der L200 bietet neben der Kunst und der Kultur Weimars das handfeste Gegenstück – er ist der Antipode des Lifestyle-SUV. Als souverän mag man ein SUV beschreiben können, doch der L200 ist aus einem gänzlich anderen Blech geklopft als die vielen aktuellen SUV-Modelle am Markt. Der L200 ist kein Dichter und Denker, er ist ein Macher.

Die Tat ist alles, nichts der Ruhm

Erste Testfahrt im neuen Mitsubishi L200

erster test 13 mitsubishi L200
Das ist nicht der Wasserfall! – Leider war kein Fotograf vor Ort und die Foto-Ausrüstung von m-a-b defekt 🙁

Pick up of the Year – so geht es!

Über 60.000 Zulassungen seit 1993. Der L200 von Mitsubishi gehörte schon immer zu den festen Größen im Segment der „nützlichen“ Lastentiere. Allerdings hat er sich über die Jahre den Schneid abkaufen lassen. Nissan Navara, Volkswagen Amarok und der Ranger von FORD waren erfolgreicher. Eventuell auch, weil man bei Mitsubishi den Fokus zu sehr auf „Nützlichkeit“ denn „Unterhaltung“ gelegt hatte? Mit der nun fünften Auflage will man bei Mitsubishi mit dem L200 wieder in die Top3 der Pick-Trucks platzieren. Die Chancen dazu? Sie stehen gut – der L200 bietet, was andere nicht mehr bieten können!

Profi-Werkzeug

Gleichwohl der L200 neu entwickelt wurde, die Größe bleibt doch ganz ähnlich. Der Radstand beträgt weiterhin 3 Meter und mit einer Gesamtlänge von 5.2 Metern(5.195 mm) beim ClubCab und 5.3 Metern (5.285 mm) bei der Doppelkabine stellt sich der L200 durchaus als „ordentlich“ großer Lastenträger vor.

Beim Design spricht Mitsubishi von einem maskulineren Äußeren. Geschenkt, denn am Ende ist der L200 ohnehin eher ein Auto für Männer. Der Schreiber des Artikels fällt dabei genau in das typische Käuferbild: Männlich und 40 Jahre alt.  97 % der L200 Käufer sind Männer, ob da das maskulinere Design als Bestätigung gesucht wird? Wir können es bei der ersten Testfahrt rund um Weimar nicht ergründen.

Schöner wohnen, für Männer

Wer die 3 Tonnen Zugkraft oder die 1 Tonne Nutzlast des L200 benötigt, der wird sich vermutlich nicht viel um das Kapitel „schöner wohnen“ kümmern, doch es sei zur Vervollständigung angemerkt: Die fünfte Generation riecht nicht mehr nach Plastik, wirkt wertiger im Innenraum und ganz nebenbei hat das Cockpit an Größe gewonnen.

Die wichtigste Sonderausstattung? Vermutlich auch weiterhin die dicke Gummi-Fußmatte, wen kümmern da harte Plastik-Elemente in der Tür? Praktisch wie ein Akku-Schrauber von Bosch, nicht ChiChi wie eine rosa-Handyhülle.

NUTZ Wertig

Eine Tonne durch die Gegend wuchten, den Pferde-Anhänger über nasse Wiesen ziehen, der L200 ist der Kumpel, den man in dieser Situation um Hilfe fragt. Wer sich die Basis-Ausstattung verkneift, bekommt einen echten „always on“ Allradantrieb geboten. Mitsubishi nennt das System Super-Select 4WD II und es demonstriert auf einem ADAC-Gelände nähe Weimar, was den L200 von den „SUV-Brötchen“ vor dem nächsten Fußballer-Heim unterscheidet.

„Eigentlich fährt hier nur der Instruktor hoch“

Die Ansage der Mitsubishi-Mitarbeiter ist klar, der Wunsch des Autors auch. „Wenn ich die Sache mit dem „Super-Allradantrieb“ glauben soll, dann will ich selbst fahren.“

Kurzer Hinweis auf die fiesen Steine im Wasserfall, ebenso kurzer Hinweis auf die frischen Modelle – die sollen demnächst noch Mitsubishi-Händler überzeugen, das tuen sie am besten, in dem man sie nicht auf den Kopf legt. Nun – der Autor war stets bemüht.

KRAFT Fahrer

Den Allradantrieb per Drehwählschalter auf 4 LLC gestellt, jetzt schaltet das Getriebe in die Untersetzung und schließt das Mitten-Differential. Der Rest der Kraftverteilung werden wir nun dem Elektronen-Hirn des „Super-Select“ Antriebes überlassen.

Langsam ran an die Wasserfall-ähnliche Böschung. Es sind wirklich fiese Steine. Und es ist viel Wasser. Und als wir an den Hang fahren, spannt sich die Miene der Mitsubishi-Leute vor Ort an. Jetzt keinen Kratzer in das frische Blech.

Der L200 tut, was auch der „beste Kumpel“ tun würde, er hilft dir aus üblen Situationen heraus. Langsam kraxeln wir den Wasserfall hinauf. Gleichmäßig fahren, ermahnt mich der Instruktor. Mal zuckt es vorne links, mal hinten rechts, aber die Show fühlt sich zu jedem Zeitpunkt sicher an. Der L200 rumpelt über die nassen Steine, stützt sich am Hang in die Kraft seines neu entwickelten 2.4 Liter Turbodiesels.

Hand aufs Herz, dass es so einfach wird, dachte sich nicht einmal der Autor. Aber der L200 hat auf diesem Stück bewiesen, dass er hält, was viele nur versprechen: Er kann auch richtig „Off Road“ und beherrscht mehr als nur das „Bordsteinkanten-Hopping der SUV-Klasse“.

Intro-Edition I, II, III

Neuer Dieselmotor

Unter der Haube des L200 rumort ein neuer Voll-Aluminium-Motor mit verlängerten Wartungsintervallen und einer Steuerkette anstelle eines Zahnriemens. Mit 154 PS in der „zahmen“ Variante und 181 PS in der „Power“-Version. Gekoppelt werden kann der Langhuber-Diesel (86,0 x 105,1 mm | Bohrung mal Hub) mit einer vermeintlich ältlichen 5-Gang Automatikbox. Oder einem manuellen Sechsganggetriebe.

Dass der Automat nur fünf Gänge hat, stößt auf dem Papier erst einmal auf, doch bei der Fahrt im Gelände zählt nur die Fähigkeit, eine Untersetzung einzulegen und auf der Straße kann der überarbeitete Automat mit einem besser abgestimmten Wandler und Zuverlässigkeit punkten. Sicher – es gibt „so genannte“ Geländewagen, die mit neun Gängen punkten wollen. Ob die aber auch eine Tonne Nutzlast auf Dauer mit den 430 Nm des großen Diesels durch das Gelände wuchten?

Eben.

erster test 35 mitsubishi L200
Der L200 als Doppel-Kabiner. Ordentlich Platz auch in Reihe zwei – ohne Abstriche bei der Ladefläche!

On the road

Wer sich nicht durch grobes Gelände wühlt, der freut sich „on the road“ über die verbesserte Geräuschdämmung und trotz Starrachse und Blattfedern hat der Fahrkomfort gegenüber dem Vorgänger ganz eindeutig gewonnen.

erster test 33 mitsubishi L200
L200 Intro Edition III – UPE: 38.690 € (181 PS)
Fazit

Wald, Wiese, Baumarkt – der Experte!

„Die Tat ist alles, nichts der Ruhm“ (Johann Wolfgang Goethe)

Der L200 suhlte sich die letzten Jahre nicht dröge in seinem Ruhm – 15x Pick Up of the Year – er hat sich ordentlich weiter entwickelt! 

Mitsubishi hat mit dem neuen L200 ein Arbeitstier im Portfolio, dessen Überarbeitung echte Werte gebracht hat. Bei den Assistenzsystemen gibt es nun auch eine Anhänger-Stabilisierung, einen Spurverlass-Warner und mit sieben Airbags packt der L200 erfolgreich auch das Kapitel Sicherheit mit ein. Dass man sich zusätzlich auch noch die Rückfahr-Kamera gönnen kann und an der Front Bi-Xenon-Scheinwerfer die Nacht erleuchten – ein weiteres Top-Argument für den „echten Handwerker“ in uns – auch wenn es doch nur zum Akku-Schrauber-Benutzer reicht.

Immer mit Allrad, immer mit Diesel, immer mit einer richtigen Ladefläche und zum Start mit drei attraktiven Sondermodellen. Offiziell startet der L200 zur IAA im September, allerdings gibt es bereits ab August die ersten Fahrzeuge bei den Händlern. Der L200 startet bei 26.290 € (Club Cab, brutto).

Mitsubishi L200 | Zu den technischen Daten [klick]

 

Erste Fahrt: Honda HR-V

Entdecker-Lust entdeckt

Erste Fahrt im neuen Honda HR-V

Das Segment der Einstiegs-SUV, Fachleute sprechen auch gerne vom B-SUV-Segment, boomt ohne große Unterbrechung seit 2006. Analysten sehen auch noch lange kein Ende dieses Trends. Verständlich das die japanische Marke Honda im Zuge ihrer Neuausrichtung und Modernisierung der Fahrzeugpalette auch mitmischen möchte.

Der neue Civic, der sportliche Dampfhammer Civic Type R, aber auch der Cityflitzer Jazz sind frisch oder werden zeitnah neu in die Showrooms der Honda-Händler kommen. Nach hauseigenen Marktforschungsanalysen, wünschen sich besonders jüngere Fahrzeugkäufer, Singles, aber auch jüngere Paare ohne Kinder ein Auto für alle Zwecke.

Geräumig soll es sein, aber von außen nicht wuchtig, robust, auch im Aussehen und ein wenig Sportlichkeit wäre auch toll, letztendlich reitet man als moderner Mensch ja auf der angesagten Health- und Fitnesswelle. Gerne darf das Fahrzeug dieses auch zeigen.

Erster fahrbericht test honda -hr-v (6)

Diese ganzen Eigenschaften zu verbinden war die Aufgabe der Honda-Ingenieure. Und was fast als Paradoxon anmutet, hat Honda in schönes Blech gepresst, auf die Plattform des neuen Honda Jazz gestellt und diesem urban Crossover den Namen „Honda HR-V“ verpasst.

Honda HR-V werden sich nicht nur Autokenner fragen, diese Nomenklatur gab es doch schon einmal im Honda Portfolio. Richtig, von 1999 bis 2005 gab es eine Art hochgebockten kantigen Kombi, zu einer Zeit, als das Wort „SUV“ noch nicht wirklich erfunden war.

Der neue Honda HR-V orientiert sich am großen Bruder CR-V, der zu Jahresbeginn aufgefrischt wurde und sich über alle Modellgenerationen hinweg über sieben Millionen mal verkaufte. Honda spricht hier nicht zu Unrecht von einem Weltauto!

Welcher Ort wäre für diesen Aufbruch in eine neue Zeit besser geeignet sein als Lissabon. Dort wo dem portugiesischen Seefahrer Vasco Da Gama zahlreiche Institutionen gewidmet sind. Und so wie er sich früher aufmachte um die Welt zu erkunden, starten wir mit dem neuen „Dynamic Cross Solid“-SUV von Honda. Vom Vasco da Gama Platz, vorbei an den architektonischen Highlights der Uferpromenade, passend zum modernen Lifestyle SUV, der nur mit Frontantrieb lieferbar ist und daher wie die meisten SUV, in der Stadt Zuhause suchen wird. Das neue expressive Myriad by Sana Hotels, ein visuelles Highlight direkt am Meer, liegt hinter uns.

Erster fahrbericht test honda -hr-v (1)

Wir fahren die aus dem Modellprogramm bekannte Diesel-Motorversion mit 120 PS, der bereits die neue Euro 6 Norm erfüllt. Der zweite zum Marktstart angebotene Motor ist ein 1,5 Liter –i-VTEC Benziner mit 130 PS. Sowohl Benziner als auch Diesel sind mit Sechsgang-Schaltgetriebe erhältlich, das für den neuen HR-V umfassend überarbeitet wurde.

Exklusiv dem Benziner bleibt das ebenfalls modernisierte CVT-Getriebe vorbehalten. Eine völlig neue CVT-Steuerlogik wurde eigens für den europäischen Markt entwickelt, um das direkte und lineare Gefühl eines Schaltgetriebes zu vermitteln.

Erreicht wird dies durch eine neue und exklusiv in Europa verfügbare Steuersoftware, welche sieben Gänge simuliert und eine optimierte Zuordnung des Gangwechsels bietet. Zwei zusätzliche neue Programme bieten situationsabgestimmte Verbesserungen. Darauf werden wir demnächst bei unserer Fahrt mit dieser Getriebeversion eingehen.

Erster fahrbericht test honda -hr-v (27)

Das manuelle 6-Gang-Getriebe lässt sich gut führen, der etwas zu minimalistisch geratene Schaltknauf würde in einer dickeren Version noch besser in der Hand liegen. In der Stadt, aber auch auf unserem kurzen Stück Autobahn um die malerische Westküste zu erreichen, hält sich der Selbstzünder angenehm zurück. Bei normalem Stadttempo und wenn man nicht auf der Jagd zur Pole Position ist, hat er sogar die Geräuschkulisse eines Benziners, also fast nicht hörbar. Das liegt nicht nur am Motor, sondern auch an zahlreich verbauten Dämmstoffen. Die Honda-Techniker haben dabei nicht mal Halt vor den Radhäusern gemacht und auch dort Dämmmaterial eingebaut.

Die Insassen sollen bequem ihr Ziel erreichen können, oder wie Honda-Ingenieur Yamamoto sagt, „Der Mensch steht bei Honda im Mittelpunkt, nicht die Maschine!“.

Das Interieur zeigt sich europäisch, es fehlt die Verspieltheit des Cockpits, das früher aussah als wäre eine Dose mit Schaltern und Knöpfen explodiert und dort wo sie beim Vorab- Tonmodell ins Armaturenbrett einschlugen, da blieben sie auch. Für die einen war es Innovation, das Besondere, für die anderen war es eine Bestrafung für die Augen. Wir gehören der zweiten Kategorie an und fühlen uns daher mit dem neuen Armaturenbrett-Layout verstanden und einfach gut im aufgeräumten Innenraum.

Jeder Knopf ist dort wo man ihn vermutet, die Instrumente klar ablesbar, sogar blendfrei trotz der portugiesischen Sonneneinstrahlung. Das ist nicht bei jedem außereuropäischen Modell so. Allerdings die Anordnung der drei Luftdüsen auf der Beifahrerseite scheint uns eine Reminiszenz an alte Tage zu sein, die unter dem Credo „Wir machen etwas anders als die anderen“ zu stehen scheint. Praktisch ja, die drei Düsen sind individuell steuer- und regelbar, jedoch optisch ein Affront für die Augen, da sie sich visuell nicht schließen lassen.

Die Honda eigene Erfindung, den Kraftstofftank unter die Vordersitze zu packen, schafft hinten Platz für die „Magic Seats“, die man schon aus anderen Modellen kennt. Selbst das normale Kofferraumvolumen von 453 Litern ist überproportional groß, für diese Klasse, kann aber auf bis zu 1.240 Liter erweitert werden. Selbst ein Surfbrett lässt sich im Auto verstauen, das lästige auf dem Dach transportieren entfällt.

Durch zahlreiche Pakete kann der HR-V individuell bestückt und weiter aufgewertet werden. Wer den Menschen in den Lebensmittelpunkt rückt, der ist auch meistens um dessen Sicherheit besorgt. So rüstet Honda den neuen HR-V bereits serienmäßig mit dem City-Notbremsassistenten (CTBA) aus. Das System wurde entwickelt, um Unfälle bei niedrigen Geschwindigkeiten zu vermeiden bzw. deren Folgen zu mindern. Mithilfe von Laser-Radar-Technologie überwacht der Assistent die Fahrbahn nach vorne und leitet automatisch eine Bremsung ein, wenn eine Kollision droht. Der Assistent arbeitet bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von 32 km/h. Das System gibt bei einer drohenden Kollision ein akustisches und optisches Signal aus, um den Fahrer zu warnen, und leitet den Bremsvorgang sowie gegebenenfalls eine vollautomatische Notbremsung ein.

Wir näheren uns „Cabo da Roca“, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Dort, wo man früher Vasco da Gama die letzten Blicke zuwerfen konnte, bevor seine Flotte am Horizont verschwand. Beim HR-V ist es wohl genau andersrum. Er kommt mit seinem charmant robusten Blick ab September auf die Käufer des SUV-Marktes zu, dass diese ihn zu Recht entdecken können.

 

Text: Bernd Schweickard |  © Foto: Bernd Schweickard

Aktivurlaub – Der neue Seat Leon Cupra

Sportliche Autos gibt es im Volkswagen Konzern nicht nur bei VW mit den „R“-Modellen, sondern auch bei der spanischen Tochter Seat. Wer dann auch noch auf schnittiges Design steht, ist bei dieser preisbewussten Lifestyle-Marke im Konzern genau richtig.

Der neue Seat Leon Cupra im ersten Fahrbericht

„Aktiv-Urlaub“

Die sportiven konzerninternen Gegner heißen bei Seat „Cupra“ und stehen für die stärker motorisierten Top-Modelle. Als letztes Jahr der neue Leon Cupra 280 die Nordschleife des Nürburgrings in 7:58 Minuten umrundete, als erster kompakter Fronttriebler überhaupt, setzte Seat nicht nur im Konzern ein Ausrufezeichen.

In diesem Jahr legt Seat nach und präsentiert den Leon Cupra ST, die Kombiversion des Ringsportlers für eilige Mütter und Väter, der ebenfalls eine 7:58’er Zeit in den Traditionsasphalt radierte.

Urlaub oder Sport?

Gebaut sind die Cupra Modelle als „Zwei Wagen in Einem“-Prinzip. Im Alltag ein normaler Kompakter und wenn man mal Lust auf ein paar schnelle Fahrsequenzen hat, dort wo es erlaubt ist, soll er per Knopfdruck die Attribute eines Sportlers haben. Ob der Spagat zwischen entspanntem Citytrip zur Lounge und Rennwagen passt, „erfahren“ wir heute.

Und wo kann man das besser machen als in einem Land, in dem es beides gibt, Lounge und Rennstrecke, und man dann auch noch spanisch spricht. Genau, auf Mallorca, zwischen den Boulevards von Palma und dem Circuit Mallorca. Dort, wo viele Urlaub machen.

Für unsere Fahrt nehmen wir heute aber nicht den brandneuen Kombi, bei Seat „ST“ genannt, sondern die 3-Türer Version mit allen Optionen. Warum ist das so? Weil auf der Rennstrecke kein geringerer als Jordi Gene auf uns wartet, der solch einen Wagen in der TCR Series berufsmäßig einsetzt. Allerdings hat sein Cup Racer mit der 2.0 TSI Maschine mit Dual-Einspritzung und variablem Ventilhub 50 PS mehr als unser Testwagen unter der Haube. Die Modellbezeichnung Cupra 280 verrät es auch von außen: Satte 280 PS liefert das Triebwerk, ausschließlich an die Vorderachse.

Berufs-Nörgler vs. 280 PS

Den Berufs-Nörglern, die nun wieder kommen und sagen, „Bei dieser Leistung und nur als Frontantrieb, das zerrt doch bestimmt die ganze Zeit wieder unangenehm am Lenkrad“, sei gesagt, die Seat Ingenieure haben dieses übliche Manko ad acta gelegt. Das Lenkrad liegt absolut ruhig in der Hand und nur bei brutalem Einsatz des Gaspedals kommt ein leichtes Ziehen auf. Selbst auf der Rennstrecke bei vollem Einsatz bleibt es ausgesprochen neutral in der Hand.

Bevor wir uns mit den „normalen“ Cupra-Modellen aufhalten – es gibt auch eine Motorversion mit 265 PS und Versionen mit manuellem Getriebe – steigen wir gleich mal ins absolute Leon Cupra Topmodell ein.

Ok, der große Motor mit 280 PS ist ja schon geklärt, dazu das „Cupra Top Performance Paket „Orange“ Michelin Pilot Sport Cup 2““, das beinhaltet für 4.620 Euro exklusive 19-Zoll-Felgen (wahlweise in schwarz oder orange) zusätzlich seitliche Schwellerleisten und Semi Slicks. Mit etwas weniger Hardcore geht das kleinere „Performance Paket“ schon bei 2.530 Euro los. Mit dem enthaltenen neuen Farb-Paket Black Line, White Line oder besser, wie in unserem Fall, Orange Line, dokumentiert der Cupra 280 seinen exklusiven Lifestyle-Touch nach außen, der auch auf der Münchner Maximilianstraße „en vogue“ sein dürfte.

Mit den Semi-Slicks über die Rennstrecke

Weniger Spielerei, mehr knallharter Race-Ernst ist die beim Performance-Paket serienmäßig verbaute Vierkolben-High-Performance-Bremsanlage von Brembo mit gelochten Bremsscheiben im Format 370×32 Millimeter. Wie gut die zupacken, erleben wir bei unserer Hatz über die Rennstrecke. Soweit alles ok, aber wenn Jordi Gene im Führungsfahrzeug sitzt und man denkt, „Na komm, die Pace kann ich schon mitgehen“, irrt man sich auch mal, wenn plötzlich die 180 Grad Kurve doch schneller vor einem erscheint, als man es so dachte. Voll rein in die Bremsen, so dass die vier Kolben der Bremboanlage die Bremsscheibe so fest umschließen wie sonst nur die Hand eines Wrestlers den Gegner. Die Elektronik des Leon Cupra muss nun auch alles beweisen, schickt Impulse über zahlreiche Leiterbahnen quer durchs Auto und irgendwie passiert … nichts.

Der Cupra 280 schiebt nur ganz leicht über die Vorderräder. Ok, wir haben zusätzlich die optionalen Semi-Slicks montiert und sind vorher durch eine Strecken-Berieselungsanlage gefahren, ansonsten hat die Elektronik alles im Griff und der Leon Cupra zieht wie an der Schnur gezogen durch die Kurve. Oder war es doch Fahrkönnen? Nein, sind wir ehrlich, der Cupra 280 ist derart gut austariert, dass er jederzeit gut zu beherrschen ist und wenn das Talent mal ausgeht, hilft die Elektronik perfekt. Gut, dass die Ingenieure direkt so viele Assistenz- und Sicherheitssysteme an Bord gepackt haben. Selbst im „Cupra-Modus“, es gibt auch noch „Sport“ und „Comfort“, ebenso wie „Individual“, lässt einen der Wagen nicht im Stich, sollte man mal den Bogen überspannen.

Fahrbericht seat leon cupra 280 awr mab (3)

280 für 32.000 

Der Einstieg in die Cupra-Welt beginnt bereits bei 31.320 Euro. Dafür gibt es neben 265 PS, Voll-LED-Scheinwerfern, der adaptiven Fahrwerksregelung DCC auch die Vorderachs-Differenzialsperre serienmäßig. Der von uns gefahrene Cupra 280 startet bei 32.620 Euro.

Seat hat den äußerst schwierigen Spagat Rennauto-Alltagsgefährt sehr gut geschafft. Nach der Hatz über den Circuit Mallorca lassen wir es im „Komfort-Modus“ entspannt angehen. Ohne nervöses Zucken des Motors und ohne nervigen Power-Sound, der bei Drücken der Sporttaste aber wunderbar sonor am Start ist, rollen wir über einsame mallorquinische Landstraßen zurück in eine Lounge in Palma. Aber nicht auf einen „Cupra“-Libre, dann doch lieber ein Wasser.

Vielleicht, wenn die Sonne über dem Meer langsam versinkt und die Insel in ein emotionales Licht hüllt, machen wir noch etwas „Cupra-Sport“ im bergigen Hinterland.

 

 

 

 

Text: Bernd Schweickard | © Foto: Seat (), Bernd Schweickard

Erste Fahrt: Toyota Auris 1.2 Turbo

Brüssel – Erster Test

Mit dem Auris wollte Toyota „Golf spielen“ gehen. Doch anders als beim Wolfsburger Dauerläufer honorieren Neuwagenkäufer die derbe Perfektion des Japaners nicht mit ständigen Absatzrekorden. Eigentlich komisch. Denn der Auris ist nichts anderes als der Golf. Perfekt in der Summe seiner Eigenschaften, ein wenig langweilig ob dieser Perfektion und weil in keinem Punkt wirklich schlecht, irgendwie ohne echten Charakter.

Charakterfrage für Golfspieler

Erste Testfahrt im neuen Toyota Auris 1.2 Turbo

Foto: Toyota Presse
Foto: Toyota Presse

Gib mir dein schönstes Lächeln – Facelift für den Toyota Auris

Mit drei Jahren, knapp drei Jahren, wäre das Facelift für den Auris noch nicht nötig gewesen und auch wenn man es in Japan eventuell nicht hören mag, aber das Design war mit Sicherheit nicht das größte Problem des Auris. Das Problem ist, ich habe es oben bereits angedeutet, es gibt keine Probleme.

Dennoch – der Auris kommt im Herbst mit neuer Front und neuer Grafik der Rückleuchten. Details, die weder einen Hype um den Auris auslesen werden noch ein Problem darstellen. Es bleibt also alles beim alten. Fast.

Unter der dynamisch ausgeführten Motorhaube pocht ein neues Herz, trotz Hybrid-Vorreiterrolle in Europa eine wirklich gute Nachricht und im Innenraum wurde kräftig Hand angelegt.

Die Uhr bleibt da!

Und auch wenn die LCD-Digital-Uhr im Innenraum an sich in Rente gehen musste, das Design des klassischen Zeitmessers hat Toyota beibehalten. Es gibt eben Dinge, die ändern sich nicht. Der Rest des Cockpits wurde ordentlich aufgefrischt.  Das große Touchscreen mit kapazitiver Bedienung lässt sich gut ablesen, die Benutzerführung und die Grafik bleiben – nun sagen wir es höflich – mit Potential für Verbesserungen in der nächsten Auris-Generation.

Toyota Auris new 03 habby erster  test fahrbericht
Foto: Harald Dawo

Neuer 1.2 Liter Turbo-Vierzylinder

Der wichtigste Trumpf im Antriebs-Quartett der Toyota’ianer? Natürlich, der Hybrid-Antrieb. Der Toyota Auris ist nicht nur der bestverkaufte Hybrid in Europa, er erobert auch viele neue Hybrid-Kunden. So fährt die Hälfte aller Auris Hybrid-Kunden zum ersten Mal einen Hybrid. Mit daran schuld? Vermutlich der schicke Kombi mit dem Namen „Touring Sports“. Für den Kombi und für den Fünf-Türer gibt es nun mit dem Facelift zusätzlich neue Motoren. Der 1.6 Liter Dieselmotor ist bereits aus anderen Modellen bekannt. Der 112 PS starke Diesel hat seine Wurzeln bei BMW und vervollständigt das Diesel-Portfolio im Auris. Ihm steht der Toyota 1.4D-4D zur Seite, der mit dem Facelift und neuer Commonrail-Einspritzung (180 bar) auf EU6-Norm getrimmt wurde

Wirklich interessant scheint jedoch der neue 1.2 Liter Turbo-Benziner zu sein. Nicht nur, weil er dem Trend zum „Downsizing“ folgt, sondern weil er dem Trend zum „Dreizylinder“ widersteht. Das lässt aufhorchen und mich unter die Haube schauen.

Downsizing zu viert

Vier gewinnt

Der Vierzylinder pumpt dank Turboaufladung 116 PS und 185 Nm aus seinen 1.2 Litern Hubraum. Toyota hat den kleinen Vierzylinder mit Benzindirekteinspritzung und variabler Ventilsteuerung ausgerüstet. So arbeitet der Motor, je nach Last, auch im Atkinson-Cycle.

Einen Vierzylinder dem Dreizylinder vorzuziehen, macht durchaus Sinn. Der Aufwand, aus einem vom Prinzip her unwuchtigen Dreizylinder einen laufruhigen Motor zu machen, ist nicht gerade gering. Und auch wenn es Bestrebungen gibt, selbst Dreizylinder-Triebwerke mit einer selektiven Zylinderabschaltung zu versehen – der Klassiker mit vier Pötten gewinnt im NVH-Wettkampf (Noise, Vibration, Harshness) vom Grundsatz her.

Leisetreter mit Zug

Toyota bietet den 1.2 Turbo im Auris sowohl mit einem manuellen Sechsganggetriebe als auch mit einer stufenlosen Automatik an. Für jeden Markt, außerhalb von Deutschland, mag die stufenlose Automatik punkten – bei uns sind CVT-Getriebe eher die Ausnahme.

Die erste Testfahrt rund um Brüssel erfolgte demnach auch mit 6 Gangstufen und Handarbeit.

So fährt sich der Toyota Auris mit dem 1.2 Liter Turbo-Benziner

Relaxed. Der Auris ist kein Sportler. Der Auris hat nicht einmal einen sportlichen Bruder. Dementsprechend ist das Setup des Auris vor allem auf eines ausgelegt: Auf eine ruhige Fahrweise. Und die passt auch gut zum neuen 1.2 Liter Turbo. Unaufgeregt, unhektisch, mit dem bereits früh und lange anliegenden Drehmoment lässt es sich schaltfaul fahren, wenngleich man von den zwischen 1.500 und 4.000 Umdrehungen anliegenden 185 Nm keine Wunder erwarten sollte.

Das früh servierte Drehmoment lässt den Auris 1.2 Turbo unaufgeregt aus Kurven ziehen, nicht sportlich, aber souverän genug, um die Ruhe zu bewahren. Der kleine Vierzylinder-Turbo kann durchaus „anziehend“ wirken. Die Geräuschdämmung wurde zudem verbessert, vom Benziner dringt nur ein mildes Säuseln in den Innenraum. Bei genauem Hinhören dann und wann auch ein Ladedruck-Fauchen.

Theoretisch sind Tempo 200 und 0-100 Sprints in 10.1 Sekunden möglich. Der Brüsseler Stadtverkehr und das belgische Tempolimit lassen beide Werte erst einmal auf dem Papier glänzen. Gesamt soll der Auris 1.2 T mit 4.8 Litern auf 100 km auskommen – auch hier war die Testfahrt in und um Brüssel herum erst einmal wenig hilfreich.

Ein ausführlicherer Test zu einem späteren Zeitpunkt wird uns Klarheit bringen.

Alternativer-Antrieb: Der 1.6 Liter Dieselmotor (Ex-BMW) und der Hybrid (Fahrbericht folgt)

Toyota Auris new 01 habby erster  test fahrbericht
Foto: Harald Dawo
Fazit

„Eigentlich“ voll der Japan-Golf

Es kam, wie ich es erwartet habe, der Auris liefert genau die Vorstellung ab, die auch ein Volkswagen Golf abliefern würde. Das perfekte Alltagsauto, ohne echte Schwächen, aber eben auch ohne echte Charakter-Falten. Der frische Innenraum überzeugt mit einer Verarbeitung auf Niveau der Wolfsburger, die Assistenzsysteme sind einem Update unterzogen worden – inklusive einem Pre-Collision-System, das zwischen 10 und 80 km/h arbeitet. Verkehrszeichen-Erkennung und Fernlicht-Assistent vervollständigen das Angebot an Assistenten. Alles da. Und selbst bei den Motoren bietet Toyota mittlerweile das „leicht verdauliche“ Programm für den durchschnittlichen Golfkäufer. Kleiner Diesel, kleiner Benziner.

Das alles auch mit flottem Kombiheck. Und natürlich, wir reden ja über Toyota, auch als Voll-Hybrid im Angebot.

Wenn es also auch weiterhin nicht reicht, um „Golf zu spielen“ dann liegt es eventuell einfach an einem einzigen Problem: Der Perfektion.

 

[toggle title=“Motor und Getriebe“]

Toyota Auris

1.2T 6GM

Bauart 4-Zyl Reihenmotor, Turbo, Direkteinspritzer
Hubraum 1.197 ccm³
Leistung 116 PS / 5.200 -5.600 U/min
Kraft 185 Nm / 1.500 – 4.000 U/min
Getriebe 6-Gang manuell
Antriebsachse Vorderachse

[/toggle]

[toggle title=“Abmessungen und Fahrleistungen“]

Länge, Breite, Höhe 4.330, 1.760, 1.475
Radstand 2.600
Leergewicht 1.190
 Wendekreis 10.4 m
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 10.1 sec
Normverbrauch 4.8 l/100 km

[/toggle]

[toggle title=“Kosten“]

Basispreis – noch nicht fix!
Testwagenpreis
Versicherung
KFZ-Steuer  –
Rabatt-Chance mittel
Wiederverkaufswert gut

KFZ-Versicherungsrechner

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Hondas Werk und Teufels Beitrag – Erste Fahrt im Civic Type R

Die Zeiten sind bitter für all die Buben, die Schirmkäppchen mit Buchstabenkombinationen geliebter Modellreihen falschrum tragen. Verkehrspolizeistaat. E10. Kein Top Gear mehr. Und für ihr Hobby „ATL am Wastegate-Geräusch identifizieren“ fanden sie auch nie viele Mitspieler. Aber dann sahen sie auf der Messe diesen neuen Civic Type R als Konzeptkarre. Das könnte ein Auto werden nur für sie. Und die frohe Kunde: So, wie ihr euch das vorstellt, ist die Kiste tatsächlich geworden – eine Liebeserklärung an den Fahrzeugbau, von Autonerds für Autonerds.

Das fing schon auf der Pressekonferenz an. „Sie werden eh wieder nix über die Radaufhängungen sagen“, fürchtete ein Car Nerd (na gut: ich) vorher. Doch dann kam ein Kotaro Yamamoto auf die Bühne und erklärte nicht nur ebendiese Radaufhängungen, sondern auch in muttersprachlich perfektem NRW-Deutsch alles Andere, das sich Honda so bei den Details gedacht hat. Jetzt setze ich mir mein eigenes Propellerkäppi auf und reiche hier das Smörgåsbord der Nerdereien Hondas weiter.

Honda Civic Type R 46 Fahrbericht

Da müsst ihr jetzt durch

Die meisten Schlagzeilen produzierte vorab der Motor, weil 310 PS Nennleistung und 400 Nm Drehmoment ab 2500 U/min unserem von Kindheit antrainierten Auto-Quartett-Denken („Sticht!“) so gut reinläuft. Diese Leistung trifft auf ein Fahrzeuggewicht von 1382 kg bei vollem 50-Liter-Tank ohne Fahrer und reicht für eine Endgeschwindigkeit von 270 km/h.

Um aus dem Hubraum von 1996 ccm eine solche Leistung zu holen, verwendet auch Honda einen Abgasturbolader, in diesem Fall einen normalen Einzelturbo. Damit der Fahrer trotzdem im Eck nicht verhungert, während er auf Turbinendrehzahl wartet, verwendet Honda erstens ein per Servo statt per Druck gesteuertes Wastegate, mit dem der R seinen Ladedruck genauer regulieren kann, und zweitens Hondas variable Ventilsteuerung VTEC.

Unter VTEC fasst Honda je nach Motor verschiedene solche Systeme zusammen, deshalb hier konkret: Im Type R ändert das VTEC den Ventilhub der Auslassventile in zwei diskreten Stufen. Bei niedriger Drehzahl öffnen sich die Ventile weiter, um die Füllung zu verbessern. Ab einer bestimmten Drehzahl schiebt sich ein Bolzen per Öldruck hinein und stellt Kraftschluss her. Der vorher leer auf eine Feder laufende Nocken betätigt dann die Ventile. Ich habe ein Bild vom Schnittmotor des Vorgängers gemacht, der das System zeigt. Die grundsätzliche Funktionsweise blieb gleich.

Bei höheren Drehzahlen schaltet Honda also um auf geringeren Hub, denn dann schaufelt der Lader ja Frischgas unter Druck an. Cleveres Detail, und da müsst ihr jetzt durch: Die Gasdynamik beim Ladungswechsel ist so angelegt, dass bei Teillast etwas Abgas im Zylinder bleibt. Dieses Abgas drosselt die Leistung. Deshalb kann die elektronisch gesteuerte Drosselklappe dort weiter öffnen, was die Strömungsverluste an der Drosselklappe reduziert. Andere Hersteller bauen eine Abgasrückführung, um denselben Effekt zu erreichen.

Der will das so

Erfreulich realistisch Hondas Verbrauchsangabe: um die 10 l auf 100 km im Mischbetrieb. Das klingt erreichbar, vor allem auch, weil Hondas neuer Vierzylinder gutmütigst selbst tiefste Drehzahlen fährt. Die Herunterschaltempfehlung im sechsten Gang leuchtet erst bei 45 km/h auf – Rollertempo. Also kann man den Wagen im Sechsten durch den Ort cruisen lassen. Man kann auch in der Mitte auf Drehmoment fahren. Man kann diesen Motor aber auch bis in den Überdrehbereich (die Nennleistung liegt bei 6500 U/min an) ausdrehen, denn dieser Motor, der will das so.

Im Prinzip läuft es so: Fast jeder Gang funktioniert fast immer, und die richtige Schaltempfehlung ist der Schaltblitz über dem Tacho. Bei 6500 U/min sind sechs rote Dioden an, dann schnickt das Handgelenk den nächsthöheren Gang rein. Ich meine das mit dem Handgelenk so: Die Schaltwege im R sind 4 cm kurz. Bremszone. Schnick. Schnack. Schnuck. Zweiter. Vollgas. Es erinnert mich an die wunderbare Schaltung des letzten Honda S 2000 damals. Ein besseres Kompliment kann es kaum geben. Gegenstimmen vor Ort: Es wünschte sich jemand mehr Feedback aus Gegenkräften bei der Rastung der H-Schaltung. Ich sage das nur der ausgewogenen Berichterstattung wegen, der sich Bjoern (Anmerkung von Bjoern: er meint mich!) so vehement verschrieben hat. Immer an die Randgruppen denken.

Was Yamamoto-san sagt

Und schließlich sprach Herr Yamamoto über die erwähnten Radaufhängungen. Erstaunlicherweise bleibt Honda beim Type R bei der Verbundlenker-Hinterachse, statt auf die Mehrlenker-Achse früherer Generationen des Civic Type R zurückzukehren, wie viele Beobachter (na gut: ich) erwartet hatten. „Grund?“, fragte ich Herrn Yamamoto. Antwort: „Naja, die Verbundlenkerachse hat selbst in der WTCC super funktioniert, vor allem in Verbindung mit den aktiven Dämpfern, also blieben wir dabei.“ Tja. Dann ist das wohl so. Ein Verbundlenker hat ja den Vorteil, dass er weniger kostet und wenig Platz braucht. Passt also mehr in den Kofferraum. Nur, falls jemand einen R aus den legendären „praktischen Gründen“ kaufen möchte.

An der Vorderachse verbaut Honda eine modifizierte McPherson-Aufhängung, bei der die Lenkachse nach außen in Richtung Laufflächenmitte verschoben wurde, ähnlich dem, was andere tun, zum Beispiel Ford mit der RevoKnuckle oder Opel mit der HiPerstrut-Aufhängung. Das reduziert Antriebseinflüsse auf die Lenkung, das „torque steer“, wie der Brite sagt. Breitreifige, kräftige Fronttriebler können ansonsten sehr störend ins Lenkrad reißen beim Beschleunigen. Hondas Lösung ist ein kleiner zweiter Querlenker am Federbein, der ins Rad ragt und den oberen Punkt einer steileren Lenkachse bildet. Dazu serviert Honda ein Sperrdifferenzial. Fahrer von Dingern wie Toyota Borreliose oder Hyundai Iieh haben wir an dieser Stelle mit Sicherheit längst eingeschläfert, also schwelgen wir kurz in der Glückseligkeit dieses Antriebs, denn es muss zu diesem Werk Gottes gleich des Teufels Beitrag folgen: ein nicht abschaltbarer „Einlenkassistent“.

Honda Civic Type R 28 Fahrbericht

Gottes Werk und Teufels Beitrag

Auf dem Asphalt funktioniert diese Vorderachse herrlich. Sie lenkt gefühlsecht, antriebsmomentarm, genau und im R-Modus angenehm beschwert. Beide Antriebswellen sind so ausgehärtet, dass sie trotz unterschiedlicher Länge die gleichen Verformungseigenschaften aufweisen. Und das Sperrdifferenzial sorgt dafür, dass der R dich unter Last aus der Kurve herauszieht wie an der Winch statt dich untersteuernd in die Hecke zu quietschen. Es bleibt mir also vollkommen unverständlich, wieso Honda da obendrauf noch herumassistieren will.

Der Einlenkassistent benutzt bekannte ESP-Funktionen, um das kurveninnere Vorderrad beim Einlenken abzubremsen. Das sorgt wie beim ESP oder bei Daimlers genauso funktionierendem Spurhalte-Assi in der E-Klasse damals für ein Giermoment, das Auto dreht sich also in die Kurve hinein. Das Grundprinzip des Stiefel raushaltens beim Schlitten lenken, so erklärt es Yamamoto, was schreckliche Erinnerungen an die ersten ESP wachruft, die uns genauso angetragen wurden, und heute haben wir den Salat mit ESP-Pflicht. Der Lenkassi funktioniert auch gut, solange man sauber fährt. Wenn man nicht mehr sauber fährt (na gut: wie ich), dann hilft er dem Fehler machenden Fahrer (mir) dabei, sich sein eigenes Grab in der Hecke zu schaufeln. Ich hasse das Teil und ich hasse es, dass man es nicht abschalten kann, auch nicht im R-Modus (habe extra mehrfach gefragt). Da sitzt also ein Assi, der mir nichts bringt außer Störung und frisst meine teuren Bremsbeläge. Parasit. Ausgewogenheits-Disclaimer: Niemanden sonst störte der Parasit.

Vielleicht brauchen wir solche Schnitte mit rostigen Skalpellen in die Seele, um zu wissen, dass wir sie noch haben. Lasst mich, ich tröste mich mit dieser romantischen Vorstellung. Ansonsten: Ein schlauer Mech wird hoffentlich bald herausfinden, wie man diesen Parasiten entfernt, und dann wird alles gut, so gut wie die Bremse. Bremsen an Autos sind normalerweise eine Quelle tiefer Verzweiflung für mich, weil ich Motorradbremsen gewohnt bin, die schon an popeligen Mädchenmotorrädern rennstreckentauglich, weil so gut gekühlt und überdimensioniert sind. Bei Autos dagegen vermatschen, verkochen oder brennen gar selbst die Bremsen von Sachen, auf denen aus mir bis heute unerfindlichen Gründen „Sport“ steht. Deshalb großer Respekt vor Honda: Die Bremse des R bleibt selbst auf der Rennstrecke von der ersten bis zur letzten Runde standhaft. Jetzt sind wir nur fünf Runden à 14 Kurven gefahren, aber ich möchte mit einiger Zuversicht aus meinem bescheidenen Datenbestand extrapolieren, dass der Civic eine der besten Bremsen, vielleicht DIE beste Bremse aller Kompaktsportler hat.

Honda Civic Type R 22 Fahrbericht

Pommestheke falschrum

Wir müssen jetzt doch über sie reden, die Pommestheke hinten. Das finden viele Autofahrer heute peinlich, was ich ihnen nicht verdenken kann. Aber viele Autofahrer kaufen auch Gölfe, was ja eindeutig zeigt, dass sie nicht am Fahren interessiert sind, sondern rein an der Verfügbarkeit von Mobilität mit einem Klecks Status. Autonerds stehen in einem anderen Verhältnis zu ihr an der Pommestheke. Sie sehen durchaus, wie RTL2 das ausschaut. Aber wenn prolliges Aussehen uns je gestört hätte, dann wären der Evo und der Impreza WRX kein einziges Mal verkauft worden. Solange das Aussehen auch etwas nutzt, darf Honda da ruhig einen Tapeziertisch hinten draufbinden, und das haben sie eben getan.

Nun wissen wir ja, wie ein Flügel aussieht, der Anpressdruck erzeugen soll. Er zeigt hinten nach oben. Hondas Flügel zeigt hinten nach unten, sieht also aus, als erzeuge er AUFtrieb. Eingebaut erzeugt er jedoch tatsächlich Abtrieb. Er ist so geformt, weil er in der vom abfallenden Dach nach unten strömenden Luft steht. Sein Anströmwinkel ist Hondas Kompromiss zwischen Abtrieb und Luftwiderstand. Autonerds lieben es, so etwas zu erklären, und ja: Damit meine ich mich. Wenn ich anfange, über Technik zu schwafeln, solltest du eine Ausrede murmeln und schnell das Gebäude verlassen, sonst finde ich dich auf dem Klo und kaue dir beide Ohren ab. Wussten Sie übrigens, dass Daimler seit einiger Zeit wieder Direkteinspritzer mit Schichtladung baut? Faszinierend, oder? Oh, er muss zur sterbenden Oma. Naja.

Jedenfalls wirkt die prollige Aero. Der Civic gehört zu den ganz wenigen Autos, die tatsächlich netto Abtrieb erzeugen, nicht nur Auftrieb reduzieren bei höherer Geschwindigkeit. Konkrete Zahlen verschweigen sie uns jedoch. Die tiefen Schürzen, der Splitter, der flache Unterboden, der Diffusor, sie tragen alle dazu bei, und ohne sie fährt das Auto auch keine 270 km/h, sagt Honda. Ich möchte meine vorherigen Einwände zu diesem Thema also zurückziehen, denn ich brauche diese 270 km/h. A71. Kennter ja.

Honda Civic Type R 71 Fahrbericht

Was am Ende bleibt

Ziehen wir einen Strich unter den Type R. Unter diesem Strich steht vor allem der Preis: 34.000 Euro. In diesem Preis ist anders als anderswo alles enthalten, was der Fahrer will: alle Leistung, das Sperrdifferenzial, der Flügel, die Bremsanlage. 34.000 Euro kaufen also eine Menge Auto, und zwar ein Auto in einer Form, die selten geworden ist: Der Type R lehrt dich, richtig Auto zu fahren. Häng dich in der Bremszone faul mit einer Hand wackelnd ins Lenkrad, die andere Hand schon am Schalthebel, und du wirst merken, was ich meine. Das ESP greift im R-Modus erst ein, wenn du einen echten Fehler gemacht hast. Es lässt dich ansonsten jede physisch mögliche Kurvengeschwindigkeit fahren, und trotzdem lässt es sich zum Spaß oder Lernen komplett abschalten (lesen das die Leute, die den GTI gebaut haben?). Fahr eine falsche Linie, und du wirst sehr unglücklich werden, oder tot. Fahr eine richtige Linie, und der Antrieb wird dich sehr glücklich machen.

Bis auf den Parasiten liefert Honda hier die Alte Schule in neuester technischer Umsetzung ab. Jeder Autonerd, der einen neuen Kompakten kaufen will, sollte sich den Civic anschauen. Ein paar mehr Einstellungen wären nett gewesen, ja, zum Beispiel die Gaspedalkennlinie einstellen wie beim Mégane RS. Aber als Paket hat Honda ihr interessantestes Auto in einer sehr langen Zeit gebaut, für einen angemessenen Preis.

Für 2500 Euro mehr gibt es ein „GT-Paket“. Es enthält Kruschtelscheiß, den man zum reinen Fahren nicht braucht. Mehr Assis (Scheibenwischer, Fernlicht, Notbremsung, Spur halten, Totwinkel, Ausparken, Verkehrszeichenerkennung), mehr und bessere Boxen, ein paar Zierleisten plus eine Navi-Software für das Android-Infotainment-System, die Garmins Stand von vor acht Jahren entspricht. Deshalb gibt es einen einfachen Tipp: Standardversion kaufen, die ungefahrenen Reifen sofort auf ebay einstellen und das gesamte Geld dann in Semislicks und Benzin investieren. Der Type R wird dich zu einem besseren und glücklicheren Autonerd machen.

Alternativen

Renault Mégane RS:

Weit verbreitet mit guter Ersatzteillage, der Motor lässt mit einigen vergleichsweise günstigen Tweaks auch über 300 PS los, Renault verbaut eine standhafte Bremse, und wer es extrascharf braucht, kann auf einen Trophy R mit CFK-Federn sparen. Die Nordschleife wimmelt von ihnen. Also besser keinen „guten Gebrauchten“ aus der Gegend kaufen. Er wird nicht mehr gut sein, aber sehr gebraucht.

Seat Leon Cupra 280:

Wie es geht, zeigen ausgerechnet SPANIER den Wolfsburgern: Der Cupra nimmt den Golf GTI mit seinem unglaublichen, elektronisch gesteuerten Achsdifferenzial als Idee, legt 50 PS nach und versteckt das Ganze dann in der klassischen Ratte: Der Cupra sieht so langweilig aus wie immer, aber du wirst seine Langweiligkeit meistens von hinten sehen. Großes Kino, bei Frauen ohne Autoahnung obendrein höchst beziehungskompatibel. Tipp: Auch das „Performance-Paket“ stimmt erst beim Spanier: Bei Seat enthält es Semi-Slicks, 370-mm-Bremsscheiben vorn mit Vierkolben-Festsätteln und leichtere Felgen. Leistung und Differenzial? Serie. Gracias!

Erste Fahrt im Golf TSI – 3 Zylinder

3-Gang Spar-Menü

Erste Ausfahrt im Golf TSI mit Dreizylinder-Turbobenziner

Nun ist es soweit und manche werden aufschreien. „Wie, nur drei Zylinder in meinem Golf?“, kann das gut gehen oder ist der Zenith des Downsizing-Hype’s überschritten?

Leistungsexperten, die der Meinung sind, dass ein Dreizylinder nur zum Antrieb eines Mofas genüge, kann man direkt den Wind aus den Segeln nehmen. Der neue Golf TSI BlueMotion mit seinem 1.0 Liter Motor liefert 115 PS und beschleunigt in sportiven 9,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Das sind fünf PS mehr als der erste Golf GTI 1976 hatte, der in 9,2 Sekunden auf die magische 100 km/h Grenze beschleunigte. Das Ende der Jugend-Beschleunigungsorgie kam schon bei unter 190 km/h Spitze, während der neue Golf TSI BlueMotion am GTi vorbeizieht, bis die Tachnonadel bei 204 km/h erst den Vorwärtsdrang einstellt.

Kein Wunder, sein spezifisches Drehmoment ist auf dem Niveau eines Sportwagens. Der 1.0 TSI unter der Haube ist der erste Großserien-Ottomotor, der ein spezifisches Drehmoment von 200 Nm pro Liter erreicht. Wobei der neue Motor bereits schon ab 1.500 U/min. 175 Nm zur Verfügung stellt. Und das in Kombination mit Verbrauchswerten, die man sonst nur von Dieselmotoren kennt.

Aber wie funktioniert das alles? Wir lassen uns von Dr. Hermann Middendorf die Technik im Motoren-Seminar näher erklären.

Dank eines ultrasteifen Kurbelgehäuses aus leichtem Aluminium-Druckguss (Gewicht: 15 kg) und des kompakten Aufbaus mit drei statt vier Zylindern ist der 1.0 TSI mit 89 kg rund 10 kg leichter als ein vergleichbarer Vierzylinder. Der Kurbeltrieb – Kurbelwelle, Kolben und Pleuel – zeichnet sich durch niedrige bewegte Massen und eine geringe Reibung aus. Die Aluminiumkolben und geschmiedeten Pleuel wurden soweit gewichtsoptimiert, dass der 1.0 TSI ohne eine Ausgleichswelle auskommt. Durch Gewichtserleichterungen in den Hubzapfen wird zudem das Gewicht der Kurbelwelle um sechs Prozent gesenkt. Vier Gegengewichte reduzieren die inneren Kräfte in der Kurbelwelle und damit die Hauptlagerbelastung. Besonders klein dimensionierte wenngleich extrem robuste Haupt- und Pleuellager tragen indes maßgeblich zur niedrigen Reibleistung des neuen Motors bei.

Eines der Highlights ist der in den Zylinderkopf integrierte Abgaskrümmer, der nicht nur Gewicht spart, sondern für die Insassen auch einen praktischen Nutzen hat. Der Abgaskrümmer wurde mit einem eigenen Kühlwassermantel versehen. Das neue Zweikreiskühlsystem wird anhand von Thermostaten geregelt und vermindert nicht nur den Verbrauch durch das Erreichen annähernd perfekter thermischer Werte für die Verbrennung, sondern wirkt sich auch positiv auf den Heizungs-Kreislauf aus.

Vorteil für die Insassen, wärmende Temperaturen des Heiz- und Kühlkreislaufs erreichen früher den Innenraum und wärmen Fahrer und Mitfahrer auf.

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Der neue Golf TSI BlueMotion wird ausschließlich in den zwei Ausstattungsversionen Trendline und Comfortline angeboten. Darüber hinaus steht das Gros der optionalen Features auch für die BlueMotion-Modelle zur Verfügung. Zur Serienausstattung des Golf TSI BlueMotion Trendline gehören im Exterieur die 15-Zoll-Leichtmetallräder des Typs „Lyon“, ein größerer in Wagenfarbe lackierter Heckspoiler sowie der nahezu geschlossene Kühlergrill. Dieser besteht aus einer glattflächigen schwarzen Spange mit integriertem BlueMotion-Schriftzug und einem darunter angeordneten Chromstreifen, der bis in die Scheinwerfer fortgeführt wird. Ebenfalls speziell auf die BlueMotion-Versionen abgestimmt: die schwarzen Kühlluftöffnungen im Stoßfänger, die optimierte Kühlluftführung, das Sportfahrwerk (Karosserie 15 mm tiefer) und die Super-Roll­widerstandsreifen. Wird der Golf TSI BlueMotion mit den optionalen Xenonscheinwerfern bestellt, veredelt parallel ein blauer Streifen zwischen den Scheinwerfern das Kühlergrillschutzgitter.

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Innen ist alles „Golf-Like“. In unserem Testmodell sitzen wir auf bequemen Gestühl mit Stoffbespannung, alle Schalter und Bedienelemente sind bekannt. Um das gesparte Geld sinnvoll zu investieren, verstärkt eine optionale Dynaudio Soundanlage die Atmosphäre im Innenraum. Ungestört von der vielleicht unterstellten Unruhe eines Dreizylinders. Die Akustik stand zum Glück mit oben auf der todo-Liste der Ingenieure, so dass wir bei der Testfahrt keine unangenehmen Motorgeräusche feststellen können. Ganz im Gegenteil, der in unserem Fall mit dem Automatikgetriebe „DSG“ ausgestattete Testwagen rollt flott, leise und ruckfrei über die niederländischen Straßen rund um Amsterdam.

Das VW Sparmenü beginnt bei 20.450 Euro für die Version Trendline mit manuellem Getriebe und bei 24.025 Euro für die von uns gefahrene Comfortline-Version mit 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Der Sportsvan steht als Blue Motion Version ab 22.635 Euro in der Liste.

Selbst die Serienausstattung bei Trendline überzeugt uns mit einem 5-Zoll-Touchscreen, elektronischer Parkbremse mit Berganfahrhilfe, sieben Airbags, Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung.

So ist der neue VW Golf TSI BlueMotion eine Vollwertkost, aber zum SparMenü-Preis.

 

 

 

 

Text: Bernd Schweickard, ©-Fotos VW, Bernd Schweickard

Erste Ausfahrt im neuen Mazda CX-3

Klein aber Oho

Erste Ausfahrt im neuen Mazda CX-3

Mini-SUVs sind auf dem Vormarsch. Auf dieser Erfolgswelle möchte jeder mitsurfen, so auch Mazda, die nun den neuen CX-3 in Barcelona vorstellten. Nach dem Erfolg des großen Bruders, dem Mazda CX-5, sind die Erwartungen da natürlich hoch. Am Flughafen wartete schon eine ganze Armada an Fahrzeugen auf die Journalisten und interessanterweise nicht nur die Top-Ausstattung. Mazda ist so überzeugt von seinem Neuling, dass sie gleich alle Ausstattungslinien zum Testen zur Verfügung stellten. Und der Kleine kann sich nicht nur sehen lassen, er hat es auch in sich. Der erste Eindruck: dynamisch und kompakt. Der neue Mazda CX-3 ist geprägt von zahlreichen typischen Eigenschaften der Mazda Formensprache KODO. Mit den herausgearbeiteten fließenden Linien, der weit nach hinten versetzten Fahrerkabine und vielen weiteren Designmerkmalen wird klar, dass er zur neuen Mazda Fahrzeuggeneration gehört, wie seine Brüder, der Mazda3, der Mazda6 und der Mazda CX-5.

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Niedlich flott

In neun Außenlackierungen ist der Kleine erhältlich. Neu ist darunter der Farbton Ceramic Metallic, der sich je nach Lichteinfall verändert. Auch eine schöne Seitenansicht hat er und selbst der Rücken entzückt. Sein eigenständiger SUV-Charakter bringt er mit großen Rädern, den Seitenschutzleisten und der hohen Gürtellinie zum Ausdruck. Die Front ist natürlich typisch Mazda, ein wenig zu „stupsnäsig“. Doch den Niedlichkeitsfaktor legt er schnell ab, sobald man seine 150 PS ein bisschen mehr herauskitzelt. Allerdings dauert das ein wenig, denn er kommt nur schwerfällig auf Touren. Doch ist er erstmal dabei, gibt es kein Halten mehr. Die wunderschöne Landschaft Kataloniens bietet einige Strecken um den kleinen Crossover so richtig zu fordern. Die Serpentinen nimmt er mit freudigem „Gebrüll“. Die zunächsr sehr weiche Gangschaltung des „Soul Red“ CX-3 ist hier allerdings genau richtig und lässt es zu, die manchmal doch sehr engen Kurven zackig zu umfahren. Wenn man es als Fahrer kann. Der Vordermann will ebenfalls zeigen, dass er es kann und nimmt die Kurven teilweise etwas zu waghalsig. Nicht ganz ungefährlich, wenn diese oft nur schwer einsehbar sind. Aber der Mazda CX-3 vermittelt dank zahlreicher Assistenzsysteme einen Sicheren Eindruck.

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Intelligente Sicherheit

Eine zentrale Rolle spielt dabei das in der höchsten Ausstattungslinie enthaltene, ausfahrbare Head-up-Display, eines der ersten in dieser Klasse. Es zeigt wichtige Fahrinformationen wie die aktuelle Fahrgeschwindigkeit, die Richtungshinweise des Navigationssystems und Warnungen der i-Activesense Sicherheitssysteme direkt im Blickfeld des Fahrers auf der Windschutzscheibe an. Als Infotainment-Zentrale fungiert das 7-Zoll-Farb-Touchdisplay, das mittig auf der Armaturentafel platziert ist, den Zugang zu den Konnektivitäts-Services des MZD Connect Systems gewährt oder das Bild der optionalen Rückfahrkamera anzeigt. Als erstes Mazda Modell im B-Segment erhält der Mazda CX-3 die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit radargestützter Distanzregelung MRCC (Mazda Radar Cruise Control). Sicherheit, Nutzerfreundlichkeit, Komfort und Konnektivität sind im neuen Mazda CX-3 nämlich das wichtigste. Und dabei wird auch der Fahrspaß nicht zurückgestellt.

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„Fahrspaß ohne Einschränkungen“ heißt es über die Motoren und Getriebe des neuen Mazda CX-3. Zur Wahl stehen ein 2.0 l Skyactiv-G Benzindirekteinspritzer in zwei Leistungsstufen und der neue 1.5 l Skyactiv-D Dieselmotor, der nach seinem Einstand im neuen Mazda2 nun auch im CX-3 zum Einsatz kommt. Die Antriebskraft wird je nach Motorisierung über ein Sechsgang-Schaltgetriebe mit sechs Gängen oder die Sechsstufen-Automatik Skyactiv-Drive an die Vorderräder oder alle vier Räder verteilt. Unser kleiner Benziner mit 2,0 Litern Hubraum sowie 110 kW/150 PS und Allradantrieb erreicht ein maximales Drehmoment von 204 Nm. In der leistungsstärkeren Version ist der Skyactiv-G zudem ab Werk mit dem kondensator-basierten Bremsenergie-Rückgewinnungssystem i-Eloop ausgerüstet. Ein kleines Wunderwerk dieser Mazda CX-3. Trotzdem scheint er sich in der Stadt wohler zu fühlen als in den luftigen Höhen der katalonischen Gebirgsketten. Hier kommt er ein wenig ins schnaufen, trotz gutem Fahrwerk und dem Allradantrieb, das in den Serpentinen gut mitarbeitet. Sportliche Manöver sind dennoch nur sehr begrenzt möglich. Doch in der Stadt ist er der Held der Strasse und zeigt sich sogar von seiner sparsamen Seite. Ein überschaubarer Verbrauch von ca. sechs bis sieben Litern grooved sich beim kleinen Mini-SUV ein, bei vorausschauender Fahrweise.

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Fazit

Die Tendenz beim neuen Mazda CX-3 geht ganz klar zur Sportsline. Hier hat der geneigte Fahrer nicht nur ein schnittiges Fahrzeug für die Stadt, der mit seinen 4,27 Metern Länge aich im Interieur genug Platz bietet. Er bekommt eine gute Portion Fahrspaß oben drauf und das zu einem besonders günstigen Preis. Der Basispreis von 17.990 Euro für die 120 PS-Motorisierung dürfte einen Verkaufserfolg bringen. Angeblich sind bereits schon 20% der Käufer von Premium-Marken auf den CX-3 Geschmack gekommen. Kein Wunder, bekommen Sie mit dem neuen Mazda CX-3 auch ein hochwertig ausgestattetes Fahrzeug, das dank seines überschaubaren Preises eine gute Alternative zu den üblichen Premium-Fahrzeugen bietet.

Fahrbericht / Fotos: Simone Amores

Weitere Impressionen:

Erste Fahrt: Range Rover Sport SVR

Rock am Ring

Dass ein SUV nicht ins Gelände gehört, weiß man ja schon länger, obwohl einige durchaus gute Geländewageneigenschaften besitzen. Auf der Münchner Maximilianstraße benötigt man diese aber weniger, außer, man möchte einen Bordstein erklimmen.

Und für dort, aber auch für richtigen Männer-Asphalt, der auf einer Rennstrecke ausgelegt wurde, gibt es ein neues Spielzeug, den Range Rover Sport SVR. Es handelt sich dabei um einen von der bei Land Rover neu gegründeten Abteilung „Special Vehicles Operations“ (SVO) modifizierten Range Rover Sport V8.

Nicht nur äußerlich wirkt das neue Topmodell der Range Rover Familie, in der SVR-Exklusivfarbe „Estorilblue“ lackiert, brutal, richtig ab geht’s unter der Haube. 550 PS, 680 Nm Drehmoment und 260 km/ Spitzengeschwindigkeit, im SUV, erscheinen schon auf dem Papier unbegreifbar. Der Motor ist eine Evolutionsstufe des 5,0-Liter-V8-Kompressormotor Triebwerks, das 40 PS und 56 Nm mehr leistet als im Serien Range Rover Sport V8. Es ist eher die Gesamtheit des Fahrzeugkonzeptes und die Detailverbesserung, die den Mehrpreis von 25.000 Euro gegenüber dem Serien-Pendant ausmachen.

Und wo kann man solch einen Böller am besten ausprobieren? Richtig, auf der GP-Strecke des Nürburgrings. An diesem Dienstagmorgen, bei eisigem Wind um die 10 Grad in der Eifel, stehen ein halbes Dutzend SVR in der Boxengasse des Nürburgrings bereit, um ausgeführt zu werden. Die letzte Auspuffsonate vom 24h-Rennen, das erst vorgestern Nachmittag zu Ende ging, scheint noch nicht ganz verklungen, als wir den bärenstarken V8 starten. Wie soll man das beschreiben, dieses Gefühl, wenn sechs Hubraummonster in einer verwaisten Boxengasse zum Leben erweckt werden und der Schall durch die kalte Morgenluft zwischen den Rolltoren der Boxen und der Pitwall wie ein PingPong-Ball hin und her reflektiert.

Fahrbericht Land Rover Range rover sport 16 nurburgring

Die erste von zwei Neuheiten beim Range Rover wird uns hier vorgeführt. Die zweistufige aktive Auspuffanlage. Sie erzeugt mithilfe elektronisch gesteuerter Ventile bei höheren Drehzahlen eine Geräuschkulisse, die zu einer Rennstrecke passt, versprüht aber zugleich bei langsamerer, gleichmäßiger Fahrt kultivierte Laufruhe.

Auf der Rennstrecke glänzt der SVR zwar mit Sportwageneigenschaften. Immerhin holte er mit 8,14 Minuten die Rekordzeit für eine Umrundung der Nordschleife für ein Produktions-SUV nach England, auch wenn diese Trophäe mittlerweile wieder in Zuffenhausen steht, aber er kann seine schiere Größe und Gewicht nicht verleugnen. Sein Vollaluminium-Monocoque, das erste in seiner Fahrzeugklasse, hilft das Gewicht um 39% gegenüber des Vorgängers zu senken, aber die Waage zeigt dennoch eine zwei vor dem Komma bei der Tonnenangabe des Gewichtes an.

Fahrbericht Land Rover Range rover sport02 nurburgring schweickard

So ambivalent verhält sich der SVR bei sportiver Fahrweise. Beim Anbremsen in der Mühlenbachschleife aus voller Fahrt scheint der SVR schwer wie ein Ozeantanker zu sein und schiebt immer weiter Richtung Kurvenäußeres, dort wo der Asphalt aufhört und der Kies beginnt. Gut, das wäre jetzt kein Hindernis, denn im Gegensatz zu einem Sportwagen sitzen wir ja in einem Full-Size-SUV, einer, der auch Gelände kann. Und das mit einem richtigen, permanenten Allrad, mit einer 50:50 Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Sollte es mal richtig grob werden, steht dem Fahrer ein zweistufiges Verteilergetriebe mit Untersetzungsmöglichkeiten zur Verfügung. Und sollte überraschend ein Fluss vor dem SVR-Fahrer erscheinen, hilft die in diesem Segment unübertroffene Wattiefe von 850 Millimeter. Elektronische Helfer wie die Wassertiefenmessung „Wade Sensing“ unterstützen den Fahrer bei den Wasserspielen.

Wir probieren das heute nicht aus, bleiben auf dem Asphalt und sind erstaunt, wie leichtfüßig der SVR nun aus der Mühlenbachschleife in Richtung Schumacher-S hochzieht. Dabei brüllt der V8 wie der König der Löwen, als wolle er die gesamte Sahara vor einer Gefahr warnen. Die Lenkung ist für unsere Begriffe etwas zu weich abgestimmt und auch das Bremspedal lässt einen sehr weiten Weg zu, packt aber vehement zu.

 

„Hot Lap mit Horst von Saurma“

Doch was wirklich in diesem Macho-SUV steckt, zeigt uns Horst von Saurma, der vor drei Jahren an dieser Stelle noch mit Roland Asch und Patrick Simon das 24h-Rennen bestritten hatte.

Horst lässt die exzellent schaltende ZF-Achtstufenautomatik, die für den SVR von den SVO-Spezialisten nochmals überarbeitet wurde und nun mit um 50% verkürzten Schaltzeiten glänzt, links liegen und schaltet manuell mittels der Paddels am Lenkrad.

Mit einem Profi am Volant bewegt sich der Achtender noch mal ganz anders. Horst lässt den SVR ganz zart auf Kante den schwarzen Gummi seiner 295/40 R22 Continental SportContact5 Hochleistungsreifen in der Mercedes Arena abradieren. Die stark konturierten Oxford-Leder-Sitzschalen halten mich bei diesen Fliehkräften an Ort und Stelle und ich wundere mich, dass sich die Reifen nicht von den gewaltigen 22 Zoll Felgen verabschieden. Man kann bis in die feinsten Härchen am Arm, die vor Begeisterung senkrecht nach oben stehen, die Kraft und diese Gewalt merken, die hier am Werke ist.

Und manchmal geht auch mehr. So treibt Horst diesen SUV-Koloss, der sich so leichtfüßig anfühlt, auch mal quer über die Strecke. Der Geruch von verbranntem Reifengummi bahnt sich seinen Weg in den Innenraum. Vorne stampft der V8 wie die riesige Maschine in dem Film „Das Boot“ , als volle Fahrt befohlen wurde und U96 sich seinen Weg durch die peitschende See schneidet. Allerdings – mein Kapitän Horst von Saurma sitzt entspannt wie der Oberförster auf dem Weg zur Jagd im Gestühl. Dabei hält er das Volant locker in der Hand und rockt unter trompetenartigem Getöse aus den dicken Endrohren über den Ring.

Der Range Rover SVR wird zu Preisen ab 126.400 Euro nicht das Volumenmodell der Marke werden, aber selbst jetzt, vor der offiziellen Vorstellung beim Händler, liegen SVO schon 1.600 Bestellungen vor. Der SVR ist zwar der schnellste und leistungsstärkste Land Rover aller Zeiten, jedoch müssen die Käufer Geduld mitbringen. Bei SVO sind aktuell rund 60 Fahrzeuge gebaut worden. Die Wartezeit beträgt aktuell über sechs Monate.

 

 

Text: Bernd Schweickard © Foto: Land Rover, Bernd Schweickard