Amazon.de Widgets

Jaguar XE, XF und F-Pace – Kleine Hightech-Kur

Jaguar erweitert zum Frühjahr 2017 für seine Baureihen XE, XF und F-Pace das Motorenangebot. Außerdem gibt es für alle drei Modelle der Briten neue Ausstattungsoptionen. Die neuen Motorvarianten sind bereits bestellbar, die Auslieferung erfolgt im Mai. Neu sind gleich mehrere Vierzylinder-Motoren der noch jungen Ingenium-Familie. Zum Technikarsenal der Aggregate gehören Twinscrollturbolader, im Zylinderkopf integrierte Abgaskrümmer, vollvariable Ventilsteuerung sowie Direkteinspritzung mi…

Jaguar XF: In China auf die Streckbank

Auf dem Weg zum Global Player startet Jaguar die erste Fahrzeugmontage in China.

Seit der Übernahme durch den indischen Tata-Konzern gedeihen die britischen Marken Jaguar und Land Rover prächtig. Während die Off-Road-Marke schon immer zur Benchmark in ihrem Segment zählte, konnte Jaguar das einengende Adelskostüm abstreifen und tritt „Smart Casual“ gegen die vor allem deutschen Premiummarken an. Um mit den Großen mitzuspielen lancierte man z.B. ein kleineres Modell, den XE, dazu wird aktuell der erste Jaguar SUV namens F-Pace in den Markt eingeführt.

Und weil die erklärten Mitbewerber vom Schlage BMW, Mercedes und Audi in China sehr erfolgreiche Strategien mit auf lokale Bedürfnisse angepasste Modelle fahren, gibt es bald auch den ersten Jaguar aus einer chinesischen Fabrik.

Den Bedürfnissen chinesischen Geschäftsleute und ihrer Vorliebe für das Gefahrenwerden entsprechend hat Jaguar dafür den XF auf die Streckbank geschnallt.  Zusammen mit dem chinesischen Joint-Venture-Partner Chery betreiben die Briten eine Fabrik in Changshu. Dort sind bereits 4.500 Menschen in Lohn und Reis, da sie seit 2014 bereits die Modelle Range Rover Evoque und Land Rover Discovery Sport  zusammenbauen. Der verlängerte Jaguar XF kommt im zweite Halbjahr 2016 hinzu, Premiere feiert er Ende April auf der Automesse in Peking.

Die Chinesen bekommen also „ihren“ XF. Natürlich wissen wir, dass der deutsche Markt nur einen Bruchteil so groß ist wie der im Reich der Mitte, aber dennoch wünschen wir uns – F-Pace hin oder her – weiterhin wieder einen XF Kombi.

Chinesen bevorzugen diese Perspektive aufs Cockpit: Von hinten rechts.
Chinesen bevorzugen diese Perspektive aufs Cockpit: Von hinten rechts.

Erster Test: Der neue Jaguar XF

Es ist ja gar kein Facelift. Steht man vor dem „neuen“ Jaguar XF, mag man erst einmal an ein Facelift glauben. Doch weit gefehlt. Schaut man sich das Datenblatt an, dann wuchs der Radstand um 5.1 Zentimeter, während der XF an sich um 7 Millimeter kürzer wurde. Da wird deutlich, der „neue XF“ ist wirklich neu! 

British? British Premium!

Erster Test des neuen Jaguar XF

Und wie neu er ist. Er teilt sich viele Komponenten mit dem kleineren Bruder XE, aber das schadet dem Premium-Anspruch des XF nicht. Viel Aluminium, ein aufwendiges Fahrwerk, kraftvolle Diesel und ein sachte evolutioniertes Design. So kann das dann auch mit der Attacke auf die drei Premium-Kollegen aus Deutschland klappen. Vor allem die Münchener stehen im Visier des neuen XF. Ein starkes Stück Auto aus England!

Gestreckt und mit dem Hauch eines viertürigen Coupés gesegnet, steht der Engländer vor einem. Das wirkt edel, das wirkt sportlich. Die Überhänge sind nun kürzer, auch das hilft beim adretten Auftritt. Dass er unter seiner Haut vor allem aus Aluminium besteht, sieht man nicht, doch auch der Blick in das Datenblatt verrät die edle Materialwahl nicht. Dass selbst der „kleine“ Diesel am Ende mit knapp 1.6 Tonnen zu Buche schlägt, mag erst einmal enttäuschen. Ein Blick nach München verrät jedoch, ein Fünfer ist 100 Kilogramm schwerer. Hat sich die „Abspeck-Kur“ des Engländers also doch bezahlt gemacht.

Erst einmal Platz genommen, verströmt er das Wohlfühl-Aroma der Premium-Kollegen. Es sitzt sich gut. Man fühlt sich gut aufgehoben und im Fahrbetrieb bleiben Wind- und Motorengeräusche üblicherweise erst einmal außen vor. Das erinnert an den Charakter der Stuttgarter. Sobald man die Zügel locker lässt, den XF aus der Stadt lenkt und sich dem Landstraßen-Gewusel hingibt, zeigt er jedoch noch eine weitere Seite.

Der Jaguar XF zeigt sich bei seiner ersten Ausfahrt so fahraktiv und handlich, würde er sprechen, er hätte einen eindeutig bayerischen Akzent!

Die Achtgangautomatik lassen sich die Engländer von ZF zuliefern, die Überraschungen halten sich hier demnach in Grenzen. Diese Achtstufen-Automatik ist schlicht brillant – noch immer. Derzeit lässt sich dieser Automat bei Jaguar mit fünf Motoren erleben. Der Jaguar-Drehknopf, der sich erst zeigt, sobald die Zündung eingeschaltet wird und ansonsten plan in der Mittelkonsole verschwindet, gehört immer zur Automatik-Variante.

Test Fahrbericht XF_R-Sport_UltimateBlack_102 Jaguar XF neu

Wir konnten den „kleinen“ und den „großen“ Diesel bei einem Presse-Termin im Odenwald Test fahren:

Kleiner Diesel

Der „kleine“ Diesel ist ein Zweiliter-Vierzylinder der modernsten Motorenfamilie von Jaguar-LandRover. Getauft auf den Namen Ingenium, gibt es diesen Langhuber Diesel in zwei Leistungsstufen im XF. Der „ganz kleine“ leistet 163 PS und bringt 380 Nm mit, der „nur kleine“ besitzt 180 PS und stolze 430 Nm.

Das klingt nach ordentlich Kraft. Und so fährt sich der Vierzylinder auch. Es sind mittlerweile einfach andere Zeiten. Der Vierzylinder-Ingenium Diesel ist ein extrem gutes Aggregat geworden. Zusammen mit der Achtstufen-Automatik lässt es sich entspannt cruisen – die Verbrauchsanzeige fällt dabei locker unter die 6 Liter Marke. Das ist kein Wert, den man gleich überbewerten sollte. Die Strecke war fahraktiv und einige Momente der Testfahrt könnte man sich im Alltag sparen. Jaguar gibt einen NEFZ-Wert von 4.3 Litern in Verbindung mit dem ZF-Automaten an. Das klingt nach extrem wenig. Aber irgendwie gar nicht so unrealistisch.

Beim Fahrgeräusch tritt der von Jaguar selbst entwickelte Voll-Aluminium-Diesel bewusst in den Hintergrund. Dank Harnstoffeinspritzung ist der Motor sparsam und schafft dennoch die Schadstoffhürden der EU6. Die neuen Ingenium-Diesel sind die ersten „Jaguar-Eigenentwicklungen“ seit langer Zeit und lösen damit die zusammen mit PSA oder Ford entwickelten Triebwerke ab.

Dass 180 PS den XF bis Tempo 230 treiben soll, man glaubt es nach dem ersten kraftvollen Antritt aus dem Drehzahlkeller sofort.

Test Fahrbericht XF_R-Sport_UltimateBlack_103 Jaguar XF neu

Großer Diesel

Und dann gibt es noch den großen Diesel. Einen 300 PS starkenSelbstzünder mit zwei Turboladern und stolzen 700 Nm Drehmoment. Und wenn die Ingenium-Motoren auch neu sind, Kraft schlägt immer alle anderen Argumente. Die Souveränität, mit der der große Diesel den XF durch die Lande schiebt, die ist sachlich und emotional einfach ein echtes Argument.

Während man den kleinen Diesel im Leerlauf klar als „Nageltopf“ entlarvt, schmeichelt der V6 mit dem sonoren Klang, den eben nur Sechszylinder aus einem Selbstzünder entlocken können. Bei den Fahrten zwischen Odenwald und Frankfurt, die gleiche Strecke, war der „große Diesel“ zudem nur einen knappen Liter durstiger – und damit bereits nah an seinen magischen 5.5 Litern je 100 km nach NEFZ-Norm.

Dass der große Diesel den Kleinen in allen Wertungen betreffend der Fahrdynamik abhängt, wird nicht verwundern. Dort 8.1 auf 100, hier 6.2 und die Klassen üblichen 250 km/h Top-Speed.

Ob mehr oder weniger Leistung: Beide XF-Varianten haben durch Handlichkeit und souveräne Straßenlage gepunktet. Besonderes Lob darf man der Lenkung aussprechen. Die Abstimmung der elektrischen Servolenkung ist sehr gut gelungen, das Feedback von der Straße über dem Klassenstandard.

Dass man bei der Federung eher in Richtung „Dynamik“ denn Komfort geht, darf man auch der Räderwahl zuschieben. Die Testfahrzeuge waren in der R-Sport Ausstattung mit optionaler 20-Zoll Bereifung am Start. Hier federt der Reifen naturgemäß nichts mehr aus – die sportliche Grundabstimmung des XF kam vollends zum Tragen.

British Premium

Neben den fünf Motoren bietet Jaguar auch fünf Ausstattungsvarianten ab. Das Preis-Spektrum bewegt sich hierbei von 41.350 € für den kleinen (ganz kleinen) Diesel und 6-Gang Schaltgetriebe bis zum 380 PS starken Allrad XF mit Kompressor-Benziner für 70.390 €

Dass man bei Jaguar ein eigentlich gutes Infotainment-System mit großem Display bringt, passt zur sonstigen Ausrichtung als moderne Business-Limousine, dass man aber auf Apple CarPlay oder Android Auto verzichtet, macht sprachlos.

Sprachlos macht aber auch die Tatsache, dass dieser Engländer dem dt. Premium-Programm von BMW und Mercedes ebenbürtig erscheint … !

 

 

Jaguar mit Allrad

Motor vorne, Antrieb hinten – der Klassiker unter den Antriebskonzepten und für Limousinen, Coupés und Cabrios vom Schlage einer Marke Jaguar die vollständig korrekte Antwort auf die Frage, welche Achse angetrieben werden soll.

Manchmal ist nur eine angetriebene Achse jedoch unterlegen. Nicht nur im Geländeeinsatz, sondern auch auf der Straße. Sobald die Bedingungen schlechter werden, der Reibwert auf der Straße nachlässt – dann es ist von großem Vorteil wenn die Motorkraft über alle 4 Räder und beide Achsen verteilt und über die Reifen auf die Straße gebracht werden kann.

Und weil es Länder gibt, in denen der Allrad vor allem ein Status-Symbol ist – gibt es bereits 2 gute Gründe, auch Limousinen mit Allrad anzubieten – ohne das man deswegen jemals abseits der Straße unterwegs sein will. Und das gibt es jetzt auch wieder bei Jaguar:

Jaguar XF und XJ, demnächst mit Allradantrieb

Das beide Modelle nicht für den deutschen Markt konzipiert sind, merkt man an der Motorenwahl. Die Allradversion von XF und XJ wird es jeweils nur in Verbindung mit dem 3 Liter V6 Motor geben.  Dafür mit Achtgang-Automatik und Start-Stopp in Serie.

Mehr in Kürze .. vom Autosalon in Paris.

Foto: Jan Gleitsmann [Bild bearbeitet von mir)