Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Ein Fahrzeug frisch vom Werk mit voller Herstellergarantie und allen nötigen Extras – der Traum vom Neuwagen reizt viele Autofahrer. Doch nicht selten ist dieser Traum mit hohen Kosten verbunden. Zudem ist der starke Wertverlust in den ersten Jahren nicht zu vernachlässigen. Ein Gebrauchtwagen ist preislich nicht nur in der Anschaffung lukrativer, auch Versicherungsprämien sind meist günstiger. Es wundert daher nicht, dass der Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland boomt, das Angebot ist üppig, die Suche nach dem passenden Fahrzeug nicht schwer.

Doch ob Privatkauf oder vom Händler: auf dem Weg zum Gebrauchtwagen lauern etliche Fallstricke. Schnell wird aus dem vermeintlichen Schnäppchen eine Kostenfalle, die es zu umgehen gilt. Erfahren Sie hier, wie Sie auch als Laie den Zustand eines Fahrzeugs beurteilen können und welche weiteren Kriterien beim Gebrauchtwagenkauf von Relevanz sind.

Grundlegendes beim Gebrauchtwagenkauf

Gerade für Laien ist die Beurteilung eines Wagens im Zweifel nicht leicht. Fehlt Ihnen die Expertise oder plagen Sie erste Zweifel, nehmen Sie einen Sachverständigen zur Besichtigung des Fahrzeugs mit. Da der Teufel oft im Detail steckt, sollte die Begutachtung bei Tageslicht stattfinden. Zur Ausleuchtung des Motorraums oder der Ecken im Fahrzeugraum benötigen Sie eine leistungsstarke Taschenlampe. Wer auf die fundierte Meinung eines Experten hören möchte, der hat die Möglichkeit zu einem professionellen Check beim TÜV, ADAC oder KÜS. Die Untersuchung durch einen Fachmann ist natürlich mit Kosten in Höhe von 90 bis 120 Euro verbunden, doch kann sie einem Laien Gewissheit schenken. Reparaturkosten können schnell ins Vierstellige steigen, weshalb sich die Investition unter Umständen lohnen kann.

Privatperson oder Händler – Vorteile und Nachteile

Eine Frage, bei der sich die Geister scheiden. Pauschal lässt sich nicht beantworten, ob sich der Kauf vom Privatmann oder Händler eher lohnt. Entscheidend sind hier persönliche Präferenzen und Erwartungen. Der Kauf vom gewerblichen Händler bietet ein Mehr an Sicherheit, da eine einjährige Sachmängelhaftung in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist. Macht sich ein Mangel erst im Nachhinein bemerkbar, ist der Händler zur Rücknahme oder Ausbesserung des Schadens verpflichtet. Dabei sind Sie als Privatperson in jedem Falle fein raus, da die Beweislast beim Händler liegt.

Im Falle des Privatverkaufs sieht die Sachlage für den Käufer weniger rosig aus. Durch entsprechende Klauseln im Kaufvertrag kann ein Verkäufer jedwede Haftung ablehnen. Die fehlende Sicherheit macht sich natürlich am günstigeren Preis bemerkbar. Auch profitieren Sie von einer größeren Auswahl.

Karosserie gibt Aufschluss über Vergangenheit

Haben Sie ein ansprechendes Angebot entdeckt und einen Termin mit dem Verkäufer vereinbar, geht es um die Begutachtung der äußeren Karosserie. Ist die Oberfläche des Fahrzeugs nicht glatt oder weißt sie Farbunterschiede auf, kann dies auf einen früheren Unfallschaden hindeuten. Begutachten Sie unter anderem die Scheiben des Fahrzeugs. Ein Steinschlag in der Windschutzscheibe kann schnell ins Geld gehen.

Sichtbare Schäden durch Korrosion sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Sind leicht einsehbare Stellen von Rost befallen, ist meist auch der Unterboden davon betroffen. Zu guter Letzt steht die Kontrolle der Reifen an, die gleichmäßig abgefahren und ausreichend Profil aufweisen sollten. Fallen Ihnen Schäden an Bremsscheiben, Felgen oder Leuchten auf, erkunden Sie sich nach Ursachen der Mängel. Ein seriöser Verkäufer weicht Ihren Fragen nicht aus und setzt Sie im Vorfeld über Mängel am Fahrzeug in Kenntnis.

Begutachtung von Motorraum und Unterseite des Fahrzeugs

Kontrollieren Sie den Motorraum auf Anzeichen von Korrosion und potentiellen Lecks. Leitungen, Schläuche und Schellen sollten allesamt in Ordnung sein. Ölspuren am Motor oder weiße Spuren am Öldeckel weißen auf eventuelle Schäden und eine defekte Zylinderkopfdichtung hin. Überprüfen Sie anschließend den Stand der Flüssigkeiten, etwa des Motoröls, der Bremsflüssigkeit und des Kühlwassers. Ein zu niedriger Stand kann auf schlechte Haltungsbedingungen in der Vergangenheit hinweisen.

Auch die Unterseite gibt Aufschluss über den Zustand eines Wagens. Vor allem für Laien ist die Beurteilung eines Wagens anhand seiner Unterseite sehr schwierig. Wie auch im Motorblock sind austretende Flüssigkeiten oder Korrosion als Warnzeichen zu werten. Auch auffällige Schweißnähte sind kritisch zu beäugen, da sie auf Reparaturen am Fahrzeug deuten.

Überprüfung der Papiere und Dokumente

Befindet sich das Auto in einem passablen Zustand, geht es an die Überprüfung aller wichtigen Papiere. Lassen Sie sich nicht von Ihrem guten Gefühl trügen: Die Kontrolle der Papiere gibt Aufschluss über den Zustand des Fahrzeugs und kann einen potentiellen Betrug aufdecken. Erste Anhaltspunkte bietet Ihnen das Scheckheft des Fahrzeugs. Ist es nicht vorhanden oder sind Einträge nur sporadisch vorhanden, ist von einer mangelhaften Wartung auszugehen. Durch einen kurzen Blick in die Zulassungsbescheinigung Teil II lässt sich Erkenntnis über die Anzahl vorausgegangener Fahrzeughalter erlangen. Ist die Anzahl der Halter unerwartet groß, kann es sich um ein Montagsmodell handeln, das früheren Besitzern zu viele Schwierigkeiten machte. Letztlich spielt das Prüfprotokoll der letzten Hauptuntersuchung eine Rolle. Haken Sie nach, ob und wann besagte Mängel beseitigt wurden.

Wichtig: Gleichen Sie die Angaben im Fahrzeugbrief mit der Fahrgestellnummer ab. Stimmen die Zahlen nicht überein, könnte es sich um ein gestohlenes Fahrzeug handeln.

Anhaltspunkte während der Probefahrt

Verlief die Besichtigung und Kontrolle aller nötigen Dokumente gut, steht letztlich die Probefahrt an. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit. Möchten Sie das Fahrzeug ausgiebig testen, planen Sie mindestens 60 Minuten ein. Damit Sie alle Facetten des Fahrzeugs zu Gesicht bekommen, testen Sie das Fahrzeug nicht nur im Stadtverkehr, sondern wagen Sie sich an schnellere Abschnitte über die Autobahn oder Landstraßen. Oft machen sich Probleme im Fahrverhalten erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar.

Achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche vom Getriebe oder Motor und kontrollieren Sie die Lenkung. Knackgeräusche bei vollem Einschlagen sowie Ruckler bei schneller Fahrt oder ein verzögertes Einsetzen der Lenkung deuten auf Probleme hin. Lassen Sie die Lenkung auf einer sicheren und übersichtlichen Straße während der Fahrt los. Bleibt der Wagen nicht in der Spur, liegt ein Mangel vor. Testen sie zu guter Letzt die Bremsen, die sofort greifen und nicht schleifen sollten.

Kontrollieren Sie nach abgeschlossener Probefahrt ein letztes Mal den Motorraum und die Unterseite des Fahrzeugs. Suchen Sie nach undichten Leitungen oder weiteren Mängeln.

Tipp: Eine Probefahrt beginnt bei kaltem Motor. Macht sich der Verkäufer die Mühe, den Motor vor der Probefahrt warmlaufen zu lassen, können Sie von Anlass-Problemen ausgehen.