Fahrbericht: Toyota Aygo X

Fahrbericht: Toyota Aygo X

Auch Kleinstwagen werden immer erwachsener, wie Toyotas brandneuer Aygo X zeigt. So macht der automobile Winzling keineswegs nur den Kräften mobiler Pflegedienste als Minimallösung Spaß. Wenn man will, kann man den Japaner ganz schön aufpeppen.

Wohin passt ein Kleinstwagen besser als in eine Millionenmetropole? Also startet unsere Testfahrt mit dem mindestens 15.390 Euro teuren Aygo X mitten in der Hauptstadt Kataloniens – in Barcelona. Doch Toyota mutet dem 53 kW/72 PS-Vehikel mit einem gemittelten WLTP-Verbrauch von fünf Litern mehr als nur Stadtverkehr zu. Nach dem Gewusel in der Weltstadt geht es auf gut ausgebauten Landstraßen Richtung Gebirge. Das ist interessant, denn hier kristallisiert sich heraus, wie das Basistriebwerk agiert, wenn es gefordert wird.

Für die Stadt reicht es


Es handelt sich um einen simplen Einliter-Dreizylinder ohne Aufladung. Dafür ist das Aggregat leicht, und generell wiegt das ganze Auto gerade mal eine Tonne. Entsprechend quirlig fährt der praktische City-Viertürer los – na ja, für urbane Verhältnisse kann man das jedenfalls sagen.

Fahrbericht: Toyota Aygo X
Den Aygo X gibt es auch mit Rolldach

Im Betrieb auf ordentlichen Steigungen spürt man dann wohl, dass der kleine Motor gefordert wird. Jetzt klingt er plötzlich kernig nach Dreizylinder, was aber völlig angemessen ist. Durchzug liefert er in dem Maße, wie man es angesichts seiner Leistung erwarten würde. Und dass er Steigungen beflissen erklimmt, dürfte am kurz übersetzten, aber leichtgängig schaltbaren Fünfganggetriebe liegen. Wer will, bekommt eine stufenlose Automatik, die in der Tat einen Komfortgewinn bedeutet dank rückfreier Arbeitsweise. Aber sie lässt den Mindestpreis gleich auf 19.090 Euro hochschnellen, weil das CVT für die beiden Basis-Lines nicht erhältlich ist.

Größer geworden


Der auf der GA-Plattform basierende Aygo (darauf fußt auch der größere Yaris) kommt recht erwachsen daher trotz superkompakter Abmessungen – 3,70 Außenlänge sind definitiv stadttauglich. Dabei ist sein Radstand um 9 Zentimeter auf 2,43 Meter gewachsen. Damit reicht er fast an jenen früherer Yaris-Modelle heran. Das Resultat ist eine Passagierkabine, in der sich die Mitfahrenden nicht zu arg auf die Pelle rücken. Und Familien müssen keine Not leiden, wenn einmal eine längere Reise mit vier Personen auf dem Plan steht, zumal auch die Sitze ergonomisch überzeugen.

Ganz günstig ist der Aygo X nicht, insbesondere vor dem Hintergrund, dass es noch immer Wettbewerber gibt, die in diesem Segment deutlich näher an der 10.000 Euro-Schwelle operieren. Aber fairerweise sei auch gesagt, dass der jüngste Toyota eine gute Serienausstattung bereithält. Die bietet nicht nur viele Komfort- und Sicherheitsfeatures wie Fußgänger-Erkennung, Spurhalte-Assistent oder Verkehrszeichen-Erkennung. Selbst ein aktiver Tempomat weilt frei Haus an Bord. Er glänzt mit aufmerksamer Fahrzeugerkennung. Im schwimmenden Verkehr lässt sich diese Geschwindigkeitsregelung gut anwenden, bis zum Stillstand bremst der Tempomat in dieser Ausbaustufe allerdings nicht herunter – bei der Version mit manuellem Getriebe ist es ohnehin nicht praktikabel, weil der Fahrer ja kuppeln muss.

Mit Apple Carplay


Auch die Klimaanlage ist inbegriffen, somit erfüllt der Basis-Aygo eigentlich alle Komfort-Kriterien. Zugegeben, ohne Radio will man natürlich nicht fahren, da nutzt der Hersteller einen cleveren Hebel, um den Kunden wenigstens zur 1.100 Euro teureren „Play“-Ausstattung zu bewegen. Dann ist neben der Audioanlage auch eine Smartphone-Integration drin, so dass man per Apple Carplay oder Android Auto die Oberfläche seines mobilen Endgerätes einfach auf den Monitor in der Mittelkonsole spiegeln kann, was ein integriertes Navigationssystem obsolet macht. 

Fahrbericht: Toyota Aygo X
Das TFT-Multiinfodisplay – auch bunt – kommt dagegen schon beim Grundmodell zum Einsatz und dient als Ausgabe verschiedener Daten, erfüllt also einen nützlichen Zweck für den Fahrer

Verschiebbare Rücksitzbank im Kleinstwagen?


Höhere Ausstattungslinien offerieren den integrierten Lotsen dennoch gegen 650 Euro Aufpreis oder frei Haus. Auch Features wie LED-Scheinwerfer, Parkpiepser oder schlüsselloses Schließsystem gibt es für den Aygo X – was möchte man mehr? Vielleicht die simple wie geniale Idee einer verschiebbaren Rückbank. Die gab es früher beim Yaris, inzwischen aber nicht mehr. 

Dafür macht der freche Aygo X mit einer optionalen Zweifarblackierung glücklich, um in bunter Art und Weise zu demonstrieren, dass er in die ebenso bunte Stadt gehört. Gibt es aber nur für die höheren Ausstattungsversionen. Das TFT-Multiinfodisplay – auch bunt – kommt dagegen schon beim Grundmodell zum Einsatz und dient als Ausgabe verschiedener Daten, erfüllt also einen nützlichen Zweck für den Fahrer. Zum Kombiinstrument aus reiner Anzeigefläche hat man sich in diesem Segment noch nicht durchgerungen – vielleicht mögen das manche Kunden sogar goutieren, denn analoge Instrumente haben auch einen ästhetischen Charme.

Charme hat der Toyota Aygo X überhaupt, und daher dürfte er künftig seinen Teil zum urbanen Straßenbild beitragen. Er sieht schließlich adrett aus vor allem mit den Kotflügelverkleidungen und macht einen soliden Qualitätseindruck, wofür der Kunde womöglich gern den einen oder anderen Euro mehr ausgeben mag.

Technische Daten


Kleinstwagen, Länge: 3,70 Meter, Breite: 1,74 Meter, Höhe: 1,51 Meter, Radstand: 2,43 Meter, Kofferraumvolumen: 189 bis 831 Liter
Toyota Aygo X 1.0: 1,0-Liter-Dreizylinder-Saugbenziner, 53 kW/72 PS, maximales Drehmoment: 93 Nm bei 4.500 U/Min, Fünfgang-Schaltgetriebe oder stufenlose Automatik, Frontantrieb, 0-100 km/h: 15,6 (15,5 Automatik) s, Vmax: 158 (151 Automatik) km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,8 bis 5,0 l, CO2-Ausstoß: 109 bis 114 g/km (WLTP), Abgasnorm: Euro 6 AP, Preise: ab 15.390 Euro

Kurzcharakteristik


Warum: Weil er in der City unschlagbar ist, aber auch ein erwachsener Allrounder
Warum nicht: Weil er mit 72 PS doch etwas spärlich motorisiert ist
Was sonst: Volkswagen Up, Renault Twingo, Kia Picanto, Hyundai i10
Wann: 23. April

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