Was ist das für 1 Cabrio? Mercedes-Maybach S650 Cabriolet

Bitte! Etwas mehr Contenance! Aber die Frage in der Überschrift scheint berechtigt: Was ist das für ein Cabriolet? Ein S-Klasse Cabriolet? Mit etwas mehr Pomp? Das könnte man so unterschreiben, doch die Realität sieht etwas anders aus. Wie auch bei der Limousine, haben die Macher hinter den Stuttgarter Kulissen Potential für die ausgestorbene Marke Maybach auch beim offenen Luxus-Gleiter gesehen und machen daraus das Mercedes-Maybach S650 Cabriolet. Natürlich gibt es hier nur die feinsten Zutaten in Hülle und Fülle. Das kann man über die zukünftigen Besitzer wohl kaum sagen: Nur 300 Exemplare werden vom Luxus-Cabrio gebaut. Wir schauen einmal auf die Details.

Von außen sehr nah am S-Klasse Cabrio

Exklusive Premiere des Mercedes-Maybach S 650 Cabriolets am Vorabend der LAAS 2016: Exclusive Premiere of the Mercedes-Maybach S 650 Cabriolets at the eve of the LAAS 2016
Sinnliche Klarheit auch beim Mercedes-Maybach S650 Cabriolet

Was darf es sein? Das Beste! Eine Einstellung, die zu kaum einer anderen Marke so gut passt, wie zu Maybach. Entsprechend luxuriös und gediegen geht es in den Fahrzeugen zu. Doch das kann auch schon die Basis, das S-Klasse Cabriolet sehr gut. Beim Mercedes-Maybach S650 Cabriolet wird die „Sinnliche Klarheit“ aufgegriffen und mit fadenscheinig dekadenten Zutaten nochmals gepusht. So findet sich am Maybach ein neuer Stoßfänger, der von reichlich Chrom am gesamten Fahrzeug, Maybach-Emblemen an den Kotflügeln und 20-Zoll-Leichtmetallfelgen ergänzt wird. Den krönenden Abschluss bildet die Abdeckung des Verdeckkastens, die ein entsprechendes Marken-Signet trägt. Wohl eine Frage der Zeit, bis Tuner diese Ideen nachahmen.

Innen ist alles im Fluss

Im Interieur setzen die Schwaben beim Mercedes-Maybach S650 Cabriolet auf maritimes Flair – genauer: auf Yacht-Look. Hier ist nahezu jeder Quadrat-Zentimeter mit feinstem Leder ausgeschlagen und soll den Fluss der Linien in den Fokus setzen. Das zeigt sich besonders an den Sitzen, in die ein perforierter Wasserfall eingesteppt ist. Eingerahmt wird dies von einem Keder im Stil eines Budapester-Schuhs. Seine Abrundung findet das mehr als nur noble Ambiente in entsprechenden Zierteilen, die in ihrer Farbgebung und Maserung an die gewählte Leder-Ausstattung angepasst werden. Und hier zeigt sich, dass man Stil nicht kaufen kann, schließlich ist bei den Farbkombinationen von Pastellgelb/Schwarz bis Porzellan/Sattelbraun Vieles erhältlich.

Mercedes-Maybach S 650 Cabriolet, Interior, Fluss der Linien, Rautensteppung ;Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,0 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 272 g/km Mercedes-Maybach S 650 Cabriolet, interior , flowing lines, outer diamond quilting; Fuel consumption combined: 12,0 l/100 km; Combined CO2 emissions: 272 g/km
Wasserfall-artige Steppungen sollen alles im Fluss halten

Im Grundpreis von 300.000 Euro Netto sind aber noch ein paar nette Gimmicks enthalten. Dazu zählt etwa das exklusive Reisetaschen-Set, das in derselben Leder-Farbkombination gestaltet wird, wie die Innenausstattung. Zudem gibt es ein Car-Cover, das nicht nur eine hübsche Rautensteppung aufweist, sondern dieselbe Farbe trägt, wie das Stoffverdeck des Mercedes-Maybach S650 Cabriolet. Nicht auszudenken, wenn dieses Zubehör-Produkt beispielsweise schlicht schwarz wäre…

Auf 300 Exemplare limitiert: Neues Mercedes-Maybach S 650 Cabriolet: Ultimative Open-Air-Exklusivität
Leder soweit das Auge reicht

Die Freude am Überfluss

Mercedes-Maybach S 650 Cabriolet Studioaufnahme Exterior, exklusives Reisetaschen-Set "THE AFFINITY" ;Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,0 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 272 g/km Mercedes-Maybach S 650 Cabriolet studio shot, exclusive travel luggage set "THE AFFINITY"; Fuel consumption combined: 12,0 l/100 km; Combined CO2 emissions: 272 g/km
Das Reisetaschen-Set ist inklusive

Kommen wird zum Highlight des Maybach – dem Aggregat. Der V12 leistet 630 PS und ist damit kein Kind von Traurigkeit. Das zeigen allein schon die Fahrleistungen. Auf 100 km/h geht es in 4,1 Sekunden, Schluss mit lustig ist es bei politisch korrekten 250 km/h. Hier wird der Gang zum Haus- und Hof-Veredler sicherlich mehr versprechen. Aber das zeichnet das Mercedes-Maybach S650 Cabriolet gar nicht aus, sondern viel mehr sein Drehmoment. 1.000 ist nicht etwa die Kubik-Zentimeter-Angabe für zwei Brennräume des 6.0 Liter V12. Nein! Der V12 liefert 1.000 Nm direkt an die Hinterräder! Gedrosselt, versteht sich. Mehr würde die 7G-Tronic nicht verkraften. Und so kann man locker-flockig über die Flaniermeilen dieser Welt cruisen, mit dem Wissen, dass jeden Moment Kraft im Überfluss bereitsteht. Ein Attribut, das gut zu einem Maybach passt.

News: Mercedes-Maybach-Tuning – Darf´s noch deutlich mehr sein?

Mit den Luxus-Versionen von Mercedes-Maybach haben die Stuttgarter ihre S-Klasse-Familie Ende vergangenen Jahres ausgebaut. Die Oberklasselimousinen repräsentieren, nach Lesart von Mercedes, eigentlich die Spitze des Automobilbaus. Doch hier sieht Brabus Raum für Veredelung – vor allem bei den Fahrleistungen.

Als stärkstes Modell kommt der Mercedes-Maybach S 600 mit seinem Zwölfzylinder-Biturbo-Triebwerk auf 390 kW/530 PS. Nach einer Hubraumerhöhung von serienmäßigen 6,0 Litern auf 6,3 Litern und weiteren Arbeiten am Herz des Fahrzeuges erreicht der Brabus Rocket 900 gewaltige 662 kW/900 PS. Diese beschleunigen den über 2,8 Tonnen schweren Viersitzer in nur 3,7 Sekunden von null auf hundert. Erst bei Tempo 350 greift die Elektronik sicherheitshalber ein und verhindert weitere Beschleunigung.

. Im Innenraum sind dem Besitzer keine Grenzen gesetzt: Jeder Farbwunsch für feinstes Leder, Alcantara sowie jedes Polsterdesign wird ausgeführt.
. Im Innenraum sind dem Besitzer keine Grenzen gesetzt: Jeder Farbwunsch für feinstes Leder, Alcantara sowie jedes Polsterdesign wird ausgeführt.

Besonders die Nachbarn dürften sich über einen Knopf im Brabus Rocket 900 freuen. Dieser steuert das „Soundmanagement“ und definiert so, wie viele Dezibel aus dem zwölfstimmigen Blasorchester des Auspuffs kommen. So kann die Limousine auf der Autobahn kraftvoll dröhnen, vor der Haustür aber im leisen Coming-Home-Modus fahren.

Neben speziellen Aerodynamik-Komponenten wie der Frontschürze, die den Serienstoßfänger komplett ersetzt, den großen Lufteinlässen, der Heckschürze und dem integrierten Diffusor erhält die Limousine außerdem noch maßgeschneiderte 21-Zoll-Räder sowie eine Tieferlegung um 2,5 Zentimeter. Im Innenraum sind dem Besitzer keine Grenzen gesetzt: Jeder Farbwunsch für feinstes Leder, Alcantara sowie jedes Polsterdesign wird ausgeführt. Ebenso individuell können Edelholz und Carbon-Intarsien in jedem Farbton und unterschiedlichen Oberflächen-Veredelungen bestellt werden.

Der über 2,8 Tonnen schwere Viersitzer beschleunigt in nur 3,7 Sekunden von null auf hundert. Erst bei Tempo 350 greift die Elektronik sicherheitshalber ein.
Der über 2,8 Tonnen schwere Viersitzer beschleunigt in nur 3,7 Sekunden von null auf hundert. Erst bei Tempo 350 greift die Elektronik sicherheitshalber ein.

Dieser Luxus hat seinen Preis. Wer aus dem Vollen schöpft, sollte mit rund einer halben Million rechnen. Reicht nur die Leistungssteigerung, werden ungefähr 300.000 Euro fällig. Bei den Stuttgartern steht der Mercedes-Maybach S 600 übrigens mit 188.000 Euro in der Preisliste. Wem das ein wenig zu teuer ist, der kann sich von Brabus auch die kleinere S 500-Version für 250.000 Euro bestellen. Dessen 4,7 Liter-Achtzylinder mit 335 kW/455 PS erhält nach der Leistungssteigerung 62 kW/85 PS mehr.

Autor: Adele Moser/SP-X

Neuer Mercedes-Maybach Pullman: Die Krönung in Stretch

Mit den Luxus-Versionen Mercedes-Maybach bauten die Stuttgarter vergangenes Jahr ihr Angebot in der S-Klasse weiter aus, nun feiert die extralange Limousine Pullman auf dem Genfer Salon (5. bis 15. März) Premiere.

Im neuesten Modell der Stuttgarter Sub-Marke befinden sich hinter der elektrisch absenk- und verdunkelbarer Trennwand vier Einzelsitze in einer Vis-a-vis-Sitzordnung. Wer in Fahrtrichtung reist, nimmt auf Executive-Sitzen Platz, die unzählige Verstellmöglichkeiten von Lehnen, Sitzflächen und Fußstützen bieten. Zwei weitere Passagiere können bei Bedarf auf den ausklappbaren Sitzen entgegen der Fahrtrichtung mitreisen. Auf Wunsch kann das Flaggschiff auch ohne Zusatzsitze geliefert werden.

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Mit einer Länge von 6,50 Metern ist der Mercedes-Maybach Pullman noch einmal um einen Meter länger als die Mercedes-Maybach S-Klasse. Der Radstand des neuen Luxusmodells überragt mit 4,42 Meter die Länge einer Mercedes B-Klasse (4,39 Meter). Der Pullman ist mit 1,60 Metern zudem mehr als 10 Zentimeter höher als eine Mercedes S-Klasse.

Auch leistungsmäßig gibt sich der Luxusliner keine Blöße: Angetrieben wird das Topmodell von einem V12-Biturbo, der aus sechs Litern Hubraum 390 kW/530 PS holt (830 Nm Drehmoment).

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Für den Einsatz als Staatskarosse ist das Interieur noch einmal verfeinert worden. Der Innenraum ist vollständig mit Leder verkleidet. Neben dem Dachhimmel sind unter anderem auch Türrahmen und Sitzkonsolen mit der edlen Tierhaut bezogen. Am Dachhimmel informieren drei Analoginstrumente die Fondpassagiere über Außentemperatur, Geschwindigkeit und Uhrzeit.

Die ersten Besteller erhalten ihre Fahrzeuge Anfang kommenden Jahres. Mindestens eine halbe Million müssen sie dafür investieren. Der Ende 2014 präsentierte Mercedes-Maybach S600 verfügt über den gleichen Antrieb, kostet jedoch rund 188.000 Euro. Der S500 startet ab 134.050 Euro, angetrieben wird dieser Stuttgarter allerdings von einem Achtzylinder-Biturbo-Aggregat, der aus 4,7 Litern Hubraum 335 kW/455 PS schöpft.

Autor: Adele Moser/SP-X

Erste Fahrt: Mercedes-Maybach S600

Es sind nur 50 Kilogramm mehr an Gewicht, aber immerhin 20 Zentimeter mehr an Länge. Beides beeindruckt mich. Beides sorgt für ein Gefühl der Vollkommenheit, ein Gefühl des Überflusses. Luxus wird darin geformt. Ausgeformt.

Mit dem neuen Mercedes-Maybach S600 öffnet Mercedes-Benz das Kapitel „Luxus-Chauffeurslimousine“ noch einmal. Über den Erfolg der ersten Maybach-Reanimation wollen wir an dieser Stelle nicht mehr philosophieren. Lasst die Toten ruhen. Oder so.

Dieses Mal machen wir alles anders, dieses Mal machen wir alles besser. So wird man es sich gedacht haben im Herzen der Daimler-Zentrale.

„Dieses Auto ist, so wie es hier steht, der Konkurrenz überlegen“.

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Zitat: Dr. Storp, Chefingenieur der S-Klasse, Foto aus dem Video-Clip von 5komma6

Erste Fahrt im neuen Mercedes-Maybach S600

Schlaftrunken

Man kennt dieses Gefühl. Ich hoffe, der Leser kennt es, sonst wird es jetzt schwierig. Diese wohlige Schwere. Dieses befriedigte Herunterklappen der Augenlider nach dem vierten Glas Wein, einem langen Flug und langen Tagen voller Arbeit. Man will sich umdrehen, schlafen. Weil der Körper alle Signale sendet, nun endlich zur Ruhe kommen zu wollen.

Die „Testfahrt“ mit dem neuen Mercedes-Maybach S600 war die erste Testfahrt, die nicht vorne links hinter dem wohl belederten und noch wohliger temperierten Volant des Testwagens stattfand. Stattdessen hinten rechts, im vermutlich bequemsten Einzelsitz der Welt, der nicht nur nach Leder riecht, sondern auch massieren kann und das auch bei Tempo 120 auf der Autobahn. Wobei die Autobahn und deren Einflüsse außen vor bleiben. Aber das liegt nicht so sehr am Sitz, das liegt unter anderem an den 20 Zentimetern mehr Außenlänge und den 50 Kilogramm mehr Gewicht.

Und in meinem Fall waren es auch keine vier Glaserl Wein, es war nur eines. Aber JetLag und Reisezeit taten ihr übriges. Eventuell lag es auch einfach nur an den Sitzen und der Ruhe. Aber nach dem Einsteigen dauerte es kaum mehr als 45 Sekunden, bis die Augenlider schwer wurden, der Kopf sich zweimal heimelig in das Kissen wog und ich in meinen Gedanken nur schwer bei den Fakten bleiben konnte.

Wie war das? Der Maybach ist auch „nur“ eine S-Klasse?

Ja, aber eben rund 20 Zentimeter länger. Das kann dann schon den Unterschied zwischen beeindruckend und sehr beeindruckend ausmachen. Die 50 Kilogramm mehr Gewicht kommen von den „kleinen“ Ideen mit den großen Effekten. Türdichtungsprofile, die vom klassischen Lippenprofil auf dicke Schlauchprofile umgestellt wurden, damit auch wirklich kein Windgesäusel den Schlaf der Schönen und Reichen stört.

Zusätzliche Dicht- und Dämmfolien unter der Sitzanlage im Fond, eine Motorraum-Kapselung für den V12-Turbobenziner, mit der man sonst den Dieselmotor zum Schweigen bringen will. Oder spezielle Dämpfungen in den Felgen, damit man auch die lästigen Schwing- und Dröhngeräusche aus dem Reifen eliminiert. Montiert wird der Goodyear Eagle F1 und mit dem zusätzlichen Geräuschdämpfer wird das gesamte Fahrwerk zum Flüsterwerk.

Viel Aufwand im Detail für den zweiten Maybach-Versuch. Dieses Mal wird kein neuer Aufwasch in zwei Radstand-Varianten die schwarze Null bringen, dieses Mal wird Mercedes aus der „Marke Maybach“ eine eigene Luxus-Linie für die Luxus-Welt der Mercedes-Automobile formen. Einen Maybach-SUV? Ja, warum nicht? Einen Maybach ohne Dach? Ja, vermutlich auch.

mercedes maybach s60021 testfahrt usa

Einen Maybach ohne V12? Gibt es schon!

Wer auf die 830 Nm des Bi-Turbo V12 im aristokratisch anmutenden S600 Maybach verzichten kann oder wer seinen Chauffeur einfach nicht zu sehr in Versuchung führen will, der kann sich die kultivierte Freiheit und den Luxus von Raum und Ruhe auch mit einem Achtzylinder gönnen und den S500 Mercedes-Maybach ordern. Doch dann fehlt ein elementarer Baustein. Das typischer Anlassergeräusch des Zwölfzylinders. Kennen Sie nicht? Puh. Das sagt viel über Sie aus! Denken Sie da mal darüber nach. 

Aber egal, ob 455 PS im V8 oder 530 PS im V12, egal, ob 7-Gänge im V12 oder 9 im V8,  der Luxus des Mercedes-Maybach ist sein Fahrkomfort, seine Ruhe, sein edler Charakter.

Das darunter „nur“ die S-Klasse steckt, lässt sich am Kaufpreis ablesen. Ein Mercedes-Maybach fängt bereits bei 134.053,50 € an. Das klingt nach einem Schnäppchen. Nicht? Nun – es ist auf jeden Fall ein klares Zeichen. Mit dem neuen Maybach wird man die Fehler des „alten“ Maybach nicht wiederholen, denn vom „Geld ausgeben wurde noch niemand reich„.

mercedes maybach s60020 testfahrt usa

Schnarchend bei 200 km/h

Der Geruch von Leder, die unfassbar gute Geräuschdämmung, die effektvolle Wirkung des Magic-Body-Control Fahrwerks und die anheimelnde Massage des Rücksitzes verfehlen ihre Wirkung nicht. Anstatt den Mercedes-Maybach wirklich zu testen, lasse ich mich in das Traum-Wunderland entführen und jage dem Sandmännchen hinterher.  Meine Füße ruhen derweil in einem Lammfell. Natürlich ohne Schuhe.

Die silbernen Kelche und die Champagner-Flasche im Kühlfach zwischen den Rücksitzen habe ich nicht mehr gebraucht. Sanft schlummernd genieße ich die wohl luxuriöseste Testfahrt aller Zeiten. Gleichzeitig übertrifft der Liegekomfort die Business-Class der Lufthansa, über die First der Deutschen Bahn denkt man hier hinten derweil nicht nach. Bahn-Card-Fahrer dürften sich in den Fond vermutlich nicht verirren. Schon eher Menschen, die auch gerne mal im Privat-Jet nach Vegas einfliegen. Das ist das Level.

In meinen Träumen passt das alles gut zu mir … 

Weltpremiere006 Mercedes-Maybach S600

Ampel-Aspirin

Der Chauffeur lenkt, der Passagier schnarcht. Bis wir in Santa Monica ankommen. Um uns herum ist es dunkel geworden. Das leise „poff“ der Massage-Stempel im belederten Chef-Sessel, vier Meter hinter dem V12, dringt langsam durch die Aufwachphase zu mir. Ein Ruck vor einer roten Ampel. Unser Chauffeur will uns wohl sagen, er hätte die mehr als 500 PS gerne anders genutzt, anstatt uns hier durch die Weinregion Kaliforniens zu kutschen. Da ergibt sich dann doch endlich der Sinn einer solchen Testfahrt.

Da stehen fast 200.000 € (S600 Maybach) vor dem Pier in Santa Monica und Mercedes-Benz vergisst das ultimative Maybach-Assistenzsystem. Nein, es ist nicht der Aspirin-Spender im Handschuhfach für die Rotwein-Kopfschmerzen nach der Weinprobe. 

Aufgabe erfüllt, Testfahrt beendet, Mangel gefunden. Der ewig kritische Motor-Journalist in mir wischt sich den Schlaf aus den Augen, streckt sich und überlegt sich, wie er seine Kritik wohl in Sätze formen soll …. 

 

 

 

Lese-Tipps: voice-over-cars, GTspriti (engl.), 5komma6

 

 

 

 

 

Mercedes-Maybach, ein Detail fehlt!

Bevor in diesen Tagen der Fahrbericht zum neuen Mercedes-Maybach S600 erscheint, vorab ein wenig Kritik. Konstruktive Kritik. Denn der Mercedes-Maybach S-Klasse fehlt ein Extra. Eine ultimative Sonderausstattung für Chauffeurs-Limousinen. Ihm fehlt das I-Tüpfelchen, die Edelkirsche auf dem Sahne-Häubchen und ich bin enttäuscht, ja förmlich entsetzt, dass dieses Assistenzsystem nicht von Mercedes-Benz erfunden wurde!

Wäre ich ein Tüftler, ich würde diesen Assistenten nun selbst entwickeln, patentieren lassen und danach den Lebensabend in Reichtum auf den Cayman-Inseln verbringen. Vermutlich. Aber ich bin kein Tüftler. Da verschenke ich diese Idee im Rahmen des Blog-Artikels. Also – was fehlt dem Mercedes-Maybach?

Es ist nicht die Wasservorheizung für das Lammfell im Fußraum von Reihe zwei, nein, auch nicht wenn sonst alles andere im Maybach auf Kundenwunsch beheizt wird : Sitze (eh klar), Lenkrad, Mittelarmlehne und Türverkleidung. Nein. Es ist auch nicht eine weitere Massagestufe für die excellenten Sitze oder das LTE-Modem- das hat Daimler wirklich noch immer nicht! Unfassbar. Aber – im Fond des Maybach wird gepennt, da braucht man das LTE-Modem mit WLAN-Hotspot nicht. Nein, es fehlt etwas wesentlich Wichtigeres!

Der Chauffeurs-Assistent – Exclusiv für Mercedes-Maybach

Mercedes-Benz hat für die Produkteinführung und Presse-Veranstaltung des Mercedes-Maybach S600 extra Chauffeure verpflichtet. Angeblich waren es Profis. Nun – unser Fahrer war es vermutlich nicht. Eventuell war er ein Stunt-Fahrer, ein Rennfahrer oder einfach jemand, der gut Auto fährt. Aber er war kein Chauffeur, denn er konnte eines nicht: Vor einer Ampel anhalten, ohne dass man als Passagier mit dem Kopf nicken muss. Wer ein wenig Sensibilität für das Auto besitzt, der kennt dieses Gefühl beim Anhalten. Ran an die Haltelinie und dann langsam herunter von der Bremse, so dass der Bremsdruck langsam nachlässt und das Auto nicht ruckartig aus den eingetauchten Dämpfern wieder auftaucht. Beim Bremsen nickt ein Auto nun einmal vorne ein, es taucht in die Federung und wenn es steht, drücken die Federn die Fahrzeugnase wieder nach oben. Soweit, so normal. Wer mit seinen Passagieren gefühlvoll umgeht, der lässt den Bremsdruck beim Abbremsen vor der Ampel langsam geringer werden. Das Auto taucht nicht so tief ein und nicht so abrupt wieder aus. Das Kopfnicken bei den Passagieren unterbleibt.

Unser Fahrer fuhr an die Ampel und blieb konstant auf der Bremse. Das Ergebnis? Der friedlich schnarchende Passagier nickt und spürt die Fahrtunterbrechnung mehr, als es notwendig gewesen wäre. Das könnte man mit dem „Chauffeurs-Assistent“ unterbinden.

Assistenz-Systeme für mehr Komfort

Die S-Klasse besitzt bereits die größte Armada an Sensoren und Assistenzsystemen, warum nicht eines,  das Radarsensoren in der Nase dafür nutzt, um beim Bremsvorgang den Abstand zum Fahrzeug voraus zu messen und den Bremsdruck kontrolliert nachzulassen?

Sollte man alleine an der Ampel stehen, könnte die Stereo-Kamera für die Erfassung des Umfelds eingesetzt werden. Vermutlich ist es ohne Fahrzeug voraus ein wenig tricky, das System vollständig zu automatisieren, aber hey, bei Daimler hat man damals das „nicht blockierende“ Rad in die Serie gebracht und den Schrecken vor dem Elch gebändigt. Im Prinzip reicht eine Druckreduktion im Verhältnis zur Verzögerung und der Restgeschwindigkeit.

Der Chauffeurs-Assistent würde weiterhin die Piepstöne im Fahrzeug leise stellen, Navi-Ansagen deaktivieren und so für noch mehr Ruhe sorgen. Im Prinzip gibt es einige Einstellungen, die man dem Fahrer damit abnehmen kann.

Natürlich würde ein erstklassiger Chauffeur all diese Aufgaben selbst erledigen können, aber ihr wisst schon: Gutes Personal ist schwer zu bekommen und bei gut und gerne 200.000 € für einen neuen Mercedes-Maybach wären die laufenden Kosten für den Chauffeur leichter zu drücken, wenn das „beste Chauffeurs-Auto der Welt“ ein paar simple Hilfestellungen geben würde. Zum Beispiel mit dem „Chauffeurs-Assistenzsystem“ … erfunden, hier auf autohub.de

Impressionen: Mercedes-Benz Maybach S600

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Das ist kein Fahrbericht. Kein Test. Das ist kein Zollstock-Artikel, nicht einmal Journalismus. Das ist einfach nur Lebensart. Von der teuren Sorte.

Vermutlich ist es mit die beste Lebensart, die man sich für Geld kaufen kann. Zwischenstopp in Los Olivos. Ein kleines Nest in der Nähe von Santa Barbara. Die Neverland-Ranch liegt nicht weit entfernt und auch die Ranch von Ex-Präsident und Schauspieler Ronald Reagan ist in der Nähe. Was man in den USA eben so unter „in der Nähe“ versteht.

Los Olivos ist ein Nest. Ein putziges kleines Nest. Es erinnert an Westernkulissen, fast erwartet man, Karl May um die Ecke spazieren zu sehen. Los Olivos besaß bis vor kurzem die älteste Tankstelle in Kalifornien. Viel Verkehr war das damals wohl nicht. Eine Zapfsäule nur. Heute ist im ehemaligen Kassenhäuschen der Tankstelle eine Vinery untergebracht. Unter anderem. Und ein Laden für Touristennippes. Der Wein in der Verkostung stammt im übrigen aus einem Anbaugebiet kaum weiter als die Neverland Ranch oder Reagans Farm. Südkalifornischer Wein. Mit einer schweren Note. Im Geschmack ein wenig spanischer Rioja, gar ein Gran Reserva, ein wenig Erdbeere. Auf jeden Fall viel rote Traube. Eine Markierung auf dem Trottoir markiert die Embargo-Grenze, bis dorthin, nicht weiter. Also mit dem Alkohol. Da sind die Kalifornier streng. Alkohol auf der Straße: No Way ! Und das in der Porno-Nation Nummer eins. Geht. Ein Glas Wein, lässig am neuen Stuttgarter Flaggschiff gelehnt, das wollen sie verbieten.

Technische Daten sind, während der Wein in die Nase steigt, den Gaumen verzaubert und man im Hinterkopf das ruchlose Übertreten von Recht und Gesetz genießt, völlig unwichtig. Mercedes-Benz hat sich das erste Abenteuer Maybach einst viel Geld und auch ein wenig guten Ruf kosten lassen. Dieses Mal ist man schlauer. Toller Name, gerne.Kostspieliges Abenteuer mit ungewissem Ausgang? Eher nicht.

Deshalb pocht auch kein 16-Zylinder-Herz unter der S-Klassen Haube. Der bekannte Zwölfzylinder aus dem S600 muss es regeln. Für den Alltag ist er mit mehr als genug Leistung am Werk. Sechs Liter Hubraum sind eben doch schon eine Hausnummer. Zwei Turbos drücken das Kraftniveau in die Schmerzregionen der Getriebehersteller. Da mag das Technikerherz noch so laut nach „Extravaganz“ rufen, technisch und von dem, was an Kraft abrufbar ist, wird sich keiner vernachlässigt fühlen müssen. Andere hätten vermutlich aus dem Maybach nicht einfach nur eine Luxuslimousine gestrickt, nein, gleich ein Zeppelin wäre wohl die Alternative gewesen.

Zum zweiten Mal leicht nippen. Ein wenig rauchig, der Wein. Kräftig, schwerer Abgang. Kann man dem Maybach nicht vorwerfen. Selbst mit knapp fünfzehn Metern (sry. das ist eine Übertreibung, aber wie gesagt, keine Fakten in diesem Artikel) wirkt das ursprüngliche S-Klasse Design von Gordon Wagener noch immer flüssig, stimmig, elegant. Eine Schokoladenseite aus jedem Blickwinkel. Geadelt wird der Mercedes-Maybach durch kleine Embleme. MM, die Maybach-Motorenwerke. Und auch den Mercedes-Benz Schriftzug im Lenkrad wird man noch austauschen. Mercedes-Maybach ist die neue „Sub-Brand“. Neben Mercedes-AMG, dem Sport-Equipment für den Ausflug vor das Gym, steht nun „MM“ für Mercedes-Maybach, für neuen Luxus. Für sinnvollen Luxus. Wie ein guter Rotwein, gerne auch für 20 Dollar das Glas…

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Bevor wir die Pause eingelegt haben, hatte mich der Fond des Maybach in ein kokonartiges Nest gebettet. Tief und fest geschlafen. So gut, wie nie zuvor in einem Auto. Einem Eilzug ähnlich, nur viel leiser; wie in der Business-Class im Flugzeug, nur viel privater. Mercedes-Benz sollte sich dringend überlegen, einen eigenen Shuttle-Service mit diesen Maybach-Modellen zu etablieren. Nie zuvor war der Weg zum nächsten Weinglas friedvoller, luxuriöser, feiner. Das tiefe Lammfell lässt die Füße kaum mehr los. Luxus ist – wenn man zuviel von allem hat. Zum Beispiel mehr Dämmfolie, mehr Dichtungsgummi, mehr Nappa-Leder. Am Ende steht der leiseste Innenraum, den man derzeit für Geld in Serie kaufen kann. Fernes Rauschen, in vorauseilendem Gehorsam noch beim Entstehen an der Wurzel eliminiert.

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Steve hat mich an diesem Abend gefahren. Der Maybach war das erste Auto, in dem ich das Lenkrad freiwillig einem anderen überlassen habe. Steve trug weiße Handschuhe und wollte mir demonstrieren, wie schön das „gefahren werden“ sein kann. Ich habe es leider verpasst. Ich habe geschnarcht und von den Kilometern der Chauffeurs-Fahrt kaum das Schließen der Türen mitbekommen. Seine weißen Handschuhe hat Steve im übrigen auch nicht abgelegt, als ich ihn auf einen Kaffee einlud. Vermutlich machen das Maybach-Fahrer so.

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Roter Wein, auch aus Kalifornien, auf nüchternen Magen. Da bleibt auch auf der Rückfahrt das Steuer verwehrt. Aber das ist gut so.  Der richtige Platz im Mercedes-Maybach ist ohnehin der auf der Rücksitzbank. Am liebsten rechts. Da lässt sich per Fernbedienung auch noch der Beifahrersitz wegschieben. Die letzten Zentimeter aus der 20 Zentimeter -Wachstums-Orgie nutzen.

Eigentlich ist der Maybach nur eine S-Klasse. Eine mit mächtig viel Platz. Echter Luxus eben. Aber keine Experimente mehr. Das mag man doof finden. Am Ende entscheidet aber der Erfolg. Und während sich der erste Wiederbelebungsversuch der Marke Maybach als kostspieliger Fehltritt erwies, baut der zweite Versuch nun auf der „besten Limousine“ der Welt auf.

Was kann da schon schiefgehen?  Manchmal ist es eben besser, auf Experimente zu verzichten. Meine Rückfahrt habe ich deswegen genossen wie die Hinfahrt: Sanft schlummernd.

 

 

 

Mehr Infos, mehr Daten. Mehr Fakten. Demnächst. In diesem Blog.

In der Zwischenzeit sollte man den Artikel von Gast-Autor Fabian lesen … (klick)

 

Mercedes-Maybach – Vom Geld ausgeben wurde noch niemand reich!

Man kann davon halten, was man will: es wird wohl funktionieren. Den großen Maybach als kleine Untermarke unter das Dach von Mercedes-Benz zu holen, macht Sinn. Weil es eben mit Mercedes-AMG begonnen wurde und eben nun mit Mercedes-Maybach weitergeht.

Es ist vor allem logisch, denn wie es auch mehrere Baureihen von AMG gibt, so werden weitere von Maybach folgen. Man hatte also gar keine andere Wahl in Stuttgart, als der (bislang) größten S-Klasse den historisch wertvollen Namen nun nur „noch“ als Präfix zu geben.

Überhaupt sollte man die Diskussion um den Namen nicht zu hoch hängen. Natürlich – besonders der Teppich-Etage des Sterns – ist jedem das Desaster der alten Maybach-Reanimierung noch sehr präsent. Gerade deshalb ist es gut, dass sie das fett verchromte MM-Signet wieder aus dem Schrank holen.

Denn der neue Maybach ist ein gutes Auto.

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Weil Du keine fünf Kilometer nach dem Losfahren schläfst. Auf Knopfdruck faltet sich der Beifahrersitz vor Dir kunstvoll zusammen, der eigene Fauteuil fährt zu voller Spannweite aus und Du liegst lässig inmitten dieses Meers aus edelstem Nappaleder, Lammfell, Chrom und Gehölz. Massiert, belüftet und wohlig sitzbeheizt.

Die normale S-Klasse kann das auch? Falsch. Es sind allein die zusätzlichen zwanzig Zentimeter, die den Maybach zum Maybach machen. Fährst Du im profanen S-Mercedes zwar auf ähnlichen Stühlen mit identer Massage und ebengleichem Leder, so fehlt doch vor allem: Raum. Denn Du kannst dich zwar zurücklehnen und die Füße hochstellen, aber es dürfen dann bloß Füßchen sein und die Beine müssen kurze sein. Nicht so im Maybach. Selbst Große kommen locker unter, ohne irgendwo in der Auslegeware anzustoßen.

Doch neben dem Raum ist es vielleicht die Ruhe, die noch tiefer beeindruckt. Denn: es herrscht wirklich Ruhe im Fond des Über-S. Wir haben natürlich nicht nachgemessen, auch kennen wir die Dezibelzahlen der Konkurrenz nicht auswendig, aus Erfahrung können wir aber sagen: so leise wie im Maybach wird es so schnell nirgends.

Kein Murmeln des Sechsliters ist zu hören, selbst bei grober Beschleunigung. Und grob kann er: 530PS und 830Nm reißen selbst 5.45m schwäbischen Schwermetalls tüchtig nach vorne. Fünf Sekunden, so sagen die Schwaben, reichen für den Sprint auf 100, selbstredend wird später bei Zweifünfzig elektronisch der Hahn abgedreht. Aber so schnell will sowieso niemand fahren, denn die Sänftenfunktion (im Mercedes-Sprech Magic Body Control mit Road Surface Scan) kommt nur etwa bis 130km/h mit dem Ausbügeln der Fahrbahnunebenheiten hinterher.

Und die will man auf keinen Fall vermissen. Denn: mit so einem digital vorgeladenen Fahrwerk, das die Höhen und Tiefen der Strecken kennt und Dich wie in Abrahams Schoß gebettet durch das Land trägt, ist wirklich groß. Im Maybach übrigens noch einmal besser als in der Standard-S-Klasse. Radstand und Gewicht spielen hier ausnahmsweise mal eine positive Rolle.

Weltpremiere023 Mercedes-Maybach S600

Ansonsten gibt es alles, was man braucht (oder auch nicht): Burmester-Sound in High-End-3D mit 24 Lautsprechern und 1.5 Kilowatt, Parfümspender mit Luftreinigung in spezieller Maybach-Aromanote, versilberte Champagnerkelche, First-Class-Fond, Ledertapezierung am Dachhimmel, verdunkelbare Panoramadächer, einen Kühlschrank, zwei Bildschirme im Fond, Klapptische, Kühlboxen, 230V-Steckdosen, Wärme-Komfort für die Armlehnen, einen extra Telefonhörer im Fond, mit dem sich das halbe Auto steuern lässt und (ganz wichtig!) den Michelin Restaurantführer als Festinstallation am Navirechner.

Die Preisliste kommt insgesamt auf 88 Seiten, weshalb auch der Preis von gut 134.000 EUR für den V8-Maybach und knapp 188.000 für die V12-Variante eher als Richtwerte zu verstehen sind. Unter 200.000 EUR werden sicher die Wenigsten ausgeliefert, weiß man beim Daimler. Doch selbst das ist immer noch weit unter dem Niveau der Konkurrenz – bloß das eben das Auto nun in seinen Qualitäten darüberliegt.

Und das wird die 211.000 „ultra rich people“ (also die, die gemeinsam über 25 Billionen Dollar gehortet haben) freuen. Denn vom Geld ausgeben ist noch niemand reich geworden.

 

Der Mythos Maybach und Mercedes

Am kommenden Freitag darf Bjoern Habegger den neuen Mercedes-Maybach in Beverly Hills zum ersten Mal fahren. Vor seinem Fahrbericht wollen wir versuchen, den neuesten Edel-Mercedes in Marke, Markt und Historie einzusortieren.

Warum der erste neue Maybach von 2002 ein Missverständnis war und warum die Chancen des neuesten neuen Maybach auf Basis der S-Klasse erheblich größer sind, das hat Gründe. In Deutschland ist der durchschnittliche Superreiche altersmäßig eher in den „besten Jahren“, mit deutschen Automobilen sozialisiert und kann mit dem Namen Maybach durchaus etwas anfangen.

In China ist es umgekehrt: Der Superreiche dort, für den der neue Maybach zur Quengelware gemacht werden soll, der ist eher gerade über 30. May was? Kannte der auch nicht vor 12 Jahren. Asiatischem Geldadel muss man einfach zeigen, was es vorzuzeigen gibt – und zu zeigen gilt. Am besten ein Kunstwerk aus Design und Technik. Im Jahr 2015 und im Kleid der S-Klasse ist der neue Mercedes-Maybach selbsterklärend. DAS ist der Unterschied zwischen Maybach alt und Maybach neu.

Was ist der neue Mercedes-Maybach? Nur eine Art aufgehübschte S-Klasse oder ein werter Träger eines große Namens? Hier hilft vielleicht die Frage: Was hätte Ferdinand Piëch gemacht? Kein Mann hat mehr Oktan im Blut als der autobesessene Techniker, der erst Porsche im Rennsport, dann Audi und zuletzt Volkswagen groß machte. Piëch hätte es anders gemacht als Mercedes und Maybach.

Horch! Seit vielen Jahren geistern Gerüchte durch die Automobilpresse, ob Audi vielleicht seinen Ur-Namen Horch wiederbeleben wird. 1988, kurz vor dem von Ferdinand Piëch initiierten Audi V8, wurde konkret überlegt, den großen Audi als Horch zu präsentieren. Wie wir wissen, kam der erste V8 aus Ingolstadt dann doch als Audi auf die Welt. Die Absage an den Namen Horch hatte Gründe. Der Name war weithin unbekannt.

Und Maybach?
20 Jahre nach dem Nicht-Horch, dem Audi V8, beschloss Daimler eine zweite Auflage des Maybach. Inzwischen war die Marke seit exakt 60 Jahren tot. Der letzte Maybach 1.0 wurde 1942 gebaut. Die damalige Daimler-Chrysler AG hatte ermittelt, dass im Markt der edelsten Automobile neben Rolls-Royce oder Bentley noch Platz war. Piëch hätte wohl auf gut österreichisch eher dies geraten: „Bauts an neuen 600er“.

Mercedes-Benz Maybach 003 kolumne

Der legendären Staatskarosse 600 (W 100) einen standesgemäßen Nachfolger zu geben, hätte markenpolitisch Sinn gemacht. In den sechziger Jahren war „der“ 600er ein Überauto, zudem mit einem nie wieder erreichten Image des Technologieträgers. Der 600er hatte keine summenden Elektromotoren für Fenster oder Schiebedach. Alles zischte lautlos, hydraulisch. Nebenbei konnte man mit dem großen Mercedes auch mal eben einen Sportwagen abhängen.

Maybach fehlte Technologie
Als der reanimierte Maybach im Jahr 2002 auf den Markt kam, stand das Auto auf einer verlängerten Bodengruppe des seligen W 140, der Helmut-Kohl-S-Klasse, die seit 1998 bereits vom Markt war – wie der Kanzler der Einheit auch. Die Elektronikkomponenten erbte Maybach immerhin vom lebenden Bruder W 220 –  Tachografik inklusive. Gerade der übergroße Tachometer erinnerte schlicht zu sehr an die S-Klasse. Drei Jahre später verschwand auch der W 220 – inklusive Tacho. 2005 und mit der damals neuen S-Klasse (W 221) war Maybach endgültig old fashioned – technologisch also das Gegenteil der geschichtlichen Referenz Mercedes 600!

Zunächst war exklusiv für Maybach ein V16-Motor geplant. Versuchsaggregate liefen bereits. Angeblich zu teuer, wie die Motorpresse es damals kolportierte. Piëch hätt’s gemacht! Wetten, dass … ? Wie „wenige“ Millionen Mark hätte diese vor allem für Asien image prägende Motorisierung mehr gekostet? Um diese Chance beraubt, war der Maybach im Grunde ein Barockengel ohne Eigenschaften, eingekleidet im Zweifarben-Look, gerne mit Schwarz und schwerem Bordeaux in Kombination. Gern zeigte man dem potenziellen Kunden historische Bilder der Vorkriegs-Maybachs: auch schwarz, mit Kutschenkarosserien.

Zum Vergleich: Der Konkurrent Rolls-Royce Phantom stellte 2003 eine überwiegend lackierte Mauer in den Fahrtwind. Mittig ein wahrer Chromtempel. Daneben kleine Schießscharten (beleuchtet). Den Bentley Mulsanne (2009) hingegen prägten riesige Rundscheinwerfer wie von Flak-Batterien des Luftkampfs um England 1941 entliehen. Bentley und Rolls-Royce zeigten Charakter. Mangels Technik, Design und vermittelbarer Historie scheiterte Maybach. Am Ende, im Jahr 2012, hat Daimler nach Angaben des Automobil-Journalisten Georg Kacher im britischen „Car Magazine“ mit jedem verkauften Maybach 330.000 Euro in den Sand gesetzt.

Mercedes-Benz Maybach 002 kolumne

Maybach 2015
Mit dem neuen Mercedes-Maybach geht Daimler einen anderen Weg. Den Piëch-Weg. Doch. Der neue Maybach baut auf dem hypermodernen Technologie-Träger S-Klasse auf. So wie Ferdinand Piëch aus dem Audi 100 erst den Audi 200 und später den V8 machte, beschränkt sich Daimler auf die Evolution des besten Autos der Welt. Alle Stärken der S-Klasse, zuvorderst der Komfort, werden weiter verstärkt.Mercedes-Benz Maybach 001 kolumne

Zum Platzgewinn für die umworbene Kundschaft im Fond (plus 20 Zentimeter) kommen noch edlere Materialien. Plane und ruhige Chromfelgen geben dem Wagen Charakter. „Magic Body Control“ macht auch die Maybach-Version der S-Klasse zum fliegenden Teppich. Das Fenster der hinteren Türe schneidet gerade ab, das kleine Dreiecksfenster wandert in die C-Säule. Entstanden ist auf diese Weise ein wahres Maybächle, wie der Schwabe sagen würde.

PS.: Das mit dem 16-Zylinder für den Maybach hätte einen Ferdinand Piëch ja nicht ruhen lassen. Piëch, 1972 übrigens Erfinder des legendären Mercedes Fünfzylinder-Diesels („hängst an Zylinder dran“), hat sich die 16 Zylinder später bekanntlich selbst geschenkt. Im Bugatti.

LA Auto Show 2014: Der Hollywood Walk of Cars

Hollywood-Walk auf der L.A. Autoshow 2014

Das Jahr ist fast vorbei und die großen Vorstellung und Überraschungen damit fast erledigt. Doch bekanntlich kommt das Beste zum Schluss und somit hauen die Autohersteller auf der „L.A. Auto Show“ nochmal richtig auf den Tisch. Neben den sehnsüchtig erwarteten Stars und Sternchen der Autobranche freut man sich besonders auf die ausgewählten Leckerbissen wie den Audi Prologue. Die nahezu serienreife Studie zeigt neben den 22-Zoll großen Felgen wohl proportionierte Formen, die auf ein zukünftiges Audi-Design schließen lassen sollen. Schaut man jedoch in das Interieur des Concept-Cars, wird klar, dass noch einiges daran passieren muss, denn die diversen Touchpads, über die das Fahrzeug zu bedienen sein soll, scheinen doch noch allzu 2120.

Audi Concept – Prologue

Toyota – Brennstoffzelle in Serie

Dennoch kann man an seinen Visionen festhalten, wie Toyota mit dem Mirai beweist. Das erste serienmäßige Brennstoffzellenauto ist der beste Beweis, dass man nicht nur mit Design punkten kann, sondern vielmehr mit einer alternativen Antriebstechnik. Hier stehen die Interessenten Schlange, um sich über die Technik zu informieren und die nahe Zukunft hautnah zu erleben. Kleiner Wermutstropfen: Mit einem Einstiegspreis von 78.540 Euro liegt der Mirai leider für die meisten eher in der fernen Zukunft.

Frischer SUV bei Mazda – CX-3

Absolut in der Gegenwart angekommen und damit in einem immer weiter wachsendem Segment ist dagegen der Mazda CX-3. Der sehr schicke Mini-SUV ist ab 18.000 Euro zu haben und zeigt sich damit nicht nur bodenständig, sondern auch äußerst sympathisch. Die Japaner haben zusätzlich dem CX-5 und dem Mazda 6 ein kleines Facelift verpasst, das man allerdings eher im Interieur zu spüren bekommt. Hier kommen neue Materialien zum Einsatz, was sich besonders beim Komfort auszahlt. Erhöhte Sicherheit bekommen die Mazdas durch weitere moderne Assistenzsysteme wie dem aktiven Abstandsradartempomaten.

Alter Luxus, ganz neu – der Maybach

Einer der absoluten Stars auf der L.A. Auto Show ist jedoch der neue Mercedes-Maybach. Um 20 Zentimeter verlängert, bietet die Langversion des Flaggschiffs S-Klasse jetzt noch mehr Sitz- und Liegekomfort. Durch mehrere Halter, Kühl- und Wärmevorrichtungen in der durchgängigen Mittelkonsole und zwei versilberten Champagnergläsern dürften auch etwaige Geschäftspartner schneller auf erfolgreiche Geschäfte anstoßen wollen.

Mit weiteren Spitzenmodellen warten selbstverständlich auch alle anderen Autohersteller auf. Welche Messe eignet sich besser als die LA Motor Show, wo dicker, größer und protziger nicht nur ein Muss, sondern schon fast eine Religion ist? Vorreiter dürften die Amis selbst sein. Mit dem Cadillac ATS-V, dem amerikanischen Traum, wollen sie es besonders dem BMW M4 zeigen. 2015 kommt der kantige Knaller mit den riesigen Lufteinlässen nach Deutschland. Der Shelby GT350 Mustang bleibt allerdings bei seinen Wurzeln und damit in Amerika. Große Motorhauben-Schlunde sind auch dieses Jahr wieder Trend auf der Automesse. So zeigt auch Jaguar mit dem neuen allradgetriebenen F-Type größere Kiemen.

LA2014 Ford Mustang 26 Shelby

Doch auch kleinere Modelle wissen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: der Elektro-Roller Citysurfer Concept von Mini. Mit 25 km/h will er die Mobilität in den Großstädten verbessern und somit jedem staugeplagten Städter zu flottem Vorankommen verhelfen. Ein kleiner Hollywoodstern ganz groß.

 

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