News: Citycar, Crossover und Elektrotransporter – Fords Wege aus der Krise

Eine ganze Industrie in Feierlaune, Rekordabsätze, sprudelnde Gewinne und zufriedene Aktionäre. Nur die zahlreich zum Genfer Autosalon angereisten Manager mit Ford-Hausausweis können sich nicht so richtig freuen. Der US-Riese kommt in Europa nicht in die Gänge, schreibt dicke Verluste und sucht immer noch nach dem Licht am Ende des firmeneigenen Krisentunnels. „Wir brauchen einfach Geduld“, beruhigt Jim Farley und zwingt sich zu einem entschlossenen Lächeln. Der 52jährige Amerikaner ist so eine Art Feuerwehrmann, der aus Detroit in die Europazentrale nach Köln geschickt wurde. Seit Anfang Januar ist er der Präsident von Ford Europa und so ganz nebenbei auch noch für Afrika und den Mittleren Osten.

Zuvor war Farley für das weltweite Marketing von Ford verantwortlich. Ein lupenreiner Verkaufsprofi also, der dem hinkenden Koloss Beine machen soll. „Wir haben die modernste Modellpalette in der Ford-Geschichte“, sagt er, verweist auf Fiesta, Focus und Co., nennt den gerade mit langer Verspätung endlich erschienenen großen Mondeo, den neuen eleganten S-Max und setzt große Hoffnung in die sportlichen Modelle wie den bärenstarken Allradler Focus RS mit 235 kW/320 PS: „Die Liebe zu leistungsfähigen Autos liegt uns im Blut“, schwärmt er und kündigt an, dass das Angebot an Sportlern mit dem Kürzel RS bis 2020 auf ein glattes Dutzend erhöht wird. Zudem sollen die Ikone Mustang und der in Genf gezeigte 600-PS-Renner GT die beiden Speerspitzen sein. „Eine halbe Millionen User haben den Mustang in Internet schon mal konfiguriert“, berichtet er. Ab Sommer werden das Coupé und das Cabrio verkauft und mit einem Preis von rund 40.000 Euro die mit Abstand günstigste Möglichkeit bieten, sich einen Achtzylinder (5 Liter Hubraum, 313 kW/426 PS) in die Garage zu stellen.

Doch auch Jim Farley ist klar, dass die Klientel für Sportwagen und hochgerüstete Alltagsautos viel zu klein ist, um das taumelnde Ford-Schiff in Richtung der ersehnten schwarzen Zahlen zu steuern. „Wir müssen den aktuellen Trends stärker folgen als bisher“, räumt er ein und stellt eine Liste zusammen, was Ford möglichst bald in Europa anbieten muss: „Am wichtigsten ist ein Crossover“, sagt Farley und meint damit die kompakte Kreuzung aus Kombi, Geländewagen und Freizeitmobil, die derzeit voll im Focus der Kunden steht. „Da sind wir in der Pflicht, ein solches Autos auch für den Weltmarkt zu entwickeln“. Farley gesteht ein, dass sowohl der kleine B-Max als auch das Mini-SUV Ecosport hinter den Erwartungen zurückblieben. „Der B-Max mit seinem genialen Türkonzept ohne B-Säule leidet unter dem Rückgang des Interesses für geräumige Familien-Vans“, berichtet er. Um dem aus Brasilien importierten eckigen Ecosport neues Leben einzuhauchen, verweist der neue Präsident auf ein Facelift, dessen Ergebnis ebenfalls in Genf zu besichtigen ist. Das außen montierte Reserverad an der Hecktür verschwindet, der Innenraum wird edler gestaltet und die Leistung der Motoren verbessert“.

Auf Farleys Prioritätenliste stehen auch noch ein Citycar wie es zum Beispiel VW mit dem Up bietet, ein Mobilitätskonzept für die großen Städte nach Vorbild von Daimlers Car2go oder BMW „Drive now“ und ein kleiner, möglichst abgasfreier City-Transporter, mit dem die Einzelhändler in den kommenden Umweltzonen der Stadtzentren beliefert werden können. „Wir werden uns verstärkt auf den Bereich der Innenstädte konzentrieren, müssen unseren Kunden hier Lösungen anbieten“.

Freimütig und durchaus unbekümmert bezieht der Amerikaner auch Stellung zu Fragen außerhalb seines Einflussbereiches. So plädiert er heftig für ein Verbleiben von England in der EU und für ein schnelles Ende der Eiszeit zwischen den USA und Russland. Denn einer der Gründe für die hohen Ford-Verluste in Europa ist der Verkaufseinbruch in Russland. „Die aus den Sanktionen von EU und USA resultierende Inflation führte dazu, dass die Preise unserer Autos für die Menschen unbezahlbar wurden“, klagt Farley und sieht auch keine Gesundung in diesem Jahr.

Die Welt ist voller Zufälle. Kurz vor Jim Farleys Auftritt im Genfer Hotel „President Wilson“ trafen sich an gleicher Stelle US-Außenminister John Kerry und sein russischer Widersacher Sergei Lavrov, um wieder einmal über den Ukraine-Konflikt zu vrhandeln. Begegnet ist der neue Europa-Präsident seinem Landsmann nicht, berichtet aber respektvoll. „ Die vielen schwerbewaffneten Sicherheitsleute waren wirklich nicht zu übersehen“.

Autor: Peter Maahn/SP-X

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