Test: Jeep Wrangler Sahara 2.2 CRD

Auf Asphalt unterfordert

Der Jeep Wrangler ist kein weichgespültes SUV, sondern ein richtiger Geländewagen. Asphaltbeläge mag er nicht so.

Es gibt sie noch: richtige Offroader. Keine mehr oder weniger weichgespülten SUV, sondern Fahrzeuge, die sich am liebsten durch Dreck und Schlamm wühlen und mit denen man weder Angst vor steilen Bergauf und -abfahrten noch vor rutschigen Steinpfaden und wassergefluteten Passagen haben müsste. So einer ist der jetzt in der vierten Generation erhältliche Jeep Wrangler. Den gibt es in einer zweitürigen Kurzversion und in einer 55 Zentimeter längeren Variante. Dieser von Stoßstange zu Stoßstange 4,88 Meter messende Viertürer wird als Wrangler Unlimited vermarktet. In der Ausstattungsvariante „Sahara“ für mindestens 56.000 Euro sollte er zeigen, was er so drauf hat.  

Der Sahara wagt den Spagat, Hardcore-Geländewagen-Fans und komfortorientierten Anhängern der Marke Jeep ein mobiles Zuhause zu geben

Anders als der Bezug auf die größte Wüste der Welt vermuten lässt, ist der Wrangler in der Sahara-Ausgabe nicht das Fahrzeug fürs steinig-sandig-Grobe, sondern im Vergleich zu „Sport“ und „Rubicon“ der etwas komfortablere Begleiter. Der Sahara wagt den Spagat, Hardcore-Geländewagen-Fans und komfortorientierten Anhängern der Marke Jeep ein mobiles Zuhause zu geben.

Eckig und kantig tritt der Neue an, unverkennbar ein Abkömmling der legendären Jeep-Modelle. Der Kühlergrill mit seinen sieben Hochkant-Schlitzen, die runden Scheinwerfer, die auffälligen Türscharniere, die steil stehende Windschutzscheibe sowie das außen an der Hecktür montierte Ersatzrad sind Design-Zitate der Unternehmenshistorie. Sogar eine richte, freischwingende Antenne gehört zum stilechten Auftritt. Dass der Wrangler bei aller Ahnenforschung ein modernes Fahrzeug ist, zeigt sich unter anderem an den LED-Leuchten in den klassisch runden Scheinwerfern. Und auch die Felgen sind unverkennbar modern. Schicke 18-Zöller-Alus sorgen ab Werk für Aufsehen. Für die Puristen: Aufgezogen sind keine Allerweltsreifen, sondern All-Terrain-Pneus, die einen Kompromiss zwischen Straßen- und Geländeeinsatz darstellen.

All-new 2018 Jeep® Wrangler Sahara

Wer sich an den an den Haltegriffen in den Innenraum hinaufgezogen hat, auf das bequeme (aufpreispflichtige) Ledergestühl niederlässt und den Blick auf das Armaturenbrett schweifen lässt, sieht sofort, dass der Wrangler im 21. Jahrhundert angekommen ist. Startknopf statt Zündschloss, ein großes Display und ein digitales Cockpit erwarten den Fahrer. Selbstverständlich mit einem Konnektivitätssystem samt Apple Car und Android Auto und Rückfahrkamera. Außerdem an Bord sind ein Navi für die Straße und natürlich eins fürs Gelände mit Infos zu Neigungs- und Rollwinkel, Luftdruck und Höhe. Das Platzangebot des Viertürers ist mehr als ordentlich. Der Kofferraum (533 bis 1.044 Liter) eignet sich auch für größere Transportaufgaben.

Damit man die Jeep-Wurzeln trotz aller modernen Beigaben nicht vergisst, leuchtet beim Starten des Motors jedes Mal „Jeep since 1941“ in der Instrumentenanzeige auf. Auf dem Kopf des Automatikhebels ist zudem ein stilisierter Ur-Jeep zu sehen. Dabei ist diese Erinnerung gar nicht nötig. Mittels neben dem Schalthebel befindlichen zweiten Schalthebel lassen sich verschiedenen Antriebsmodi von Heck- bis Allradantrieb mit zusätzlicher Geländeuntersetzung wählen. Man könnte also, sofern man zum Beispiel Mitglied eines Offroad-Clubs, Besitzer einer Kiesgrube oder Privatwaldeigner wäre, nach Herzenslust und soweit die Leiterrahmenbauweise und die Starrachsen tragen, die Geländegängigkeit des Wrangler testen.

Da wir bei keinem der oben genannten Optionen ein Häkchen machen können, mussten bei winterlichen Bedingungen verschneite und vereiste Feldwege reichen. Aber schon bei diesen leichten Aufgaben schien der Wrangler aufzublühen. Endlich eine Aufgabe, wenn auch nicht sonderlich schwer. Wie ein hochbegabtes Kind, das in der Regelschule unterfordert wird und oftmals genervt und bockig wirkt, scheint sich der Offroader im Straßenbetrieb zu langweilen und zeigt gerne seinen Unmut über diesen ihn unterfordernden Einsatz. Die steilen Feldwege nahm er als einfache Aufwärmübung spielerisch leicht.

Eckig und kantig tritt der Neue an, unverkennbar ein Abkömmling der legendären Jeep-Modelle

Auf der Straße tut er sich dagegen schwerer, spielerische Leichtigkeit rüberzubringen. So wie die Starrachse im Gelände mit ihrer Robustheit im Vorteil ist, zeigt sie auf der Straße ihre Nachteile. Der Fahrkomfort ist natürlich nicht mit dem eines auf Komfort getrimmten SUV zu vergleichen. Zudem dringen laute Wind-, Motor- und Reifengeräusche ins Fahrzeuginnere. Andererseits: Das gehört sich halt so für einen Wrangler und für Weicheier gibt es andere Fahrzeuge.

Der 2,1-Liter-Diesel mit 147 kW/200 PS ist ein rauer Geselle, bietet aber reichlich Drehmoment. 450 Nm vermitteln nicht nur auf der Straße Durchzugskraft, sondern sollen auch im Gelände, Garant für souveränes Durchkommen sein. Zudem sind hier bis zu 2,5 Tonnen Anhängelast erlaubt. Auf der Autobahn fühlt man sich dank der etwas ungenauen Lenkung wohler als auf kurvigen Landstraßen. Die Achtgang-Automatik arbeitet aber immer unauffällig im Hintergrund und wechselt die Gänge harmonisch. Bis Tempo 120 gibt der Jeep einen angenehmen Reisebegleiter. Fährt man schneller, wird es nicht nur richtig laut – das Hardtop filtert die Außengeräusche nicht besonders gut weg, sondern der Motor wird auch durstig. 12 Liter rauschen dann durch die Leitungen, gut vier mehr als die Norm vorgibt. Bei entspanntem Cruisen pendelte sich der Verbrauch bei 10,3 Liter ein.

Für Fans der Marke, die sich nicht als eingefleischte Offroader sehen, bietet der Wrangler einen weiteren Kaufgrund. Bei ihm lassen sich nicht nur das Hardtop abnehmen, sondern auch die Windschutzscheibe umklappen und die Türen komplett entfernen. So entsteht eine Art Cabrio mit Frischluftzufuhr von allen Seiten. Das könnte auch dem ein oder anderen Weichei gefallen.

Jeep Wrangler Sahara 2.2 CRD – Technische Daten:

Viertüriges, fünfsitziges SUV, Länge: 4,88 Meter, Breite: 1,89 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k.A.), Höhe: 1,84 Meter, Radstand: 3,01 Meter, Kofferraumvolumen: 533 – 1.044 Liter

2,1-Liter-Diesel, 147 kW/200 PS, Allrad, Achtgang-Automatik, maximales Drehmoment: 450 Nm bei 2.000 U/min, Vmax: 180 km/h, 0-100 km/h: 9,6 s, Durchschnittsverbrauch: 7,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 209 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-temp, Effizienzklasse: B, Testverbrauch: 10,3 l/100 km

Preis ab: 56.000 Euro

Kurzcharakteristik:

Warum: weil er ein echter Jeep ist

Warum nicht: weil man keinen Privatwald besitzt und eher ein Weichei ist

Was sonst: Mercedes G-Klasse, Toyota Land Cruiser, ein gebrauchter Land Rover Defender