Nachgeschärft – Der neue Mazda3

Das neue Mazda-Design verzichtet auf „Charakterlinien“.

Never change a winning horse. Für Mazda ist der „Dreier“ seit seiner Einführung im Jahr 2003 ein Zugpferd, das sich bisher weltweit mehr als sechs Millionen Mal verkauft hat. Kein Grund also, bei seiner vierten Generation optische Experimente zu wagen. So haben die Designer lediglich Ecken und Kanten fein modelliert und den ausschließlich als Fünftürer und Limousine erhältlichen Kompakten geschmeidiger gezeichnet. An der Front dominiert weiterhin der große Kühlergrill, die Chromzierspange fällt filigraner aus als beim Vorgänger, die Scheinwerfer kleiner. Das Heck fällt bei beiden Varianten flach ab, die Heckleuchten wurden schmaler gezeichnet. Der Mazda 3 kommt als Fünftürer noch im Frühjahr 2019 auf den Markt. Für die Limousine und den neuen, angekündigte Benzin-Motor mit Selbstzündung muss man sich noch bis zum Herbst 2019 gedulden.

Die coupehafte Linienführung lässt Passagiere hinten im Dunkeln sitzen

Das 4,46 Meter lange und damit um einen Zentimeter gewachsene Schrägheckmodell – heute mal nicht im klassischen Mazda-Rot, sondern im neuen Farbton Polymetal Grau Metallic – baut auf einer neuen Plattform der Japaner mit Verbundlenkerhinterachse auf und überragt den VW Golf um 20 Zentimeter. Dafür gibt es zwar vorne wie hinten ordentlich Platz für Knie und Ellenbogen, die Frisur sollte sich allerdings nicht zu hoch auftürmen. Die schicke coupehafte Linienführung fordert ihren Tribut. Den Passagieren hinten verwehrt sie zusammen mit den reichlich kleinen Fenstern den Blick nach draußen und lässt sie weitestgehend im Dunkeln sitzen. Mit 358 bis 1026 Litern bleibt zudem bei voller Besetzung für das Gepäck nicht allzu viel Spielraum.

Der Radkasten ist weniger wuchtig, die Rückleuchten sind filigraner mit runden Leuchtelementen.
In jedem Dreier gibt es jetzt ein Head-up-Display, das seine Informationen in die Windschutzscheibe projiziert.

Man sitzt bequem und ergonomisch perfekt

Also gibt man dem neuen Mazda3 am besten mal allein die Sporen. Man sitzt bequem im akkurat der menschlichen Anatomie angepassten und darüber hinaus noch vielfach verstellbaren Gestühl. Im Cockpit sind Lenkrad, Instrumenteneinheit und Lüftungsdüsen ordentlich symmetrisch angeordnet, auf Knöpfe und Tasten haben die Japaner zum großen Teil verzichtet. Sie sind in das Lenkrad gewandert oder ihre Funktionen werden vom auf 8,8 Zoll vergrößerten Zentraldisplay übernommen. Anders als mittlerweile üblich, reagiert das nicht auf den Touch, sondern über einen Dreh-Drück-Regler, was angesichts der vermeidbaren Fingerabdrücke nicht mal schlimm ist. Das neue serienmäßige Head-Up spiegelt wichtige Informationen direkt und ohne Einsatz hässlicher Plexiglasflächen auf die Windschutzscheibe.    

Im Cockpit verzichtet Mazda weitgehend auf Knöpfe und Tasten, die sind in das Lenkrad oder in den Controller in der Mittelkonsole gewandert.

Im leisen Innenraum sorgt die Bose-Sound-Anlage für Konzertgefühle

Über Android Auto lässt sich (ebenso wie Apple Car Play natürlich) der Inhalt des eigenen Smartphones auf das Zentraldisplay widergeben. Aus den 12 Boxen des Bose Soundsystems rieselt jetzt kristallklar der Regen in „Riders on the storm“ von den Doors, während draußen die ersten Mimosen auf dem Weg von Lissabon nach Sintra ihre Zweige in Richtung Asphalt recken. Feinfühlig wie ein Vollblut und ohne Verzögerung reagiert der Mazda3 mit dem vorerst einzigen verfügbaren  120 PS Benziner auf spontane Wünsche nach mehr Tempo, ohne gleich heißblütig durchzugehen. Eine Zylinderabschaltung hilft, den Durst zu zügeln, ein Mildhybridsystem für die Unterstützung des Verbrennungsmotors durch einen E-Motor. Mit der direkten Lenkung und dem straff abgestimmten Fahrwerk durcheilt der kompakte Japaner auch enge Kurven schnell und ohne nennenswertes Untersteuern.

Der Dreier ist im Premiumsegment der Kompakten angekommen.

Der neue selbst zündende Benziner kommt erst in der zweiten Hälfte 2019

Der neue Mazda3 kommt Mitte März in den Handel und kostet mindestens 22 990 Euro. Dafür sind aber dann ein adaptiver Tempomat, ein Spurwechsel-Assistent, Verkehrszeichenerkennung Lederlenkrad, LED-Scheinwerfer, das Head-up-Display, Digitalradio, AppleCarPlay und Navigationssystem immer mit an Bord. Fairplay. Alternativ zu dem 2,0 Liter Benziner steht derzeit noch ein 1,8 Liter Diesel mit 116 PS zur Wahl. Für die zweite Hälfte 2019 kündigt Mazda den selbst zündenden Benziner an, der stark und drehfreudig wie ein Benziner und sparsam wie ein Diesel werden soll.

Text und Fotos: Solveig Grewe (Innenaufnahme: Hersteller)

Previous ArticleNext Article
%d Bloggern gefällt das: