Automatisiertes Fahren – Technik fertig, Gesetz kommt

Die Legalisierung selbstfahrender Autos ist einen Schritt näher gerückt: Das Bundeskabinett hat den vom Verkehrsministerium vorgelegten Gesetzentwurf zur Umsetzung des geänderten Wiener Übereinkommens über den Straßenverkehr beschlossen.

Mit den neuen Regeln soll Rechtssicherheit für den Einsatz automatisierter Fahrsysteme geschaffen werden. Der Gesetzentwurf besagt, dass die Systeme den technischen Regelungen der UNECE entsprechen und so gestaltet sein müssen, dass sie durch den Fahrer übersteuert beziehungsweise abgeschaltet werden können.

„Mit unserem Gesetzentwurf machen wir den Weg frei, damit automatisierte Fahrsysteme immer mehr Fahraufgaben selbstständig übernehmen können“, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Das Parlament muss dem Gesetz noch zustimmen.

Die Vereinten Nationen (UN) hatten das „Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr“ von 1968 bereits ergänzt. Systeme, mit denen ein Pkw autonom fährt, sind danach zulässig, wenn sie jederzeit vom Fahrer gestoppt werden können. Die nationale Umsetzung fehlt in Deutschland bisher.

News: Automatisiertes Fahren – Alles Hype oder was?

Das automatisierte Fahren zählt aktuell zu den meist diskutierten Themen in der Autobranche. Technisch wäre eine Umsetzung nicht unmöglich. Doch ob der Kunde die Roboterautos überhaupt will, scheint noch nicht so richtig klar. Auf und neben der IAA wurden dazu gleich mehrere Umfragen vorgestellt – mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Am begeisterungsfähigsten zeigten sich offenbar die vom Lobby-Verband Bitkom befragten Autofahrer. 37 Prozent von ihnen würden sich schon heute ein selbstfahrendes Auto kaufen – was auch immer das im Detail bedeuten soll. Gibt es Bedenken, dann vor allem hinsichtlich des Preises, nicht wegen eventueller individueller Sicherheitsvorbehalte. Vielmehr macht die Umfrage die positiven Seiten der Technik stark: besserer Verkehrsfluss, weniger Emissionen, weniger Unfälle. Besonders freuen dürften sich die im Bitkom versammelten Vertreter der IT-, Telco- und Softwareunternehmen über die Einsicht der Befragungsteilnehmer gefreut haben, dass für den autonomen Verkehr eine passende Infrastruktur aufgebaut werden muss. Das Geld soll aus Maut- und Steuermitteln kommen – und wohl nicht zuletzt den Mitgliedsunternehmen des Verbandes zufließen.

Nicht ganz frei von Eigeninteressen dürften auch die beiden ähnlich gelagerten Umfragen der Prüforganisationen TÜV Süd und Dekra sein. Denn irgendwer muss ja beispielsweise auch sein Siegel auf die Technik autonomer Autos und passender Infrastrukturen kleben. Trotzdem liest sich das Ergebnis der Studie jeweils weniger euphorisch als bei der Bitkom. So haben laut TÜV Süd lediglich 30 Prozent der befragten Deutschen keine Sicherheitsbedenken, wenn der Computer lenkt. 24 Prozent halten die Technik für unsicher, 18 Prozent für eher unsicher. Auch bei der Dekra ist wenig Begeisterung für voll autonome Autos zu spüren. Lediglich sieben Prozent der befragten Deutschen würden sich ein entsprechendes Fahrzeug kaufen. In den USA wären es immerhin 16 Prozent. Auch die beiden Unternehmen dürften nicht ganz unglücklich mit diesem Ergebnis sein, ist es doch ihr Job, eventuelle Unsicherheiten beim Verbraucher über Vertrauen in ihre technische Kompetenz auszuräumen.

Wer eine Umfrage macht, bekommt halt zu hören, was er mal gesagt haben will. So kann auch die Meinungsforschung nicht viel mehr Klarheit in das Thema Auto-Autonomie bringen. Zumindest gibt es aktuell offenbar erstmals einen leichten Gegenwind gegen die lange Zeit fast kritiklos betrachtete Technik. Porsche-Chef Matthias Müller sprach unlängst etwa von einem Hype um das autonome Fahren, der durch keine Realität gerechtfertigt sei. Muss er aber vielleicht auch sagen. Schließlich kann er seine Autos nur an Kunden verkaufen, denen der Spaß am Selbstfahren genug Geld wert ist.

Autor: Holger Holzer/SP-X