Gedanken zum Porsche 718 – Dem neuen Boxster

Nun auch im Boxster, das Kleinmachen des Hubraums und das direkte Wiedergroßmachen der Leistung mittels Turbolader. Soweit, so klar, war es doch abzusehen, dass Porsche auch dem Kleinen die Lüftung schenken muss.

Turbo-Boxster – Das Turbo-Lüfterchen

mein-auto-blog Redakteur Fabian Mechtel macht sich Gedanken zum ersten Vierzylinder-Boxer-Turbo aus Zuffenhausen und was das für den 911er bedeutet.

Nicht klar war der Name. Aber dass es jetzt korrekt Porsche 718 Boxster (S) heißen muss, ist wohl ein Kunstgriff, über den sie in Zuffenhausen recht glücklich sind. Weil a) verkauft sich so der Vierzylinder besser, Renngeschichte zieht eh immer und b) färbt so ein bisschen der 918 ab – so sagen sie zumindest.

Im Innenraum spendiert er sogar sein Lenkrad. Dazu gibt es neue Lüftungsdüsen und einen frischen Touchscreen-Monitor. Der ist sogar serienmäßig, nur kann man dann dort bloß seinen Radiosender umstellen – Navi und andere Funktionsumfänge lassen sie sich, natürlich, fürstlich bezahlen. Außen erkennt ebenfalls nur das geschulte Auge den neuen Boxster.

Die Front ist ein wenig gestrafft, die Scheinwerfer werkeln mit Xenon-Licht oder wahlweise voller Dioden. An der Seite hat der Türgriff nun keine Schalen mehr und der Lufteinlass zwei Lamellen. Am Heck wird es dann gröber: der Spoiler wächst, trägt er doch einen Luftauslass an der Hinterseite und gleich auch noch einen fetten Porsche Schriftzug. Darunter dann in vollster verchromter Breite: 718 Boxster (S). Dazu Lampen, die aussehen, als hätte man sie aus dem Zubehör montiert. Haben wir diese geschwärzten Dinger schon am alten GTS nicht gemocht, so kommt man ihnen im Neuen wohl gar nimmer los.

Sei es drum, es geht ja dann doch mehr ums Fahren bei einem Porsche, zumindest sollte es das. Entsprechende Freude soll der neue Motor besorgen. Im Prinzip ist es der aus dem Elfer bekannte 3.0 Liter Sechszylinder-Biturbo. Nur haben sie mit der Säge kurz zwei Zylinder runtergehauen und auch am Krümmer einen Lader entfernt. Es bleibt also ein einzeln aufgeladener Zweiliter-Vierzylinder. Die Leistung: 300PS und 380Nm Drehmoment. Das ist schon ein deutlicher Vorsprung, schaffte es der zahme alte 2.7er doch bloß auf derer 265PS/280Nm.

Spannend: die Motoren sind wirklich sehr identisch, das Bohrung/Hub-Verhältnis kennt man mit 91mm zu 76.4mm aus dem Elfer und doch ist der kleine Boxster wesentlich potenter. Denn der Elfer holt aus seinem doppelt geladenen 3.0 Liter in der kleinen Variante nur 370PS. Mit der Literleistung des neuen 718 Boxster müsste er es eigentlich auf 450PS bringen (was sogar noch 20PS mehr wären, als Porsche dem Carrera S spendiert). Und dabei muss es beim Boxster ein Turbo alleine richten.

Es bleibt Luft nach oben

Was wir damit sagen wollen? Es ist noch Luft nach oben. Also, beim Elfer. Und das freut uns. Ebenfalls freut uns, dass es noch nicht die letzte gute Nachricht aus der Pressemeldung zum neuen Boxster ist. Denn es gibt ja noch den S. Und dieser muss zwar auch auf zwei Zylinder verzichten, darf dafür aus 2.5 Litern schöpfen und bekommt einen (!) VTG-Lader. Nach dem 911 turbo-turbo ist also der 718 Boxster S der zweite Serienbenziner mit einem verstellbaren Turboeinlauf. Leistung: 350PS gehen mit 420Nm Hand in Hand.

Freunde des Rechenschiebers haben die frohe Botschaft aber nicht in der Leistung entdeckt, sondern: 3.8! Dreikommaacht. Zumindest aufgerundet, denn wenn man aus dem 2.5er Vierzylinder einen Sechsender macht, dann kommt man bei 3.75 Litern Hubraum heraus.

Sehen wir also bald doch wieder einen großen Carrera? Einen 3.8er GTS vielleicht? Mit weit jenseits der 500PS, weil wir ja gelernt haben, dass selbst der normale Carrera-Motor schon 450PS bringen müsste? Dumm nur, dass sie beim jüngst präsentierten 911 turbo-turbo so konservativ mit der Leistung waren…

Man hätte sich bei Ferrari ein Beispiel nehmen sollen, schließlich scheint die Welt bereit für Leistungen um 700PS.

Also Porsche, machen! Die Ladedruckschraube ist noch nicht am Anschlag.

718 Boxster S
718 Boxster S
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718 Boxster S
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718 Boxster S

Hart, aber herrlich – der Porsche Boxster Spyder

Auch wenn die Blätter jetzt unaufhaltsam taumeln, reizen milde Temperaturen zum Autofahren oben ohne. Vor der ersten Ausfahrt mit dem neuesten Roadster von Porsche sieht man Fahrerin und Beifahrer erst einmal ein wenig etwas ratlos. Wer es für überflüssig hält, Gebrauchsanweisungen für Autos zu lesen, für den bleibt der Striptease des Boxster Spyder erst einmal ein Buch mit sieben Siegeln. Nach der Entriegelung über den Schlüssel gilt es, die seitliche Befestigung des Stoffdachs über unsichtbare Druckknöpfe mit der nötigen Sorge um die Fingernägel zu lösen und am Rahmen zu befestigen, den Kofferraumdeckel mit den weit nach hinten gespannten Finnen zu öffnen, die Falten zu ordnen und dann nach hinten verschwinden zu lassen. Ein Schauspiel, was in umgekehrter Reihenfolge bei einem plötzlichen Schauer schon mal zu Stress führen kann. Doch die vollautomatische Variante verbot sich schon von selbst. Peinlich genau und in Erinnerung des historischen Vorbilds Spyder 718 haben die Ingenieure in Zuffenhausen auf jedes Gramm des rassigen Roadsters geachtet. Mit Erfolg: Der neue Spyder wiegt weniger als jeder andere Boxster. Nur konsequent: Innen erfüllen Schlaufen aus Stoff die Funktion von schweren Türgriffen. Auch andere Dickmacher wie eine Klimaanlage oder ein Radio bleiben außen vor. Wer trotzdem auf ein wenig Komfort und Entertainment nicht verzichten will, dem spendiert Porsche beides ohne Aufpreis.

Wir gleiten in die festen Sportschalensitze. Den Zündschlüssel, natürlich klassisch links von dem kleinen handlichen Lenkrad, umgedreht und der 3,8 Liter Boxstermotor Sauger, den die Schwaben aus dem 911 Carrera S entliehen haben, faucht heiser los. Der erste Gang sitzt mit einem metallischen Klicken, nahtlos deklinieren sich dann in gleicher Manier die folgenden fünf Gänge durch. Ein Doppelkupplungsgetriebe wäre übertriebener Luxus und fehlt im Angebot für den puristischen Spyder. Alles andere als puristisch zeigt sich der Sechszylinder unter der Haube. Mit seinen 375 PS, das sind gerade mal zehn PS weniger als im Cayman GT4, darf sich der Motor als „stärkstes je in einem Serien-Boxster verbautes Aggregat“ rühmen. Bisher hielt der Boxster GTS mit 330 PS diesen Rekord, im von 2009 bis 2011 gebauten Vorgänger des Swyders sorgten 320 PS für den geballten Vortrieb. In 4,5 Sekunden hetzt der Roadster von null auf 100 km/h, erst bei auf heimischen Landstraßen natürlich unerreichbaren 290 km/h ist Ende.

Geschmeidig jagt der satt auf dem Asphalt liegende Roadster das sanft geschwungene Asphaltband entlang. Trotz Windschott zwischen den beiden Kopfstützen zerzaust die Frisur. Egal. Das Gaspedal, die präzise Lenkung und die bissig zugreifende Lenkung aus dem 911er Carrera stimmen ein in einen Kanon aus brachialer Beschleunigung und stets wohl dosierter Verzögerung des Drehmoments von 420 Newtonmetern. Das 20 Millimeter tiefer gelegte Sportfahrwerk vermag Unebenheiten im Asphalt wenig zu verbergen. Im Sport Plus Modus und bei gedrückter Taste für den Klappenauspuff brüllt sich der Mittelmotor fast heiser. Jedes Herunterschalten wird prompt mit einem knallenden Zwischengasstoß quittiert, der die Drehzahl wieder in die korrekte Höhe katapultiert, Aus den beiden Endrohren knallt es, wenn man dann doch mal vom Gas geht und im lang gezogenen Tunnel geraten wir in ein wahres Soundgewitter. Bestellt werden kann der Spyder mit dem diskreten Schriftzug zwischen den dicken Backen hinten zum Preis ab 79.945 Euro.

Jaguar F-Type 003 Paris Neu

Jaguars F-Type

Als ich vor ein paar Wochen bei Jaguar im Testcenter am Nürburgring sein durfte, war der F-Type noch gut versteckt.

New F-Type

Jetzt wurde der neue F-Type auf dem Pariser Automobil-Salon vorgestellt und ja, die ersten Bilder scheinen zu halten was versprochen wurde. Zahlreiche Studien und nicht zuletzt ein glanzvoller Name – da muss ein neuer Jaguar doch einiges abliefern.

Die Original-Pressemeldung von Jaguar gibt es auf der autofahrer-zeitung.de – meine persönliche Meinung hier:

 „Rattenscharf und extrem leckerst“

Die Proportionen stimmen, der Wagen baut mit langem Radstand bei überschaubarer Gesamtlänge nicht auf eine Revival-Idee des Original E-Types auf, sondern spricht eine ganz neue – sportliche Formensprache. Die vier Auspuff-Endrohre hätte man weniger prominent platzieren können – das restliche Heck spricht ein wenig italienisch. Dafür fast schon „typisch neuer Jaguar“ die Front.

Keine Aston Martin Kopie mehr – das dürfte die wichtigste Information für echte Jaguar-Fans sein, zurück zu einer eigenen Formensprache.

Frustrierend das Leergewicht des neuen F-Type: Mit knapp unter 1.600 kg bringt der überschaubare Zweisitzer dann doch mehr Gewicht auf die Wage, als erhofft. Kompensation des Wohlstands- und Sicherheits-Speckgürtels liefern die Motoren.

Der Kompressor-V6 startet bei 340PS, bietet eine gepimpte Version mit 380PS und ordentlich noch eins oben drauf, setzt der V8 Kompressor mit 495PS.

Nicht nur beim Design und den Leistungs-Stufen hat man sich bei Jaguar ein Vorbild im schwäbischen Zuffenhausen gesucht – auch der Preis von 73.400€ will als „Alternative“ zu einem Roadster mit Mittelmotor verstanden werden.

Wobei man hier dann doch noch einmal deutlich über das avisierte Ziel von „unter 70k“ hinaus geschossen ist.

Wie groß am Ende die Ausstattungs bereinigte Differenz ausfällt, bleibt einer späteren Begutachtung vorbehalten.

Fakt:

Der neue F-Type sieht richtig gut aus und Jaguar verabschiedet sich endgültig vom „Alt-Jaguar-Gedächtnis-Look“ und dem vermeintlichen Versuch, die Modelle von Aston Martin zu kopieren.

Ob der neue F-Type ein Erfolg wird, hängt aber nicht nur vom Design ab, sondern auch von der Leistungsfähigkeit auf den Kurven-Passagen dieser Welt und hier bleiben für mich, nach der Information über das massive „Übergewicht“ (+200kg gegenüber Porsche Boxster S) – auch in Anbetracht des überschaubaren Leistungsplus –  echte Fragezeichen!