2 Tage unter Strom: Die E-Silvretta 2016

Klassik-Rallyes sind ja mittlerweile mein Ding. Seitdem ich mit Matthias Kahle im Ostblock-Porsche von Berlin nach Hamburg gefahren bin, nehme ich diese Nummer richtig ernst. Als Beifahrer bist du da jedoch immer der Depp. Du musst nämlich sagen, wo es lang geht und im Zweifelsfall hast du falsch angesagt und bei den WPs falsch gestoppt, oder die Zeiten falsch in die elektronische Zeitmess-App eingetragen. So ist es mir passiert. Zwei mal. An der Seite eines sechsfachen Rallye-Meisters. Man kann sagen, mein Ego hat sich darunter nicht positiv entwickelt. Doch jetzt, an diesem Ort, ist alles anders. Es geht nicht über flaches Land, es geht über Berge und Pässe und im Heck bettelt kein Vierzylinder-Benziner lauthals um Aufmerksamkeit und man wird auch nicht Klimaanlagen befreit gebraten. Dieses Mal: Elektrisch. Mit Klimaanlage und mal als Fahrer, mal als Beifahrer.

2 Tage elektrisch im Montafon unterwegs: E-Silvretta 2016

Eine elektrische B-Klasse wartet auf mich und meine Co-Pilotin. Ein B250e. Vor kurzem noch hier im Test gewesen, soll es an den zwei Tagen der E-Silvretta nicht um Spaltmaße und Kofferraumvolumen gehen, sondern um den Spaß am elektrischen Fahren. Und um Genauigkeit. Natürlich. Denn ganz egal ob Classic- oder Elektro-Rallye, es geht nicht um die Höchstgeschwindigkeit und um Rundenzeiten, wie auch auf öffentlichen Straßen, es geht um „Präzision“ in den Wertungsprüfungen.

Es geht um Sekunden. Und Hunderstel!
Es geht um Sekunden. Und Hunderstel!

Meine Beifahrerin ist Eva Laun, eine Reporterin des SWR (Radio-Beitrag hier nach hören) und es ist ihre erste „Rallye“. In meinem Kopf spielen sich Horror-Szenarien ab. Hatte ich mich doch bislang von Rallye zu Rallye verbessert. Ein Top 3-Ergebnis? Ja bitte. Das darf schon drin sein. Zumal die Vorbereitungen des Mercedes-Teams wie gewohnt sind: Einzigartig gut. Zu jedem Rallye-Fahrzeug und davon hat Mercedes gleich einmal ein knappes Dutzend mitgebracht. Als Premium-Partner der Silvretta lassen sich die Stuttgarter eben nicht lumpen. Gefehlt haben dagegen die Diesel-Killer aus Wolfsburg und auch Ingolstadt war schon einmal mit mehr Elan beim Thema Elektromobilität. Die iPads hat Mercedes-Benz gleich einmal mit der passenden Rallye-Zeitnahme App geladen. Clever. Und praktisch. Und sogar die Wertungsprüfungen haben die fleißigen Helfer mit dem Stern im Herzen bereits hinterlegt. So bleibt nur eine Kontrolle übrig. Doppelt. Die Schmach des Tippfehlers will ich mir nicht mehr geben.

Am liebsten würde ich am Vortag die ersten Test-Kilometer drehen. Lichtschranken und Druckschlauch-Zeitnahmen prüfen. Denn darum geht es. Maximal präzise die vom Veranstalter für eine WP vorgeschriebene Wertungsprüfungszeit einzuhalten. Jede Hundertstel-Sekunde darüber oder darunter: Ein Strafpunkt.

Doch die Planung bei Mercedes-Benz sieht anders aus. Wir reden über die E-Technik. Über die Zukunft. Manchmal auch über die Vergangenheit und die Wette, die man bei Mercedes-Benz abgeschlossen hat. Auf die beiden Alternativen: Batterie oder Brennstoffzelle. Wie zum Trotz hat Mercedes-Benz auch die Wasserstoff-Variante der B-Klasse mitgebracht. Mein – pardon – unser B250e wartet derweil freudig Elektronen nuckelnd in der Tiefgarage.

Hier zum Test des Mercedes-Benz B 250e

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Das „etwas andere“ Rallye-Fahrzeug: Mercedes-Benz B 250e

132 kW ist unser Rallye-Fahrzeug stark. Leise summend spurtet er los. Und eine Klimaanlage hat er auch. Sonnige Tage im Montafon lassen sich so viel besser aushalten. Den Test hatte die B-Klasse ED hier auf mein-auto-blog mit Bravour gemeistert. E-Mobilität, e-klar. Für mich ist die Frage ob, oder ob nicht, keine Frage mehr. Natürlich fahren wir in der Zukunft immer mehr elektrisch. Das sieht man auch bei Mercedes-Benz so. Jürgen Schenk leitet die E-Auto Entwicklung bei den Stuttgartern (Direktor e-Drive Integration) und wenn er über E-Autos spricht, dann wundert man sich eigentlich nur, warum wir hier noch immer über eine Nische sprechen.

Noch sind Fahrzeuge wie unser B-Klasse 250e in der Minderzahl. Nur 0.4% der in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge sind elektrisch. Aber das wird sich ändern. Da ist sich nicht nur Jürgen Schenk sicher. Bereits Ende des Jahres sieht er die Elektromobilität aus den Kinderschuhen kommend. Bis 2038 dürften sich alle elektrischen Fahrzeuge rein über erneuerbare Energien laden lassen. Bereits 2020 wird es mehr Ladepunkte als Tankstellen geben. So die frohe Kunde für E-Auto Fans. Dabei wird sich der Schnellladestandard CCS durchsetzen, auch weltweit. Und 350 kW-Schnelllader an Autobahnknotenpunkten werden völlig normal sein.

Unserer B-Klasse ist das erst einmal schnuppe. Geladen wird sie noch über einen Typ2-Stecker mit maximal 11 kW und die von TESLA stammenden Akkus reichen auch „nur für 130 bis 190 km“ im Alltag. Überhaupt. Eigentlich ist diese B-Klasse Ex-ED, jetzt B250e genannt, ein kleiner Tesla. Viel know-how der Kalifornier steckt im Stuttgarter Kompakten. Sehen tut man nichts davon. Aber spüren.

Dass man mit E-Autos eben gerade nicht nur in der Stadt zuhause ist, demonstriert unser „B-ED“ ab dem ersten Kilometer. Eindrucksvoll ist der Tag 2, an dem es das Faschinajoch auf 1.487 Meter hinauf geht. Aus jeder engen Kehre spurtet unsere elektrische B-Klasse dank der sofort anliegenden Power des Elektromotors mit Vehemenz heraus. Die ersten Kilometer ab Start ging es Tal abwärts, die Reichweitenanzeige wuchs dabei auf über 250 Kilometer an. Dass man sich auf diese Anzeige verlassen kann, zeigte die gesamte Rallye. 135 Kilometer standen am Rallye-Tag 2 auf dem Programm, inklusive der fast 1.500 Meter auf das Faschinajoch. Am Ziel der Rallye wären weitere 53 Kilometer machbar gewesen – trotz der anstrengenden Berg-Etappen durch das Vorarlberg wären also fast 200 Kilometer Gesamtstrecke machbar gewesen. Es ist gerade die kurvige Landstraße in den Alpen, auf denen der E-Antrieb so richtig punktet. Keine Gänge sortieren, keine Drehmoment-Löcher überwinden, keine Turbolader-Pausen akzeptieren – gerade im S-Modus der B-Klasse 250e ist Schub immer vorhanden. Das macht das Fahren zum Genuss. Einem beinah lautlosen Genuss.

Mehr Reichweite? Die B-Klasse hat einen „Cheat-Mode“. Ein Taster, mit dem sich der Ladehub der Batterie verändern lässt. Damit steigt die nutzbare Kapazität und die Reichweite dehnt sich in Richtung 200 Kilometer aus. Aber auch der E-Fuß spart mit. Früh vom Gas, viele lange Strecken rollen lassen. Sanftes Rekuperieren, gefühlvoll auf der Bremse. Wer ein Elektroauto vorausschauend fährt, spart doppelt. Auf der einen Seite Brennstoff, auf der anderen Seite Verschleißmaterial. Dank der Rekuperation werden die Bremsen deutlich weniger belastet.

Derzeit sind die Kapazitäten der E-Fahrzeuge noch überschaubar, doch Mercedes-Benz sieht 60 kWh-Batterien in der nahen Zukunft als Basis für die E-Mobilität. Das Ziel sind Ladezeiten unter 5 Minuten für 100 km Reichweite. Das ist keine ferne Zukunftsmusik. Das ist aktuelle Forschung.

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Strom-Spitzen

Das Montafon ist ein 39 km langes Tal in Vorarlberg und wunderbarer Startpunkt für die E-Silvretta Rallye. Ging es am ersten Tag vor allem in Richtung Süden, zur Silvretta Hochalpenstraße, die aber – warum auch immer – ausgelassen wurde, orientierte sich der Tag zwei in Richtung des Ziels in Bregenz.

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Der Beweis. Reichweiten-Angst? Nicht einmal in den Bergen!

Neben den Wertungsprüfungen war die Reichweite der Fahrzeuge immer wieder ein Thema. Mercedes-Benz brachte neben der Plug-in Hybrid Flotte aus S- und E-Klassen auch den Vorjahres-Sieger SLS electric drive mit zur 2016er Ausgabe. Gewinnen konnte dieser elektrische Sportwagen in diesem Jahr nicht. Den Sieg schnappte sich ein BMW i3 mit dem auto, motor und sport Redakteur Alexander Bloch am Steuer. Die auto, motor und sport war zugleich Veranstalter der Silvretta-Rallye 2016. Sowohl für die Classic als auch für die E-Autos.  Während unsere B-Klasse electric drive diese Rallye zum Komfort-Rennen gestaltete, vergleicht man die Bedingungen des modernen Kompakten mit den harschen Umgangsformen von klassischen Automobilen, fragte man sich jedoch das ein oder andere Mal – ob die anderen Hersteller nicht verstanden haben, was die Uhr geschlagen hat?

Mit BMW und Mercedes-Benz waren nur zwei Hersteller werksseitig bei dieser Leistungs-Demonstration der E-Mobilität vor Ort. Dabei stehen wir vor einem Zeitenwandel. 1.1 Milliarden Fahrzeuge auf der Welt warten auf einen Sprung beim Wirkungsgrad. Mit einem Faktor 3 rechnet man bei Mercedes-Benz, vergleicht man die Effizienz der „Verbrenner“ mit der Effizienz der Stromer. Dass es ein Energieversorgungsproblem gibt, kann man ebenso wenig bestätigen. Da spielt auch der massive Ausbau der Energieerzeugung durch erneuerbare Quellen eine Rolle.

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Fazit

Am Ende sind Platzierungen bei so einer Rallye ja nur ein Beiwerk. Es geht doch um das „dabei sein“. Um das Erleben einer geräuschlosen Kraftquelle im Umfeld absoluter Ruhe. Über den Bergen, zwischen Kühen und Platz 9 ist doch auch in Ordnung. Gezeigt hat diese Tour vor allem eines: Wer heute noch mit der E-Mobilität hadert, hat nichts verstanden.

 

Das ADAC Zurich 24h-Rennen am Nürburgring: Der Zeitplan

Die „Grüne Hölle“, so wird die Nordschleife gerne von Motorsport-Fans und denen genannt, die auch mal privat über den Nürburgring heizen. Nicht zu Unrecht, schließlich gilt die Rennstrecke als die anspruchsvollste der Welt und hat schon so manches Opfer gefordert. Umso spannender wird es jedes Jahr, wenn wieder das 24-h-Rennen am Nürburgring ansteht, da sich besonders nachts die Ausfälle häufen. So gilt jeder, der das Rennen übersteht – mehr oder minder unbeschadet – als Gewinner. Eine Materialschlacht ist das Rennen aber in jedem Fall. Wir werfen einmal einen Blick auf den Zeitplan des 44. Langstreckenrennens in der Eifel.

Los geht es bereits am Donnerstag, dem 26. Mai. Frühmorgens um 08:00 Uhr startet die Rundstrecken-Challenge auf der Nordschleife und wird gefolgt vom freien Training des Audi TT Sport Cups, das zwei Stunden später startet. Insgesamt ist dieser Tag komplett von Trainings- und Qualifying-Fahrten geprägt. So starten am Donnerstag noch die WTCC/ETCC zum Test, während um 13:15 Uhr das Qualifying zum ADAC 24h-Classic Rennen beginnt. Auch der Freitag ist geprägt von Trainings- und Qualifizierungsfahrten. Allerdings startet auch der Audi TT Sport Cup zu seinem ersten Rennen, das um 11:55 startet und nur eine halbe Stunde dauert. Außerdem beginnt am Freitag noch das 180 minütige Classic-Rennen.

Richtig interessant wird es am Samstag, den 28. Mai. Kurz nach acht geht es mit dem Warm-Up zum ADAC Zurich 24h-Rennen am Nürburgring los, das um kurz vor zwei Uhr nachmittags seine Startaufstellung einnimmt. Dazwischen finden noch das zweite Rennen des Audi Sport TT Cups und zwei Rennen des WTCC / ETCC statt, bevor um 15:10 Uhr die Startrunde zum legendären 24h-Rennen beginnt. Um 15:30 Uhr wird sich die Luft dann besonders aufheizen: Der Startschuss zum Hauptevent fällt. Erst am Sonntag zur selben Zeit wird voraussichtlich feststehen, wer der Sieger ist. Favoriten gibt es natürlich jetzt schon, aber man darf die Rechnung nie ohne das berühmte Eifel-Wetter machen.

 

Das ADAC Zurich 24h-Rennen am Nürburgring: Die Piloten über die Strecke

Respekt – das ist hauptsächlich das Gefühl, das die Piloten verspüren, wenn sie gefragt werden, was sie von der Strecke denken. Vor dem Rennen haben fünf Piloten genauer darüber gesprochen, wie sie die Nordschleife empfinden, schließlich sind Rennfahrer unter ihnen, die vertraut mit der Grünen Hölle sind, aber auch welche, die kaum Erfahrungen mit dem Track haben. Drei Runden entscheiden am Samstag über Sieg und Niederlage.

José Maria López, unterwegs für das Team Citroen WTCC, amtierender Weltmeister und Tabellenführer in der WTCC findet alles an der Strecke besonders. Allein die Länge sei einzigartig und der Verlauf anders als alles, was man sonst kennt. Im vergangenen Jahr fuhr er zum ersten Mal auf der Nordschleife und gewann das Rennen direkt, was geradezu unglaublich ist, da Erfahrung viel auf diesem Track zählt. Aber Fangio gewann schon in der Eifel – da müsse eine starke Verbindung zu Argentiniern bestehen, meint López.

Tiago Monteira fährt für das Castrol Honda World Touring Car Team und ist zweiter im Classement. Für ihn sei es die schwierigste Rennstrecke der Welt. Seinerzeit hatte er – trotz des innigen Wunsches – nie wirklich die Gelegenheit, hier ein Rennen zu fahren. Dieser Wunsch soll ihm nun erfüllt werden. Für ihn ist die Strecke eine der ganz großen Herausforderungen – ganz ähnlich wie Monaco. Mit viel Respekt begegnet auch Nicky Catsburg vom Team Lada Sport Rosneft der Grünen Hölle. Der siebte der Gesamtwertung sieht die Strecke als sehr vielfältig an, stellte aber auch fest, dass man auf der Nordschleife gar nicht richtig mit Vollgas fahren könne.

„Wenn man abfliegt landet man an einem Baum oder in der Mauer“

Für Tom Coronel ist der Kurs in der Eifel schlicht der beste der Welt. Der Fahrer im Team ROAL Motorsport ist mit seinem Chevrolet zurzeit Neunter und sieht den Nürburgring als Herausforderung an, da er sich ständig wandelt und man nie eine perfekte Runde fahren könne. Ständig würde es passieren, dass man nur knapp davon kommt, weshalb die Furcht immer im Hinterkopf mitfahre. Dennoch sei er stolz, die Strecke fahren zu dürfen. So geht es auch Thed Björk, dem Dreizehnten der Tabelle. Er fährt für das Team Polestar Cyan Racing und ist glücklich mit der WTCC auf der Nordschleife fahren zu können. Für ihn ist die Nordschleife immer eine Erfahrung fürs Leben, da man hier ein hohes Tempo fahren könne, aber immer versuchen müsse, das Auto nicht zu überfahren. Gerade, da er die Strecke in- und auswendig kennt, weiß er, dass sie einen in Fehler hineintreiben kann.

 

Techno Classica – Volkswagen im Rausch des Golf GTI

Gran Turisme Injection – abgekürzt GTI – steht für eine ganz besondere Erfolgsgeschichte. Der sportliche Golf sollte eigentlich nur eine Kleinserie werden, doch daraus wurde weit mehr als das. Die Kultgeschichte des Volkswagen Golf GTI jährt sich 2016 zum vierzigsten Mal und das nehmen die Wolfsburger zum Anlass, die Geschichte des GTI mit den verschiedenen Modellen nachzubilden – von der Vergangenheit bis zum neuesten Modell. Read more

AC Schnitzer ACL2 – Der BMW 2er wird zum Hulk

Wenn man ihn ärgert, dann wird er riesig, böse und ungestüm, sogar richtig unangenehm: Die Rede ist vom Hulk. Doch nicht nur das Film- und Fernsehmonster ist richtig ausufernd, sondern auch der AC Schnitzer ACL2. Die Ausgangsbasis bildet der BMW 235i, der den Aachenern aber anscheinend etwas zu fad daherkam. 320 PS können in einem Kompakten aber auch wirklich langweilig sein… Gut, dafür hat BMW den M2 im Köcher, aber auch darüber scheinen die Ideengeber für den ACL2 zur müde zu Gähnen, wie es scheint. Also verpflanzten sie das Aggregat des aktuelle BMW M4 in das Kompakt-Coupé und schraubten zudem an der Leistung. Ausbeute: 570 PS. Heck angetrieben. Böse!

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Sachsen Classic: Tag 2- Parole: Durchhalten!

Nachdem der Prolog und der erste Fahrtag mit Platz 56 in der Gesamtwertung soweit erfolgreich hinter uns liegen, geht es am Freitag schon früh wieder los. Um 8.01 startet der 180 Wagen starke Rallyetross wieder in Zwickau auf dem „Platz der Völkerfreundschaft“. Unsere Startzeit ist mit 8.27 Uhr angesetzt. Hermann hat schon am Vorabend im Roadbook alle Wertungsprüfungen bearbeitet und Zeiten, Wegstrecke und Bremspunkte ausgerechnet. Als Verantwortlicher für die Gesamtfahrzeugentwicklung bei Volkswagen ist Hermann Dreyer mit Zahlen vertraut und erklärt mir, wo ich am besten bremsen und beschleunigen soll.

Klingt einfach, stellt sich in der Praxis jedoch, wenn man noch keine Übung hat, als schwierig heraus. Angetreten war ich morgens mit dem Gedanken, unseren 56. Platz weiter auszubauen und „zumindest“ in die Top 50 zu fahren. Nach den ersten drei Wertungsprüfungen hat sich dieses Unterfangen aber schnell erledigt. An Hermann liegt es nicht, er ist ein exzellenter Beifahrer, hat die Uhr im Blick und zählt ruhig und beständig die Zeit runter.
Während es am ersten Tag meiner allerersten Oldtimerrallye so war, dass ich meistens noch Strecke übrig hatte, während Hermann bereits mit dem Zählen fertig war, wollte ich heute ein neues System ausprobieren, was ich mir bei den erfahreneren Teilnehmern abgeschaut habe. Eigentlich zu schnell rein in die Wertungsprüfung, um am Ende ganz langsam an die Lichtschranke ranzurollen. Klasse System, nur habe ich bei meinen ersten Versuchen es wohl zu schnell angehen lassen, dass ich diesmal schon vor der Lichtschranke stand, während Hermann noch fleißig zählte. Am Nachmittag kommt noch die Hitze dazu, welche dann auch eine Art Konzentrationsschwäche auslöst. Dazu haben wir die beiden „geheimen“ Wertungsprüfungen völlig verpasst. Diese sind eine Art „nette Gemeinheit“ des Veranstalters, meist zwei Prüfungen pro Tag einzubauen, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Gegen Nachmittag war dann klar, mein Missgeschick entfernt uns auf brutalste Weise von den Top 50 und wird uns abends auf den Ergebnislisten auf einem Platz weit hinter Platz 100 landen lassen.

2015 sachsen classic-10

So konzentrieren wir uns schon während der Fahrt auf die wunderbare Landschaft. Schade nur, dass es damals im VW Golf noch keine Dynaudio-Soundanlage gab, wie sie heute verfügbar ist. Zum gemütlichen Reisen durch die schöne Landschaft wären tolle Klänge aus einer Soundanlage noch ein weiterer Pluspunkt. Zur Mittagspause bildet Schloss Purschenstein den perfekten Rahmen für die vielen Vorkriegsoldtimer. Diese hatten an einem der heißesten Tage mit Temperaturen bis knapp an die 40 Grad noch mehr zu kämpfen als wir. Im VW Rallye Golf aus dem Baujahr 1990 fahren wir zwar auch ohne Klima, aber die Technik hat mit den Temperaturen weniger Probleme als die Vintage-Klasse.

Bis zum Nachmittag und dem Kurzbesuch beim Glashütte Uhrenmuseum des Zeitmesser-Sponsoren „Union Glashütte“ sind wir mehrfach durchgekocht. Vergessen sind die „angenehmen Strapazen“ aber, als wir nun zum Zielleinlauf auf der Dresdner Augustusbrücke ankommen. An diesem Abend startet auch das Dresdner Stadtfest und somit erscheinen wohl noch mehr Menschen als sonst und bilden einen breiten Menschenspalier bis zur Zielrampe hoch.

„Die Deutsche Mille Miglia“ wird die „Sachsen Classic“ mitlerweile auch genannt. Hier weiß man, warum und am nächsten Tag soll dieser Eindruck noch stärker werden. Aber nun sind Hermann und ich erstmal froh angekommen zu sein. Zeit für den Check-In im Hotel und eine Erfrischungsdusche.

 

 

[=“ “ ]Text: Bernd Schweickard | © Foto: Uli Sonntag für VW, Bernd Schweickard

Liveblog: Sachsen Classic – Tag 1

Hitze. Timing. Prüfungen. – Tag 1 bei der Sachsen Classic!

Der große Tag ist gekommen, die erste Etappe mit mehreren Wertungsprüfungen steht an. Vorher aber noch zum Fahrer- und Beifahrer-Briefing, um über die Regeln bei einer Oldtimer-Rallye eingewiesen zu werden. Hermann Dreyer, Leitung Gesamtfahrzeugentwicklung Volkswagen und ich checken noch mal alles durch und als ich viele Fragezeichen beim Anblick des Roadbooks und der Zeitenmessungen über dem Kopf habe, wechseln wir spontan die Rollen. Es sei wohl besser, wenn wir tauschen und ich „nur Gas geben“ muss, denke ich in diesem Moment.

Dann pünktlich um 12.01 setzt sich der Tross in Bewegung. In gewohnt fachkundiger Manier moderiert Johannes Hübner auf der Startrampe und stellt die 180 Fahrzeuge vor.
Mit unserer Startnummer 45 haben wir die Startzeit 12.27 Uhr bekommen. Um 12.15 gibt mir Hermann ein Zeichen, „Auf geht’s zu deiner ersten Ausfahrt, jetzt wirds ernst“ ruft er mir übers kochend heiße Blechdach unseres VW Rallye Golf zu. Drinnen ist es nicht besser, das Aluminiumgehäuse meines Notebooks scheint kurz vor dem Schmelzpunkt zu sein. Klimaanlage? Völliger Quatsch, 1990 benutzte man meistens noch die Seitenfenster zur Kühlung. Also die Fensterkurbel gegriffen, wobei ich mich frage, wann ich zuletzt eine Fensterkurbel in der Hand hatte und runter mit der Scheibe.

„Gegen die Hitze im Auto ist die 35 Grad heiße Luft von draußen fast wie ein kühler Wind.“

Die Straßenlage unseres Golf G60 ist, bescheiden formuliert, ohne Dämpfung. Auf den teils mit vielen Löchern übersäten Straßen, vorbei an dem ehemaligen VEB Sachsenring Automobilwerk, das heute zum Volkswagen-Konzern gehört, geht’s holprig zur ersten Wertungsprüfung.
Hermann Dreyer ist nach einigen Oldtimer-Rallye-Teilnahmen mittlerweile ein Profi, zumindest in meinen Augen. Blitzschnell rechnet er Distanz, Sollzeit und Vorgaben aus, klebt mir einen PostIT mit Zeiten in Sekunden aufs Lenkrad und sagt “Wenn du mit exakt 37 km/h durch die erste Lichtschranke fährst, dann sollte das gut klappen, ich zähle die letzten Sekunden an, dann nur noch über die Messlatte fahren.“
Ok, der Puls schlägt, vor mir senkt sich die grüne Flagge, erster Gang und ab. Die Hitze, fröhliche Menschen am Wegesrand winken, fotografieren, filmen, meine Augen starren nach vorne, die Ziel-Lichtschranke im Visier, Hermann zählt, dann sind wir drüber, beziehungsweise durch die Messung.

Fürs erste Mal gar nicht so schlecht, werde ich gelobt. Kann mich aber noch gar nicht freuen, ich schwitze einfach nur. Am Ende erfahre ich, Platz 31 von 180 Teilnehmern bei dieser Wertungsprüfung. Bei der nächsten, der berühmten „Steilen Wand“, habe ich leider noch zu viel Strecke übrig, als Hermann mit dem Zählen der verbleibenden Sekunden fertig ist und patze. Ein Platz jenseits der 120 ist das Ergebnis.
Auf dem Sachsenring, auf dem vor wenigen Tagen noch ein Lauf der MotoGP-Serie stattgefunden hat, machen wir fast alles richtig und holen mit Platz 12 unser bestes Tagesergebnis. Dazu sind wir auf dem Sachsenring bestes VW Classic Team.
Insgesamt wird es der 56. Platz im Tagesklassement und obwohl wir ja nicht ernsthaft auf eine vordere Platzierung fahren, schaut man abends dann doch in die Zeitenlisten und vergleicht.

Morgen führt die Tagesetappe durch das hoffentlich etwas kühlere Erzgebirge nach Dresden. Wenn am Nachmittag das rollende Automobilmuseum auf der Augustusbrücke ankommt, wird auch das Dresdner Stadtfest 2015 eröffnet. Wer dabei sein will, findet hier die Stationen für morgen:

Freitag, 14.August 2015, Etappe „Erzgebirge“ (273 Kilometer)

o 08:01 Uhr Start in Zwickau am „Platz der Völkerfreundschaft“ o 09:45 Uhr Wolkenstein, Markt
o 10:55 Uhr Saigerhütte Olbernhau
o 11:00 Uhr Mittagspause im Schloss Purschenstein
o 14:10 Uhr Altenberg
o 15:15 Uhr Glashütte Uhrenmuseum
o 16:15 Uhr Dresden Messe
o 16:30 Uhr Zieleinlauf in Dresden auf der Augustusbrücke

 

 

 

[=“ “ ]Text: Bernd Schweickard © Foto: Uli Sonntag für VW, Bernd Schweickard

Sachsen Classic Tag 1 – Prolog

Früher habe ich diese Artikel über Oldtimer-Rallyes, wobei der Begriff „Sternfahrt“ oder „Event“ wohl besser angebracht ist, immer gerne gelesen und nun bin ich mittendrin. Einer Einladung von Volkswagen Classic folgend, fahre ich ab morgen meine erste „Oldtimer-Rallye“ mit. Die wunderbare „Sachsen Classic“ soll es sein, ein Event, von dem ich in den vergangenen Jahren nur positives hörte. Die reizvolle Landschaft, nette Menschen im Fahr-Pulk und an den Straßen, nun darf ich es selbst erleben.

Heute am Vortag der dreitägigen Fahrt über gesamt 628 Kilometer, stand Kennenlernen und ein Rallye-Lehrgang auf dem Sachsenring in der Programmagenda.

Mein fahrbarer Untersatz, ein sogenannter „Yountimer“ wird ein „Rallye Golf“ Baujahr 1990 sein. Es ist eine Sonderedition des VW Golf GTI, der in einer zur Homologation gebauten Stückzahl von 5.000 Einheiten gefertigt wurde. 2.500 hätten laut FIA Reglement genügt, aber die Nachfrage war so hoch, das es doppelt so viele wurden.
Passend zu meinem Alter trägt er die Startnummer 45 auf den Türen. Als könnte man das nicht noch alles Toppen, stellt sich die Frage nach dem Fahrer, da ich als Beifahrer gemeldet bin und in die Rolle des Navigators schlüpfe, der uns hoffentlich gut zu den einzelnen Zielpunkten führt.

Mein Fahrer ist kein geringerer als Hermann Dreyer. Seit fast 35 Jahren ist Dreyer im Volkswagen-Konzern und 2012 übernahm er die Leitung Gesamtfahrzeugentwicklung der Marke Volkswagen. Sozusagen ein „Wolfsburger Urgestein“, wobei er das nicht gerne hört, da es klingt, als sei er älter als die Menschheit selbst.

„Vom Benziner über den G-Lader bis zum PlugIn-Hybriden –
Ich habe Fragen – Dreyer kennt die Antworten.“

Alles begann im Dezember 1980, als der Diplom-Ingenieur Dreyer in die Dienste von Volkswagen trat, zuerst im Bereich Produktionsplanung Montage. Weitere Stationen in der QS-Qualitätssicherung und ab 2005 deren Leitung, prägten seinen Werdegang. Wenn sich einer mit VW auskennt, dazu sämtliche Entwicklungsschritte der letzten drei Jahrzehnte locker aus dem Ärmel schüttelt in denen ich motorisiert aufgewachsen bin, dann ist das Hermann Dreyer.
Ich hab einige Fragen im Gepäck, ihr habt auch welche, ob zu alter Technik oder zu neuesten Entwicklungen bei Volkswagen?
Mailt uns eure Fragen. Jeden Tag wird Live aus dem Auto Hermann Dreyer einige beantworten.

Wer die Sachsen Classic Live vor Ort sehen möchte, hier der „Sachsen Classic Zeitplan“ für den morgigen Tag:

Donnerstag, 13. August 2015, Etappe „Sachsenring“ (125 Kilometer)
o 10:45 Uhr Start historischer Motorräder in Zwickau am Hauptmarkt, dort 14:30 Uhr auch Zieleinlauf o 12:01 Uhr Start der Oldtimer-Rallye „Platz der Völkerfreundschaft“ in Zwickau
o 12:20 Uhr Sahnpark Crimmitschau
o 12:30 Uhr Steile W and Meerane
o 13:00 Uhr Schloss Ponitz
o 13:40 Uhr Schloss Wolkenburg
o 14:00 Uhr Sachsenring Fahrerlager
o 15:10 Uhr Zwickau, August-Horch-Museum
o 15:15 Uhr Zieleinlauf in Zwickau am „Platz der Völkerfreundschaft“

 

 

 

 

[=“ “ ]Text: Bernd Schweickard © Foto Bernd Schwickard

Toyota Land Cruiser siegte bei der Silvretta Classic

Toyota feiert im vergangenen Jahr die 60 Jahre des Land Cruiser und macht sich im Jahr zuvor mit dem Sieg bei der Silvretta in 2011  ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Mit einem Land Cruiser BJ42 von 1982 gewann die zweifache Damen-Rallye-Weltmeisterin und Toyota Markenbotschafterin Isolde Holderied das Gesamtklassement der Silvretta Classic 2011. Zum ersten Mal in der 14-jährigen Geschichte der Oldtimer-Rallye steht damit eine Frau ganz oben auf dem Siegerpodest. In einem Starterfeld von 159 Fahrzeugen konnte sie sich mit ihrem Copiloten Max Engel gegen die starke Konkurrenz souverän durchsetzen.

Das Team von Toyota Classic war mit einem Toyota Land Cruiser BJ42 von 1982 durch das Montafon unterwegs. Der 90 PS starke und fast 30 Jahre alte Allradler legte während der drei Tage andauernden Veranstaltung rund 540 Kilometer zurück und meisterte mehr als 20 Wertungsprüfungen. Am Ende hatte das Toyota Classic Team die vielen und abwechslungsreichen Prüfungen erfolgreich gemeistert und nur 463 Strafpunkte gesammelt, 44 Punkte weniger als auf den zweiten Rang entfielen. Platz drei verbuchte 626 Minuspunkte.

Neben den klassischen Oldtimern starteten ebenfalls Elektro- und Hybridfahrzeuge zu dieser Wettfahrt, darunter das Toyota Brennstoffzellen-Fahrzeug FCV-adv. Das Fahrzeug auf Basis des in den USA angebotenen Modells Highlander wird von einem 90 kW/122 PS starken Elektromotor angetrieben; die von Toyota selbst entwickelte Brennstoffzelle liefert durch die Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff die Energie für den Elektromotor

Eine Tankfüllung Wasserstoff reicht nach japanischem Testzyklus für bis zu 830 Kilometer. Wie im vergangenen Jahr galt es, die Zuverlässigkeit der umweltfreundlichen Fahrzeuge unter Beweis zu stellen.

Pirelli Reifentest

Neue Reifen von Pirelli! Langweilig?

Man bekommt ja so allerhand Einladungen, manchmal total geil, manchmal irgendwie langweilig. Das kann man oft schon am Thema festmachen. So ein Thema könnte zum Beispiel die Vorstellung von neuen Reifen sein.

Autoreifen – Schwarz, breit,  stark?

Genau. Der Alltags-Autofahrer kennt oftmals weder Marke noch aktuellen Luftdruck seiner Reifen und doch möchte die Industrie, das Interesse an deren Produkten geweckt wissen und natürlich auch überzeugen. Es gibt ja nicht nur einen Reifenhersteller auf der Welt. In meiner Wahrnehmung gibt es 2 große: Michelin, Dunlop und Pirelli. Das liegt an meiner eigenen Vorliebe für Premium-Sportreifen und irgendwie auch am Motorsport.

Michelin? Na wer erinnert sich nicht an das Fiasko in der Formel 1 beim US-GP?   Das war nun vermutlich der größte mediale Supergau der französischen Marke, aller Zeiten und doch – ging es um Winterreifen, dann war meine persönliche Wahl immer klar: Michelin Pilot Alpin.

Dunlop? Hatte ich selbst auf einigen Autos drauf, wurden dann später jedoch von den günstigeren Falken abgelöst (damals, Golf GTI 16V – Slalom fahren…) Und ganz nebenbei ist der Firmensitz von Dunlop in Hanau und meine Bewerbung als Reifen-Tester wurde eben in dieser Zentrale, in meiner Ex-Schul-Heimat Hanau,  abgelehnt 😉 (Im nächsten Leben bleibe ich bei der Technik und werde Ingenieur, statt Kaufmann oder Tastentipper – dann hätte das bestimmt geklappt mit dem Job als Reifentester.) 

Und es gibt Pirelli. Den neuen Marken-Hersteller und Alleinausrüster für die Formel 1 und bislang musste kein Formel 1 Rennen in Langeweile zu Ende gefahren werden, nur weil das Groß des Feldes auf Reifen unterwegs war, die man nicht nutzen konnte. Im Gegenteil. Der neue Reifenhersteller Pirelli trägt, in meinen Augen, eine enorme Mitverantwortung für die vermutlich spannendste Formel 1 Saison seit langem.

Und jetzt stelle man sich mal vor, man wird von einem Reifen-Hersteller eingeladen, neue Reifen für Klassische Autos zu erfahren? Hö? Oldtimer-Reifen? Bitte. Vermutlich würden viele Motor-Journalisten so ein Event absagen, weil – sind wir ehrlich, wir wollen doch alle nur das eine: „Speed, Power, Grip und Performance“. Wer will schon Oldtimer fahren – aber halt.

Chris Harris hat Glück gehabt, die Einladung von Pirelli genau zu lesen, denn es ging irgendwie um „Historische Rallye Fahrzeuge“ und die Italienischen Alpen…

Da bin ich froh, das Chris Harris das mitgemacht hat – ich persönlich werde auch bald einen Reifen von Pirelli erfahren dürfen und irgendwie habe ich etwas von McLaren MP4/12 und Lamborghini Aventador gelesen..

Davon dann später mehr – nach dem Event 😉