Tesla Model X 100 D – Sport-Van für Hollywood

Eines muss man Tesla lassen – sie haben die Branche aufgemischt und Lösungen zu Problemen gefunden, die vorher niemanden kümmerten. Das Thema Schnellladestationen an Autobahnen beispielsweise wäre ohne Teslas privates Engagement samt Verschenken des Stroms gar keins, weil es eben keine Säulen gäbe. Wir haben probiert, wie sich das Tesla Model X im winterlichen Alltag schlägt.

Model X, das ist in der Tesla-Nomenklatur das Top-Model und eine Art SUV, wobei das 5,04 Meter lange Fahrzeug optisch eine Mischung aus Van und SUV-Coupé ist, jedenfalls nichts mit herkömmlichen SUV-Maßstäben zu tun hat. Auf der Straße wirkt er trotz seiner Breite von 2,07 Metern elegant, die Form stimmig. Der cw-Wert von 0,24 erscheint durchaus glaubhaft. Weil die gelungene, aber letztlich einfache Form dem geneigten Käufer zu wenig sein könnte, um die Andersartigkeit seines Fahrzeugs zu dokumentieren, und weil – wie man hört – 90 Prozent der Kunden in Befragungen Gefallen daran gefunden haben, hat Tesla dem Model X Flügeltüren spendiert. Aber nur hinten.

Wer will, kann den Tesla Model X auch als Zugmaschine hernehmen. Den Stromer kann man grundsätzlich auch mit Anhängerkupplung ausstatten

Theoretisch wird so das Einsteigen auch in engeren Parklücken einfacher, praktisch gehen die Flügel nicht viel weniger weit auf als die herkömmlichen Türen vorne. Nebenbei wird bei einem Fahrzeug dieser Breite jede europäische Standardparkbucht zu eng, so dass man derlei Stellflächen besser ganz meidet. Alle Türen öffnen und schließen elektrisch, was schick ist, aber länger dauert als ohne Hilfsmittel. Im Alltag nutzt man die hinteren Portale dadurch nicht, um mal schnell eine Tasche auf den Sitz zu legen oder seine Jacke aufzuhängen, wie in normalen SUVs. Dazu dauert der Prozess zu lange und für die Jacke sucht man einen Haken vergeblich.

Das Tesla Model X darf das, weil es anders ist und anders sein muss. Alternative Lösungen finden sich so einige. Dass die Modelle dieser Marke im Interieur auf Schalter verzichten und man alles über einen tatsächlich ziemlich intuitiv zu bedienenden Riesenbildschirm regelt, ist bekannt. Funktioniert gut mit kleinen Schwächen, die an mangelnder Gewohnheit liegen dürften. Dass sich das Auto entriegelt, wenn man sich nähert, ist angenehm, der Verzicht auf einen Startknopf oder einen Zündschlüssel nur folgerichtig. Wo es mangels Verbrennungsmotor nichts zu zünden gibt, reicht der Tritt auf das Bremspedal, um das Auto fahrbreit zu machen. Zum Start nutzt man den von Mercedes bekannten Lenkradhebel und tippt ihn Richtung D und schon schnurrt das 2,5-Tonnen-Gefährt nahezu lautlos davon.

Eindrucksvoll: Die Informationszentrale mit Riesendisplay

Beim Druck auf das Strompedal gilt es Vorsicht walten zu lassen. Tesla nutzt die Grundeigenart von E-Motoren, ihr maximales Drehmoment vom Start weg abzugeben, um phänomenale Sprintwerte zu erzeugen. Aus dem Stand vergehen nur 3,1 Sekunden bis die 100er-Marke erreicht ist. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Das ist nicht weiter verwunderlich, liegen doch 510 PS an der Hinterachse und 262 PS vorn an. Die 100-kWh-Batterie kann aber nur so viel Strom abgeben, dass die Systemleistung auf 611 PS begrenzt ist.

Kraft ist also reichlich vorhanden in den Motoren, und beim Start auch in der Batterie. Weil in Deutschland gerade Winter ist, konnten wir die Beschleunigungskraft nur bedingt testen, brachten die Batterie aber durch abgeforderte Heizleistung an ihre Grenze. Auch das Tesla Model X ist, bei aller innewohnenden Finesse, am Ende ein ziemlich normales Elektroauto mit den zugehörigen Schwächen. Und dazu zählt auch hier die Batterie. 100 Kilowattstunden fasst der Akku, das ist ungefähr viermal so viel wie bei einem E-Golf oder einem Nissan Leaf. An einer Haushaltsteckdose dauert es auch viermal so lange, bis der Speicher voll ist.

Die Fahrleistungen des Model X sind mehr als imposant: Die Sprintzeit dauert knapp über drei Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h

Wir haben das nicht wirklich probiert, weil wir das Fahrzeug nicht drei Tage an der Steckdose parken wollten. Die Alternative mit der Starkstromdose – das passende Kabel liegt gegen einen Extrapreis von 1.600 Euro bei – halbiert die Ladezeit, ist aber auch nicht befriedigend. Abhilfe schaffen die Supercharger, die Tesla entlang der Autobahnen aufgestellt hat. In 20 Kilometer Entfernung befindet sich eine solche Station. Dort fasst unser Testwagen wie versprochen in 30 Minuten 80 kWh Strom, 80 Prozent der vollen Ladung nämlich. Das funktioniert wie das Tanken an einer Benzinzapfsäule. Schlauch mit Stecker von der Säule nehmen, reinstecken laden und derweil einen Happen essen. Wunderbar, zumal Tesla den Strom für dieses Modell noch verschenkt.

Weniger wunderbar ist die daraus resultierende Reichweite. 542 Kilometer gibt Tesla im europäischen Normzyklus an, in unserem winterlichen Alltagstest war es ungefähr die Hälfte. Der Verbrauch lag zwischen 35 und 4, Kilowattstunden je 100 Kilometer. Dabei spielte das Streckenprofil und die Heizleistung eine größere Rolle als die Durchschnittsgeschwindigkeit. Auf der Autobahn, bei maximal 120 km/h, wie auf amerikanischen Highways üblich, sinkt der Verbrauch. Deutsche Landstraßen mit häufigen Tempowechseln treiben ihn hoch. Die Nutzung der Klimaanlage im Winter ist auch nicht hilfreich. Ohne die geht aber nichts. Der Versuch des Verzichts scheiterte nach kürzester Zeit an beschlagenden Scheiben.

Das Model X von Tesla ist über fünf Meter lang und über zwei Meter breit

Man kommt mit dem Tesla Model X weiter als mit einem E-Golf, aber längst nicht so viel weiter, wie man erwartet. Dafür ist das Model X derzeit das einzige E-Auto, dass es auch mit Anhängerkupplung (800 Euro) gibt. Zu den Vorteilen zählt auch der üppige Laderaum. Der vordere Kofferraum schluckt immerhin 187 Liter, der hintere bis zu 2.493 Liter, sofern man das Fahrzeug als Fünfsitzer nutzt und die beiden Sitze in der dritten Reihe umlegt. Richtig, das Model X ist dank dritter Sitzreihe das fast perfekte Mama-Taxi für die eigenen Kinder und deren Freunde, im urbanen Umfeld – sagen wir im Großraum Hollywood – also bestens aufgehoben. Dort sollte man auch einigermaßen erfolgreich sein, denn Tesla verlangt für diesen schicken E-Van 156.700 Euro. Unser Testwagen kam inklusive diverse Extras (Kaltwetterpaket, Autopilot, Sonderlack u.ä.) auf 182.540 Euro. Ordert man ihn als 75 D mit der kleineren Batterie, sind 102.500 Euro plus Extras fällig. Große Verbreitung dürfte auch deshalb nicht zu erwarten sein. (Günter Weigel/SP-X)

24-Stunden in der Stadt der Engel

Los Angeles, die Stadt der Engel, die Stadt der Träume. Eine Stadt, die alleine für sich gesprochen, bereits die Synapsen anregt und Menschen zum Fantasieren bringt. Hollywood, Universal Studios, Santa Monica, Venice, Beverly Hills. Kaum eine Stadt in den USA vereint soviel Glitzer und Glamour. Und Tragödien. Los Angeles zählt noch immer zu den Städten der USA mit der höchsten Bandenkriminalität. Wiki kennt über 400 aktive Gangs. South L.A., Compton und Lynwood. Bezirke, die man bei Anbruch der Dunkelheit besser meidet. Und dennoch, mich persönlich reizt diese Stadt immer wieder. Zeit für einen Intensiv-Trip nach Los Angeles.

24-Stunden in der Stadt der Engel

In einer Stadt, in der stündlich 2,85 Autos gestohlen werden, ist die richtige Wahl des persönlichen Begleiters alles. Mondän muss er sein. Eine Tradition besitzen. Power sollte er haben. Ein wenig sündig und verrucht sein. Dennoch Stil und natürlich einen Achtzylinder haben. Da passt es gut, dass Mercedes zu Beginn des Jahres der eigenen Roadster-Ikone SL ein Facelift verpasst hat. Als Mercedes-AMG SL63 parkt mein L.A.-Shuttle vor dem Hotel. In Hyacinth-Rot. Es gibt eh zu wenige rote Autos. Eine vortreffliche Wahl.

24-stunden in LA 006 Mercedes-AMG SL 63

Dieses Auto gehört zu Los Angeles

Auch wenn man auf 8-spurigen Autobahnen innerhalb des Stadtgebietes im Stau steht. Der Moloch Los Angeles lässt eigentlich nur eine Wahl bei der Frage nach dem Transportmittel zu. Das Auto. In unserem Fall ein 577 hp starker V8-Bi-Turbo. Und ja, liebe Nerds, in den USA sind es 577 hp – bei uns stampft der 5.5 Liter V8  ja mit 585 PS auf. Was aber keinen Unterschied macht. Aber – im Land der 65 mph-Beschränkung wären 10 PS mehr oder weniger eh egal. Viel wichtiger ist der Tiefbass. Das wohlige Grummeln, mit dem sich die Reisebegleitung in Gang setzt. Vom Hotel in Downtown L.A. geht es zum ersten Sightseeingpoint. Dem Hollywood-Sign. Das große Schild mit den Buchstaben der Glitzer- und Traumstadt. Hollywood. Die Anfahrt zum vermutlich wichtigsten Wahrzeichen der Stadt wird einem erschwert. Der schönste Weg führt über den N Beachwood Drive in Richtung Lake Hollywood-Sign. Große Warntafeln verkünden: Keine Zufahrt zum Hollywood-Schild. Die kurvige Fahrt den Hügel hinauf, sie führt einen direkt durch eines der Herzen Hollywoods.

24-stunden in LA 002 Mercedes-AMG SL 63

24-Stunden in L.A. – die Zeit will genutzt sein

577 PS zerren an der Hinterachse, reckless driving nennen es wohl die US-Cops, wenn man sich dem Leistungsüberschuss des AMG-SL unterwirft. Für mich ist es das „zügige“ Einfädeln in den Rush Hour-Verkehr. Der im übrigen so gut wie nie erlahmt. Offen durch die Nacht. Die Emotionen dieser Stadt einatmen. Umsorgt vom SL. Hätte es nicht plunderwarme 28° nach Sonnenuntergang, der August ist der Monat, in dem der Teufel seinen Sommerurlaub an der Westküste verbringt, würde der SL mit einem Warmluft-Föhn schmeicheln wollen. So pustet die Sitzlüftung und die Fenster bleiben unten. Ein wenig soll die Luft durch den SL flirten. Offen streckt sich die Seitenlinie des neuen SL in die Länge. Die Hakennase wurde bei der Modellpflege ein wenig abgeändert, der Kühlergrill steht nun Kopf. Stimmiger das Bild. Aber noch immer vor allem eines: Auffällig.

24-stunden in LA 003 Mercedes-AMG SL 63

Burger & Fries

Natürlich nutzt man das Drive-Thru in den USA. Nur nicht aussteigen. Für den Zwischenstopp bei In-n-Out Burger wähle ich den Parkplatz. Kurz um das Auto gehen. Und fettige Burgersoße im SL? Ein No-Go. Die frischen, aber dennoch fettigen Burger von In-n-Out? Immer besser als bei McDonalds. Ein Gruppe von Teenagern umlagert den SL. OH, an AMG!  In einer Stadt, in der Filmstars zum daily business gehören, muss das Transportmittel gut gewählt sein.

Der Burger wird zur Nebenrolle. Wieviel PS hat der Merc? Das wichtigste Thema.

24-stunden in LA 066 Mercedes-AMG SL 63

Nächster Stopp? Das Griffith Observatory. Guter Zeitpunkt? Während der Öffnungszeiten – oder am Abend, wenn die Sonne über L.A. versinkt, die Stadt zu einem Lichtermeer wird. Die Anfahrt zum Griffith Observatory eignet sich auch für den ersten Soundcheck. Ein kleiner – recht schmaler – Tunnel wird zum Akustik-Raum des SL. Leerlauf. Die Fahrdynamik-Schalter auf Sport+, die Klappen in der Auspuffanlage sind auf Durchzug gestellt und die aggressive Gaspedalkennlinie lässt den 5.5 Liter zackig in Richtung 6.000 drehen. Wheelspin? Jederzeit möglich. Sieht am elitären SL ein wenig gewöhnungsbedürftig aus – aber hier – in Los Angeles, in Rufweite Hollywoods, gehört die Show zum Programm.

Der Griffith Park trennt, als kleiner grüner Hügel, die Stadt im Norden ab. Dahinter und auch einen Besuch wert: Die Walt Disney Studios, die Warner Bros. Studios und natürlich Universal Pictures. Alle größeren Studios bieten geführte Touren an. Die Tour durch die Universal Studios ist eine Sache für einen ganzen Tag. Mir bleiben nur 24-Stunden für L.A. Die Studio-Touren müssen warten.

Die Nacht fällt über Los Angeles und die Traumstadt verwandelt sich. Es gibt Bezirke, die man meiden sollte. Die man meiden will. Im Minimum 151.000 $ teuren SL geht man nachts nicht durch Lynwood oder Compton flanieren. Venice ist bereits fragwürdig, sobald die Nacht hereinbricht, Santa Monica Pier bietet sich an und natürlich der Rodeo Drive.

Beeindruckend die Zahl der „alten Benz“, die man verteilt über ganz Los Angeles so findet. Darunter auch der direkte Vorgänger meines „L.A.-Shuttles“. Der Zustand vieler „Mercs“ ist ein wenig traurig. Die unbarmherzige Sonne Kaliforniens und der Unverstand des Amerikaners für die Pflege eines Kulturgutes, sie nagen an den Importmodellen.

24-stunden in LA 008 Mercedes-AMG SL 63

Breakfast all day long

Frühstück. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Eine Empfehlung aus den unzähligen Guides für den Trip nach Los Angeles war „The original pantry cafe“ – kurz nach 8 Uhr in der Früh empfängt uns Kaffee-Duft und der überwältigende Geruch von Bratfett. Einmal alles, die Order an den Kellner. Einmal alles auf dem Tisch. Darunter eine Schinkenscheibe, alleine für sich genommen ausreichend, um den Hunger in Afrika zu beenden. Die unvermeidbaren Hashbrowns und Eiswasser. Jeder Bissen in die Hashbrowns wird direkt im Haben-Konto des eigenen Cholesterinspiegels vermerkt. Die fluffigen Pancakes sind ein Muss. Ebenso der zähsüße Sirup. Bestraft wird jeder Biss mit einem Eintrag auf der Homepage des Diabetes-Clubs. Ernsthaft. Liebe Kalifornier, wir müssen reden. Übersättigt geht es zurück zum SL. Das Dach aufmachen, bis die Sonne durch die paar Hochhäuser von Los Angeles dringt. Das bessere Frühstück findet man vermutlich per Zufall. Wie so oft, man muss sich einfach auf so eine Stadt einlassen.

Für Los Angeles hatte ich eine eigene Google Map angelegt. Sehenswürdigkeiten hinterlegt. Eine klare Route vorher ausgetüftelt. Binnen 24-Stunden das Maximum an Eindrücken mitnehmen. Den Rodeo Drive abfahren, durch Beverly Hills cruisen. Runter nach St. Anaheim und Mickey Mouse im Disneyland einen Besuch abstatten. Natürlich auch Bel Air besuchen und am Abend am Venice Beach Boardwalk abhängen.

24-stunden in LA 007 Mercedes-AMG SL 63

24-Stunden L.A. – 24-Stunden neuer Mercedes-AMG SL

Los Angeles dehnt sich über 498 Quadratmeilen. Geht nahtlos über von Downtown zu den Villen-Gegenden im Norden und den etwas durchwachsenen Gebieten im Süden. Über 300 Sonnentage im Jahr, dazu die atemberaubende Westküste der USA. Los Angeles lebt von diesem ganz besonderen Licht. Es mag Einbildung sein, aber unter der Sonne Kaliforniens sticht der Hyazinth- Rote Lack des SL mitten in das eigene Herz. So. Und nur so muss der SL auf der Straße stehen. Dazu das Sichtcarbon rund um den Auspuff und den Flaps an der Front. Die kleine Carbon-Abrisskante am Bürzel trägt zur Sportlichkeit des Fahrers bei. Entschuldigt mich bitte – die letzten Minuten in L.A. muss ich am Santa Monica Pier verbringen. Zusehen, wie die Sonne hyazinthrot im Pazifik versinkt. War es glutrot? Egal – Hauptsache wir – der SL und ich – wir wiederholen diese 24-Stunden noch einmal …

24-stunden in LA 012 Mercedes-AMG SL 63

 

 

 

 

Fotos: Teilweise Johannes "fuenfkommasechs" Schlörb
Meine Liste der "L.A. 24h-Sehenswürdigkeiten" findet ihr hier!

What happens in Vegas, stays in Vegas

[=“ “ ]Aus dem Auto-Blogger-Alltag

Es gibt solche Geschichten, die gibt es eigentlich gar nicht. Zum Beispiel, wie man zu einer Glas-Reparatur in Las Vegas kommt. 

Man nehme folgende Zutaten: Einen Mercedes G63, einen putzigen kleinen Stein, Las Vegas, einen Roadtrip und Safelite. Das ganze mixt man dann ordentlich durch und heraus kommt? Eine Windschutzscheiben-Reparatur in Las Vegas.

Mit dem Kollegen Jens von rad-ab.com wollte ich nach der CES in Las Vegas mit einer G-Klasse von Mercedes-Benz nach Los Angeles zurückfahren. Wenn man in den USA ist, dann muss man wenigstens einen Tag mit dem Auto auf Achse sein. Sind die USA doch das Land, im dem man drei Dinge richtig gut kann: Shoppen, futtern und Auto fahren. Einfach hinaus in das weite Land. Den Tempomaten auf 55 Meilen stellen und dann stundenlang fahren. Gerade die Strecke von Las Vegas nach Los Angeles kann so richtig für genau diese Form des Autofahrens verstanden werden.

In den letzten Jahren hat Mercedes-Benz vor der NAIAS in Detroit jeweils einen Roadtrip veranstaltet. Unter dem #Tag „MBRTJahreszahl“ fand man dann die passenden Bilder und Storys. 2016 war die Zeit zwischen der CES und der NAIAS ein wenig kurz, um dazwischen einen Roadtrip zu veranstalten. Doch nachdem Jens und ich uns auf der CES die wichtigsten Auto-Themen angeschaut hatten, (neues E-Klasse Cockpit und den Soulmate von EDAG), wollten wir nicht zurück in die Heimat fliegen, nur damit wir kurz darauf wieder in die USA fliegen. Für uns war klar: Wenn schon, dann richtig. Und wenn Mercedes-Benz keinen Roadtrip veranstaltet, gut, dann machen wir eben unseren eigenen „MBRT16“.

Auf Instagram die Fotos zu #mbrt16 anschauen

Von Vegas nach L.A.

vegas los angeles

Die Route von Las Vegas nach Los Angeles ist a) nicht besonders lang (5.5 Std. sind ja nix, jedenfalls im Roadtrip-Sinne) und b) eigentlich eher eintönig. Es sei denn, man steht auf dieses „die Augen durch die Landschaft gleiten lassen“ und das Gefühl, sich darin zu verlieren. Unsere G-Klasse als G63 gehört nun nicht zu den langweiligsten Autos dieser Welt. Der schiere Unmut, der sich unter der grob gezeichneten Motorhaube zusammenbraut, kann einen regelmäßig erschrecken. Das V8-Bollern des kantigen Nutzwagens lässt auch US-Ohren entzückt lauschen. Überhaupt. Es gibt keinen besseren Platz, um ein schönes Auto auch mit Genuss zu fahren. Hier in den USA ist der Neid kein Thema. Du fährst einen 139,900 $ teuren SUV? 563 PS stark? Na, du wirst ihn dir verdient haben. Und dann bekommst du den Daumen nach oben. An der Tankstelle lächeln die Milfs mit einem subversiven Zucken in den Augenwinkeln aus ihren Acuras in Richtung „big black G-Wagon“ und dein „Bro'“ an der Zapfsäule haut dir auf die Schultern. „What a great car, man!“

Das sind die USA. Wo Auto fahren noch Spaß macht. Auch weil die Gallone Sprit eben wieder im Sonderangebot ist. Und ein 5.5 Liter V8-Turbo nimmt sich genüsslich und großzügig aus dem Tank.  Und selbst der edle Tropfen kostet eben deutlich weniger als bei uns. (V-Power zapfen die Amis für 1.05 $ den Liter.)  

mit dem g63 von vegas nach 084 Los Angeles mbrt16

Hoover-Damm und Zeitzone +1

Anstatt einfach nur die I-15 aus Vegas raus zu nehmen, sollte man sich den Hoover-Damm als Umweg gönnen. Die Hoover-Talsperre ist nur eine knappe Stunde von Vegas entfernt, und doch, wer die Talsperre überfährt, verliert eine weitere Stunde. Nein – nicht weil der Damm so breit wäre, sondern weil genau in der Mitte die Grenze zwischen Nevada und Arizona verläuft und damit eine der sechs Zeitzonen der USA.

mit dem g63 von vegas nach 075 Los Angeles mbrt16

Steinschlag gleich zum Start

Bevor wir mit unserem G-Wagon auf die Tour gingen, beglückte uns ein Steinschlag in der Windschutzscheibe. Der Ami nennt es einen Chip. Aber egal, wie man es nennt. Man will es nicht haben.

mit dem g63 von vegas nach 065 Los Angeles mbrt16

Carglass repariert, Carglass tauscht aus

Der Gedanke war: Was passiert, wenn wir die G-Klasse später durch die Berge rund um den San Bernardino National Forest fahren? Da geht es ein paar Meter hoch. Und überhaupt. Einen Riss in der Windschutzscheibe will man auch nicht riskieren. Ach und mal ganz generell, CARGLASS ist einer der Partner auf mein-auto-blog. Lass uns doch einfach mal den Ernstfall proben. Also eine kurze eMail nach Deutschland geschickt. Und binnen Stunden hat man sich zwischen CARGLASS Deutschland und SAFELITE USA (ein Konzern: Belron) geeinigt. Eine G-Klasse mit Steinschlag in der Windschutzscheibe? Das geht gar nicht.

Safelite – Las Vegas: „Wo dir geholfen wird“

Ich hatte selbst nicht daran geglaubt. Zeitverschiebung zwischen DE und USA. Von einer Tochter-Firma zur nächsten (Carglass / Safelite) und dann auch noch von „sofort auf gleich“ eine Reparatur? Das dürfte selbst mit diesem Kontakt zu CARGLASS Deutschland erst einmal schwierig werden. Aber getäuscht.

Service in den USA ist eben schon immer etwas anderes. Oder es ist einfach eine BELRON-Sache, diese schnelle Hilfe bei einem Glas-Schaden.

Steve Parker von SAFELITE USA hatte binnen weniger Stunden (man bedenke die Zeitverschiebung) einen Termin freigemacht und uns eingeladen, mit der G-Klasse vorbeizukommen.

Kurz nach dem zweiten Kaffee des Tages (9:30 am) trafen wir in der  4601 E Cheyenne Ave ein und dort auf Steve und sein Team.

BELRON – Service weltweit | Höchster Standard

Das witzige an der Geschichte ist, der Mutterkonzern von CARGLASS, das Unternehmen Belron, sorgt wirklich für einen Prozess der Reparatur, der auf der gleichen Welt die gleichen Standards erfüllt. Und da sprechen wir von einem 1a-Service. Es dauerte keine 30 Minuten und man hatte uns von unserem Steinschlag per Glas-Kosmetik befreit.

Für mich persönlich was das die erste „Glas-Reparatur“, bislang hatte ich noch nie einen Steinschlag repariert. Und schon gar nicht an einem Presse-Testfahrzeug. Aber nachdem mein-auto-blog und CARGLASS bereits seit mehr als 3 Jahren erfolgreich zusammenarbeiten, wollte ich es einfach wissen. Und dann auch noch diese „fiese“ Nummer mit dem G63. Das ist ja nun kein Allerweltsauto. Und dann mal eben so „hoppla-di-hopp“. Aber, und das kann man am Ende sagen: SAFELITE und CARGLASS haben nicht nur umfassend gut zusammengearbeitet, sicher, ein Konzern – aber wie oft erlebt man gerade in den großen Konzernen der Welt, wie alles nur drunter und drüber geht – nein, auch am anderen Ende der Welt wird mit dem gleichen Ehrgeiz der Service-Gedanke ausgelebt, den ich bislang immer wieder als Show empfunden habe.

Ich habe bereits drei Mal die „Best of Belron“ Events besucht. Veranstaltungen, bei denen die Belron-Monteure aus der ganzen Welt gegeneinander antreten – und jedes Mal dachte ich mir danach: Das musst du mal testen. Du musst die Jungs mal auf die Probe stellen.

What happens in Vegas, stays in Vegas. Wie der Steinschlag. Weiter ging es ohne.
What happens in Vegas, stays in Vegas. Wie der Steinschlag. Weiter ging es ohne.

What happens in Vegas stays in Vegas

Der alte Spruch zur sündigen Metropole in der Wüste. Und auch bei Glas-Schäden ist es so 🙂 – denn als wir in Richtung Hoover-Damm dann endlich aufbrachen, war der Steinschlag bereits Geschichte.

mit dem g63 von vegas nach 115 Los Angeles mbrt16

Ohne Steinschlag in Richtung Los Angeles

Wer die Hoover-Talsperre hinter sich gelassen hat, der dreht am besten wieder um. Denn weiter nach Nevada wäre in Richtung Ostküste. Und so viel Zeit hatten wir 2016 nicht. Also, über Boulder zur I-95 in Richtung Süden. Bei Searchlight dann auf die 164 in Richtung Westen. Bis es zur I-15 zurück geht. Wenn man Glück hat, steht man auf der 164 eine Zeit lang an einem Bahnübergang und bekommt einen der kilometerlangen Güterzüge zu Gesicht. Wir standen, ungelogen, fünf Minuten und es reihte sich ein Waggon an den nächsten. Die USA. Hier ist eben alles ein wenig größer. Dank „Super-Gulp“ und einer Gallone Zuckerwasser im Auto muss man jedoch nie mit dem Verdursten rechnen.

Wer ein wenig Zeit hat, der nimmt ab Barstow die 247 in Richtung Süden und ab Lucerne Vallye die 18 in Richtung San Bernardino National Forest und Big Bear Lake.

mit dem g63 von vegas nach 041 Los Angeles mbrt16

It never rains in California – Von Schnee hat niemand etwas gesagt

Anfang Januar wird es auch in der Wüste Nevadas kalt. Selbst Kalifornien kann sich ungemütlich zeigen und wer zum „Big Bear Lake“ auf über 2.000 Meter Höhe fährt, der trifft, wenige hundert Kilometer vom Pazifik entfernt, auf Schnee. Wir trafen auf viel Schnee. Und auch wenn die G-Klasse als das Urgestein der Geländewagen gilt und auch wenn drei Differentialsperren an Bord sind – mit Sommerreifen machst du auf Schnee niemanden glücklich. Und wenn man zudem die 760 Nm des V8 in Richtung All-Terrain-Reifen presst, dann gräbt sich auch eine G-Klasse durch den Schnee – ohne Vortrieb. Viel Gefühl am Gashahn und schnell wieder in Richtung „schneefreie“ Straße – ohne Besuch am Big Bear Lake, aber nicht ohne eine gute Tat getan zu haben.

mit dem g63 von vegas nach 061 Los Angeles mbrt16

Los Angeles, die Stadt der Engel und der schwarzen G-Klassen

Anstatt die San Bernardino Mountains zu überqueren, haben wir die Sommerreifen der G-Klasse zurück ins „Apple Valley“ gelenkt. Ja – wir haben vor dem Schnee kapituliert. Sagen wir es ruhig so, wie es war.  Doch dass man auf Schnee eben nicht nur vorwärts kommen muss, sondern auch zum Stehen – haben wir ja vor kurzem auch behandelt.

Zurück zur I-15. Weiter nach Los Angeles. Diese Stadt ist immer wieder umwerfend. Achtspurige Autobahnen, auf jedem Streifen zäh fließender Verkehr. Man mag es sich als Europäer nicht vorstellen, wenn man nicht selbst vor Ort war. Und während man in vielen Teilen Kaliforniens auf Tesla und Co setzt, fährt man in der Traumfabrik dann doch lieber echte Autos. Schwarze G-Klassen zum Beispiel.

Gut 10 Stunden, nachdem wir die SAFELITE-Werkstatt in Las Vegas verlassen hatten, waren wir in der Stadt der Engel angekommen. Nein, einen echten Roadtrip konnte diese kurze Fahrt nicht ersetzen. Aber dafür haben wir viel über Autoscheiben, den tollen Service von Safelite und über Sommerreifen auf Schnee gelernt.

In Los Angeles haben wir die schwarze G-Klasse dann sicherheitshalber gegen einen Aston Martin getauscht. Und ganz ehrlich: Es wäre ja peinlich, an der Ampel in West Hollywood das gleiche Auto zu fahren, wie irgend so ein Soap-Star, oder?

mit dem g63 von vegas nach 141 Los Angeles mbrt16

 

 

P.S.: Nein. Wäre es nicht 😉 Aber der Aston Martin passt noch besser nach Hollywood  … 

 

 

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