Erste Fahrt: Der neue Ford Focus

Etwas Gutes noch besser machen, dass ist keine ganz leichte Aufgabe. Anerkennung verdienen die, die sich daran wagen, und Lob verdienen die, die dabei erfolgreich waren. Der Ford Focus gehört zu den Dauerläufern der Marke und im Reigen der Kompaktfahrzeuge zu den ewigen Konkurrenten des VW Golf. Jetzt hat Ford den Focus überarbeitet und will dabei vieles neu, einiges anders, aber primär alles besser als zuvor gemacht haben. Okay, solche Behauptungen höre ich von allen Auto-Herstellern, bei jedem neuen Modell und jedem Facelift.  Galt nun die Fragen zu klären, ob Ford jetzt nur Anerkennung oder gar ein Lob verdient.

Ford Focus 1.5 EcoBoost

Faktencheck am neuen Ford Focus 1.5 EcoBoost

Mit guten 30 Mitbewerbern ist das C-Segment, auch gerne als die „Golf-Klasse“ bezeichnet, die härteste Fahrzeugklasse. Nirgendwo sonst ist der Wettbewerb zwischen den Herstellern härter. Der Focus ist im übrigen – weltweit gesehen – die Nummer 1 in diesem Segment. Doch in Deutschland musst er sich bislang immer dem ewigen Bestseller Golf geschlagen geben.

Es gibt einen Erfolgsdruck im Segment, Ford antwortet mit einer ganz eigenen „Drucksache“.

Fahrbericht Ford Focus 2015 02 Ford Focus MCA

 

Alles neu?

Bereits im Februar hat uns Ford mit Fotos vom „neuen“ Ford Focus gelockt. Doch bis jetzt in den September hinein hat es gedauert, bis der neue Focus zu einer ersten Testfahrt zur Verfügung stand. Dabei ist eben nicht alles neu. Der Focus des Modelljahres 2015 ist ein Facelift-Modell.

Straffere Gesichtszüge, klarer ausgeformter Kühlergrill, der zudem so ein wenig „Aston-Martin-Feelings“ aufkommen lässt und am Heck wurden die Rückleuchten neu gezeichnet. Deren völlig nutzlosen, spitzen, Ausformung in die Seitenlinie hinein wurde jedoch kein Einhalt geboten.

Die wichtigsten Neuheiten sind unter der Haube und vor der Nase des Fahrers versteckt. Unter der Motorhaube ist es der neue 1.5 Liter Vierzylinder-Turbomotor mit bis zu 182 PS. Er übernimmt sein Grundprinzip von den erfolgreichen Dreizylinder-EcoBoost Motoren, und will Leistung und Effizienz in eine neue Leistungsklasse heben. Zudem wird er in zwei Leistungsstufen angeboten. Zusammen mit der kleineren, und nur 150 PS starken Version, löst dieser neue EcoBoost-Vierzylinder die 1.6 Liter Motoren-Familie des Vorgängers ab.

Nicht weniger wichtig sind die Veränderung im Innenraum. Dort hat in der Mittelkonsole nun endlich das Knöpfchen-Armageddon ein Ende gefunden und ein ausreichend großer  Touchscreen mit 8 Zoll Diagonale nimmt einen Teil des gewonnen Platzes ein. Das Multimediasystem dahinter nennt Ford „SYNC2“ und verspricht die pure Verständigung. Temperatur-Änderungen der Klimaanlage? Einfach sagen. Telefonieren? Einfach sagen. Navigieren? Sie ahnen es, einfach sagen. Das neue SYNC2 will auf dem Fahrer aufs Wort hören. Sag ich ja.

Lobenswert auch die umfassenden Arbeiten an der Karosserie. Der Vorderwagen soll versteift worden sein, die Karosse im gesamten, nun noch steifer, das Fahrwerk dafür ein wenig komfortabler und dennoch nicht minder agil. Zudem soll die Geräuschdämmung wirkungsvoller sein, dickere Fensterscheiben in den vorderen Türen sollen den Lärmpegel senken.

Fahrbericht Ford Focus 2015 06 Ford Focus MCA

Alles besser?

Der Focus war früher bereits der Agilitäts-König im Segment. Jetzt wurde er nicht schlechter. Im Gegenteil. Auf kurvigen Landstraßen im Hinterland von Malaga wurde die erste Ausfahrt zum ganz großen Kino. Unterwegs in einem Focus Titanium mit 182 PS Turbo-Benziner, machten die vielen unterschiedlichen Kurven enorm Spaß. Der Focus legt zackig ein, wird dabei unterstützt von einem Torque-Vectoring System und vermeidet nerviges untersteuern. Wer Lastwechsel provoziert, bekommt selbst den Nicht-ST (ein ST stand noch nicht zur Verfügung) zu einer dynamischen Vorstellung auf der Landstraße. Steif wie ein Walfisch-Penis der unter einer Überdosis-Viagra leidet, wirft sich die Karosse des Focus von Biegung zu Biegung. Dennoch bleibt genug Federungskomfort erhalten. Das ist beeindruckend. Die Lenkung fühlt sich präzise an, obwohl keine Sport-Reifen und maximale Rädergrößen montiert sind. Das ist richtig gut. Das ist noch besser als früher.

Der 1.5 Liter EcoBoost büffelt sich unter der mächtigen Ladedruck-Ägide stehend durch das Drehzahlband. Untenherum hört man ihn fauchend Luft holen, oben herum dreht er frei und spontan. Sparsamer soll er sein. Bis zu 19% weniger Verbrauch und CO²-Emissionen. Sehr löblich. Die Ladeluft-Wasserkühlung, der Turbo der nah am Zylinderkopf in den Abgas-Krümmer integriert wurde, Voll-Aluminium und verstellbare Nockenwellen. Der 1.5 Liter Motor beeindruckt nicht durch Hubraum, sondern durch Fahrbarkeit und Durchzug. Ob der Verbrauch wirklich so weit sank? Die Strecke die ich durch die Berge Süd-Spaniens nahm, dürfte kaum eine Aussagekraft für den Alltag haben. Im Drittelmix gibt Ford 5.6 Liter an. Ob das machbar ist, wird ein späterer Test zeigen müssen.

Hurra und Halleluja. Ob SYNC2 wirklich alle Kommandos versteht? Habe ich nicht ausprobiert. Eine Anpassung der Klima-Temperatur habe ich noch hinbekommen, für weitere Tests hat mir schlicht die Zeit gefehlt. Aber – das neue Konzept mit deutlich weniger Knöpfchen im Innenraum und dem großen 8-Zoll Touchscreen ist der „big winner“ im Paket des ganzen Facelift. Was waren die vielen Knöpfchen und das kleine Display zuvor nervig. Wunderbar und um Welten besser das neue Multimedia-System. Die Bedienlogik des Systems, um zwischen Navi, Telefon, Medien und Klima zu wählen, wurde in vier große farbige Kacheln unterteilt. Wer mit Windows 8 zurecht kommt, der wird mit dem SYNC2 keine Probleme haben. Leider erkennt das System noch keine ANDROID-Handys per USB-Kabel, via Bluetooth klappte die Wiedergabe von Musik allerdings problemlos.

Angeblich erkennt das System auch Kommandos wie: „Ich habe Hunger“ und wirft dann eine List von Restaurants in der Nähe aus.  Das SYNC 2 hört also aufs Wort und hierbei soll man sich nicht einmal an spezielle Kommandos halten müssen, man spricht einfach drauf los.

Wann geht es los?

Ab Ende September kommt der neue Focus auf den Markt, die Preise bleiben die gleichen. Mit fünf Türen geht es also weiterhin bei 16.450 € los. Neben dem neuen 1.5 Liter EcoBoost stehen noch noch drei weitere Benziner, darunter der bekannte 1.0 Liter EcoBoost Dreizylinder und sechs Dieselmotoren zur Verfügung.

Fahrbericht Ford Focus 2015 07 Ford Focus MCA

Bleibt das Fazit:

Ein ganz klares Lob und ein großes Lob dazu. Das Facelift des Focus hat die richtigen Schwachstellen aufgegriffen, hat sich dabei als erfolgreich erwiesen und mit dem neuen 1.5 Liter Turbomotor hat man zudem auch noch ein wenig Motoren-Zukunft für den Alltag geschaffen. Das der neue Focus noch besser fährt als der „alte“ Focus ist zudem eine Überraschung! Dieses Facelift hat aus dem „Guten“ Focus einen „noch besseren“ Focus gemacht! Glückwunsch Ford! 

 

Fakten zum neuen Ford Focus 1.5 EcoBoost

Verkaufsstart: September 2014
Basispreis:  25.120 €
Motorleistung:  182 PS
Antrieb und Getriebe:  6-Gang Schaltgetriebe
Länge, Breite, Höhe, Radstand:  4.358 / 1.823 / 1.484 / 2.648
Normverbrauch:  5.6 Liter / 100 km
Höchstgeschwindigkeit:  224 km/h
Beschleunigung von 0 – 100 km/h  0-100 km/h: 8.7 Sekunden

Škoda Rapid Spaceback – Erste Ausfahrt

Das Handicap ist eine Kennzahl aus dem Golfsport und beschreibt in etwa die Spielstärke eines Golf-Spielers. Überträgt man das auf die Automobile-Welt, dann hat der Volkswagen Golf nicht nur einer ganzen Fahrzeugklasse den eigenen Namen aufgedrückt, sondern stellt seit Jahrzehnten die Benchmark in seiner Klasse und alle neuen Vertreter des Kompaktwagen-Segments müssen sich mit ihm vergleichen lassen.

Die Volkswagen-Tochter Škoda hatte sich bislang elegant aus dem direkten Wettbewerb mit dem Volkswagen Golf herausgehalten. Mit dem neuen Škoda Rapid Spaceback betritt der Konzern-Spross nun jedoch das Spielfeld der Kompaktwagen-Primus GOLF.

Ist das so clever wie man es von einem Škoda gewohnt ist?

Skoda Rapid Spaceback front

Golf ohne Preis-Handicap?

Škoda Rapid Spaceback – Ein erster Test des neuen Modells

Jung, dynamisch, elegant und sportlich – das wollen alle Fahrzeuge in ihrer Formensprache ausdrücken. Manchmal ist es nur Blabla aus der Presse-Mappe und manchmal sind die Autos wirklich so gut gelungen, dass man ihnen ein Denkmal für „gelungenes Design“ widmen möchte. Im Design der Škoda-Modelle spiegelt sich die elegante Form des „weg lassen“ wieder. Kein Pinselstrich zuviel, keine Lichtkanten die unnötig wären. Ein fast strenges, aber dennoch sympathisch modern wirkendes Blechkleid hüllt die Fahrzeuge aus Böhmen.

Der erste Kompaktwagen mit Steilheck (vulgo: Golf-Klasse) macht hier keine Ausnahme. Das Familiengesicht mit dem Škoda-Wappen in der Blechnase der Motorhaube bekommt nun Xenon-Scheinwerfer zur Seite gestellt (ab sofort auch für den Rapid mit dem Stufenheck erhältlich) und gegen Aufpreis zieht sich die getönte Heckscheibe des Spaceback bis über die Wölbung der Heckklappe.

Der Radstand entspricht mit 2.602 Millimetern fast dem des VW Golf  (2.637 mm) und dennoch teilen sich die zwei nicht die gleiche Plattform. Der große Radstand ist wichtig für das opulente Platzangebot im Innenraum. Die Tatsache das der Rapid nicht dem MQB-Baukasten entspringt, sondern auf bewährten Mischplattformen des VW-Konzerns basiert (PQ25, u.a. auch VW Polo Gen5 und Audi A1), ist wichtig für den Endpreis des Fahrzeuges.

Der Testwagen:

  • Modellbezeichnung: Škoda Rapid Spaceback
  • Fahrzeugklasse:  Kompaktklasse
  • Verkaufsstart: Oktober 2013
  • Basispreis:  14.990 €
  • Karosserieform: Steilheck Kompakt
  • Gefahrene  Motoren: 85 PS Benziner, 90 PS Diesel
  • Getriebe: 5-Gang Manuell

 

skoda rapid spaceback ausfahrt gardasee

Erste Ausfahrt

Active, Ambition und Elegance sind die drei Ausstattungsvarianten in denen Škoda den Spaceback ab Oktober zum Verkauf anbietet. Auf der Motorenseite stehen zum Start vier Benziner und zwei Diesel parat. Bei der internationalen Präsentation in Verona konnte ich auch den 75 PS starken Dreizylinder-Benziner fahren, den Škoda allerdings nicht auf dem deutschen Markt anbieten wird (erstmal?). Reden wir hier von einem Golf-Gegner, so sind jedoch zwei andere Motoren besonders interessant; Der 90 PS starke 1.6 TDI der mit der Präsentation im Spaceback nun zum ersten Mal im Rapid angeboten wird und der 85 PS starke 1.2 Liter Turbo-Benziner. Beide Motoren sind Direkteinspritzer und werden mit einem Fünfganggetriebe kombiniert.

1.2 TSI + 1.6 TDI

1.2 Liter Hubraum nur, aber immerhin vier Zylinder und einen Turbolader der dem kleinen Motor Leben einhaucht. Dank 160 NM die zwischen 1.600 und 3.500 Umdrehungen anstehen, lässt sich der kleine Benziner überraschend angenehm durch die Stadt fahren. Geht es raus auf das Land, zieht er sich tapfer durch das Drehzahlband und liefert vitale Fahrleistungen ab. Das man mit nur 85 PS und 1.2 Liter Hubraum nicht zum Verkehrshindernis wird, verdankt man auch dem hervorragenden Leichtgewicht des Rapid Spaceback: 1.150 Kilogramm. Selbst die Dieselversionen schaffen es nicht über die 1.300 Kilogramm-Marke. Damit gehört der Rapid Spaceback zu den leichtesten Vertretern im Golf-Segment!

Mehr Power, mehr Gänge

In Kürze wird ein 105 PS starker 1.6 TDI folgen und wer den stärksten Benziner im Rapid Spaceback wählt (1.4 TSI – 122 PS) der bekommt diesen mit dem bekannten Siebengang-DSG Getriebe geliefert. Ansonsten bietet Škoda im Augenblick nur den 1.2 TSI mit 105 PS mit 6-Gängen an (manuell) und auch bei den Diesel spielen derzeit noch die 5-Gang-Getriebe die größere Rolle.

skoda Rapid Spaceback von hinten

Die Fakten:

Gefahrene Motorisierungen:

  • 1.2 TSI Ambition
  • Motor: Vierzylinder Benzinmotor Direkteinspritzer Turbo
  • Hubraum: 1.197 ccm³
  • Leistung: 85 PS bei 4.800 U/min
  • Drehmoment:  160 Nm bei 1.500 – 3.500 U/min
  • Antrieb: 5-Gang Getriebe manuell – Frontantrieb
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • Beschleunigung: 0-100 km/h 11.7 Sek.
  • Verbrauch nach Norm: 5.1 l / 100 km
  • Basispreis als: Ambition: 17.250 €
  • 1.6 TDI Elegance
  • Motor: Vierzylinder Dieselmotor Direkteinspritzer Turbo
  • Hubraum: 1.598 ccm³
  • Leistung: 90 PS bei  4.200 U/min
  • Drehmoment:  230 Nm bei  1.500 – 2.500 U/min
  • Antrieb: 5-Gang Getriebe manuell – Frontantrieb
  • Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h
  • Beschleunigung: 0-100 km/h 12.1 Sek.
  • Verbrauch nach Norm: 4.5l / 100 km
  • Basispreis als:  Elegance 21.390 €

Skoda Rapid Spaceback Kofferraum

Škoda – Platz da

Im Gegensatz zum Stufenheck-Modell Rapid ist der Spaceback 18 Zentimeter kürzer und dennoch bleibt genug Platz für die Insassen und deren Gepäck. Mit 415 Litern Kofferraumvolumen ist dieses sogar größer als beim VW Golf.

Skoda Rapid Spaceback Cockpit

Das Cockpit

Ab der Ambition-Ausstattungslinie bekommt der Fahrer ein Drei-Speichen Lederlenkrad in die Hand gelegt und auch der Schaltknauf wurde mit dem edlen Material ummantelt. Der Eindruck eines günstigen Golf-Gegners kommt nur auf, wenn die Hände zu lange an den Türverkleidungen weilen. Gerade im Bereich der unteren Türfächer mangelt es an einer angenehmen haptischen Oberfläche. In anderen Worten: Das Plastik der Türverkleidungen ist schlicht zu billig geraten und die Kanten nicht genug gerundet.

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