BMW 2er Active Tourer Facelift: Behutsam weiterentwickelt

Wie war das noch mit der Mutter der Porzellankiste? Ach ja, sie will mit Vorsicht behandelt werden. So ähnlich scheinen es die Münchner mit der Modellpflege des BMW 2er Active Tourer und seinem gestreckten Bruder, dem BMW 2er Gran Tourer, verstanden zu haben. Man muss nämlich genau hinsehen, um die Unterschiede zum Vorgänger ausfindig zu machen. Ein paar neue Lackfarben hier, neue Felgen da und fertig ist das Facelift? Ist es wirklich so einfach oder steckt mehr hinter der Modellpflege?

Über 380.000 Exemplare des gar nicht typischen BMW sollen seit seinem Marktstart im Jahr 2014 verkauft worden sein. Ein Van von BMW? Da war der Aufschrei seinerzeit groß, doch die Verkaufszahlen geben den Bayern Recht. Wobei nicht alles eitel Sonnenschein beim BMW 2er Active Tourer ist: Die Hauptlager der Dreizylinder-Motoren machten schlapp, sodass ein Motorschaden das Resultat war – oftmals sogar schon nach geringer Laufleistung. Die Besserwisser, die nur die seidigen Reihensechszylindermotoren als wahren Antrieb für einen BMW sehen, werden sich bestätigt fühlen. Nun steht aber das Facelift auf dem Plan und möchte es besser machen. „Schau´n mer mal!“, würde der Bayer sagen.

Optik – Sehr dezente Retuschen

Schau mir in die Nieren, Kleines: Die Optik des 2er Active Tourer wurde nur dezent verfeinert.

Die Münchner sagen zwar, dass der 2er Active Tourer eine neue Frontpartie erhalten hat, doch hier muss man zweimal hinschauen, um sie zu erkennen. So ziert den Bug nun ein breiter, durchgehender Lufteinlass im unteren Bereich. Außerdem trägt der Van nun eine präsentere Niere und soll so einen sportlichen, aber für einen Van eleganten Auftritt beherrschen. Nun, er ist und bleibt ein Kompaktvan…

Die neuen LED-Scheinwerfer ziert nun eine hexagonale Grafik.

Neu ist zudem das Leuchtendesign für die optionalen LED- und adaptiven LED-Scheinwerfer, die mit einem blendfreien Fernlicht aufwarten. Die Doppelrundscheinwerfer sind nun hexagonal ausgeführt und damit etwas präsenter. Außerdem schließt BMW mit dieser Gestaltung zu den restlichen Modellen des Portfolios auf. Ach ja, noch etwas: Die Nebelscheinwerfer wurden ebenfalls neu gestaltet und sind in LED-Technik ausgeführt. Nicht verblüfft? Ok, ich auch nicht.

Gleiches gilt für das Heck des bayerischen Raumschiffs, das eine neue Heckschürze spendiert bekommen hat, die die Breite betonen soll. Vergrößerte Endrohre – bei den Dreizylindermotoren nur mit einem Endrohr – sollen den dynamischen Charakter des 2er Active Tourer weiter hervorheben. Bei den Vierzylindern dürfen immerhin aus zwei Flöten die Abgase herausprusten, sodass man tatsächlich von Dynamik sprechen kann. Noch eins drauf setzt der Active Tourer mit dem optionalen M Sportpaket und wirkt mit dem Facelift noch etwas bulliger und breiter.

Die neue Heckschürze mit integrierten Abgasrohren kündet vom Facelift.

Typisch Facelift: Neue Außenfarben. Wird das „Juraco Beige“ wohl eher einer älteren Klientel gerecht, kann man das neue, mutige „Sunset Orange“ wohl öfter auf den offiziellen Fotos denn auf den zugelassenen Autos zu sehen bekommen. Ebenfalls ein klassisches Mittel für eine Modellpflege sind neue Leichtmetallräder, die im Format 17 bis 19 Zoll zur Wahl stehen.

Innenraum – Bekanntes mit leichter Auffrischung

Feinere Materialien, neue Infotainment-Generationen und neue Polster zeugen vom Facelift.

Was direkt auffällt, sind die neuen, hochwertigeren Materialien im Innenraum sowie die neuen Sitzbezüge im BMW 2er Active Tourer und Gran Tourer. Sie sind nun mit einer Mischung aus „Stoff Sensatec“ und Leder bezogen und hinterlassen einen angenehmen Eindruck. Verändert wurde ebenfalls der Schaltknauf der Steptronic, der nun als rein elektronischer Gangwahlhebel ausgeführt ist. Machen wir an dieser Stelle direkt einen kleinen Abstecher in die Technik-Schublade: Erhältlich ist der geliftete BMW 2er Active Tourer mit drei Getrieben. Zur Wahl stehen eine Sechsgang-Handschaltung, eine 7-Gang Steptronic sowie eine 8-Gang-Steptronic. Ist letztere einzig den Modellen 220d und 225i xDrive vorbehalten, versteckt sich hinter der 7-Gang Steptronic ein Doppelkupplungsgetriebe.

Neuer, elektronischer Wahlhebel für die Steptronic-Getriebe.

Aber zurück zum Interieur: Für die zweite Lebenshälfte kommt nun das iDrive-System der neuesten Generation zum Zuge, dessen optionale Navigationssysteme mit 6,5 und 8,8 Zoll Bildschirmdiagonale ausgerüstet sind. Die Bedienung erfolgt nicht nur mit dem iDrive-Controller mit Touchfunktoin, sondern auch über den Touchscreen und eine Sprachsteuerung. Zudem ist der 2er Active Tourer hoch vernetzt und bietet die BMW ConnectedDrive Services – natürlich nur gegen deutliche Aufpreise. Wer es sich leisten möchte, fährt mit Real Time Traffic Informationen oder der Time-to-Leave-Funktion auf dem Zahn der Zeit. Zudem lassen sich Destinationen über eine App, das Web oder den Kalender teilen. Natürlich steht die mittlerweile übliche Smartphone-Integration über Apple CarPlay ebenfalls zur Verfügung. Je nach entsprechendem mobilem Endgerät kann dieses induktiv geladen werden. Und wie es sich für einen BMW gehört, bietet auch der 2er Active Tourer zahlreiche Assistenten. Darunter etwa die Active Cruise Control mit adaptiver Geschwindigkeitsregelung oder einen Stauassistenten.

Motoren – Der 2er Active Tourer bleibt dem Dreizylinder treu

Die neuen Dieselmotoren verfügen nun unter anderem über TwinTurbo-Lader.

Ja, die Dreizylinder-Motoren hatten ihre Probleme. Doch mit der nun verbauten neuesten Generation sollen diese der Vergangenheit angehören. So wurden alle Benzinmotoren mit umfangreichen Modifikationen versehen, darunter etwa eine neue Kurbelwelle, ein optimiertes Wärmemanagement, der Ventiltrieb sowie die Aufladung. Als Dreizylinder-Modelle stehen der 216i mit 109 PS und der 218i mit 140 PS parat, die jeweils über die bekannten 1.5 Liter Hubraum verfügen. Die Vierzylinder starten mit dem 220i mit 192 PS, einem 2.0 Liter Vierzylinder, und finden ihren Meister im 225i xDrive mit nachdrücklichen 231 PS. Eine Besonderheit stellt nach wie vor der Plug-In Hybrid 225xe iPerformance dar. Seine elektrische Reichweite beträgt 45 km, die Systemleistung liegt bei 224 PS, während der kombinierte Verbrauch auf 100 km lediglich 2,3 bis 2,5 Liter betragen soll.

Den Start in die Dieselwelt des Active Tourer unternimmt man mit dem 216d mit 116 PS, der auf 1.5 Liter Hubraum aus drei Brennräumen zurückgreift. Sein Verbrauch soll bei zurückhaltenden 4,3 Litern im Drittelmix liegen. Der 218d, der auch mit xDrive erhältlich ist, holt seine Kraft – ausreichende 150 PS – aus 2.0 Litern und vier Brennkammern. Topdiesel ist der 220d, ebenfalls optional mit xDrive erhältlich, mit 190 PS und 2.0 Litern Hubraum. Dieser greift, wie nun alle anderen Diesel auch, auf einen Dieselpartikelfilter, NoX-Speicherkat und ein SCR-System zurück. Unter Letzterem versteht man eine Harnstoffeinspritzung, die Stickoxide im Abgas verringert. Darüber hinaus sollen TwinTurbo-Lader für ein besseres Ansprechverhalten der Selbstzünder sorgen. Bei all den Maßnahmen kann man also annehmen, dass die Bayern die motorischen Schwierigkeiten in den Griff bekommen haben. Die ewig Gestrigen werden aber wohl weiterhin auf die Reihensechszylinder schwören werden und dem Fortschritt abschwören.

Weltpremiere: X2: Oans, zwoa, g´SUVa?

Automobilhersteller sehen immer wieder Lücken in ihrem Portfolio – das ist bei den Bayern nicht anders. Wer sich die Nomenklatur der Modelle genau angesehen hat, hat dies aber kommen sehen, schließlich klafft zwischen BMW X1 und BMW X3 eine Lücke. Diese möchte nun der BMW X2 schließen, ohne aber darauf zu verzichten, etwas ganz Besonderes zu sein: Ein SAC, also ein Sports Activity Coupé. Ausblick auf den neuen Münchner.

Design – Warum der BMW X2 ein Coupé ist

Haken wir zunächst die wichtigsten Zahlen ab: Der neue BMW X2 ist 4,36 m lang, 1,82 m breit und 1,53 m hoch. Auf dieser Basis, die vollkommen ins Schwarze des Kompaktklasse-Formats trifft, versammeln sich rund 1.460 kg Leergewicht – je nach Motor. Überschüssige Pfunde hat der Bayer damit nicht, sondern liegt, wie schon mit seinen Abmessungen, auf Augenhöhe mit der Kompaktklasse-Konkurrenz. Aber ein SUV? Nein, das schmeckt den Münchnern nicht, sodass der BMW X2 zum SAC, also einem Sports Activity Coupé wurde.

Der BMW X2 ist kein SUV sondern ein SAC – ein Sports Activity Coupé

Als Alleinstellungsmerkmal soll entsprechend die athletische Sportlichkeit eines Coupés dienen. Dem BMW X2 sieht man man seine Dynamik auf den ersten Blick an: Er wirkt durchtrainiert, zeigt die Robustheit eines SUVs und kombiniert sie mit einer gewissen Eleganz und Sportlichkeit. Aber ein Coupé? Hat ein solches nicht für gewöhnlich zwei Türen? Oder einen nach hinten abfallenden Dachverlauf?

Wie dem auch sei, der BMW X2 nutzt typische Elemente der BMW X-Modelle, wie etwa die quadratisch anmutenden Radhäuser oder die markanten Endrohre. Bei den Vierzylindern sind diese zweifach vorhanden – eines links und eines rechts. Hinzu kommen betonte Seitenschweller, eine elegante Dachlinie und eine flache Fenstergrafik, die das Greenhouse verkleinert und die Rundumsicht einschränken dürfte. Aber das ist man von modernen Autos gewohnt. Dennoch wirkt der BMW X2 eigenständig und sticht aus der Masse hervor – besonders in den Ausstattungslinien M Sport X und M Sport, die den Charakter noch individueller machen.

Jung, dynamisch und modern: Die Zielgruppe des BMW X2

Eigenständigkeit suggeriert auch die BMW Doppelniere, deren bislang bekannte Trapezform umgekehrt und nun nach unten hin breiter wird. Dadurch steht das Fahrzeug kräftiger und aggressiver da, als seine Brüder der X-Reihen. Und eine weitere Premiere steht im X2 an: Die Designer spendiertem dem SAC ein BMW-Logo an der C-Säule, das von historischen BMW wie dem 2000 CS oder 3.0 CSL stammt. Ob die anvisierte Kundschaft, die vorwiegend „jung oder jung geblieben“ sein soll, dieses Element als historisch anerkennt, ist hingegen fraglich.

Antriebe – Zünftiges zum Start

Dass der BMW X2 sich von der üblichen Kompakt-SUV-Zunft entfernen will erkennt man nicht nur an seiner Kategorisierung als „SAC“ sondern auch daran, dass unter seiner dynamischen Hülle zunächst nur kräftige Aggregate stecken. Zum Marktstart stehen drei Motoren zur Verfügung – allesamt mit TwinTurbo-Aufladung. Bei den Benzinern startet die Palette mit dem BMW X2 xDrive20i und 141 kW/192 PS. Damit soll der Verbrauch zwischen 5,5 und 5,9 Litern im Mix liegen. Wer das Potential des 2.0 Turbomotors mit seinen 280 Nm oft ausnutzt, wird diesen Verbrauch eher nicht realisieren können, wohl aber die zügigen Fahrleistungen. Mit seiner 7-Gang-Steptronic soll der BMW X2 xDrive20i in 7,7 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und maximal 227 km/h schnell sein.

Das BMW-Logo auf der C-Säule soll an historische Klassiker erinnern

Auch die Diesel sind eher zünftig-stark ausgerüstet. Der BMW X2 xDrive20d und der BMW X2 xDrive25d verfügen beide ebenfalls über 2.0 Liter Hubraum – genau wie der Benziner. Bei der Leistung stellt die selbstzündende Einstiegsversion 140 kW/190 PS bereit, während der stärkere Diesel 170 kW/231 PS leistet. Beim Drehmoment liegen 400 bzw. 450 Nm an und schieben den SAC druckvoll nach vorn. Der xDrive20d soll in 7,7 Sekunden auf 100 km/h sprinten und für maximal 221 km/h gut sein, während der xDrive25d den Standardspurt in 6,7 Sekunden absolviert und 237 km/h schnell ist. Beide Aggregate sind mit einer 8-Gang Steptronic kombiniert und verfügen über Allradantrieb. Trotz ihrer guten Fahrleistungen sollen die Aggregate aber beim Konsum knausern: Die schwächere Variante wird mit 4,6 bis 4,8, der stärkere Diesel mit 5,1 bis 5,3 Liter im kombinierten Verbrauch auf 100 km angegeben. Im kommenden Jahr wird die Palette darüber hinaus nach unten erweitert. Dann wird man den BMW X2 als sDrive18i, xDrive 20i, sDrive18d und xDrive18d ordern können.

Ausstattung und Innenraum – Wer die Wahl hat…

… hat die Qual, das ist soweit bekannt. Im Fall des BMW X2 bedeutet dies, dass der SAC – je nach gewählter Ausstattungslinie – besonders dynamisch daherkommt. Wählen kann man zwischen der Basis, dem M Sport und M Sport X. Letztere sind jeweils mit einem M Sportfahrwerk mit einer strafferen Feder- und Dämpferkennung sowie einer leichten Tieferlegung ausgerüstet. Optional stehen zudem dynamische Dämpfer in der Preisliste.

Das Cockpit kommt einem bekannt vor, bietet aber lifestyligen Pfiff

Innen zeigt sich ein Cockpit in BMW-Manier mit aufgesetztem Bildschirm. Das wirkt aber immer noch modern. Überzeigen möchten die Bayer darüber hinaus mit hoher Qualität, wie etwa mit hochwertigen Polsterungen. Die beiden oberen Ausstattungslinien sind mit einer Stoff-Alcantara Polsterungen oder mit perforiertem Leder „Dakota“ in Magmarot erhältlich – das dürfte ein echter Hingucker sein. Zusätzlich sorgen Kontrastnähte auf dem Armaturenbrett und in der Mittelkonsole für hochwertige Akzente.

Modern zeigt sich zudem der Instrumententräger mit seinen großen Displays sowie das Angebot an Online-Diensten. Darunter fallen BMW Connected und BMW ConnectedDrive Services. Seitens der Fahrsicherheit steht zudem ein vollfarbiges Head-Up Display bereit, damit man den Blick nicht mehr von der Straße nehmen muss. Außerdem bietet der BMW X2 einen Stauassistenten, der Teil des optionalen Driving Assist Plus ist. Dieses fasst eine Reihe von kamerabasierten Fahrerassistenzsystemen zusammen, wie etwa den automatisierten Einparkassistenten.

Wer, wie, was?

Für einen Ausflug in die Berge ist der neue BMW X2 auch mit Allradantrieb erhältlich

BMW tut gut daran, ein weiteres SU… pardon, ein SAC, auf den Markt zu bringen. Nun ja, das Coupé sucht man vergebens, erwischt. Dennoch scheint die Nachfrage nach Fahrzeugen, in denen man hoch sitzt und die einen Geländewagen imitieren nach wie vor ungebremst zu sein. Der Nachfrage nach Premium-Produkten ist es ohnehin, weshalb die Verfügbarkeit von starken Motorisierungen und exklusiven Ausstattungsmerkmalen bestens auf die Zielgruppe zugeschnitten zu sein scheint. „Jung oder jung geblieben“, urbane und aktiv soll man laut den Münchnern sein. Na, wiedererkannt?

 

BMW X3 – Münchner Alleskönner

Sie haben es 2003 vorgemacht, die Münchner. Der erste BMW X3 begründete das Segment der Mittelklasse-SUV, pardon, SAV muss es natürlich heißen. Der BMW X3 möchte nämlich kein gewöhnliches Sports Utility Vehicle sein, sondern ein Sport Activity Vehicle. Die gepflegt dynamische Gangart ist das Metier des Bajuwaren, der seit seinem Marktstart mit dieser Attitüde überzeugen konnte und so auf stolze 1,5 Millionen verkaufte Exemplare in zwei Generationen kommt. Nun legen die Münchner die dritte Generation auf und wollen damit den nächsten Teil der Erfolgsgeschichte starten. Ihr Rezept: Eine markantere Formensprache, kräftige, aber gleichzeitig effiziente Aggregate sowie eine luxuriöse Ausstattung und gute Fahreigenschaften auf jedem Terrain – X-Drive sei Dank. Read more