Currywurst-Aus: Wolfsburg wird vegetarischer

Wolfsburg wird vegetarischer
VW stellt erste Kantinen auf vegetarische Kost um

Die Currywurst ist ein Symbol für ehrliche Arbeit und proletarische Genusskultur. VW streicht sie nun zugunsten von Bowls und Currys vom Speiseplan. Zumindest ein bisschen.

Volkswagen stellt nicht nur das Modellangebot um, sondern auch den Speiseplan. Im sogenannten Markenhochhaus am Wolfsburger Stammwerk fliegt nach der Sommerpause die traditionsreiche Currywurst aus dem Menü des Firmenrestaurants. Grund ist die Umstellung auf vegetarische Speisen. „Rund 150 neue Rezepturen hat das Team der Gastronomie und Catering der Volkswagen Service Factory entwickelt und alle kommen ohne Fleisch aus. Einzige Ausnahme: Hin und wieder gehören auch Gerichte mit Fisch zum Angebot“, heißt es in einer Mitteilung. Die Mitarbeiter können künftig unter anderem unter Gemüse-Bowls, Currys und Pasta-Gerichten wählen. 

Traditionelle Currywurst

Die Currywurst ist bei VW mehr als Schweinfleisch, Speck und Pökelsalz im Naturdarm, sondern durchaus ein Politikum. Als der exotisch besaucte Snack Ende 2020 nur noch einmal pro Woche auf dem Speiseplan der Werksarbeiter-Kantine auftauchen sollte, schalte sich sogar der Betriebsrat ein und verhinderte die Wurst-Rationierung. Zwei Jahre zuvor hatte es bereits einen kleinen Aufruhr gegeben, nur weil der Koch die Ketchup-Rezeptur gewechselt hatte. Doch die in der Pelle gebratene Fleischfarce ist nicht nur bei der Belegschaft beliebt, sondern auch bei allen Besuchern des Konzerns – bis hin zu den Kunden, die sich bei der Werksabholung ihres Neuwagens vor Fahrtantritt mit ihr stärken. Die Nachfrage ist so groß, dass VW die Würste in der hauseigenen Schlachterei selbst herstellt. 

Und auch als Symbol für einen Wandel der Unternehmenskultur taugt die so beliebte wie ungesunde Speise. Befürworter des aktuellen Konzern-Kurses könnten den Fleischverzicht als Beleg für die nachhaltigere Ausrichtung des Konzerns sehen. Kritiker mögen möglicherweise beklagen, dass eine weitere liebe Tradition auf dem Altar einer modischen Woke-Kultur geopfert wird. Allerdings: Zumindest bis auf weiteres gibt es die Currywurst in den anderen VW-Verpflegungsstellen weiterhin. Etwa im Betriebsrestaurant auf der anderen Straßenseite. Wem das zu weit ist, der findet künftig auch eine fleischfreie Variante, mit der Konzernchef Herbert Diess nun auf LinkedIn für den neuen kulinarischen Kurs des Unternehmens wirbt. “Das Essen wird immer besser, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich auf leckere und gesunde Mahlzeiten freuen!”, so der ranghöchste VW-Manager.

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