Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48 V

Mit dem Bayon hat Hyundai ein weiteres kleines SUV im Programm. Das ist in vielen Punkten überzeugend, hat aber auch eine Schwachstelle.

Kleine SUV sind gefragt. Kaum ein Hersteller, der nicht ein solches Gefährt im Programm hat, um damit das klassische Kleinwagenangebot aufzupeppen. So gibt es nun bei Hyundai neben dem Kona einen weiteres kleines SUV, den Bayon. Dieser trat in der Version mit dem 74 kW/100 PS starken, durch Mildhybrid-Technologie unterstützten Dreizylinder zum Alltagstest an. 

Kein typischer SUV

Wobei die Bezeichnung „SUV“ für den Hyundai-Neuzugang irreführend ist. Denkt man doch bei dieser Gattung meist an die großen Dickschiffe. Ein hochgebockter Kleinwagen wie der 4,18 Meter lange Bayon hat mit dem martialischen Auftreten seiner riesigen Gattungsbrüder wenig gemein. Dabei fällt sein Design durchaus nicht unter allgemeinverträglich. Es dürfte mit seinem expressiven Heck samt den markanten bogenförmigen Heckleuchten, der abfallenden Dachlinie sowie den vielen Sicken und Kanten polarisieren. 

Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48 V
Das Design dürfte mit seinem expressiven Heck samt den markanten bogenförmigen Heckleuchten, der abfallenden Dachlinie sowie den vielen Sicken und Kanten polarisieren

Im Innenraum setzt der Bayon auf Übersichtlichkeit und verzichtet auf Experimente. Lenkrad und Armaturentafel kennt man aus dem Kleinwagen Hyundai i20, auch den hohen Hartplastikanteil im ansonsten gut verarbeiteten Interieur. 

Dauert bis der Baron versteht was man möchte

Die Handhabung des Multimedia-Systems mit dem 10,25 Zoll großen Touchscreen stellt den Nutzer vor keine allzu große Probleme. Einzig der Sprachassistent agiert störrisch, sofern man nicht in der exakt vorgeschriebenen Wortvorgabe anspricht und genau so Wort für Wort das eigene Anliegen vorbringt. Nach einigen „Wie bitte?“ der Sprachassistentin und genervten Augenverdrehen sowie nicht zitierfähigen Kommentaren hat man aber die korrekten Kommandos zur Aktivierung des Navigationssystems oder des Telefons drauf. 

Ein wenig umgewöhnen muss man sich auch beim Startvorgang: Der Bayon lässt sich nur im Leerlauf starten. Einmal ans Laufen gebracht, legt der Einliter-Turbo munter los, solange man das manuelle Sechsganggetriebe (mit elektronisch geregelter Kupplung) eifrig nutzt, und beschleunigt willig in Richtung Tempo 100. 

Bringt der Mildhybrid was?

Ein Blick auf die Verbrauchsanzeige ist dabei allerdings ernüchternd. 7 Liter und mehr zeigt der Bordcomputer an. Und das trotz Mildhybridunterstützung? Der Fehler liegt diesmal weniger im rechten Fuß des Fahrers, sondern in der rechten Hand. Diese schaltet viel zu viel, zumindest wenn es nach der Elektronik des Fahrzeugs geht. Die Schaltanzeige gibt ziemlich schnell die Empfehlung hochzuschalten. Also nicht den Berg flott und hochtourig im dritten Gang zu absolvieren, sondern früh in den fünften und sechsten Gang zu wechseln.

Klingt merkwürdig, fährt sich auch erst einmal so. Untertourig und gemächlicher nimmt der kleine Crossover die Steigung und brummelt vor sich hin. Zwar zuckt es in der rechten Hand, die Schaltung zu bedienen, doch die Anzeigenempfehlung besteht auf dem hohen Gang. Auch bei Ortsdurchfahrten und Tempo 50 wird meist der höchste Gang vorgeschlagen. Wer sich brav an die Schaltempfehlungen hält, und überwiegend im Eco-Modus unterwegs ist, wird mit Verbrauchswerten um 6 Litern belohnt, einen guten halben Liter mehr als die 5,5-Liter-Normverbrauch nach WLTP. Zum Sparen trägt auch der Segelmodus bei. Geht der Fahrer vom Gas etwa bei Bergabfahrten, wird der Motor automatisch von dem Sechsgang-Getriebe entkoppelt. Von dem Vorgang bekommt man nichts mit, außer das im Kombiinstrument „Segelmodus“ auftaucht. 

Spritziger agiert der Dreizylinder im Fahrmodus „Sport“ (außer „Eco“ gibt es zudem noch „Normal“). Schon die in Rot hinterlegten Anzeigen im digitalen Kombiinstrument deuten an, dass es bei Sport etwas fahrfreudiger zur Sache geht. Für freie kurvige Strecken ist dieser Modus mit einer etwas direkter ansprechenden Lenkung und Schaltung genau das Richtige. Die typischen Laute eines Dreizylinders hört man dann auch eindringlicher. Und der Spurhalteassistent piepst noch nervöser als er es im Allgemeinen schon tut, obwohl man korrekt auf der Fahrspur unterwegs ist. Das Fahrwerk bügelt derweil die meisten Unebenheiten weg. 

Was kann der Bayon noch? Er bietet für ein Fahrzeug seiner Länge ordentliche Platzverhältnisse. Selbst im Fond können sich zumindest zwei Erwachsene recht kommod niederlassen. Der Kofferraum fasst 334 Liter, legt man die Lehnen um, entsteht ein ebener Ladeboden und das Gepäckvolumen wächst auf knapp 1.200 Liter. Außerdem kann der Bayon beziehungsweise seine Verkehrsschilderkennung ziemlich gut lesen. Tempolimits oder Ortsdurchfahrten wurden zuverlässig erkannt. In dieser Disziplin schwächeln sonst selbst hochpreisige Modelle gerne. 

Serienausstattung lässt sich sehen

Apropos Preis: Unser Testwagen ist ab 20.990 Euro („Select“) zu haben, unser Fahrzeug fuhr in der Ausstattung „Trend“, die mit 22.490 Euro zu Buche schlägt. Hier gehören unter anderem das digitale Cockpit, ein beheizbares Lenkrad, ein aktiver Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, Apple Car und Android Auto und der schon erwähnte Spurhalteassistent zum Serienumfang. Als Extras hatte das Fahrzeug noch 17 Zöller (400 Euro), das Navigationspaket u.a. mit Bose-Soundsystem und dem 10.25 großen Touchscreen (rund 1.480 Euro) sowie Metallic-Lackierung (570 Euro) an Bord. 

Automatisch gespeicherter Entwurf
Der Kofferraum fasst 334 Liter, legt man die Lehnen um, entsteht ein ebener Ladeboden und das Gepäckvolumen wächst auf knapp 1.200 Liter

Wer auf die etwas höhere Sitzposition sowie das ausdrucksstarke Design verzichten kann sowie mit einem etwas geringeren Platzangebot zurechtkommt, ist vielleicht auch bei dem Markenbruder i20 gutaufgehoben. Der 4 Meter lange Kleinwagen kostet mit dem gleichen Motor und Komfortniveau 2.100 Euro weniger

Technische Daten


Viertüriger, fünfsitziger Crossover, Länge: 4,18 Meter, Breite: 1,77 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,04 Meter), Höhe: 1,49 Meter, Radstand: 2,58 Meter, Kofferraumvolumen: 334 – 1.181 Liter
Dreizylinder-Turbobenziner, 48-Volt-Hybridsystem, Sechsgang-Schaltgetriebe mit elektronisch geregelter Kupplung, Frontantrieb, 74 kW/100 PS, maximales Drehmoment: 172 Nm bei 1.500 – 4.000 U/min, 0-100 km/h: 10,7 s, Vmax: 183 km/h, Normverbrauch (WLTP): 5,5 Liter, CO2-Ausstoß: 125 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM, Effizienzklasse: D, Testverbrauch: 6,1 Liter, Preis: ab 20.990 Euro

Kurzcharakteristik


Warum: kann gut lesen und sparen
Warum nicht: ein normaler Kleinwagen ist auch überzeugend
Was sonst: VW T-Cross, Seat Arona, Opel Crossland, Renault Captur, Kia Stonic. Ford Puma

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